G-O-L-D  B-L-A-D-E
„All We Got Is Rebel Songs“


Da GOLDBLADE eine Band ist, die ueber die letzten Jahre immer praesent waren, habe ich mir gedacht, kram doch mal deine beiden Live-Reviews (aus 3RD No.15) und das Interview (aus 3RD No.16) raus, um es auf die Homepage zustellen. Denn verdient hat es die Band alle Male! In der Zwischenzeit ist allerdings viel passiert. Zwei neue Alben „Do You Believe In The Power Of Rock’n’Roll“, „Rebel Songs“, eine „Best Of“-CD (auf „Captain Oi!”), sowie die DVD „Testify!“ (auf „Cherry Red Records”) sind veroeffentlicht worden. Und die Line-Up hat sich zudem auch stark veraendert. Nur John und Keith sind von ´99 noch dabei!
Allerdings schaffte es die Band immer noch nicht auch Germany mit einer kleinen feinen Club-Tour zu beehren.

Nun, zuerst das Interview vom 07. Februar 1999 und danach folgen die beiden Live-Reviews. Dazwischen einige Fotos von mir vom Konzert und dem Blitz-Interview in Koeln.

RALF REAL SHOCK ( Freitag, 10. November 2006 )


Zu den beiden CDs „Home Turf“ (1997) und „!Drop The Bomb!“ (1998) kann man ja nun stehen, wie man will, doch einige Songs sind der absolut coole Glampunk Rock’n’Roll, wie es die Songs „Strictly Hardcore“, „Black Elvis“, „Living Outside The Capital“ oder „Dream The Vicious Dream, Baby“ unter Beweiss stellen. Doch mit ihren weiteren Einfluessen die besonders auf allerhand Soul-Elemente verweisen, kann ich mich logischerweise nicht mit anfreunden. Eine zwiespaeltige Angelegenheit mit der sich Halloween Mike und meinereiner im Winter diesen Jahres konfrontiert sahen. Gold Blade waren als support des King im Januar/Februar auf grosser Deutschland-Tour. Doch, wie schon ausfuehrlich in der letzten Ausgabe berichtet, hielten sich Gold Blade in ihren Shows strikt an die Gebote eine erstklassige Rock’n’Roll Show abzuliefern. Kurz vor ihrem Auftritt in Koeln hatten wir dann leider nur kurz das Vergnuegen mit Saenger John Robb und Gitarristen Jay Taylor einige Worte zu wechseln. Zuvor hatten wir naemlich noch diverse Schwierigkeiten um ueberhaupt hinter die Buehne zu gelangen. Und so standen wir uns an den Absperrgittern die Beine in den Bauch, weil die zustaendige Person es nicht fuer noetig hielt sich blicken zu lassen. Auch die TV-Crew von „Viva“ musste warten. Die waren allerdings nicht wegen Gold Blade hier, sondern natuerlich wegen dem neuen Werbeprodukt King. Der Unmut der „qualifizierten Fernsehmacher“ bekam dann der Mensch von der Security auch deutlich zu spueren, doch der war eigentlich ganz okay und konnte ja schliesslich nix dafuer, das die Person, die hier die Sache in die Hand nehmen sollte, einfach nicht auftauchte. Dann kam doch noch ploetzlich Bewegung am Durchgang und der Viva-Crew wurde der Einlass gewaehrt. Mike schaltete blitzschnell, zog an meinem Aermel und beide liefen wir mit dicken Grinsen auf dem Gesicht dem „wichtigen Medienvoelkcken“ hinterher. Doch wir beide kamen nicht weit. Auf der Treppe lief uns direkt John ueber den Weg. Wir stoppten ihn, gaben uns zu erkennen, und er holte sich noch Jay aus dem Backstagebereich hinzu. So versuchten wir also die kurze Zeit vor dem Auftritt noch mit einigen „sinnvollen Fragen“ zu ueberbruecken. Der beste Platz schien dafuer der Vorhang hinter der Buehne zu sein und so setzten wir uns auch dort hin und ich hatte mich diesmal wirklich ganz toll auf das Interview vorbereitet, indem ich die Fragen vom Blatt abgelesen habe.

John Robb + Jay Taylor mit 3RD No. 13 (SMOGTOWN auf dem Cover!)


RALF: Wie lange gibt es euch als Band nun schon?
JOHN: Vier Jahre. Moechtest du etwas mehr ueber die Bandmitglieder erfahren?
RALF: Sicher!
JOHN: (zeigt auf Jay) Das ist Jay Taylor, einer von unseren beiden Gitarristen. Er hat ueber zehntausend Platten in seiner Sammlung und war Mitte der 80ziger eine lokale Skateboardgroesse. Unter anderem spielte er frueher bei der Band Dumb, die John Peel sehr oft in seinem Programm hatte. Keith Curtis ist unser Bassist und er hat heute Geburtstag.
RALF: Wie alt wird er?
JOHN: 27.
RALF: Und wie alt bist du, John?
JOHN: 37.
RALF: Dann bist du der aelteste in der Band?
JOHN: Ja, richtig getippt. Okay, also Keith ist unser Basser, hat die Membranes mit mir zusammen in den 80zigern gegruendet. Wayne Simmonds ist unsere zweite Stimme und fuer die Perkussion zustaendig. Er ist nebenbei noch Designer, Model und ein professioneller Bodybuilder. Er ist letzten Monat in den britischen Champignonships aufgestiegen. Dann ist da noch unser Drummer Rob Haynes. Er ist Filmkritiker und der Erfinder des „Blackley Blue“ Cocktail, der sehr beliebt in den Casinos von Manchester ist. Tja, und mein Name kennst du ja schon. Neben den Membranes hatte ich auch noch die Band Sensurround in den 80zigern gegruendet. Ich habe fuer den „Sounds“ und „Melody Maker“ als Journalist gearbeitet, war bei Radio One als Kolumnist taetig und hab mich mit wenig Geld durch die halbe Welt geschlagen.
RALF: Wie kam es zu der Namensgebung der Band?
JAY: (ueberlegt) Keine Ahnung, aber ist es nicht ein grossartiger Name fuer eine Rock’n’Roll Band?
MIKE: Ja, hoert sich gut an.
RALF: Seit wann habt ihr euch so richtig mit Musik beschaeftigt?
JOHN: Das fing bei mir Ende der 6oziger an. Ueber Glam Rock bin ich dann zum Punk Rock gekommen. In Blackpool, wo ich aufgewachsen bin, war aber nicht viel mit Punk Rock. In Manchester hingegen war jede Menge los. Heute ist es ja so, das Green Day oder Offspring in der ganzen Welt bekannt sind und ihre Platten verkaufen, aber Bands von frueher, wie die Dead Boys (er zeigt auf mein T-Shirt) kennen die Leute gar nicht mehr. Die wissen gar nicht dass es so was schon mal gab, tragisch fuer solche Bands, die sicherlich bessere Songs geschrieben haben. Daher gilt es Bruecken aufzubauen. Geht ein 16jaehriger heute zu Offspring, dann kauft er sich womoeglich am naechsten Tag eine Platte der Sex Pistols. Und mit etwas Glueck findet er auch heraus, das es da noch Bands wie die Dead Boys gab. (John zeigt erneut auf das T-Shirt). Ich hatte zu der Zeit, als Punk Rock aktuell in England war, auch meinen Background, der auf die Musik der Stooges und der New York Dolls zurueck fuehrte. Und wenn du da weiter zurueck gehst, findest du immer mehr Bands. Vor 10 Jahren war in Manchester noch szenemaessig was los, heute ist es eine normale City mit viel zu wenigen Clubs. Sehr wenig Rock’n’Roll. Es gibt zwar viele Bands, die aber ´ne ganz andere Vorstellung heute von Musik haben. Rock’n’Roll Bands sind zur Ausnahme geworden. Wir finden nicht sehr viele Zuhoerer.
JAY: Aber weiss du, wenn eine Band, wie wir, hart an sich arbeitet, dann willst du auch irgendwann mal raus und touren.
JOHN: Ja wir sind viel auf Tour. Die meiste Zeit verbringen wir auf der Strasse.
JAY. Und von daher ist es nicht mehr so wichtig ob wir ´ne lokale Groesse in unserer Stadt sind. Uns ist es wichtig zu touren.
MIKE: Ist das die erste Tour in Deutschland?
JOHN: Nein, wir sind das zweite Mal hier. Vor vier Jahren spielten wir vier Konzerte hier, kurz nach unserer Bandgruendung. Diese Tour jetzt hilft uns bekannter zu werden, wir haben hier in Koeln vor einigen Wochen fuer Offspring die Show eroeffnet. Das war toll. Es war das richtige Publikum fuer uns. Rock’n’Roll ist eine Sprache die jeder ersteht.
RALF: Ich denke dass auf dem neuen Album sich verschiedene Musikstile treffen. Ein Mix zwischen Rock’n’Roll Standards, 70ties Punk Rock, ein wenig Soul und manchmal typische Reggae Rhythmen. Und es erinnert mich bisweilen an Bands wie die Clash und Members. Wuerdest du der Aussage zustimmen?
JOHN: Oh, das hoert sich ja wirklich interessant an. Wenn du selbst Musik machst oder eine Platte aufnimmst, hinterlaesst das immer Spuren, die auf deine musikalischen Vorlieben zurueck zufuehren sind.
MIKE: Und wie waren bisher die Reaktionen auf der Tour?
JAY: Bisher sehr gut, wir verkaufen nach den Shows eine Menge CDs. Also scheint es den Leuten gefallen zu haben. 20 – 30 CDs pro Nacht, plus einige T-Shirts.
RALF: Magst du den King und seine Show?
JOHN: Oh, ich denke sie ist gut.
RALF: Und wie ist der King so als Mensch?
JOHN: Sehr zurueckhaltend. Spricht nicht viel. Er kommt und geht. Vom Hotel auf die Buehne und wieder weg.
RALF: Grossartig verausgaben tut er sich ja nicht gerade auf der Buehne.
JAY: Ja das stimmt, aber er hat eine tolle Elvis-Stimme.
RALF: Wo geht denn derzeit der Rock’n’Roll ab?
JOHN: Amerika und Japan. Definitiv! In England ist es immer noch ein Modeding. Entweder es liegt im Trend oder nicht.
JAY: Noch fuenf Minuten bis zum Auftritt!
MIKE: Koennen wir noch kurz ein paar Fotos machen?
JOHN: Ja klar......

John Robb, Saenger und Gitarrist                                   Keith Curtis, Bassist


Wir machen unsere Fotos, John + Jay laden uns nach der Show noch auf ein Bier im Backstage ein, was wir natuerlich auch annehmen. Dann verschwinden sie wieder nach oben und sind nur wenige Minuten spaeter auf der Buehne zu sehen. Nach dem Konzert versuchen wir zunaechst vergebens in den Backstage zu kommen. Dann klappt es aber doch noch. Gold Blade sind wirklich nette Kerle und legen keine Rockstar-Allueren an den Tag. Wir tauschen noch kurz unsere Adressen aus, dann begleitet uns Jay nach draussen zu ihrem Bus, wo wir jeder noch die erste CD geschenkt bekommen. Wochen spaeter maile ich John noch einige Fragen, die unbeantwortet auf meinen Fragebogen zurueck geblieben waren. Binnen weniger Tage kam prompt die Antwort.

RALF: Hatte ich das richtig verstanden, das du in den fruehen Tagen des Punk Rock auch die Sex Pistols gesehen hast?
JOHN: Nein, da muss du mich missverstanden haben. Ich kannte niemanden der einen Fuehrerschein besass und ich war noch zu jung. Die Gigs die die Sex Pistols in der Naehe von Blackpool spielten waren immer sehr schlecht promotet, keiner wusste richtig Bescheid, ob es nun stattfindet oder ausfaellt. Wir haben die Show im „Finsbury Park“ mitgespielt, als sie sich reformiert hatten. Sie konnten wirklich scheisse sein, aber eigentlich waren sie immer eine grossartige Rock’n’Roll Band gewesen.
RALF: Und was ist fuer den Rest des Jahres geplant?
JOHN: Wir sprechen zur Zeit mit vielen Record Labels, um unsere Platten rauszubringen. Im Sommer spielen wir einige Festivals mit und im Herbst ist eine grosse Tour angesagt.

Jay Taylor, Gitarrist          John Robb, Saenger und Gitarrist   


12. Januar 1999
KING, GOLD BLADE
„Soundgarden“ / Dortmund

Nach einer lustigen Irrfahrt durch das naechtliche Dortmund kamen der Halloween Mike und der Ralf Real Shock endlich mal an. Gold Blade sollten in etwa five minutes auf die Buehne kommen. Na klasse, und wir standen nicht auf der Presseliste, wie das freundliche Maedel an der Kasse artig zu bestaetigten wusste. Grosses Hin, Grosses Her, mit der ebenfalls netten Tourbegleitung des King, da fuer Gold Blade kein Ansprechpartner zur Verfuegung stand. Also abwarten. Waehrend Gold Blade drinnen loslegten machte sich bei uns draussen immer mehr Frust breit. Doch dann die frohe Botschaft, dass wir gegen Hinterlegung von jeweils 1500 DM und unseren scharfen Punk Rock Jackets doch noch rein duerfen. Nein, verarscht. Wir mussten lediglich unsere Namen angeben, damit die am naechsten Tag nachforschen konnten, was da schief gelaufen war. Gold Blade hatten da bereits ueber die Haelfte ihres Set gespielt. Wir draengelten kurz nach vorne, Mike machte zwei drei Fotos, das Publikum zu 99% natuerlich voll die Kotze hoch zehn. Nur fragende bloede Fressen, so auf die Tour, eh, wat ist dat da fuer ein Krach auf der Buehne? Maessiger Applaus zwischen den Songs, auch als Saenger John zum Ende hin in den Graben sprang und vorne versuchte noch ein bisschen Stimmung zu entfachen. Aber nee, die wollten alle nicht, blieben stur und spielten toten Mann oder Stockfisch. Fuck, ja hier bin ich ja goldrichtig!!! Was fuer ein traeger Verein! Dann kam der King. Mit einer lahmarschigen Begleitband, die auch stilistisch nicht so ganz zum geschniegelten, frisch frisierten und befoenten ehemaligen Brieftraeger passte. Das Publikum taute jetzt langsam auf und hampelte sich doof. Burger King, wo der King fuer deren Hamburgers Reklame macht, verteilte so drollige Koenigskronen aus Pappe. Einige Einfaltspinsel haben sich dann natuerlich auch das Ding aufgesetzt. In den 90er ist halt nix mehr zu peinlich. Alles wird getragen und ertragen. Mike und ich gurkten ein wenig durch das riesengrosse Gebaeude und erwischten dann auf dem Treppengelaender einen gar nicht mal so unguenstigen Platz um uns das Buehnengeschehen von der Seite anzuschauen. Wir standen zwischen zwei aelteren Herrschaften, die sich auch so ein Kroenchen auf die Glatze gesteckt hatten. Nach jedem Song klatschten sie begeistert in ihre greisen Tatahaendchen, wackelten dazu lustig mit dem Koepfchen und dem Kroenchen. Haette mir jemand gesteckt, dass es sich um die Ehrenmitglieder des aeltesten Elvis Fan Club aus Dortmund handelt, dem haette ich ohne Bedenken meinen Glauben geschenkt. Der King ist eigentlich Punk. Weil der King ist voll der Minimalsten-Gaudibursch on stage. Waehrend Elvis P. in den 50er mit seinem rassigen Hueftschwung den jungen Damen reihenweise feuchte Schluepfer bescherte, hat der King der 90ziger ausser seiner brillanten Stimme (Vorsicht, this time no fuckin´ Ironie, ist echt ´ne geile Stimme) nichts fuer die Optik zu bieten. Aufgesetzte linkische Fingerspiele oder auch herb-maennlich wirkende Rituale, wie man z.B. echt ´ne coole Faust in der Luft macht und den Harten dazu mimt. Eine kurze Schaukeleinlage seines Beckens am Rande der Buehne reichte schon voellig aus, das einige verirrte Laemmchen anfingen wild zu kreischen. Irgendwann erwischte uns der King dann an der Treppe. Er schaute in unsere Richtung, mit ihm das halbe Publikum und ihr koennt euch sicherlich vorstellen wie die alten Herrschaften zwischen uns am austicken waren. Yep, der King schenkt uns seinen Dackelblick. Spontan haette ich den Stinkefinger ausfahren sollen, aber, waere ich dann noch lebendig aus dieser Geschichte rausgekommen? Und dann der Hoehepunkt; Er kniff uns sogar ein Aeuglein zu!!! Oh, oh, oh, ich schmelze dahin wie ´ne Schale Himbeereis. Nachdem wir uns satt gesehen hatten ging es in der Mitte der Showdarbietung auch endlich wieder auf die Piste. Auf halber Strecke gerieten wir dann in ein nettes dichtes Schneegestoeber. Die Strassen waren ruckzuck weiss und an manchen Stellen arg glatt. Wir kamen aber noch rechtzeitig aus dem Schlamassel raus, denn haetten wir uns die ganze Show gegeben waeren wir bestimmt heute noch unterwegs. God Save The King? FUCK OFF!!!!

Keith Curtis, Bassist                Jay Taylor, Gitarrist               


07. Februar 1999
KING, GOLD BLADE
„Live Music Hall“ / Koeln

„Hoer mal Mike haste Schneeketten aufgezogen?“. Auf diese Weise machte ich mich zu Anfang etwas lustig ueber die juengsten Eskapaden, die wir von unserem King-Besuch in Dortmund noch in bester Erinnerung hatten. Heute ging es nach Koelle. Diesmal lief alles planmaessig mit der Gaesteliste ab und wir wurden auch noch darueber informiert, dass wir auf der Liste in Dortmund ganz weit oben standen und das nette Empfangsfraeulein uns da einfach uebersehen hatte. Kann ja mal passieren, nicht wahr. Gold Blade waren der Hammer!!! Sie liessen all ihre fragwuerdigen musikalischen Momente, die auf ihren beiden CDs mitunter eine echte Qual sind, weit hinter sich und rockten sich nur noch ´ne scharfe Glamshow ab. Die Leute bekamen aber auch hier nix gebacken. So sehr sich auch die Band abmuehte, da half auch kein Strip von Frontman John, die Leute waren halt voellig deplaziert. Sollten sich schon mal einen Termin beim Altenheim geben lassen. Gold Blade haben ´ne aehnliche Show drauf wie die Backyard Babies oder D Generation. Das mag ich ja so sehr am Glam Rock. Einer mochte die aber ueberhaupt nicht leiden. Jenz Bumper von den Jet Bumpers war zu unserer Ueberraschung samt Freundin angereist. Also Gold Blade fand er doch ziemlich daneben. Und ich dachte immer ich waere einer der intolerantesten Musikfreunde. Siehe da, es gibt auch noch einige andere da draussen. Aber Schwamm drueber. Jedem seine Ansicht und mir die coolen Glamposer Punks von Gold Blade. Wir hatten Narrenfreiheit und durften Fotos im „wichtigen“ Graben machen. Ja, die Jungs legten sich dann auch richtig gut ins Zeug fuer uns. Huepften vor uns rum wie die Wilden, Gitarrist Jay raste von einer Ecke in die andere. Geile Liveband. Die in einem kleinen Club packen mit einem Haufen durchgedrehter Tucken und Tunten und der Laden wuerde brennen. Der King versprach dann wieder zur Lachnummer zu mutieren. Dachte ich in Dortmund doch noch ernsthaft, das einige Einlagen spontan kommen wuerden, wurde ich hier ein fuer alle Mal ueber den grossen Scherzkeks vollstaendig aufgeklaert. Das war alles Teil seiner Show(???). Nehmen wir als Beispiel den Song „C´mon Everybody“. Die Band faengt die Version ganz schoen lahm an und kurz bevor der King einsetzt, dreht er sich ploetzlich zum Schlagzeuger um und ruft hektisch: „Stop! Stop!“ Der Drummer und natuerlich auch der Rest der Band wirken, als waeren sie voellig ueberrascht. Der King stolziert like a Pfau an den Buehnenrand und ruft der verbloedeten Menge zu: „Ihr wollt doch bestimmt alle Rock & Roll? Das war aber kein Rock & Roll.“ Und dann weiter: „Do you wanna Rock & Roolllll“? Und das Publikum dumm wie Schifferscheisse bruellt ein „Yeah“ und dann dreht der King sich wieder um und bloekt voellig ueberdreht und aufgesetzt zu seinen Leuten rueber: „Hoert ihr nicht? Das Publikum will Rock & Roll! Also geben wir ihnen Rock & Roll!!!“ Tja, und dann spielen sie den alten Klassiker etwas fluessiger runter. Was fuer eine Demuetigung fuer den Rock & Roll!!! Gene, Bill, Eddie, Jerry Lee, Carl und all die anderen wahren Kings, das habt ihr einfach nicht verdient!!! So einen Kurpfuscher und Dummschwaetzer. Ihm gehoert die Zunge rausgerissen oder den Schnabel mit ein paar gezielten Stichen fix zugenaeht. Schnitt. Bedanken moechte ich mich auch noch bei dem oberwichtigen Pfeifenkopf, der uns den Eintritt zum Backstage verwehrte. Als der King noch nicht spielte, wollten wir halt noch zu Gold Blade hoch. Mit den unwirschen Worten „Der King zieht sich um! Kein Zutritt!!“, knallte uns der Irre doch tatsaechlich die Tuer vor der Nase zu. Geht’s nicht ein paar Takte freundlicher? Aber ´ey Moment mal, wer zur Hoelle ist eigentlich dieser King? Solch ein armer Wichtel kocht doch auch nur mit Wasser und wischt sich seinen Hintern selber ab. Oder laesst er abwischen? Haelt ihm womoeglich jemand die Stange wenn er mal austreten muss? Und wer schuettelt anschliessend fuer ihn ab? Und wer ist dafuer verantwortlich, ihm das Taschentuch an seinen Riechkolben zudruecken, wenns mal in der Nase zwicken tut? Wer bindet ihm die Schuhe zu? Wer geht fuer ihn? Wer spricht fuer ihn? Wer isst fuer ihn? Okay, jetzt aber genug.... Pause. Anyway, ob ihr es glaubt oder nicht. Kaum waren wir wieder auf der Autobahn fings an zu schneien. Zwar nicht so heftig wie zuvor in Dortmund, aber uns reichte es alle Male.

 

Jay Taylor + John Robb