Sonntag, 08. Oktober 2006
 NEW YORK DOLLS
 „Matrix“ - Bochum

Als es feststand, dass die New York Dolls tatsaechlich auf einer gross angelegten Europa-Tour kommen, war ich zunaechst etwas enttaeuscht, dass sie in meinem Umkreis leider nur in Bochum spielen werden. Das einzige Konzert in NRW! Und sonst spielten sie nur noch in den Metropolen von Hamburg, Berlin und Muenchen. Also, schoen die Schnauze halten und froh sein, das sie ueberhaupt in NRW einfallen. Okay, D-dorf oder Koeln waeren mir von der Entfernung her zwar deutlich lieber gewesen, aber Bochum hat ja auch seine Reize. Ich frag mich nur, welche? Und ich fragte mich wird das Konzert denn nicht komplett ausverkauft sein? Wird nicht ein jeder alte Punkrocker von frueher sich fuer die Dolls fein in Schale schmeissen und ihnen ihre Aufwartung machen? Wird nicht halb D-dorf´s Punk-Promi-Vip-Abteilung vertreten sein? Oder aber auch wird nicht die ehemalige Punkrock-City Duisburg alles auffahren, was es noch zu bieten hat? Kurzum, das sollte doch ein Riesenspektakel werden! Denn, es sind die New York Dolls! Die New York Dolls in Groenemeyer´s Heimat. Tief im Westen! Ich wusste die Situation also ueberhaupt nicht einzuschaetzen. Und so bestellte ich Anfang September vorsorglich eine Karte, direkt im Internet-Shop der „Matrix“. Das klappte wie am Schnuerchen. Denn sicher ist sicher. Natuerlich wollte ich auch Fotos machen. Das stellte mich vor einem Problem. Da ich in der „Matrix“ vorher noch nie gewesen war, kannte ich nicht die Gepflogenheiten des Ladens. Vielleicht wuerde ich ja die Kamera direkt am Eingang abgenommen bekommen. Aber, wie so oft, loeste sich dann am Abend des Geschehens alles in Wohlgefallen auf. Die zwei Tuersteher beachteten mich kaum und liessen ohne mich abzutasten wortlos passieren, das Maedel an der Kasse nahm meinen Gutschein entgegen und sagte kurz und knapp: „Karten gibt es nicht!“ „Und ein Stempel?“, fragte ich hinterher. „Auch kein Stempel!“. Und ehe ich mich versah stolperte ich schon die Stufen nach unten, wo sich in einem Kellergewoelbe die „Matrix“ vor mir auftat.
Unten dann die ganz grosse Ernuechterung! Mein erster Blick in die Runde verriet, das ich ueberhaupt und niemanden kannte. Okay, ein paar Wenige kamen mir schon bekannt vor, aber sonst war es eigentlich ein ganz normales Konzert! Und, das bei weitem nicht ausverkauft war! Ich fragte mich, wo die ganzen alten Punkrocker aus meiner Zeit denn abgeblieben waren? Unfassbar eigentlich! Denn so schnell wird man nicht mehr in den Genuss kommen diese Band in Deutschland noch einmal zu sehen. Die Vorband interessierte mich einen Scheiss und ich war froh, das sie in den letzten Zuegen lag, als ich unten den Konzertraum betrat.
Morrissey konnte ich es verdanken, das ich die New York Dolls sehen durfte. Er hatte es fertig gebracht, die Band 2004 fuer eine einzige Show nach London in die „Royal Festival Hall“ zuholen. Nach diesem Konzert entwickelte sich das Ganze als Selbstlaeufer. Es folgten weitere Konzerte, hauptsaechlich in den Staaten. Und irgendwann im letzten Jahr kuendigte David Johansen auf der Buehne ein neues Studioalbum an. Und das nach ueber 30 Jahren! Die Dolls-Gemeinde wartete mit Spannung. Und wurde nicht enttaeuscht! Fuer mich jedenfalls zaehlt „One Day It Will Please Us To Remember Even This“ zu den besten Alben von 2006.
Die Zeit zwischen Vorband und Hauptband verstrich und ich wurde langsam unruhig. Ich hatte mich etwa in der vierten Reihe postiert, direkt neben der rechten Box, und hatte alles gut im Blick. Man konnte ganz bequem stehen, es war ueberhaupt nicht eng. Nur die Pausenmusik nervte und war viel zu laut. Das naechste Mal, wenn ich wieder auf ein Konzert geh (fragt sich nur wann) packe ich mir auf jeden Fall Ohrstoepsel ein. Irgendwie finde ich das zwar voellig pussy-like (Punkrock und Ohropax, wie geht das denn zusammen?), aber ich brauch ja nicht auf meine alten Tage noch meine Gesundheit unnoetig aufs Spiel zu setzen. Bei den Dolls war es hinterher zwar etwas angenehmer, da ich mich ja auch von der rechten Box entfernte um Fotos zu machen, aber ich hatte trotzdem zwei Tage lang feinstes Ohrenrauschen und nur ganz langsam entspannte sich die Lage wieder in meinem Ohr und das Rauschen wurde leiser. Da war ich doch ziemlich erleichtert und beim naechsten Mal bin ich halt eben etwas schlauer.
Dann endlich kamen sie! Mit offenen Armen wurde sie vom Publikum empfangen! Sie hatten noch keinen Ton gespielt und trotzdem schon gewonnen. Ein Auftakt nach Mass!
Mit welchem Song sie allerdings den Abend eroeffneten, kann ich leider nicht mehr nachvollziehen. Ich muss aber auch zugeben, dass mir ihre ersten beiden Alben nicht gnadenlos zusagen und ich nicht jeden Song von vorne bis hinten wirklich kenne. Den eigentlichen Kick, um auf dieses Konzert so richtig Vorfreude zu entwickeln war das neue Album. Hier befanden sich einige Songs drauf, die ich unbedingt live hoeren wollte.
Und ich wurde an diesem Abend voll und ganz bedient. David Johansen besitzt eine phantastische Ausstrahlung, sein Gesang ging nicht nur mir unter die Haut. Von seiner Mimik und seinem Gebaren konnte man schwer die Augen lassen. Shit, es war David Johansen leibhaftig! Sylvain Sylvain hatte mal wieder sein Kaeppi tief ins Gesicht gezogen und war ehrlich ergriffen von der Art, wie das Bochumer Publikum sie feierte. Den beiden letzten Original-Mitgliedern merkte man in keiner Weise das hohe Alter an. Sie konnten jederzeit mit ihren weitaus juengeren Mitstreitern on stage mithalten. Bassist Sami Yaffa mit seinem Wuchselkopf spielte oft genug mit hoch gezogener Sidney-Schnute. Steve Conte war so eine richtige Glam-Knalltuete, machte seine Sache aber auch durchaus perfekt (obwohl er nicht mein „Freund“ auf MYSPACE werden will!) und ihr Schlagzeuger Brian Koonin war ebenfalls eine richtig gute Wahl. Alle drei, so konnte man schon nach wenigen Songs getrost feststellen, waren ein wuerdiger Ersatz fuer „Killer“ Kane, Johnny Thunders und Jerry Nolan. Es lag Magie ueber diesem Konzert! Was ich aber erst zwei Tage spaeter so richtig begriffen hatte. Die New York Dolls ist die letzte Band von damals gewesen, die ich unbedingt mal sehen wollte.
Sie liessen dann auch nichts aus! Und spielten ihre Hits. Dabei schnitten vor allen Dingen die alten Songs deutlich besser ab, als die vom neuen Album. Besonders „Pills“ kam unglaublich gut und der exzellente Uebergang von „Trash“ zu „Jet Boy“ bereitete mir eine echte Gaensehaut, so das ich ja bei so einigen Songs nicht mehr wusste wie mir geschah, und ich mich unweigerlich bewegen musste, jumpin´ like a teenage boy.
Ganz anders konnte es dann aber einem werden als Sylvain Sylvain bei „You Can´t Put Your Arms Around A Memory“ in Gedenken an Johnny Thunders ans Mikro trat und dann von David im Uebergang zu „Lonely Planet Boy“ abgeloest wurde. Oder aber auch als David den Song „Private World“ für Arthur „Killer“ Kane ankuendigte. Da wurde viel Schmerz und Trauer zwar schon verarbeitet, aber wenn David „It´s So Hard“ sang, dann merkt man ganz einfach das sie die Jungs sehr vermissen.
Die Digital-Kameras blitzten, die Camcorders surrten, jeder wollte fuer sich dieses Konzert auf Fotos und beweglichen Bildern festhalten. Ich natuerlich mittendrin und verschoss dann auch komplett meinen 24er-Film. Jedes noch so schlecht getroffenes Bild hab ich weiter unten reingestellt. Und zum Schluss hab ich das nach meiner Ansicht bestes Foto aufgehoben. Ein paar richtig gute Fotos gingen mir dann durch die Lappen, als die Band sich vor dem Publikum aufreihte und brav dem Publikum applaudierte, und als Sylvain Sylvain zum Ende hin einige junge Glam-Kids auf die Buehne holte und die dann eines der Mikros in Beschlag nahmen, um im Background wie von Sinnen mit zu schreien. In solchen Faellen gelobe ich mir natuerlich eine Digi-Cam, aber bis jetzt bin ich mit dem normalen Fotoapparat immer noch gut gefahren. Da haette ich doch wohl besser einen 36er-Film eingelegt. Aber hinterher ist man ja immer schlauer.
Und so konnte ich also ein echtes Stueck Rock’n’Roll-Geschichte fuer mich ganz privat abschliessen. Ich hab die NEW YORK DOLLS wirklich gesehen! Und in Farbe! Unglaublich! Und nun kommen die Fotos.

RALF REAL SHOCK (Freitag, 20. Oktober 2006)
 

 

Sylvain Sylvain                             David Johansen

Steve Conte                     David Johansen

Steve Conte

David Johansen

David Johansen

Sylvain Sylvain + David Johansen

Sylvain Sylvain      Sylvain Sylvain

Sylvain Sylvain + Sami Yaffa

Steve Conte

David Johansen

Sami Yaffa + Sylvain Sylvain

David Johansen

David Johansen

Sylvain Sylvain         Sylvain Sylvain

Sylvain Sylvain + David Johansen

Sami Yaffa

Sylvain Sylvain + David Johansen

David Johansen                        David Johansen

Sylvain Sylvain + David Johansen