Hier nun ein Interview, dessen Fragen mir Dirk vom „Sunday Stripper“-Fanzine am 11. November 2004 zugemailt hatte. Beantwortet hatte ich das komplette Interview dann am 01. Februar 2005. Das Zine sollte, laut Dirk, im Laufe des ersten Halbjahres 2005 erscheinen. Leider war dies nicht der Fall. Auf nochmaliges Anfragen, wann denn das Heft nun rauskommt, wurde Ende August genannt. Leider habe ich bis heute – wir schreiben Sonntag, den 18. September 2005 – nichts mehr vom Dirk in der Richtung gehoert, so das ich kurzerhand das Interview hier auf meine Seite gesetzt habe, bevor es nun wirklich als voellig ueberholt daher kommt.

 

„The Revolution Starts At Home“

 

Sunday Stripper: Das es das 3RD in seiner Printversion inzwischen nicht mehr gibt, duerfte ja soweit mittlerweile allen bekannt sein. Erzaehl doch noch mal etwas genauer, wie es dazu kam und vor allem wie du dich selber dabei gefuehlt hast, denn ich koennte mir schon vorstellen, dass dir das Herz geblutet hat, gerade auch da das Ende ja doch zumindest fuer Aussenstehende relativ ueberraschend kam, und in welcher Form du vorhast, dass Fanzine weiterzufuehren? Was wird eigentlich mit den ganzen Schreibern passieren, die mit dir zusammen das 3RD gemacht haben, weisst du irgendwas, dass jemand was eigenes in Fanzineform auf die Beine stellen will und hast du evtl. selber vor Kolumnen- oder Interviewtechnisch irgendwo anders taetig zu werden?

Real Shock: Nun ja, wie ich ja schon in einem offiziellen Statement zum Ausdruck brachte, fiel mir die Entscheidung ziemlich schwer. Kann aber nun, drei Monate spaeter, sehr gut mit dieser Tatsache leben, und habe mich nun auch intensiver um meine Homepage gekuemmert. Die wird jetzt gehegt und gepflegt. Wer dort mein Statement lesen moechte sollte auf „3RD Print-Issue 1994 - 2004 (R.I.P)“ klicken.

Was mit den anderen Schreibern passiert? Nun, denen habe ich angeboten auch aktiv an meiner Homepage teilzuhaben. Bisher ist da aber noch nicht sehr viel bei rumgekommen. Was ich auch verstehen kann, da so einige doch lieber fuer ein Printmedium was beisteuern moechten. Stork, unser letzter Zugang, wird seine Interviews demnaechst in lockerer Folge im OX platzieren duerfen. Mir hat man hingegen auch schon angeboten, beim OX, mitzuschreiben. Ich denke da aber, das meine Homepage auf jeden Fall Vorrang hat, und ich weiterhin dort meine Ideen verwirklichen moechte. Ich kenne auch kein Heft, wo ich wirklich hundertprozentig hinter stehen koennte, und wo ich es mir vorstellen koennte, regelmaessig mitzuschreiben. Beim OX z.B. verschwimmen die Grenzen viel zu sehr. Bezeichnend dafuer ist es, das ich in der Vergangenheit mal ein Interview mit Michael Monroe erst gefunden hatte, nachdem ich das Heft dreimal durchgeblaettert habe. Ausserdem tummeln sich dort viel zu viele mittelmaessige Schreiber, die fuer eine zeitlang das Maul ganz schoen weit aufreissen, und dann wieder in der Versenkung verschwinden. Gute Schreiber, wie etwa Abel Wild sind wirklich sehr rar gesaet. 

 

Sunday Stripper: Denkst du das ein Online-Zine der richtige Weg ist das 3RD weiterzufuehren, denn schliesslich gibt es ja gerade aus den U.S.A. eine enorme Masse an Online-Zines, wodurch man in diesem Wust auch schnell untergehen und beliebig werden kann? Wird es denn irgendwann noch einmal die Moeglichkeit geben, das 3RD doch noch in gedruckter Form wieder entspannt in der Badewanne in den Haenden zu halten, denn gerade das hat ja auch in Bezug auf die Musik fuer die das 3RD irgendwie gestanden hat/steht, schon zu einem grossen Teil den Charakter des Ganzen ausgemacht?

Real Shock: Was heisst hier der richtige Weg? Es ist der einzige. Fuer mich zumindest. Die einzige Moeglichkeit, um Klasse von Masse zu unterscheiden. Nenn mir ein gutes deutsches Online Zine, was sich dem Ursprung des Punk Rock in der Form annimmt, wie es das 3RD versucht. Mir faellt spontan keines ein. Diese Richtung ist voellig verwaist. Das hoert sich vielleicht fuer viele Ohren ganz schoen abgefuckt an, aber warum soll ich denn um den heissen Brei reden. Welcher alter Punkrock-Sack ist denn heute noch so bescheuert, und investiert so viel Zeit in das alte Punkrock-Monster von 1977? Haeh? Die meisten Leute in meinem Alter sind entweder tot oder haben Familie oder noch schlimmer stehen auf fuckin´ HipHop Muell! Viele junge Leute, die heute solche E-Zines betreiben haben doch ueberhaupt keinen Check was mal abgegangen ist und kennen Bands wie Mary Monday & The Bitches oder die Shirkers nur ueber drei Ecken. Tut mir auch echt leid, das ich 1963 geboren bin, und die Anfaenge vom Punk so richtig mitbekommen habe.

Zum jetzigen Zeitpunkt kann ich mir absolut null und ueberhaupt gar nicht mehr vorstellen ein Print-Zine wieder auf die Beine zu stellen. Wenn ich da jetzt nur an diese muehselige Arbeit denke, die ich mit dem Heft in der letzten Zeit hatte, bin ich froh, das es jetzt so gekommen ist. Im Moment bin ich z.B. gerade die ganzen Kommissionssachen am abrechnen. Da muss ich den ein oder anderen auch wieder drei Mal daran erinnern, mir doch bitte das Geld fuer verkaufte Hefte zu ueberweisen. Was fuer eine Zeitverschwendung! Wie viele Rennen ich da mit dem „Moorhuhn Kart XXL extra“ fahren koennte….

 

Sunday Stripper: Wo wir gerade beim Internet sind, denkst du dass sich dadurch der Stellenwert von Print-Zines immer mehr verringert bzw. immer weniger Lust haben ein solches zu machen, weil durch das Internet ja irgendwo jeder die Moeglichkeit hat ein Web-Zine zu starten gerade auch mit einem im Vergleich zu einem Print-Zine sicherlich geringeren Kostenaufwand und geringerer Muehe und Arbeit, zumindest nehme ich das mal einfach so an?

Real Shock: Klar, den Leuten von heute wird es durch das Internet viel zu einfach gemacht! Ein Mausklick, und du hast die gewuenschte Info nach der du gesucht hast. Denen wird doch alles in den Arsch gesteckt! Kein Wunder das nur ganz wenige Leute auf den Trichter kommen und kreativ werden. Wenn ich an frueher denke, da war vieles anders. Da gab es diese ganze Infoflut nicht. Du warst praktisch auf dich ganz allein gestellt und hast die Sachen fuer dich entdeckt. Stueck fuer Stueck, ging das voran. Und das hatte auch was Gutes, was ich bis zum heutigen Tage auch rueber gerettet habe. Ueber diesen Zustand bin ich heute sehr dankbar. Was fuer viele Leute heute als selbstverstaendlich gilt, versuche ich immer auf ein Neues zu schaetzen. Das einem so viele Dinge so einfach gemacht worden sind. Aber fuer mich ist das keineswegs selbstverstaendlich, fuer mich ist das wie ein kostbares Geschenk. Was ich immer noch zu schaetzen weiss, ist es, Material zugeschickt zubekommen, um es zu Besprechen. Wie z.B. vor einigen Tagen. Da kam das neue Album von den Street Dogs an. Obwohl, seit Jahren Masse statt Klasse die Szene beherrscht, gibt es immer wieder kleine Highlights.

 

Sunday Stripper: Bereust du in Bezug auf das 3RD irgendetwas, denkst du zum Beispiel, dass du manchmal den Inhalt etwas weiter haettest faechern sollen, wie es andere groessere Zines tun/getan haben, Interviews anders haettest fuehren sollen, CD-Beilage oder aehnliches oder haettest du dabei das Gefuehl gehabt, dass das dann auf Kosten des Fanzines „3rd Generation Nation“ wie es war gegangen waere oder einfach nicht zu der Art Zine gepasst haette, wie du es gemacht hast?

Real Shock: Faechern? Lustig….., um Gotteswillen, bloss das nicht! Ich und die Mitschreiber haben das gemacht, wo alle geschlossen dahinter gestanden haben. Aber, im Nachhinein bereue ich es, das ich irgendwelche Musiker aus den Staaten nach ihrer politischen Meinung gefragt habe. Weil, da kam in den meisten Faellen nur ein Haufen Billshit raus. Besonders angepisst war ich von Spencer Bartsch Aussagen (zu dem Zeitpunkt, Saenger bei the Main), das haette ich gerne wieder rueckgaengig gemacht. Das war so voellig hirnrissig! Aber eine Zensur wollte ich da auch nicht extra einfuehren. Die Amerikaner machen zwar den geilsten Punkrock-Stoff, sind aber zumeist in ihrer politischen Meinung auf dem Stand eines Grundschuelers. Das hat ja auch wieder die verdammte Wiederwahl von Bush gezeigt. Aber das war wirklich nur ein einmalige Ausrutscher gewesen! 

Fuer die CD-Beilage gibt es ein klassisches FUCK OFF!, das ist und bleibt nur der aermliche Versuch Kaeufer zu werben und an sich zu binden. Der Inhalt vom Zine ist fuer solche „Neukunden“ in der Regel voellig egal. Ich hatte auch mal eine Auseinandersetzung mit einem ehemaligen Schreiber, der unbedingt Dicipline interviewen wollte. Ich hab ihm klar gesagt, no way sir, das gehoert nicht ins 3RD rein. Dann haben wir ein paar Wochen kein Wort miteinander gewechselt gehabt, aber hinterher ging es wieder.

 

Sunday Stripper: Gelegentlich wurde dir ja von mancher Seite auch mal der Vorwurf gemacht ein arroganter alter Sack zu sein, der sich zu sehr auf seinen 77er Trip festgefahren hat und sich zu sehr an alten Bands festklammert, was hast du denn dazu zu sagen, denkst du das das irgendwie auf dich zutrifft und ist dein Englisch wirklich so schlecht oder hast du es inzwischen verbessert, es soll ja bestimmte Leute geben, die daran ein besonderes Interesse haben, haha? Natuerlich soll dir jetzt auch mal die Moeglichkeit gegeben werden etwaige Missverstaendnisse oder Zwistigkeiten, die andere Leute mit dir oder dem 3RD hatten aus dem Weg zu raeumen!

Real Shock: Wer das 3RD mit beiden Augen gelesen oder die Entwicklung des Heftes gesehen hat, dem wird nicht entgangen sein, das ich mich ueberhaupt nicht schwer getan habe, wenn neue Bands kamen. Nicht umsonst steht bei mir heute eine Sammlung der Manic Street Preachers CDs, die sich von Platte zu Platte als eine wohlklingende Rockband entwickelt haben. Ich mag natuerlich auch Hardcore. Aber fuer mich ist und bleibt Fakt, das 1977 das Jahr war, wo Punk Rock die besten Bands hervorbrachte. Aber natuerlich war ich nie so verbohrt zu sagen, danach kam nichts mehr. Natuerlich kamen bis heute noch viele gute Bands. Aber so langsam scheint da auch Ebbe zu sein. Hart ausgedrueckt sage ich mal, drehen sich die meisten Bands aus der Szene seit ein paar Jahren im Kreis. Da kommt jetzt nichts wirklich Neues mehr, alles war da, es wird eben nur neu aufgetischt. Turbonegro sind fuer mich so das letzte klassische Beispiel gewesen, wie man es ganz geschickt anstellt. Die hatten einen neuen Stil, haben die Machos innerhalb der Heavy Metal Szene schoen auseinander gepflueckt. Solche Bands braucht der Rock’n’Roll. Aber davon, von dieser speziellen Sorte gibt es heute einfach zu wenige von. Das Clash bleibt das Mass aller Dinge! Da kommt nichts drueber!

Das es immer Neider gibt, wenn man was auf die Beine stellt ist voellig klar. So ist das nun mal. Aber die koennen mich. Man hat schon seine Eigenarten mit den Jahren entwickelt und laesst sich nicht von irgendwelchen daher gelaufenen Moechtegerns in die Suppe spucken. Wer sich angesprochen fuehlt: FUCK YOU!

 

Sunday Stripper: Wie bewertest du aus deiner Sicht den Stellenwert, den das 3RD in der Punkrock-Szene hatte und welche Reaktionen hast du so nach Bekanntmachung des Endes der Print-Ausgabe bekommen auch aus den U.S.A. oder international, da dein Zine ja auch seit einiger Zeit in den U.S.A. zu bekommen war und apropos U.S.A., dass du gerade die O.C. Punkszene mit deinem Heft hierzulande bekannter gemacht hast ist sicher kein Zufall, was ist deiner Meinung nach an der Szene da so besonders, mal abgesehen davon, dass die Bands von dort alle relativ gut sind? Wer wird jetzt die Willich – Orange County Achse in Druckform am Leben halten?

Real Shock: Die Reaktionen auf das Ende der Print-Ausgabe habe ich beinahe zwei Monate gesammelt gehabt und dann komplett auf meine Homepage unter dem Link „This Is Joe Public Speaking“ gestellt. Da ist schon so einiges zusammen gekommen. Aber ich moechte an dieser Stelle auch mal kurz anmerken, das sich Leute, von denen ich zuvor eine Menge gehalten habe, sich nach meinem Rundmail ueberhaupt nicht dazu geaeussert haben. Das wurde einfach so hingenommen. Fand ich doch sehr enttaeuschend! Zumal, ich da ueber Jahre immer einen guten Kontakt hatte. Haette ich so nie gedacht. Nun weiss ich eben, wem das Heft mal wichtig war und wem das am Arsch vorbeigegangen ist und es nur als beliebiges Heftchen angesehen hat, wo man schoen billig seine Anzeigen setzen konnte und seinen Promo-Muell abladen.  

Der Stellenwert des Heftes in den Staaten war eigentlich sehr gering. Die Amis habe ich mittlerweile auch durchschaut. Die machen einen Affen, wenn sie hier sind, aber man sollte das nicht ueberbewerten, dann ist man hinterher nicht so enttaeuscht ueber so einige Leute.

„Hostage Records“ hat sich seit nun mehr gut acht Jahren nie in die Karten reinschauen lassen. Das funktioniert so aehnlich wie beim 3RD. Man folgt keinen neuen Trends, hat kein Flammenhemd, keine Eight Balls und steht ploetzlich nicht auf Johnny Cash. „Hostage“ ist das beste Single-Label, was ich kenne und es ist auch noch heute in der Lage fuer eine Ueberraschung zu sorgen. Hoer dir nur mal den „Collateral Damage“-Sampler an. 16 Bands, von denen du zuvor noch nie was gehoert hast spielen die meisten angesagten Bands ganz locker an die Wand. Da geht es nicht um Image, oder ums Geschaeft, oder wie man am besten Kohle machen kann, es geht einzig und allein um Musik. Das ist fuer mich immer noch das Wichtigste am Punk Rock. Und deshalb halte ich auch noch weiterhin die Fahne in Richtung Orange County hoch. Sonst kenne ich keine so in sich geschlossene Szene, die massenhaft geniale Bands hervorbringt. „Hostage“ steht fuer ungebrochenen Idealismus. Und deswegen schaetze ich Rick Bain so sehr. Ich meine, damals als ich mit ihm das erste Mal in Kontakt kam, das war schon ein Hoehepunkt fuer das Heft. Ohne irgendwelche „Bestechungsversuche“ habe ich ihn und seinen Foto-Stil fuer das Heft gewinnen koennen. Ich hab hier vom Computer aus so einige Treffen arrangiert, z.B. die Fotosession mit CH 3. Ich hab Mike von CH 3 die eMail von Rick gegeben, und dann haben die ein Treffen vereinbart und exklusiv Fotos nur fuer das Heft gemacht. Das waren so die Sternstunden. Ich meine, du musst dir vorstellen, da kommt so ein hergelaufener Kraut-Punker und die tanzen nach deiner Pfeife. Unfassbar! Und bis heute pflege ich gute Kontakte zu Rick, wir mailen uns zwar nicht mehr so haeufig wie frueher, aber wenn was anliegt, dann gluehen die Draehte.

 

Sunday Stripper: Deiner Meinung nach, welches waren die besten Ausgaben, die Hoehepunkte, die das 3RD in seiner Geschichte abgeliefert hat und welche Interviews oder aehnliches waren dir selber besonders wichtig oder welche Dinge haettest du gerne im Heft gehabt, zu denen es aber leider nie kam und weil zu Hoehepunkten natuerlich auch Tiefpunkte gehoeren, wo und wann gab es die und was wuerdest du sagen waren bestimmte Wendepunkte an denen sich das Zine veraendert hat, kurz gesagt, wann wird ein Real Shock nostalgisch?

Real Shock: 1997, wurde mit den US Bombs eine neue Epoche eingeleitet. Zu dem Zeitpunkt kannte die hier in Deutschland niemand, wirklich absolut niemand! Swen Bock vom „Plastic Bomb“ sagte mir damals mal am Phon, dieser Streetpunk und der neu kreierte 77er-Stil, das werden die naechsten grossen Dinge werden. Und verflucht, er sollte Recht behalten.

Hoehepunkte waren sicherlich die Interviews und Storys mit Bonecrusher, the Stiffs, Bladder Bladder Bladder, White Flag, Automatics, Bob Andrews, the Controllers…., ich merke gerade es gab eigentlich fast mit jeder neuen Ausgabe nur Hoehepunkte zu verzeichnen. Ich fand es immer wieder erstaunlich wie unkompliziert man mit den Bands in Kontakt gekommen ist.

Enttaeuscht war ich lediglich von Bands wie Last Stand oder Mad Parade, die sich kaum die Muehe machten bei der Beantwortung der Fragen.

 

Sunday Stripper: Haben sich in deiner Zeit beim 3RD irgendwelche Freundschaften mit Bands oder Leuten entwickelt, die noch heute bestehen und die dir viel bedeuten, ich denke da gerade irgendwie an Rev. Norb?

Real Shock: Mit Norb maile ich mich ab und zu. Und wenn ich das noetige Kleingeld haette, wuerde ich auch jedes Jahr in die Staaten reisen und Leute besuchen, die ich ueber das Zine kennen gelernt habe. Bei vielen steht mir da Haus und Hof offen. Ich habe viele Kontakte in die USA knuepfen koennen, die auch noch heute Bestand haben. Aber von wirklichen Freundschaften zu sprechen, das waere doch zu viel des Guten. Ich bin mal so frei zu behaupten, das es gute bis sehr gute Bekannte sind.

 

Sunday Stripper: Inwiefern weisst du von Leuten, die mal am 3RD mitgewirkt haben und die nicht mehr dabei sind, was sie heute so machen, z.B. Blank Frank, Roman oder andere? Wer hat neben dir eigentlich am laengsten am 3RD mitgewirkt und war neben dir deiner Meinung nach praegend fuer das Heft? Was ist aus Eric und Hanns geworden, die bei den ersten vier Ausgaben dabei waren?

Real Shock: Von den oben aufgefuehrten Namen sehe ich heute kaum noch jemand. Vielleicht noch am ehesten den Hanns, der mir auf einem Skulls-Gig ueber den Weg laufen koennte. Jeder hat so sein eigenes Ding laufen. Was natuerlich auch gut ist! Eric macht die Sonic Dolls, mit ihm habe ich alle sechs Monate evtl. einen eMail-Austausch. Hanns hingegen meldet sich gar nicht mehr. Na ja, er hat Familie und auch ein anderes sehr zeitintensives Hobby. Er faehrt Autorennen, so wie ich frueher als kleiner Junge mit der Carrerabahn, nur eben viel professioneller. Wer jetzt am laengsten dabei war oder besonders praegend war fuer das Heft, nun ich denke Blank Frank mit seinen Berichten ueber die irische Szene und ueber Ronnie Biggs war ueber weite Strecken doch sehr mitpraegend und hat viel fuer das Heft getan gehabt.  

 

Sunday Stripper: Das 3RD war nicht deine erste Fanzine-Station, „Scumfuck“ war ja auch mal oder das „Real Shocks, wenn ich mich nicht irre. Erzaehl doch mal, wie das alles angefangen hat und was das erste Fanzine war, dass du selber in den Haenden hattest und ueberhaupt deine Punkrock Karriere ist ja nun auch schon ein stolzes Suemmchen an Jahren alt, wie und wann gings denn los und was hatte das mit Thomas Gottschalk zu tun? Was hat sich seit damals in deiner Sicht von Punk veraendert, was ist dir heute wichtig und was ist weniger wichtig und wie zur Hoelle bist du damals auf die Idee gekommen Koch zu werden?

Real Shock: Gute Fragen, das erste Fanzine was ich in Haenden hielt war 1977 das „The Ostrich“, danach „Shitbolzen“, „Pretty Vacant“, „Sniffin´ Glue“, „Punk Magazine“ und das „48 Thrills“.

Was sich veraendert hat? Nun, ich bin doch sehr viel ruhiger geworden und geniesse es heute lieber Abends auf der Couch mit meiner Freundin zu sitzen und fern zu schauen, als mich auf irgendeinem Konzert die Beine in den Bauch zu stehen. Frueher hatte ich hier in der Umgebung alles mitgenommen, was eine Gitarre um den Hals hatte, heute koennen von mir aus vor der Haustuer die Briefs spielen. Ich glaub, ich wuerde nicht aufmachen! Ich denke auch, das ich sehr viele und auch sehr wichtige Bands in ihrer Anfangszeit gesehen habe, die dann frueher oder spaeter zu Anerkennung gelangten. Die Konzerte von heute sind allgemein betrachtet nicht mehr das was sie mal waren. Klar, ich hab mich veraendert, und die Leute haben sich auch veraendert. Das muss man so akzeptieren. Aber heute gebe ich lieber das Geld fuer einen schoenen Urlaub im Elsass aus, als zum naechsten „Holidays In The Sun“-Festival zu fahren. Oder ich kaufe mir von meinem Geld lieber ein paar Punk Rock DVDs, als Sprit bis nach Koeln ins „Underground“ zu verfahren, um dort z.B. Peter & The Test Tube Babies anzuschauen. Die hab ich in ihrer besten Zeit gesehen, Anfang der ´80er, und so gut kann es heute einfach nicht mehr werden. Also, lasse ich es doch lieber. Aber natuerlich sucht man sich immer neue Wege, um weiterhin Spass am Punk Rock zu haben. Wie z.B. die Gestaltung einer PxRx-Seite im Internet. Oder Reviews schreiben. Oder ein gutes Punk Rock-Buch lesen. Ich bin auch nicht mehr der Typ, der heute irgendwelchen frueheren alten Kumpels noch hinterher rennt. Da mach ich ganz klare Abstriche. Das ist wohl eine Einstellungssache, die mit dem Alter von ganz alleine kommt. Ich mach nun viel von zu Hause aus, getreu nach dem Motto „The Revolution Starts At Home“.

Das mit dem Kochberuf war damals nichts weiter als eine fixe Idee von einem sehr  dummen Jungen gewesen. Meine Eltern haben mich damals schon darauf hingewiesen das ich am Wochenende, an Feiertagen und abends arbeiten muesste. Aber das half alles nicht. Der sture Real Shock wollte Koch werden! Welche Ausgeburt der Hoelle mich damals geritten hatte? Ich hab nicht leiseste Ahnung! Wahrscheinlich war es auch nur eine Trotzreaktion, weil meine Eltern mir vorgeschlagen hatten, so was wie Einzelhandelskaufmann zu lernen. Mit geregelter Arbeitszeit. Heute kann ich nur sagen: Haette ich mal damals auf meine Eltern gehoert. Da haette ich auf jeden Fall noch so einige gute Konzerte im „Okie Dokie“ oder im „Ratinger Hof“ miterleben koennen. Aber erst spaeter, wenn der Sturkopf weicht und sich alles von selbst aufklaert kommt man zu der Erkenntnis, das Eltern nie was Schlechtes fuer ihre Kinder wollen.

 

Sunday Stripper: Du warst unter anderem ja auch musikalisch als Basser oder Saenger taetig, unter anderem bei den Sonic Dolls, Braggarts, Zakonas und den wohl legendaeren Wilden Saeuen, da gibt es doch sicher einiges an Stories `On the Road´ oder so zu berichten, dass soll ja nicht alles geheim bleiben und in den Annalen der Punkrockgeschichte versinken! Besonders bei der US-Tour mit den Sonic Dolls scheint es ja zu einigen Unstimmigkeiten gekommen zu sein, wenn ich mich da richtig an die Berichterstattung im damaligen 3RD erinnere, wo du ja oeffentlich zugegeben hast, dass du mitunter ein relativ schwer ertraeglicher Mensch sein kannst!

Real Shock: Da gibt es eine Menge an Stories. Logo, aber frag mich bitte noch mal in zehn Jahren danach. Dann hab ich das hoffentlich alles fein saeuberlich sortiert und sondiert und fange an meine Punkrock Biografie zu schreiben.

 

Sunday Stripper: Hast du deine Basskuenste eigentlich inzwischen verbessert und koenntest mit Steve Jones eine LP einspielen, vor Jahren solltest du ja mal an der Nothings LP mitwirken.

Real Shock: Ein ganz klares Nein. Den Bass hab ich laengst verkauft und hab auch null Ambitionen mehr darauf rum zu zupfen.

 

Sunday Stripper: Thema Zakonas und „Scumfuck“ bleibt natuerlich auch das Thema Willi Wucher nicht ganz aus, was dich ja inzwischen ziemlich ankotzen duerfte, da ich ja sicher nicht der Erste bin, der danach fragt, aber ich will dir da jetzt auch gar nicht gross auf den Sack gehen, was du davon haeltst was er in den letzten Jahren so getrieben hat, ich denke mal deine Meinung dazu duerfte klar sein. Wenn du da natuerlich noch was loswerden willst, kannst du das gerne tun, eigentlich wollte ich aber eher was ueber deine Zeit beim „Scumfuck“ und den Zakonas mit Willi Wucher wissen, da ihr ja anscheinend ja doch einige Jahre gute Freunde gewesen seid und woran es letztlich lag, als diese Zeit vorbei war?

Real Shock: Ich hab seit 1992 keinen Kontakt mehr zum Willi, ab und zu schau ich mal auf seiner Homepage vorbei, und schau was mein Ex-Kumpel da so macht. Spricht mich alles nicht sonderlich an. Wir waren mal ganz dicke, aber wie das so im Leben ist, kommen und gehen die Leute. Wir hatten zu unterschiedliche Meinungen und Auffassungen, die es an dieser Stelle nicht der Muehe wert sind, sie erneut aufzurollen. Das Thema Willi Wucher ist fuer mich seit 1992 abgeschlossen.

Mit den Zakonas hatten wir noch rechtzeitig eine Zuflucht gefunden gehabt, wo wir uns noch mal so richtig schoen ausgetobt haben. Rueckblickend ueberwiegen da die guten Erinnerungen.

 

Sunday Stripper: Mal Zeit fuer nen Themenwechsel, wie hast du die kommenden und gehenden Trends in den letzten Jahren in der Punrock-Landschaft persoenlich miterlebt, das 3RD blieb davon als Zine ja immer relativ verschont, waehrend andernorts bestimmte Bands abgefeiert worden ging euch das scheinbar sonstwo vorbei?

Real Shock: Was sich ziemlich stark veraendert hat, ist das Punkrock immer mehr ins reine Geschaeftsleben abgerutscht ist. Das ist mir viel zu professionell geworden. Die ganzen Konzertagenturen, die Arbeit bei kleinen Labels oder Konzertveranstaltern. Ich habe da nicht nur einmal den Gedanken, das die meisten in dem Fach sich erst einmal fragen, kann ich die Band gut verkaufen oder wird die Scheibe auch gut laufen! Also, ich stehe immer noch auf dem Standpunkt, wer mit Punk Rock ernsthaft Geld verdienen moechte und ganz gross ins Geschaeftsleben einsteigen will, ist voellig verkehrt. Mit Punk Rock verdient man kein Geld, Punk Rock ist und sollte eine reine Einstellungssache bleiben. Ohne irgendwelche finanzielle Hintergedanken. Frueher haben Labels sich nur aus einem Motiv gegruendet. Sie fanden irgendwelche Bands, die sie live gesehen haben total gut und wollten mit denen unbedingt eine Platte machen. Da spielte Geld ueberall keine Rolle. Das war purer Idealismus. Und genau den vermisse ich heute bei sehr vielen Leuten. Ich glaube, wenn man sich der Punkrock-Musik als Geschaeftsmann naehert, kommt ploetzlich eine sehr ernste Seite ins Spiel. Verkaufszahlen zaehlen. Auf der anderen Seite ist es natuerlich gut zu wissen, das Leute teilweise szeneintern die Zuegel in der Hand halten, die auch wirklich einen Plan haben.  

Den Trend den ich so richtig daneben fand, war als Ex-Punk Rocker damit anfingen, wie Mike Ness rum zulaufen. Aber auch frueher in den 80ern konntest du dir niemals sicher sein, ob der, der vor ein paar Wochen noch als Punk rum lief nicht ploetzlich auf Skin, Rude Boy oder Mod umgesattelt hatte. Fuer mich allerdings war in erster Linie die Musik praegend. Mode war fuer mich erstmal zweitrangig und kam fuer mich sehr viel spaeter zum Tragen.

 

Sunday Stripper: Wie oft waren eigentlich die U.S. Bombs bei euch im Heft und wie viele unbeantwortete Interviews haben sich bei dir im Laufe der Jahre angesammelt, von welchen Bands haettest du mehr erwartet und welche haben dich voellig enttaeuscht?

Real Shock: Die U.S. Bombs waren vier oder fuenfmal im Heft. Ansonsten haben sich nicht sehr viele unbeantwortete Interviewanfragen angehaeuft. Fast alle Bands waren von Anfang an begeistert ein Interview fuer das 3RD zu machen! Das lag bestimmt auch am Fanzine-Namen. Da bin ich mir fast sicher.

Joey Shithead von D.O.A. hat mir mal seine Fragen zwischen Tuer und Angel beantwortet, so voellig lieblos aneinander geklatscht. Dem hab ich dann gemailt, das ich das Interview in dieser Form auf keinen Fall verwenden werde. Er hat es dann noch einmal etwas ueberarbeitet gehabt, aber man merkte ganz einfach, das er dazu ueberhaupt keine Lust gehabt hatte, also, hab ich es auch nicht mit rein genommen. Von Penetration war ich auch ziemlich enttaeuscht. Erst wollten sie das Interview nach Erhalt beantworten, dann haben sie sich nicht zurueck gemeldet. Und nach dem ich nach zwei Monaten noch mal zwei Mails geschickt hatte, mit der Frage, wo denn das Interview bleibt, haben die ploetzlich geantwortet, das sie meine Fragen vorher nie bekommen haben, so auf die Tour: Welches Interview?  Die wollten mich wohl fuer doof verkaufen, dann eben nicht. Ich laufe solchen Suppenkaspern natuerlich heute nicht mehr hinterher.

 

Sunday Stripper: Das du nebenbei Zeitung austraegst, ist ja bekannt von deiner letzten Kolumne, aber was macht Ralf Real Shock sonst noch, was ist aus deiner Buttonsache geworden, habe ich irgendwie verpasst glaube ich und welche Bands muessten kommen, dass man ihn wieder auf Gigs treffen kann und warum gerade die und keine anderen?

Real Shock: Ich denke irgendwie ist ja auch bei mir die Luft raus. Ich weiss nicht, wie das andere Altersgenossen machen, aber ich werde Ende Mai 42, da ist der Lack einfach ab!

Natuerlich gibt es schon eine Reihe an Bands, die ich mir noch gerne anschauen moechte, aber ich bin es einfach leid, mir zum x-ten Mal die U.S. Bombs oder die Briefs anzuschauen. Turbonegro haette ich auch noch mal Lust zu, oder Backyard Babies, Green Day oder Social Distortion, wenn sie es in diesem Leben noch mal schaffen sollten in Europa zu spielen, aber die spielen mir persoenlich in viel zu grossen Hallen, mit viel zu vielen trendy cunts. Da freut es mich das die Skulls im Mai wieder auf Tour kommen. Da hab ich auch gerade Urlaub und die werde ich mir bestimmt auch ein zweites Mal anschauen. Und dabei nicht im Hinterkopf zu haben, um halb zwei morgens wieder aus den Federn zu huepfen und die Tageszeitung rum zubringen. Unter der Woche, wenn ich so frueh raus muss, mache ich nur absolute Ausnahmen fuer Bands, die ich unbedingt sehen moechte. Ich rechne heute auch die Strecke mit, ich kalkuliere das alles mit ein. Und meistens denke ich mir dann, das sich dieser Aufwand einfach nicht lohnt. Da gehe ich dann lieber um halb elf schlafen mit dem Gedanken im Kopf nichts zu verpassen. Doch fuer die Black Halos etwa wuerde ich diesen Aufwand auf jeden Fall betreiben.

Dennoch gilt: Wenn ich einmal heutzutage eine Band gesehen habe, brauche ich sie in den meisten Faellen nicht noch einmal anzuschauen. Aber weiss du, wann fuer mich der optimale Zeitpunkt waere, um auf einen Gig zu gehen? Sonntags zum Kaffee und Kuchen, gegen 16:00 Uhr etwa. Da bin ich schoen ausgeschlafen, und vom Wochenalltag zur Ruhe gekommen.  

Ach ja, die Buttonsache. Das ist fast ganz eingeschlafen. Da mache ich nichts mehr. Aus meinen letzten Katalog hatte kaum noch jemand bestellt gehabt. Lohnt sich also nicht mehr, sich stundenlang vorm Computer hinzusetzen und neue Motive zu entwerfen.

 

Sunday Stripper: Kannst du dich noch an dein erstes und letztes Live-Interview erinnern, wie sind die abgelaufen und warum hast du dich irgendwann entscheiden Interviews zum groessten Teil nur noch per eMail abzuwickeln und weil ja mit zunehmenden auch die Erinnerung schlechter werden soll, will ich dir mal ein paar Fragen aus Interviews stellen, die du mal gemacht hast und mal sehen ob du dich erinnerst, welche Bands das waren und was du selber auf die Fragen zu antworten hast.

Real Shock: Ich glaub das erste waren Instigators fuer das „Scumfuck“. Das letzte? Puh, kann ich mich aus dem Stehgreif gar nicht erinnern. Ich bin deshalb zu eMail-Interviews uebergegangen, weil es viel entkrampfter war und ich den Leuten auch nicht zu sehr auf die Pelle ruecken wollte. In Live-Interviews investiert man viel zu viel Anlaufzeit. Und wenn du eine Band auf Tour sprechen moechtest, muss du dich zuerst mit der Promo-Abteilung rumschlagen, die die Termine verteilt, dann mit dem Konzertveranstalter, ob man auf der Presseliste steht. Das nervte mich irgendwann mal ziemlich. Immer diese wichtigtuerische Prozedur! Dann kam natuerlich noch hinzu, das du drei bis vier Stunden frueher am Veranstaltungsort sein musstest, vorm eigentlichen Auftritt also, oder wenn du richtig Pech hattest, das du erst nach dem Auftritt das Interview fuehren konntest. Und dann weiss man nie so recht, wie dein Gegenueber so drauf ist. Hat er gute Laune, hat er schlechte Laune? Man muss dann auf alles gefasst sein. Ich hab mir irgendwann gedacht, den Scheiss tust du dir nicht mehr an. Und dann bin ich auf eMail-Interviews umgestiegen.

 

Sunday Stripper: Welcher Clash Song geniesst das Recht der Bevorzugung?

Real Shock: „Complete Control“!

 

Sunday Stripper: Tell me something about the neighborhood, where you are living?

Real Shock: Im Herbst und Winter ist es hier auf dem Lande richtig schoen entspannt. Sehr ruhige Lage. Man ist fuer sich. Im Fruehjahr und Sommer allerdings jaulen ununterbrochen und uebertrieben gesagt die Rasenmaeher aus den Gaerten der Nachbarn. Mit so einigen Leuten hier in der naeheren Umgebung kann ich gar nicht, da sind die Meinungen einfach viel zu verschieden, was Lebensqualitaet oder allgemeine Einstellungen angeht. Aber unterm Strich lebt es sich hier wirklich besser als in der Stadt.

 

Sunday Stripper: Wer hat es verdient, eins auf die Mappe zu kriegen?

Real Shock: Erstmal die gesamten Management-Etagen, egal wo, die jede noch so kleine Firma in den Ruin treiben. Und natuerlich alle die Bush wieder gewaehlt haben.

 

Sunday Stripper: Was koennte dein Schicksal sein?

Real Shock: Ich will auf jeden Fall 77 Jahre alt werden! Ich will der aelteste Punk Rocker werden, you know. Aber mal im Ernst, wenn ich wirklich so alt werde sollte, dann werde ich vermutlich irgendwo auf der Welt mit ein paar Platten im Schrank und einigen Fertiggerichten im Vorratschrank mein Dasein fristen. 

 

Sunday Stripper: Welche Qualitaeten schaetzt du an deiner Person? 

Real Shock: Hab ich diese Frage wirklich mal so gestellt gehabt? Haha…., ganz schoen daneben, was? Sich selbst zu beurteilen finde ich doch ziemlich anmassend. Man sagt mir nach, das ich auf Puenktlichkeit und Termineinhaltung sehr grossen Wert lege. Das finde ich persoenlich auch ganz in Ordnung. Aber sonst faellt mir zu dieser Frage beim besten Willen nichts zu ein. Ich werde mal darueber nachdenken, ob ich diese Frage nicht aus meinem Interview-Register streichen soll. Peinlich, peinlich….

 

Sunday Stripper: Was bedeutet es fuer jemanden, der so alt ist wie du und so lange im Punkrock-Zirkus dabei ist, persoenlich wenn ein Joey Ramone, ein Joe Strummer oder ein John Peel stirbt, das Ende einer Aera, Erinnerungen an frueher?

Real Shock: Joe Strummer war fuer mich das gute Gewissen des englischen Punk Rock. Er hat mir indirekt – als er 1999 wieder mit den Mescaleros auf der Bildflaeche erschien – bezueglich des Heftes einen gewaltigen Motivationsschub gegeben. Ploetzlich gab es wieder etwas im Heft zu berichten, wo ich mich genau auskannte und was ich seit den Anfaengen verfolgt habe. Hier konnte ich mitreden. Und das konnte mir keiner nehmen. Nicht umsonst bin ich im Mai 2000 zum Gig nach Brixton geflogen. Ausserdem kam ja auch in der Zeit der Film „Westway To The World“ raus und die CLASH-Alben erschienen als ueberarbeitete Versionen. Ich gebe es gerne zu, ich war im Clash-Fieber! Als er 2002 dann gestorben ist, war diese Magie ploetzlich nicht mehr da. Denn Joe Strummer hat wie kein anderer verstanden, die fuer mich richtige Punk Rock Einstellung an den Mann zu bringen. Er war einfach authentisch. Und unwillkuerlich lief es dann auch mit dem 3RD nicht mehr wirklich rund. Denn irgendwas fehlte. Irgendwas was mich vorher unheimlich vorangetrieben hat. Die innerliche Begeisterung war ploetzlich weg. Ich denke, das ich erst mit dem Tod von John Peel begriffen habe, das ein Stueck meiner Jugend auf der Strecke geblieben ist. Es gibt nicht mehr sehr viel wofuer man heute einstehen kann, hoechstens fuer sich selbst und seine Familie. Aber das ist eine andere Geschichte.

 

Sunday Stripper: Zum Schluss noch die Frage, was du mit 3RD online vorhast und worauf was man sich bei der ersten Onlineausgabe einstellen und was deine Plaene in Bezug auf die Webseite sind und um eine gute alte Tradition deines Zines aufzugreifen, gib uns doch mal deine momentane und All-Time Playlist und natuerlich die beruehmten Last Words.

Real Shock: Ich bin dabei die Seite Stueck fuer Stueck hochzuziehen! Es gibt noch so viele Moeglichkeiten und natuerlich auch Ideen die ich mit der Homepage verwirklichen moechte. Aber da halte ich mich im Moment noch etwas bedeckt. Mittlerweile habe ich mich darauf eingeschossen, Donnerstag (spaetestens Freitag) die News und Termine zu aktualisieren. Ausserdem habe ich den Review-Block nun so gehandhabt, das am Ende eines Monates ein Update auch auf dieser Seite zu finden ist. Also, schaut einfach mal auf der Seite vorbei.

All-Time Playlist? Da ist natuerlich immer etwas von the CLASH dabei, aber so wirklich festlegen moechte ich mich da heute nicht mehr.

Ich bedanke mich fuer das Interview, Dirk. Die Fragen haben mir gefallen und ich hoffe mal, das die Leser einen kleinen Einblick in die Welt des „3RD Generation Nation“ vermittelt bekommen haben.