DEAD CAPITAL ( 1985 – 1987 )

Keine Ahnung, wer auf den Namen DEAD CAPITAL damals kam. Ich glaube, wir waren nie eine richtige Band gewesen, eher vier voellig verschiedene Charaktere, die einfach nur die Lust verspuerten, Musik zu machen. Es gab keinerlei Richtlinie, das man jetzt wie die SEX PISTOLS oder JOY DIVISON klingen wollte. Jeder probierte sich aus. Was da zusammen entstand war im Nachhinein kein herkoemmlicher Punk, eher sehr individuell gestaltete Musik, die wenn ich es mir heute so richtig ueberlege, durchaus was haette geben koennen. An der Gitarre spielte Thomas aus Duesseldorf seine hoechst eigenartig und ziemlich hoch angesetzten Laeufe, die aus heutiger Sicht vielleicht und auch nur ganz weit entfernt wie abgedrehte U2-Melodien klangen. Sehr schwierig zu beschreiben. Norbert, der Drummer stammte aus Krefeld und konnte jeden Rhythmus exakt spielen. Am liebsten spielte er einen Reggae. Ein absolut faehiger Schlagzeuger, dem auch nie die Puste bei unseren ellenlangen session-artigen Songs ausging. Er war meist der letzte, der am Ende noch zu hoeren war. Tja, und dann war noch Jan. Ihn kannte ich schon vor der Band durch einen damaligen guten Kumpel aus der Nachbarschaft. 1977 war das. Er hoerte PUNK, ich hoerte PUNK, wir hoerten beide PUNK. Besonders the RUTS und die TOM ROBINSON BAND und natuerlich THE JAM hatten es ihm angetan. Aber sein Fave war stets JOY DIVISION gewesen. (1981 hatte er ein kurzes Intermezzo mit Harry Rag´s S.Y.P.H gehabt und er spielte mit Harry eine Show irgendwo in Duesseldorf. Fragt mich bitte nicht wo, ich kann mich kaum an irgendwelche Einzelheiten erinnern.) Und das machte sich sehr gut an seinem Bass-Spiel bemerkbar. Ich habe bis heute niemanden mehr wieder getroffen, der so hart und praezise die Saiten am Bass bearbeitet hat, so, als wenn es eine herkoemmliche Gitarre mit sechs Saiten waere. Und so spielte er dann auch. Schon recht bald stellte sich auf unseren Proben heraus – der sich im uebrigen in einem muffigen Keller in Krefeld unter einem Frisuerladen befand – heraus, das diese Art spiel-bestimmend sein wird. Dazu das ebenfalls auf dem Punkt gebrachte Schlagwerk und darueber die hellen meist schrillen Gitarrenfragmente. Ich versuchte derweilen so depressiv wie moeglich zu klingen. Das brachte ich durch Wimmern, Schreien und Ansaetze von Melodien zu halten zum Ausdruck. Der Duester-Sound war nahezu perfekt! Es kaum oft genug vor, das wir uns in einen Rauschzustand spielten und nie genau wussten, was im naechsten Moment passierte. Jeder war mit sich selbst beschaeftigt. Von Einheit kaum eine Spur. Aber auf wundersame Weise konnte sich das, was wir da unter dem Friseursalon fabrizierten durchaus fuer Ausstehende hoeren lassen. Es war mehr eine Atmosphaere, die einen packen konnte und sehr bald schon in einen sehr intensiven Konflikt ueberging, total fertig, abgedreht und nahe, verdammt nahe am Abgrund. Wie schon erwaehnt, wir probierten uns aus. Und ohne das wir wirklich irgendwelche fertigen Songs hatten gaben wir kurz hintereinander drei Konzerte, eines bei uns im Proberaum, mit noch zwei weiteren Bands, die dort probten, und alle aus der Krefelder Punkszene stammten, dann ein Konzert an der Duesseldorfer Uni, und zuletzt an der „Stockumer Schule“ in Voerde, wo wir es tatsaechlich fertig brachten, die schon recht wenigen Besucher aus dem Raum zu spielen. Nur unsere Begleitungen hielten dem merkwuerdigen Treiben auf der Buehne stand und machten Fotos, die ihr hier zum groesstenteil abgebildet seht. Als Jan kurz danach eine Lehrerin aus London kennen lernte, die in Duesseldorf unterrichtete, war es um Dead Capital geschehen. Die beiden wurden ein Paar und Jan zog recht bald von Dinslaken in ihre kleine Duesseldorfer Wohnung. Irgendwann wurde die Tante auch noch zu allem Ueberfluss schwanger, so das einer baldigen Vermaehlung nichts mehr im Wege stand. Jan´s Eltern waren ueberhaupt nicht amuesiert. Die Proben verliefen nun meist nur noch recht selten. Ab und an war auch Mrs. Hochnaesig zugegen und mischte sich in unser Bandgefuege ein. Jan liess sich komplett von dieser Dame ueberrollen, da halfen keine guten Ratschlaege von unserer Seite. Sie redete ihm ein, das er der Star der Band sei und wenn sie zurueck nach London gehen wuerden, waeren die Moeglichkeiten fuer ihn dort bedeutend groesser als Musiker bekannt zu werden. Ausserdem liess sie ihn wissen, das sie ihn dann auch managen wuerde. Jan liess sich weiterhin von diesem Geschwafel blenden und so zog das angehende Brautpaar nach London. Ich war damals noch so bloede und war ihnen mit meinem damaligen guten Kumpel Bernie Breathless (der von der Geisterfahrer-Aktion in meinen „Weekly Words“ vom 20. Mai 2005) beim Umzug behilflich. Das war auch noch so eine Geschichte fuer sich. Norbert zog soviel ich weiss bald nach Hamburg und Thomas verschwand wieder in den Wirren der Duesseldorfer City. Wie es mit Jan geendet hat? Nun, als die beiden in London ankamen, hausten sie in einer ziemlich beschissenen Wohngegend, in einem winzig kleinen Appartement, ohne Heizung. Jan konnte in der Zeit in der er in London war mit noch einem anderen Musiker einige Demos aufnehmen. Aus dem gross angekuendigtem Managen wurde nichts, sie liess ihn haengen und er versuchte dort in London Boden unter den Fuessen zubekommen. Irgendwann kam Jan dann nach Deutschland zurueck. Die Ehe ging in die Brueche, Frau und Kind blieben in London zurueck. Was er heute macht? Vor fuenf Jahren ungefaehr hatte ich den letzten telephonischen Kontakt zu ihm. Er wohnte damals in Duesseldorf, war als Kurierfahrer taetig und ging abends allein an den Rhein, um dort auf seiner Gitarre zu spielen.

                                                                                                RALF REAL SHOCK ( Freitag, 05. August 2005 )
 

DEAD CAPITAL Picture No.1

Der hoffnungsvolle Beginn! Wir spielten unseren ersten Gig in unserem Proberaum. Das muss Mitte 1985 gewesen sein. Kann mich da nicht wirklich festlegen. Jan sitzt vor seiner Bass-Box, und ich am Mikro.

DEAD CAPITAL

Dieses Bild und alle nun folgenden Fotos stammen vom Konzert in der "Stockhumer Schule" in Voerde, damals in den ´80ern ein beliebter Konzertort, besonders fuer Hardcore-Shows. Wir spielten als Vorband und lass mich nicht luegen, aber es waren glaube ich JINGO DE LUNCH gewesen. Kann mich jetzt aber auch schwer taeuschen. Konzert stammt aus dem Sommer 1986.

Thomas und Norbert                               Thomas und Norbert

Thomas an der Gitarre und am Schlagzeug Norbert.

der Thomas, der Real Shock und der Jan.

Was waren wir eine fertige Band!

Der Saal wurde soeben leer gespielt!

Jan am Boden, ich schau auf den Boden, Thomas schaut knapp am Boden vorbei und schaut lieber auf seine Gitarre.

Wir lassen uns nicht beirren und spielen trotzdem weiter.

Nice Picture! Ich liess mir damals eine MISFITS-Tolle wachsen. Aber was sehen meine Haare hinten beschissen aus! Hat das Gel wohl nicht mehr gereicht, um es hoch zustellen. Obwohl zu der Zeit hab ich glaub ich immer noch Brisk benutzt. Hier trage ich das ANTI PASTI-SHIRT, mit dem Totenkopf. Ausserdem hatte ich zwei(!!!) Jeanshosen an. Die ich ueber die erste trug war voellig zerfetzt (natuerlich an den richtigen Stellen!), und da hatte ich mit weisser Farbe HÜSKER DÜ (damals meine Faveband!), und den Spruch "1977 - ?...." Schablonen-maessig draufgemalt. Den Spruch sah ich das erste Mal auf einer Jacke von einem langhaarigen Hippie-Punk , als ich im Sommer 1982 in London war und im "Klub Foot", die U.K. SUBS spielten.

Thomas, Jan und Norbert. Musikalisch war man hier massiv auf Talent gestossen.

Thomas, Jan und Norbert, konzentriert bis in die Haarspitzen!

DEAD CAPITAL

Man beachte die obligatorische Flasche Bier, die am Mikrophonstaender zu sehen ist.