Dienstag, 14. Maerz 2006
THE BLACK HALOS
„Sonic Ballroom“ - Koeln

Mit einigen selbst zusammengestellten Uralt-Cassetten aus den 80ern machte ich mich gegen 20:00 Uhr in Richtung Autobahn auf. Bei Musik von the REPLACEMENTS, the SOUP DRAGONS, the SAINTS, DEEP SIX, the AFFLICTED, HAPPY HATE ME NOTS, OUT OF ORDER und the PRIMITIVES liess es sich hervorragend fahren und ich kam, trotz der vielen Baustellen zuegig voran, so das ich so gegen kurz vor neun am „Sonic Ballroom” eintraf. Direkt auch einen Parkplatz in unmittelbarer Naehe gefunden. Das letzte Konzert was ich hier besucht habe, waren LIBERTINE aus New York gewesen, und da sah der Laden noch etwas anders aus. Nun hatte man das Ganze quasi umgedreht, und wenn man den Laden betritt steht man direkt im „Konzertraum“ und fuehlt sich wie auf dem Praesentierteller. Man hat eigentlich gar keine Chance sich irgendwie in einer stillen Ecke zu verkruemmeln, um das Treiben im Laden ein wenig zu beobachten. Es bleiben nur zwei Moeglichkeiten, sich einen Drink an der Theke zu holen und anschliessend sich an der Wand „rumzudruecken“, oder sich einen Drink an der Theke zu holen und sich dann vor dem Laden zu stellen. Da ich hier in Koeln absolut niemanden kannte, entschied ich mich für letztere Variante. Da stand ich nun vor dem Laden und lief ein wenig auf und ab. Als mir das auch zu bloed wurde, habe ich mich mit dem Drink, in dem Fall eine Coke, ins Auto zurueckgezogen und Karin auf Handy zu Hause angerufen, um ihr mitzuteilen, das ich gut nach Koeln gekommen bin.

Vor mir der Parkplatz war in der Zwischenzeit freigeworden. In die Luecke versuchte sich nun ein dicker Luxuskombi mit Frankfurter Kennzeichen reinzuquetschen. Wie ich da so im Auto sass und mir das Schauspiel anschaute und Karin die Parkkuenste des Fahrers ueber Handy schilderte: „jetzt kommt er naeher, noch naeher, Stop, STOP!!!!“, war ich auch schon aus dem Auto raus gesprungen und kloppte an der Fensterscheibe des sichtlich verdutzten Fahrers. „Willst Du mein Auto etwa kaputtfahren?“, fragte ich ihn ein wenig angepisst, als er die Fahrertür oeffnete. Er, ein wenig ratlos und hilflos zugleich stammelte: „Aber ich hab doch hier am Board-Computer einen Parkabstand eingestellt, der automatisch aufleuchtet, wenn ich zu nahe komme.“ Ich schaute auf seine Armaturen, die in allen moeglichen Farben leuchteten. Sah aus wie Raumschiff Enterprise und Weihnachten zusammen! „Na ja, du hast den Wagen auf jeden Fall leicht beruehrt. Nix aufregendes." Ich wurde merklich freundlicher, da der Typ auch ziemlich okay war, was ich zunaechst bei dieser Karosse nicht wirklich vermutet habe. Hatte eher an einen grossmaeuligen Jungmanager gedacht. Waehrend ich aus dem Wagen gestiegen war hatte ich aus Versehen das Gespraech mit Karin abgewuergt. Als ich Karin dann wieder an der Strippe hatte, erwartete mich an der anderen Leitung ein ziemlich aufgeregtes Maedchen: „WAS ist passiert???? Ist der drauf gefahren? Nun red schon!!!! Mein Auto, mein Auto…..," „Nein nein Karin", konnte ich sie sofort beruhigen, "er hat den Wagen nur ganz sachte gestreift. Ist ueberhaupt nichts passiert.“ Karin war nach meiner kurzen Schilderung wieder zu Ruhe gekommen, als es dann an meiner Fensterscheibe klopfte und der Typ aus dem Kombi vor mir stand. „Gehst du auch aufs Konzert?“ Ich fragend: „Ja“? „Dann lade ich dich hinterher auf ein Bier ein. Okay?“ „Ach Quatsch, das es doch nicht noetig, ist ja nichts gewesen. Nee, nee, lass mal, aber schoenen Dank." Hinterher hab ich ihn eh nicht mehr im Laden gesehen.

Als die ersten Live-Klaenge dann nach draussen schallten bin ich wieder in den Ballroom eingekehrt. Auf der Buehne standen nun puenktlich wie es der Zeitplan auf der Homepage des Ballroom vorsieht, drei normal aussehende Typen, halt, stop, zwei standen, einer sass hinter seinem Schlagwerk. Das Ganze nannte sich HELL PATROL, aber nach Hoellen-Patrouille sah das nun nicht gerade aus, eher nach Studenten-Patrouille, die gerne die RAMONES, die DEVIL DOGS und die QUEERS zu Hause hoeren. Ging voellig in Ordnung, aber diese Art von Bands habe ich schon zu genuege gesehen. Aber die Jungs machen ja auch nur ihren Job und so richtig genervt haben sie ja nicht. Ich habe auf jeden Fall brav Beifall nach jedem Song geklatscht.

Kurz nachdem die HELL PATROL ihr Set gespielt hatte und wieder etwas Ruhe einkehrte, lernte ich Jay Millette kennen, Gitarrist der Black Halos. Machte auf mich sofort einen aeusserst sympathischen Eindruck. Mit ihm hatte ich seit  ich die Black Halos kenne einen lockeren eMail-Kontakt gehalten, und schoen ihn auch mal live getroffen zu haben. Saenger Billy Hopeless machte hinterher auf der Buehne noch seinen Witz ueber Jay, indem er meinte, das Jay zu Hause dafuer bekannt kein Bier anzuruehren, aber hier in Europa wird er wohl jeden Abend gut einen in der Kirsche haben, weil das Bier eben so gut schmeckt.

Auch bei den Black Halos war der Sound, wie schon bei der Vorband, fuer meine Begriffe zu laut. Und durch den Einsatz von zwei E-Gitarren kam das ganze auch noch ziemlich breiig an. Egal, ob man hinten stand, oder wie ich die ganze Zeit vorne, der Sound war leider nicht sehr berauschend. Kann sein, das dadurch das Publikum nicht so gut mitging und der Band zum Auftakt ihrer Europatournee einen eher kuehlen Empfang bereiteten, oder schlicht weg gesagt, es sollte bis zum Schluss keine so rechte Stimmung aufkommen. Dafuer gab es aber als Entschaedigung jede Menge an Action auf der Buehne, die in erster Linie von Billy ausging, der sich als GoGo-Taenzer an der Stange bestimmt auch gut machen wuerde. Seine Durchgeknalltheit hatte schon was von Stiv Bators, den ich ja auch leider nur einmal ´83 oder 84 mit den LORDS OF THE NEW CHURCH in der Bochumer „Zeche“ sehen konnte.
Meine Photos mache ich am liebsten aus der zweiten oder gar dritten Reihe, aber da die Typen vor mir zu gross waren, schwuppte ich mal kurz durch und stand praktisch zwei Meter vor der ein Meter hohen Buehne und machte den 24er-Film voll. Ich stand links vor der Buehne, vorm zweiten Gitarristen Adam Becvare der ein wunderhuebsches PLASMATICS-Shirt trug. Im Laufe der Show wurde ich fuer Adam so was wie sein privater Roadie. Da Adam auch einen hohen Bewegungsdrang auf der winzigen Buehne verspuerte segelte zwei Mal und das kurz hintereinander der Mikrostaender in meine Richtung. Als aufmerksamer Privatroadie stellte ich ihm das Teil wieder vor die Nase. Bei der Zugabe machte er dann so eine Bewegung wie „ob ich einen Oeffner fuer seine Bierflasche haette, nee hatte ich….", aber hinter mir der Punk erkannte die Situation sofort und schwups war die Flasche per Feuerzeug offen. Supertrick, das mit dem Feuerzeug, den ich aber auch heute noch nicht drauf habe. Vor 15 Jahre haette ich einen Bernie Blitz vorgeschickt, der die Flasche sicherlich mit seinen Beisserchen aufgemacht haette.
Billy Hopeless machte im Laufe der Show die aberwitzigsten Verreckungen, so wie ein Versuchskaninchen Marke Iggy Pop, eben ein richtiges Showmaenneken. War sich auch nicht zu schade sich auf den Boden zu werfen, die ganz hinten standen bekamen von dieser Zeremonie natuerlich nicht viel mit.
Dritter im Bunde des „Action-Trios“ war ihr Bassist Dennis McKnight, der ebenfalls verstand seinen begrenzten Bewegungsradius voll auszunutzen. Schlagzeuger Rob Zgaljic spielte ordentlich seinen Part runter und Jay sah leider etwas verloren aus. Hatte auch kein Mikro fuer die Backin´ Vocals und spielte ganz rechts an der Buehne seine Akkorde. Schade.....
Die Black Halos sind auf jeden Fall eine echte Live-Band und machen gut was her. Songs von allen drei Alben wurden gespielt, wie etwa „Darkest Corners“, „Shooting Stars“ oder „Stop The Violence“.
Am Ende des Set gab es noch ein MISFITS-Cover. Ich glaub das war „Where Eagles Dare“, bin mir aber nicht so ganz sicher. Auf jeden Fall fuehlte sich ein Herr im Publikum angesprochen und entriss Billy ganz sanft das Mikro. Vorher hatte er Billy mit einem Bier versucht zu bestechen. Feiner Schachzug hehehe…., unter der Obacht der im Hintergrund aufgestellten fast lebensgrossen Pappfiguren die Richie, Joey, Dee Dee und Johnny vom „Too Tough To Die“-Cover zeigten, neigte sich ein sehr guter Konzertabend dem Ende entgegen. Auch Billy war sichtlich von dem Hintergrund-Panorama beeindruckt und meinte, das sein Lieblings-Ramone Dee Dee war, dicht gefolgt von Joey. Fuer einen Eintritt von 5,00 EUR konnte hier keiner meckern, und ich schon gar nicht, stand ich doch auf der Gaesteliste (was mir im Nachhinein doch ein wenig peinlich war), die mir Dennis von „Starkult Promotion“ ermoeglichte. (Thanks Dennis!). Im Endeffekt haette ich fuer solch einen coolen Rock’n’Roll-Laden gerne die 5,00 EUR berappt. Maybe, next time! So, jetzt versuche ich am 30. April die Halos noch einmal im "Perron 55" in Venlo zu erwischen. Hoffentlich ist der Sound dort ein wenig besser gemixt.

RALF REAL SHOCK (Freitag, 31. März 2006)

BILLY HOPELESS (Vocals)

ROB ZGALJIC (Drums)

ADAM BECVARE (Guitar)

DENNIS McKNIGHT (Bass)

JAY MILLETTE (Guitar)

BILLY HOPELESS (Vocals)

ADAM BECVARE (Guitar)

BILLY HOPELESS (Vocals)

ROB ZGALJIC (Drums) + BILLY HOPELESS (Vocals)

DENNIS McKNIGHT (Bass)

ROB ZGALJIC (Drums)

BILLY HOPELESS (Vocals) + DENNIS McKNIGHT (Bass)

ADAM BECVARE (Guitar)

DENNIS McKNIGHT (Bass)

BILLY HOPELESS (Vocals)

ADAM BECVARE (Guitar)

BILLY HOPELESS (Vocals)