* * * * * * Real Classic! , * * * * * Great Stuff! , * * * * Very Good! , * * * O.K. , * * Poor! , * Real Bullshit!

So, hier nun das Update fuer April. Das Update fuer Mai erfolgt Anfang Juni 2008.  Alle Reviews, wie immer, besprochen von Ralf Real Shock.

 

ANTI-FLAG - „The Bright Lights Of America“ CD
ANTI-FLAG
„The Bright Lights Of America“ CD
( Red Ink Music / Vollkontakt Promotion , Release Date: 28. Maerz 2008 )
Hochpolitisch nehmen Anti-Flag auch auf ihrem zweiten Album fuer die Industrie Kurs auf ihr durch George W. Bush verseuchtes Land. Eine weitere bittere Abrechnung mit einem durch und durch korruptes Amerika. Der Band ist kein Thema tabu und so nehmen sie dabei auch wirklich kein Blatt vor den Mund. Mir ist keine andere Punkrock-Band bekannt, die mit solch gluehenden Eisen im Feuer so weit in den Mainstream-Bereich vorstossen konnte. Das die Industrie bei dieser brisanten Themenauswahl ohne mit der Wimper zu zucken mitspielt, ist auf dem ersten Blick voellig unbegreiflich. Aber wahrscheinlich sind die Verkaufszahlen so tief im gruenen Bereich, dass man dieses Risiko gerne in Kauf nahm oder einfach nur gnaedig drueber wegschaute. Denn auch wenn Anti-Flag mit den Majors bis zu einem gewissen Punkt gemeinsame Sache machen, so kann man erleichtert feststellen, dass die Band dabei nicht handzahm geworden ist. Mal schauen wie lange diese Zusammenarbeit noch anhaelt. Fuer dieses Album haben sich Anti-Flag ganz bewusst fuer Produzenten-Legende TONY VISCONTI entschieden, der wohl am ehesten durch seine Arbeit in den 60ern mit T.REX und DAVID BOWIE bekannt sein duerfte. Aus Punk Rock bzw. New Wave-Sicht betrachtet, hat er u.a. Ende der 70er/Anfang der 80er fuer die RADIATORS, ALTERED IMAGES, BOOMTOWN RATS, STRANGLERS gearbeitet, und war auch bei dem Kinofilm „Breaking Glass“ mit HAZEL O´CONNOR taetig gewesen. Ausserdem produzierte er auch das letzte Album von D-GENERATION „Through The Darkness“. Aber nicht aus diesen Gruenden fiel die Wahl auf ihn. Denn erst durch die Arbeiten fuer das MORRISSEY-Album „Ringleader Of The Tormentors“ wurde Anti-Flag auf ihn aufmerksam. Die Band war dabei besonders angetan von der orchestralen Perkussion. Solche andersartigen Klaenge sollten diesmal mit eingebunden werden. Diese Herangehensweise erinnert mich ein wenig an das Zustandekommen von den CLASH-Alben „London Calling“ und „Sandinista!“, wo auch die unterschiedlichsten Instrumente ausprobiert wurden. An der Universitaet von Kentucky hatte man Zugang zu einer grossen Auswahl an Perkussion-Geraeten, der dann auch fleissig genutzt wurde. Nur wenige Parts wurden von anderen Musikern eingespielt, der Rest spielte die Band hoechstpersoenlich ein. Das Resultat auf „The Bright Lights Of America“ ist tief beeindruckend. Ein Album, mit dessen Songs man sich schon allein der Texte wegen viel mehr befassen sollte, als herkoemmlich. Die Musik bleibt in erster Linie ganz klar Punk, der allein schon wegen der stets verzweifelten Stimme einfach nur als verdammt authentisch gilt. Dabei funktionieren Einsaetze u.a. von Pauken, Handbecken und Glockenspiele auf Anhieb und harmonieren zugleich. Der grosse Hit der 12-Track-CD ist ganz eindeutig der Titelsong mit seinen nicht zu ueberhoerten CLASH-Anleihen. Aehnlich weggeblasen hatten mich 2004 GREEN DAY mit dem Song „American Idiot“. Anti-Flag bleiben sich ihrer Linie treu und weichen nicht einen Millimeter von ihrer Meinung ab. Der Eindruck entsteht, sie fast schon zu unerbittlichen Hardlinern abzustempeln. Hier waere so der Punkt erreicht, wo ich mir etwas mehr Lockerheit von der Band wuensche. Denn du kannst nicht 24 Stunden am Tag nur die ernsten Lebenslagen betrachten. Das kann auf Dauer sicherlich nicht immer so gut gehen. Vielleicht taeuscht aber auch das offizielle Bild der Band, so wie sie sich gerne der Oeffentlichkeit zeigen.
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BAD LUCK CHARMS - s/t CD
BAD LUCK CHARMS
s/t CD
( I Scream Records / Gordeon Promotion , Release Date: April 2008 )
Die Bad Luck Charms haben sich auf ihrer ersten full-length wirklich nicht viel vorzuwerfen, ausser das sie mit ihren knapp 30 Minuten etwas zu kurz ausgefallen ist, und das sie sich das Intro „Twilight In The Asylum“ auch gut haetten sparen koennen. Da hat US BOMBS-Gitarrist Kerry Martinez um sich herum eine zuverlaessige Band aus eher unbekannten New Yorker Musikern geschart, und konnte bei der Umsetzung der 10 Tracks auf ihre volle Unterstuetzung zaehlen. Herausgekommen ist eine in allen Punkten ausgereifte Punk’n’Roll-Scheibe, die mich rein musikalisch spontan an die „L.A.M.F.“ der HEARTBREAKERS erinnert. Und das nicht nur wegen dem brillant gespielten „One Track Mind“-Cover! Das ist schon einmal sehr beruhigt, denn den obligatorischen Streetpunk-Touch sucht man hier vergebens. Vielmehr bleibt man in den Gefilden von JOHNNY THUNDERS haengen und so klingt auch so mancher Song wie aus der Solo-Phase von STIV BATORS zu „Bomp!“-Zeiten! Besonders „I Didn´t Mean To Kill You“ + „No Vacancy“ haben es mir wegen ihrer coolen Glam-Melodien angetan. Als Kerry mir seine ersten MP3-Tracks, wie etwa „Break My Heart“, der diese CD eigentlich (in)offiziell eroeffnet, vor ueber zwei Jahren aus seiner New Yorker Wohnung mailte, dachte ich mir schon, das da noch grosse Taten folgen wuerden. Und der Real Shock sollte Recht behalten.
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THE B-MOVIE RATS - „Radio Suicide“ CD
THE B-MOVIE RATS
„Radio Suicide“ CD
( Rankoutsider Records / Rankoutsiderrecords.com , Release Date: 19. Februar 2008 )
Bereits 2002 wurde das Album in Los Angeles aufgenommen. Schon kurze Zeit nach den Aufnahmen nahm die Band den naechsten Flieger gen Belgien um ihre zweite Europa-Tour zu starten. Die Konzerte konnten allgemein als grosser Erfolg verbucht werden, doch hinter den Kulissen sah es alles andere als rosig aus. Innerhalb der Band war es immer wieder am kriseln. Nach dem sie wieder in den Staaten gelandet war, schienen die Probleme unueberwindbar zu sein, und so loeste man sich schliesslich auf. Wenige Monate spaeter reformierte man sich allerdings ein letztes Mal, um das Album fertig zustellen. Nach fast sechs Jahren nahm sich „Rankoutsider“-Label Chef Pat Todd (LAZY COWGIRLS) die Aufnahmen zur Brust, und veroeffentlichte somit das letzte Studio-Album der B-Movie Rats, die immerhin sieben Jahre existierten. Nun, da einiges Gras ueber die damaligen Schwierigkeiten gewachsen ist und das Album bisher nur gute Kritiken einfahren konnte, beschloss die Band fuer einige Shows rundum Los Angeles wieder zusammen zukommen. Kuenftige gemeinsame Arbeiten wohl nicht ausgeschlossen! Das sei nur mal am Rande erwaehnt. Auf „Radio Suicide“ werden acht Tracks in bester KISS, AEROSMITH (wuerg!), AC/DC und MC5 – Tradition praesentiert, die mich natuerlich ueberhaupt nicht tollschocken koennen. Bei „Cold After Dark“ ist man dann auch noch voll im galligen Blues angekommen, so das einer ernstzunehmenden Allergie meinerseits nichts mehr im Wege steht.
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BUBBLEGUM SCREW - „St. Valentines Day Massacre” MCD
BUBBLEGUM SCREW
„St. Valentines Day Massacre” MCD
( Bubblegum Screw / MySpace.com/BubblegumScrew , Release Date: Januar 2008 )
Schon sehr lange liegt diese erste CD von London´s neuen GlamPunk-Band bei mir in der Review-Kiste. Irgendwie hab ich es immer verpeilt, sie zu besprechen. Jetzt wird es aber Zeit, denn die Jungs von Bubblegum Screw haben mir per eMail ordentlich Dampf gemacht, das Teil endlich mal zu beurteilen. Ist ja auch ihr gutes Recht, den Real Shock die Hoelle heiss zu machen. Hehehe…, well, die Band gibt es noch nicht so lange, aber lang genug sich auf MySpace schon eine Art von FanBasic aufzubauen. Ihre musikalischen Vorlieben fuer JOHNNY THUNDERS, DEAD BOYS und RAMONES kommen in den insgesamt vier Tracks gut raus, allerdings fehlt es mir noch an Persoenlichkeit. Zur Zeit hoert sich das eher mittelpraechtig als vielversprechend an. Aber soviel kann ich sagen, die fuenf Glam-Punkers sind schon auf dem richtigen Weg. Fuer ein Debuet also recht ordentlich. Bester Track: „Rock’n’Roll Loser“, dem man aber am liebsten eine wesentlich fettere Produktion wuenscht.
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BURNTHE8TRACK - „Division“ CD
BURNTHE8TRACK
„Division“ CD
( Coretex Records / Gordeon Promotion , Release Date: 07. April 2008 )
Zunaechst dachte ich bei dieser kanadischen Band, hier macht sich der typische 80er Hardcore-Sound breit, aber das war dann doch leider ein Trugschluss. Klar, die Ansaetze sind on masse vorhanden, aber ich finde die Jungs machen nichts draus und lassen lieber verschrobenen Ver-track-heiten den Vortritt. Diese nervigen Stop- und Go-Passagen eben, die jeden Song daran hindern einfach nur nach vorne loszugehen. Wie kann man sich da immer wieder selbst die Stoeckchen zwischen die Beine werfen? Verstehe ich bis heute nicht! Na ja, ich bin eben, wenn es darauf ankommt, den altmodischen Hardcore-Punk aus den 80ern gewohnt, der meist noch ohne diese gekuenstelten Unterbrechungen auskam. Die 10 Tracks auf „Division“ wurden bereits 2002 bzw. 2001 aufgenommen und erleben nun das erste europaweite Release. Interessant ist dabei, das ich ihre letzten beiden Songs aus der Anfangszeit der Band, „August 88“ + „White Room“ wirklich gut finde, da sie so ganz anders klingen als der Rest. Sie sind straight von der Leber weg, haben richtig gut Power und einpraegsame Melodien, so das man ohne Umschweife von hard hittin´ Melodic-Punk mit gutem Schreier am Mikro sprechen kann. Das rettet die Band am Schluss ein dickes fettes Sternchen dazu.
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THE CROWD - „Letter Bomb“ CD digi-pak
THE CROWD
„Letter Bomb“ CD digi-pak
( TKO Records / TKORecords.com , Release Date: 22. Januar 2008 )
Dieses Album von the Crowd hatte ich verpasst mir ´96 rechtzeitig zu zulegen. Zu der Zeit kannte ich von der Band zum einen die Songs auf dem „Beach Boulevard“-Sampler (1979), sowie ihr full-length debuet „A World Apart“ (1980) und die „Big Fish Stories“-LP aus dem Jahre ´89. Well, die „Big Fish Stories“ kaufte ich mir im hollaendischen Venlo und zwar nach einem Besuch in einem Coffeeshop, wo ich einen Haschtee zu mir genommen hatte. Als ich dann den „Soundz“-Plattenstore enterte begann langsam der Tee zu wirken. Und als ich dann an der Theke sass und mir die LP auf dem Kopfhoerer anhoerte, dachte ich fuer sehr viele nicht enden wollende Sekunden, dass dies ja wohl der beste Punkrock-Sound von Welt sei. Als ich dann aber nach einigen Tagen und im voellig nuechternen Zustand die Scheibe bei mir zuhause erneut auflegte, war der Sound zwar noch voellig in Ordnung, aber nichts kam an das ran, was ich zuvor in Venlo durch mein Haschtee geschwaengertes Hirn vernommen hatte. Scheissdrogen! Vernebeln einem nur die Wahrnehmung! Aber lustig war es in Venlo trotzdem irgendwie! Im Grunde genommen fand ich aber eh, das sich the Crowd von Release zu Release immer mehr verschlechtern und so hatte ich dann auch nicht das dringende Beduerfnis mir die „Letter Bomb“-CD zu zulegen, auch wenn sie auf dem „Flipside Label“ veroeffentlicht worden war, von dessen Machern ich grosse Stuecke hielt. Als dann „Flipside“-Photograph Rick Bain beim Print-3RD kraeftig mitmischte war es seine Idee, der Band eine Titelstory zu widmen. Der Zeitpunkt war denkbar guenstig. The Crowd hatten gerade ihr neues Album „Punk Off“ raus gebracht, das mich wieder mehr an ihre alten Tracks vom „Beach Boulevard“-Sampler erinnerte. Mit Gitarristen Jim Kaa hielt ich dann auch darueber hinaus einen etwas laengeren eMail-Kontakt, u.a. war er so freundlich und verschickte damals mal eine Ladung 3RD innerhalb der USA fuer mich. Ausserdem brannte er mir die „Letter Bomb“ auf CD und noch so einige andere seltene Video- und Live-Aufnahmen der Band. Nun bin ich natuerlich froh, das „TKO“ sich den alten Huntington Beach Punks angenommen hat und das Album zudem mit vier Tracks von der ´95er EP „Dig Yourself“ aufgepeppt hat. Zwar steht auf dem auffaltbaren Textblatt nichts davon, das die insgesamt 18 Songs nachbearbeitet wurden, aber ich bin mir ziemlich sicher, das es sich nach einem Remaster anhoert. Neben den BUZZCOCKS-Covern „Time´s Up“ + „Love You More“ und der ersten GENERATION X-Single „Your Generation“ bleibt genuegend Zeit sich auch auf die Eigenkompositionen zu konzentrieren. Dabei ist nicht ein Song dabei, der wirklich nur Mittelmass ist! Kein Vergleich mehr zu der „Big Fish Stories“-LP, die mich ja hauptsaechlich davon abgehalten hatte bei der „Letter Bomb“ zu zugreifen. „Letter Bomb“ ist suendhaft cooler Orange County Punk Rock, so wie er einst im Print-3RD ohne Wenn und Aber gnadenlos gepusht wurde. Das war noch eine schoene Zeit! Schniff…..
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THE DAILY VOID - „Identifcation Code“ CD
THE DAILY VOID
„Identifcation Code“ CD
( Dead Beat Records / Dead-Beat-Records.com , Release Date: Januar 2008 )
Ich werd den Teufel tun und den Titel der CD der Laenge nach aufschreiben. Denn nach „Identifcation Code“ kommt der eigentliche und ellenlange Zahlencode. Tja, die Bands auf „Dead Beat” sind schon so eine Marke fuer sich. Ich hab auch keinen blassen Schimmer, wo Tom diese ganzen Kaputtniks immer wieder auftut. Allgemein gesehen gilt da wohl die Devise, dass man dem Tom mit 16-Spur gar nicht erst zu kommen braucht! Dennoch schickt er mir, dem verwoehnten 16-Spur-Liebhaber, weiter tapfer seinen Label-Output, obwohl er mittlerweile laengst gecheckt hat, dass sein Stuff bei mir immer auf taube Ohren stoesst. Daily Void eroeffnen somit den fuenfer Reigen. Ihre erste full-length ist wie soll es anders sagen voellig abgefahren, sprich schraeg, schraeger am schraegsten. Nihilistische Minimalisten, um es direkt auf den Punkt zu bringen. Im Info steht, das in der Welt von Daily Void keine Farben existieren, deswegen ist das Artwork auch streng in schwarz-weiss gehalten. Guter Gag, der hoffentlich in den Hirnen dieser Menschenkinder keine bleibenden Schaeden hinterlaesst. Nein, ich will Farben! Und 16-Spur, mindestens!!!
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DEAD HOOKERS - „The Burial/The Rebirth” CD
DEAD HOOKER
„The Burial/The Rebirth” CD
( Dead Beat Records / Dead-Beat-Records.com , Release Date: Januar 2008 )
Yeah, spiel mir das Lied vom Lo-Fi Graveyard! Solch miese Aufnahmen lassen meinen Ohren bluten! Zwischendurch immer mal wieder ein rotziger 77er, aber ansonsten herrscht auf den 13 Tracks Krach, Krach und nochmals Krach. Bin mal wieder absolut entsetzt!
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EATER - „The Album“ DoCD
EATER
„The Album“ DoCD
( Anagram Records / CherryRed.co.uk , Release Date: 24. Maerz 2008 )
Runde 3 in der Zusammenarbeit von „Cherry Red“ bzw. „Anagram Records“ mit dem „Captain Oi! Label”. Wieder einmal hat Tim Turan in seinem Studio Hand angelegt und die insgesamt 32 Tracks nach heutigem Standard digital bearbeitet. Das Artwork der ehemaligen „The Punk Collectors Series“-CD mit der Katalognummer „CD Punk 10“ wurde ebenfalls komplett umgestaltet. Im Inneren des Booklet schreibt „No More Heroes“-Autor Alex Ogg eine ausfuehrliche Story um die damals juengste Punkrock-Band Englands, und im Anschluss kommen noch Saenger Andy Blade und Schlagzeuger Dee Generate mit aktuellen Linernotes zu Wort. Selbstverstaendlich findet man auch alle LP-Texte vor. Disc1 beschaeftigt sich also mit dem englischen ´77er Punkrock-Klassiker „The Album“, und Disc2 ist mit saemtlichen Single A- und B-Seiten bestueckt. „Outside View“ oder „Thinkin´ Of The U.S.A.“, wer kennt diese Songs nicht? Und alles weitere ist zu Eater sowieso schon zu frueheren Zeitpunkten hier im 3RD gesagt worden!
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ENEMY ROSE - „Promises We´ll Never Keep” CD
ENEMY ROSE
„Promises We´ll Never Keep” CD
( I Scream Records / Gordeon Promotion , Release Date: April 2008 )
Bei den neuen belgischen Punk-Glam-Prinzen hatte ich vorher meine Bedenken angemeldet gehabt und erwartete eigentlich schlechte Groupie-Mucke im Sinne der Posers von HARDCORE SUPERSTAR. Doch ich wurde eines besseren belehrt. Okay, den ersten Song „Rattle The Cages“ koennen wir mal getrost unterm Teppich kehren. Aber ansonsten ist der Rest absolut akzeptabler Glam-Rock, der auf soliden Punkrock-Saeulen gebaut ist. Die Songs knallen zwar nicht sofort rein, eher wurden die insgesamt 12 Tracks mit angezogener Handbremse im Studio eingespielt. Leider einen Tick zu sauber und eben nicht dreckig genug. Lag es etwa daran, das Kerry Martinez (BAD LUCK CHARMS, US BOMBS, ex-SHATTERED FAITH) den Job als Produzenten uebernahm, und sich die Band durch seine Anwesenheit in ihren musikalischen Faehigkeiten, sagen wir mal, etwas erstarrt sahen? Und von daher wollte man auf Nummer sicher gehen und es so perfekt wie moeglich klingen zu lassen? Soll es ja schon alles gegeben haben. Schade nur, dass dabei die eigentliche Spielfreude etwas Federn hat lassen muessen. Trotzdem haben sich Enemy Rose tapfer geschlagen und ihr Debuet ueberrascht mich mit straight gespielten Mid-Tempos, die besonders durch den Gesang in die BLACK HALOS-Richtung abzielen. Aber auch Aehnlichkeiten zu LORDS OF THE NEW CHURCH, THE JONESES und den spaeten Werken der DEAD BOYS sind keineswegs als abwegig zu bezeichnen. Hier steckt wesentlich mehr Punk Rock hinter, als vielleicht der erste Blick zulaesst. Von daher hat sich die Verschmelzung aus vorherigen Bands wie THE HEARTACHES, SMASH MY RADIO und SMOOTH LEE bei der jetzigen Enemy Rose-Formation schon jetzt mehr als nur bezahlt gemacht!
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FORBIDDEN TIGERS - „Magnetic Problems” CD
FORBIDDEN TIGGERS
„Magnetic Problems” CD
( Dead Beat Records / Dead-Beat-Records.com , Release Date: Januar 2008 )
Der ihr Sound kann man am ehesten mit dem Sound eines defekten Kopfhoerers vergleichen. Sehr garagen-lastig, zuweilen gar poppig ummantelt! Wenn man vorher Bescheid weiss, worauf man sich derzeit bei „Dead Beat“-Bands einzustellen hat, kann es manchmal nur halb so wild werden. Da gehen die Forbidden Tiggers aus dem fernen Nebraska doch mit gutem Beispiel voran! Denn ihre 12 Schrammel-Tracks sind unterm Strich noch so halbwegs im gruenen Bereich anzutreffen.
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FUNCTIONAL BLACKOUTS - „The Very Best Of The Monkees” CD      FUNCTIONAL BLACKOUTS - „The Severed Tongue Speaks For Everone” CD
FUNCTIONAL BLACKOUTS
„The Very Best Of The Monkees” CD
„The Severed Tongue Speaks For Everone” CD
( Dead Beat Records / Dead-Beat-Records.com , Release Date: Januar 2008 )
So, nun die letzten beiden Scheiben, die ich fuer dieses Update von „Dead Beat“ besprechen muss(?). Diese kleine kranke Combo kommt aus Chicago und hat gleich zwei CDs in kuerzester Zeit beim Tom raus bringen duerfen. Bei der „The Very Best Of The Monkees” handelt es sich um 18 Songs der letzten fuenf Jahre, von bereits vergriffenen Singles oder aeusserst seltenen LP-Samplern. Die „The Severed Tongue Speaks For Everone” hingegen ist das aktuelle Werk der Band. Beide Scheiben „glaenzen“ groesstenteils mit Aufnahmen, die unter aller Sau sind. Absurder NoWave-Punk, der in seiner Abgedrehtheit schwer an die ollen SCREAMERS oder FLIPPER erinnert, die ja beide auch noch nie mein Fall gewesen sind. Zwischendurch blitzt ein purer 77er Touch durch, aber das ist natuerlich viel zu wenig fuer mich. Abschliessend kann ich mich nur wiederholen. Fast jede Band die 1977 Aufnahmen gemacht hat, sei es auf einem 4-Spur oder 8-Spur, haben bessere Qualitaet zustande bekommen, als dieser ganze in meinen Augen „aufgesetzter“ Lo-Fi. Ja, ich weiss die von „Crypt“ wuerden mich fuer solche Aussagen wahrscheinlich wieder lynchen wollen.
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GLASS HEROES - „Get Out Alive“ 7“
GLASS HEROES
„Get Out Alive“ 7“
( TKO Records / TKORecords.com , Release Date: 01. April 2008 )
Beide Songs sind nicht neu, sondern stammen von der ersten full-length auf „Malt Salt Records“, das bereits 2005 raus gekommen ist. Die hab ich mir jetzt auch gerade eben per PayPal-Zahlung dank des derzeitigen schwachen Dollarkurses fuer schlappe 9,08 EUR direkt beim Label bestellt. Ich war naemlich den ewigen Heckmeck auf der „TKO“-Webpage leid. Denn vor kurzem wurde dort besagte CD noch als Vorankuendigung fuer eine Neuauflage praesentiert. Aber anscheinend hat das wohl doch nicht so ganz geklappt, denn seit knapp drei Wochen ist diese Vorankuendigung wieder gestrichen worden. Nur eins ist sicher, das die Glass Heroes aus Phoenix (AZ) schon laengst ein weiteres Album unter dem Titel „Liars, Cheats & Thieves“ exklusiv fuer „TKO“ eingespielt hat. Fuer den Produzenten-Job hatte die Band extra aus England den ehemaligen Schlagzeuger von THE DAMNED, Rat Scabies einfliegen lassen. Denn mit dem Punk Rock a la 1977, insbesondere dem britischen verbindet die Glass Heroes so einiges. Auf ihrer ersten CD covern sie nicht ohne Grund „I´m On Fire“ (CHELSEA), „(I´m) Stranded“ (THE SAINTS) und „Kick Down The Doors“ (THE PROFESSIONALS). Letzterer Song dient hier als B-Seite der Single. Das Erstaunliche an der ganzen Sache ist wahrlich, das die Glass Heroes exakt und wie aus einem Guss tatsaechlich wie eine Kreuzung aus THE PROFESSIONALS, CHELSEA, THE RUTS und THE CLASH klingen. Und dabei wird in erster Linie darauf Wert gelegt, das man natuerlich auch bei den eigenen Songs nach den Glass Heroes klingt und nicht wie ein fade Kopie von irgendwas. Das hat definitiv Zukunft!
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JESSE MALIN - „On Your Sleeve” CD
JESSE MALIN
„On Your Sleeve” CD
( One Little Indian / Ueberzahl Promotion , Release Date: 25. April 2008 )
Jesse Malin hat sich mit diesem Album einen Lebenstraum als Musiker erfuellt. Er covert unbeirrt vierzehn seiner Lieblingslieder. Beim Anblick verwirrt mich ein wenig die sehr hohe Bandbreite. Ich, fuer meinen Teil haette mir natuerlich eher gewuenscht, dass er sein Haupt mehr auf Punkrock-Songs legt, aber nach einer gewissen Eingewoehnungszeit stimmt mich die Mischung doch sehr zufrieden. Eroeffnet wird die CD mit „Looking For A Love“ von NEIL YOUNG, dessen Original ich nicht im Entferntesten kenne, aber ich vertraue Jesse, wie so oft, denn der Mann hat eine ausgepraegte musikalische Spuernase fuer gute Pop-Songs. Im ersten Teil der CD ist dann auch der Punk Rock in Form von „Do You Remember Rock’n’Roll Radio“ (THE RAMONES), „Russian Roulette“ (LORDS OF THE NEW CHURCH) und „Gates Of The West“ (THE CLASH) zu Hause. Den Songs wird noch ein ueberraschendes Eigenleben mit auf dem Weg gegeben. So klingt beispielsweise „Russian Roulette“ durch das treibende Schlagzeug noch eine Spur schneller als im Original. Bei den Gastmusikern fielen mir besonders zwei Namen ins Auge: Danny Sage (ex-D GENERATION), der hier einige Gitarrenparts zum Besten gibt und Brijitte West von NEW YORK LOOSE, die sich zusammen mit Produzentin Diane Gentile die Back Up Vocals beim LOU REED-Klassiker „Walk On The Wild Side“ teilt. Die alte New York Connection aus den fruehen 90ern funktioniert also immer noch tadellos! „Walk On The Wild Side“ ist uebrigens mein ganz persoenliches Highlight dieser CD. Da kann selbst olle Reed und alle anderen die sich bisher an diesem Cover versucht haben einpacken. Mit welch unglaublich hoher Intensitaet Jesse diesen Song vortraegt! Das ist wirklich das reinste Vergnuegen! Sehr flott anzuhoeren sind auch noch „Me And Julio Down By The School Yard“ (PAUL SIMON) mit einer „Ballroom Blitz”-Einleitung (THE SWEET) und „You Can Make Them Like You“ (THE HOLD STEADY) mit einer „New Rose”-Einleitung (THE DAMNED). Im zweiten Part der CD wird es dann mit „Harmony“ (ELTON JOHN), „Rodeo Town“ (THE KILLS), „Wonderful World“ (SAM COOKE), „Operator“ (JIM CROCE), „I Hope I Don’t Fall In Love With You“ (TOM WAITS) und „Everybody’s Talkin’“ (FRED NEIL) zunehmend ruhiger und akustischer. Ausser „Wonderful World” ist mir der Rest als Punkrock-Banause natuerlich voellig unbekannt, aber auch ich lerne gerne dazu. Ende der 70er waren es massgeblich THE CLASH, die einem zuerst neue musikalische Horizonte eroeffneten, und heute ist es ein Jesse Malin, der in seinem Schaffensweg sich keinerlei musikalischen Zwaenge unterwirft.
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JOY DIVISION - „The Best Of Joy Division” DoCD
JOY DIVISION
„The Best Of Joy Division” DoCD
( Warner Music / Vollkontakt Promotion , Release Date: 28. Maerz 2008 )
Die Klasse von Joy Division hab ich erst sehr viel spaeter fuer mich entdeckt. Als die Band Ende der 70er in England so unglaublich angesagt war, interessierte ich mich eher fuer die U.K. SUBS, COCKNEY REJECTS oder SHAM 69. Doch ihren Hit „Love Will Tear Us Apart“ konnte ich mich aber auch nicht entziehen, weil er in jeder Indie-Disco damals auf allen Plattentellern sich drehte. Vor Joy Division hatte man allerdings schon unter WARSAW eine 12“inch gemacht, die ich Anfang der 80er in einem Second-Hand-Shop in Dinslaken entdeckte und dem voellig unwissenden Hippie hinterm Tresen fuer minimale Kohle abgeknoepft habe. Hahaha, das war echt ein Hochgenuss. Dieses Edel-Stueck befindet sich natuerlich immer noch in meiner Sammlung und wird auch nicht so schnell den Weg auf eBay finden. Genug sinniert, denn endlich kann man die grossen Klassiker der Band auf dieser remasterten Doppel-CD in ihrer ganzen Pracht geniessen. Auf CD1 sind das u.a. „Digital”, „Disorder”, „Shadowplay”, „New Dawn Fades“, „Atmosphere“ und „Incubation”. CD2 bietet weitere Highlights. Und zwar die beiden JOHN PEEL SESSIONS, die die Band im Januar und im November des Jahres ´79 aufgenommen hat, so wie die Live-Mitschnitte „Transmission“ und „She´s Lost Control“ aus der damaligen TV-Show „Something Else“, wo die Band aufgetreten war. Den Abschluss bildet ein Interview mit Ian Curtis und Stephen Morris, das damals Richard Skinner gefuehrt hatte. Rundum ein gelungener Einblick in die einzigartige Musikwelt von Joy Division!
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THE LURKERS - „Fried Brains” CD
THE LURKERS
„Fried Brains” CD
( Captain Oi! Records / CaptainOi.com , Release Date: 07. April 2008 )
Seit ihrer letzten full-length „Captain Oi!“-Release „26 Years“ herrscht musikalisch weiterhin Stillstand bei den Lurkers. Ein Song nach dem anderen wird dabei strikt nach der RAMONES 14-Tracks-Zauberformel raus gehauen. Alles ein wenig lieblos dahin geklatscht, da kein Liedchen wirklich die Gabe hat hervorzustechen. Besonders langweilig finde ich den extrem kurz gehaltenen Refrain, der bei fast allen Songs nur aus einer einzigen Zeile besteht, die so oft wiederholt wird, dass es einem schon aus den Ohren rauskommt. Okay, das ist zwar Sinn und Zweck eines Refrain (mit der Wiederholung, meine ich), aber wenn das jedes Mal so dermassen ausdruckslos klingt, vergeht einem schnell der Spass an dieser CD. Nee, mit dem Album haben sich Arturo Bassick & Co wirklich keinen Gefallen mit getan. Das die Lurkers gerne wehmuetig auf ihre Punkrock-Vergangenheit zurueckblicken, mag verstaendlich sein, doch das gibt olle Bassick sicherlich noch lange nicht das Recht, alles was nach 1979 raus gekommen ist als „Pox“ zu interpretieren, wie im Opener „Come And Reminisce“ geschehen. Natuerlich kommt nichts an THE CLASH, THE JAM, THE RAMONES, THE SEX PISTOLS und THE DAMNED ran, aber dennoch gab es nach der 77er Zeit haufenweise Bands, die ebenfalls ordentlich was losgetreten haben. Da die Augen zu verschliessen und in einer der Strophen „Ain´t Bought A Record Since ´79, I Ain´t Got An Open Mind“ ernsthaft ueber die Lippen zu bringen, zeugt selbstverstaendlich von gewissen Bildungsluecken eines extravagant nostalgischen Ignoranten. Das gibt ein fettes Minus hinter den drei Sternchen!!!
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MISS 45 - „Steals The Show“ CD
MISS 45
„Steals The Show“ CD
( No Talent Records / NoTalentRec.com , Release Date: 11. April 2008 )
Skandinaviens Miss 45 machen eigentlich alles richtig auf ihrer ersten 11-Track-CD. Die Knacknuss, die mich waehrend der Songs allerdings staendig beschaeftigt, ist die Tatsache, dass man keinerlei ueberraschende Momente erwarten kann. Das ist alles in allem fein abgestimmter Rock’n’Roll-Punk-Glam, der so manches Mal durch eine fette JOHNNY THUNDERS-Gitarre ordentlich durchgeschuettelt wird, und dessen weitere Patenonkel in den USA zuhause sind, und auf so klangvolle Namen wie die NEW YORK DOLLS oder THE JONESES hoeren. Freilich haetten die Aufnahmen eine weitaus bessere Produktion verdient gehabt. Wenn man allerdings diese geringen Kritikpunkte in Kauf nimmt, kann man mit den Liedern richtig Spass bekommen. Also, Langeweile kommt bestimmt nicht auf.
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NO USE FOR A NAME - „The Feel Good Record Of The Year“ CD
NO USE FOR A NAME
„The Feel Good Record Of The Year“ CD
( Fat Wreck Chords / FatWreck.com , Release Date: 01. April 2008 )
Die Kalifornier besinnen sich gluecklicherweise wieder mehr auf ihren hypermelodischen Punk-Core, fuer den sie ja eigentlich auch bekannt sind. Somit haben sie erfolgreich die Kurve nach der sehr enttaeuschenden letzten Scheibe „Keep Them Confused“ meistern koennen und ueberzeugen auf ihrem neunten Studioalbum mit dem erfrischenden straighten Mix aus schnellen und brillant abgestimmten mid-tempo Nummern. Zwischendurch wird dabei natuerlich die melancholische Seite der Band nicht ausgegrenzt, doch ganz eindeutig ueberwiegt auf den insgesamt 14 Tracks der locker aus der Huefte perfekt gespielte Westkuesten-Punksound, den man automatisch mit Bands wie NOFX, BAD RELIGION oder GOOD RIDDANCE in Verbindung bringt.
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OPTIONAL ENDING - „Neverending Deadends” CD
OPTIONAL ENDING
„Neverending Deadends” CD
( Audio Riot Entertainment / MySpace.com/AugsburgPunk , Release Date: Dezember 2007 )
Wie auch schon bei der MCD von London´s BUBBLEGUM SCREW geschehen, war es mir nicht moeglich die zweite CD von der Augsburger Melodic-Punkband frueher zu Besprechen. Ich bitte um Vergebung, Nesch! Die Jungs haben sich nun ein etwas besseres Studio ausgesucht, und das merkt man auch direkt. Dabei verspruehen sie auf ihren neun Songs solch eine ueberraschende Frische, die sie auf jeden Fall wieder deutlich einigen Stufen hoeher stellt. Die Band hat es jetzt schon begriffen, gut durchdachte „Lookout!“-Melodien a la SCREECHING WEASEL oder THE QUEERS mit einpraegsamen Refrains zu verbinden. Das hoert sich auf jeden Fall verdammt vielversprechend an. Und keineswegs abgeschmackt! Das ist richtig gut gemachter Pop-Punk, der musikalisch genau auf den Punkt kommt und auch mal politisch wird, wie etwa im Song „Hypocrites And Assholes“. Stimmlich hingegen ist man oft genug in der Naehe von BEN WEASEL oder FAT MIKE anzutreffen. Dranbleiben und genau so weitermachen. Da koennte noch was richtig Grosses draus entstehen.
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RADIO DEAD ONES - s/t CD
RADIO DEAD ONES
s/t CD
( Bad Dog Records / Gordeon Promotion , Release Date: 28. Maerz 2008 )
Mit Abstand ist dies die Platte des Monats! Da kommt auch die neue BLACK HALOS nicht ran, schor gar nicht das full-length Debuet der BAD LUCK CHARMS und soviel darf ich vorwegnehmen auch nicht das erste Album von THE LOYALTIES, was ich im naechsten Update zusammen mit der BLACK HALOS – das ich zeitmaessig fuer dieses Update nicht mehr geschafft habe – besprechen werde. Natuerlich will ich diese Bands keineswegs in ihrer schoepferischen Arbeit schmaelern, aber was die Ex-Magdeburger binnen weniger Monate in ihrer neuen Wahlheimat Berlin musikalisch auf die Beine gestellt haben ist einfach nur maechtig beeindruckend. Und dabei fing alles so relativ nichts sagend an! Am Anfang habe ich den Radio Dead Ones wirklich kaum Beachtung geschenkt, obwohl mich Ex-3RD-Schreiber Andy Flex staendig ueber die Entwicklung der Band am Telefon auf dem Laufenden gehalten hat. War meine Kritik zur „Killers & Clowns” Mini-LP im November 2006 noch eher verhalten, sah ich bei der Split-LP mit FUNERAL MARCH im Januar diesen Jahres schon eine deutlich erkennbare Weiterentwicklung. Aber wer konnte ahnen, dass die fuenf Spitzbuben nun einen solchen Quantensprung mit ihrer ersten LP vornehmen wuerden? Und so begab es sich Anfang April, dass ich am fruehen Abend ohne jegliche hohe Erwartung vor meiner Anlage Platz nahm, den guten alten Pioneer-Kopfhoerer aus den 80ern aufsetzte und mit Schreibblock und Kugelschreiber ausgeruestet auf den ersten Ton wartete. Dieses Ritual mache ich zwar nicht bei jeder CD, die ich zu Besprechen habe, aber ab und zu koennen aufgezeichnete Stichwoerter vom Vorabend durchaus hilfreich bei der Fertigstellung einer Review sein. Bis Track 9 lief eigentlich auch alles so wie ich es mir vorgestellt habe. Ueberrascht hatte mich zu dem Zeitpunkt eigentlich nur der ziemlich eindrucksvolle Refrain zu „Bootlegger Nation“, und das ich mich bei einigen wenigen Passagen zu „Late Man“ durchaus wieder erkennen konnte. Trotzdem hatte ich hier schon, wenn auch zunaechst nur unbewusst, eine weitere eindeutig fuehlbare Steigerung entdecken koennen. Ab Track 10 wurde es dann urploetzlich richtig unheimlich! Was war jetzt los? Zwei verschiedene Bands? Oder eine zweite Aufnahme-Session? Denn mit „Take It On Trust” war dann endgueltig der Knoten geplatzt! Ich wurde dermassen vom Gitarren-Opener ueberwaeltigt und im Nu angefixt, so dass ich am Ende des Songs schon wieder auf cold turkey war und jaemmerlich auf meinem Stuehlchen rumheulte. Doch neuer Stoff wurde mir direkt mit „Rich & Sound“ unter die triefend feuchte Nase gehalten. Beim Refrain jagte eine Gaensehaut die andere. Jetzt war ich suechtig! Richtig suechtig nach diesem schon laengst verschollenen geglaubten Sound, der absolute Gluecksmomente freilegt und mich mit feuchten Augen hilflos aber scheisse-happy wie ein verschissenes bloedes Doperauchendes Hippie-Schwein zuruecklaesst. Yep, so hab ich Punkrock mal vor ueber 31 Jahren kennen gelernt. Einmal „God Save The Queen“ oder „Complete Control“ inhaliert und du bist fuer alle Ewigkeiten dem Punkrock verdammt! Ganz klar, von den insgesamt 18 Tracks (den Hidden-Track ab 4:05 Min. beim letzten Song nicht mit gerechnet), sind „Take It On Trust” und „Rich & Sound“ die absoluten Highlights der CD. Doch, wie es der Titel „We Got So Much More“ auf Track 14 besagt, hat die Band natuerlich noch einiges mehr im Petto. Beste Beweise liefern „Red Rockets“, „Gambian Bumsters“, „Berlin City Rats“ und das genial gespielte CHELSEA-Cover „This Is Now“, wo sie Bassist Mat Sargent hoechstpersoenlich ins Studio zerrten, um ihn als Gastmusiker an der Gitarre und bei den Backin´ Voc. zu begruessen. Nur so nebenbei: Wo holen die Jungs nur diese erstklassigen Choere und diese umwerfend guten Gitarrenklaenge her? Und da waeren wir noch einmal kurz beim Thema: Musikdefinition! Was ich bislang an Kritiken zu dem Album gelesen habe ist einfach nur ein grosser Haufen Bullshit! Die Leute machen es sich einfach zu leicht! Da ist von Vergleichen wie SOCIAL DISTORTION und THE BONES die Rede oder man kanzelt die Band ganz einfach als plumpe US BOMBS-Klone ab! Was ein undankbarer Scheiss! Man merkt sofort, wer solch einen Muell verzapft. Das ist die Spaetlese von der noch spaeteren Spaetlese, die 1977 noch gar nicht auf der Welt waren, und die die MIKE NESS Greaser-Scheisse, ein verficktes Handy in der Tasche und fuckin´ boring MySpace in der heutigen Punker-Szene als voellig normal ansehen. Ich komme damit immer noch nicht wirklich zurecht und will es auch nicht! Obwohl, ich bin auch bei MySpace, aber der feine Unterschied ist der, das ich nicht Millionen an „angeblichen Freunden“ habe, sondern eine erlesene Auswahl getroffen wurde. Was will ich damit sagen? Nun, die Leute hauen meist immer so dermassen auf die Kacke, denken sie waeren der Mittelpunkt des Universum, tun immer auf hart und cool, sind meist aber voellig oberflaechlich, und Selbstironie ist denen eh ein Fremdwort! Ich mach den Leuten, die solche Kritiken schreiben nicht wirklich einen Vorwurf, woher sollen sie wissen, das es auch mal anders gelaufen ist vor ueber 25 Jahren, aber was ich absolut nicht abkann, das dann direkt das ungewaschene Maul riesengross aufgerissen wird, und meint man haette die Weisheit mit Loeffeln gefressen! Immer schoen auf den Teppich bleiben, schliesslich geht da eine Band wie die Radio Dead Ones mit guten musikalischen Beispiel voran. Ich fuer meinen Teil sehe in dieser Band naemlich voellig andere Zusammenhaenge. Sicherlich spielen die US BOMBS eine wesentliche Rolle. Aber nicht umsonst haben sie sich das CHELSEA-Cover „This Is Now“ von der ´94er-CD „Traitors Gate“ ausgesucht. Hier liegt der Dreh- und Angelpunkt begraben. Muesste ich die Musik mit vier Bands umschreiben, so wuerden folgende Namen fallen: US BOMBS, THE CLASH, fruehe LORDS OF THE NEW CHURCH und CHELSEA zu Zeiten, als sie die Alben „The Alternative“ und „„Traitors Gate“ mit Gitarrist Nic Austin veroeffentlicht haben. Ganz klar, ich sehe die Radio Dead Ones nun mit ganz anderen Augen! Mit dieser ersten full-length deklassieren sie locker so manch angesagte und bekanntere Band auf die hinteren Plaetze. Die Radio Dead Ones haben hiermit voellig neue Massstaebe gesetzt!
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TRIBUTE TO NOTHING
„Breathe How You Want To Breathe“ CD
( Ass-Card Records / Gordeon Promotion , Release Date: 17. Maerz 2008 )
Die besondere Spezialitaet der englischen Tribute To Nothing, die mittlerweile auch schon einiges an Bandjahren auf den Buckel haben, besteht darin, die schoensten Melodien durch exakt einen Ton daneben zu schraegen und leicht melancholischen Klangwelten zu verderben. Das tut mir persoenlich immer wieder in der Seele weh. Denn die Band ist ansonsten mit den allerbesten Zutaten ausgestattet. Sie haben unendlich viel Power, einen faehigen Mann am Mikro und die Gitarren liegen oftmals in der richtigen Spur. Doch durch diese andersartigen Toene und Rhythmuswechseln, die mich oftmals auch entfernt an Jazz(!!!) erinnern und wie Fremdkoerper auf mich wirken, kann ich unterm Strich hier keinerlei wirkliche Hoerfreude entdecken.
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V.A.: „PERFECT UNPOP” - „Peel Show Hits & Long-Lost Lo-Fi Favourites Vol.1 1976-80” CD
V.A.: „PERFECT UNPOP”
„Peel Show Hits & Long-Lost Lo-Fi Favourites Vol.1 1976-80” CD
( Cherry Red Records / CherryRed.co.uk , Release Date: 24. Maerz 2008 )
Das nenn ich mal einen brillanten Schachzug vom „Cherry Red Label“! Das da nicht schon frueher jemand drauf gekommen ist! Zur Erinnerung: DJ JOHN PEEL konnte man Ende der 70er auch hier in Deutschland ueber den englischen Soldaten-Sender „BFBS“ jeden Samstagmorgen von 10:00 Uhr an eine Stunde lang mit seiner Show „Rock Today“ empfangen. Dort spielte er hauptsaechlich die aktuellsten Punk- und New Wave-Scheiben, sowie einiges an Reggae-Stuff. Nach einer Stunde hatte ich meist immer gut 40 Minuten an neuer Musik auf meinen billigen Agfa- oder BASF-Kassetten aufgenommen. Da meine Englischkenntnisse zu dem Zeitpunkt recht duerftig waren, nahm ich nach dem Ende einiger Songs direkt auch noch John Peel´s Stimme mit auf, um Titel und Bandname zu erfahren. Manchmal gestaltete sich das doch recht muehsam, da Peely oft genug mit schneller Zunge sprach. Auch nach dem zehnten Zurueck- und Vorspulen stand ich oft genug im Regen und konnte zum verrecken nicht die wichtigen Infos rausfiltern. John Peel war praktisch der einzige direkte Bezug, der in dieser einen Stunde den fuer mich so wichtigen Sound zugaenglich machte. Ich war gerade im Sommer 1978 in die Lehre als Koch gekommen, hatte nicht sehr viel Geld zur Verfuegung. Ich fuehlte mich in der Kleinstadt, wo ich wohnte, quasi abgeschnitten, und London schien mir Lichtjahre entfernt zu sein. In Deutschland entfaltete sich Punk Rock naemlich nur sehr langsam. Erst ab 1980 konnte man von einigen weiteren wichtigen Anlaufstellen sprechen, aber vor dieser Zeit regierte John Peel meine kleine heile Punkrock-Welt! Diese Zeit damals, Samstag morgens vorm Radio hat mich aus heutiger Sicht musikalisch massgeblich auf alles andere was danach folgte beeinflusst. Ich glaube so wie mir erging es vielen anderen aehnlich tickenden Kids, die in Kleinstaedten oder Kuhdoerfern feststeckten, ohne die Chance ergreifen zu koennen, eine groessere Stadt zu besuchen, wo es wenigstens ein grosses Musikgeschaeft vor Ort gab, und wo man sich mit einem arg bescheidenen LP-Regal fuer Punk- und New Wave zufrieden geben musste. Von den Singles natuerlich ganz zu schweigen, die gab es in solchen konservativen Laeden natuerlich nicht. 24 Tracks wurden fuer einen ersten Sampler zusammengefuehrt. Ich hoffe nur instaendig, das viele weitere folgen werden. Denn es fehlen mir immer noch einige Songs in meiner CD-Sammlung, die ich damals bei John Peel gehoert habe und danach nie wieder. Zum Beispiel bin ich froh endlich den Song „Language School“ von THE TOURS in einer rauschfreien Aufnahme auf CD zu haben. Somit kann auch diese Single sich auf einen ruhigen Lebensabend in meiner Sammlung einstellen. Okay, einraeumen sollte ich das das Meiste von den 24 Songs schon auf anderen CDs bei mir geraume Zeit weilt. Dafuer waren bisher Labels wie „Detour“, „Overground“, Damaged Goods“, „Captain Oi!“ und natuerlich auch „Cherry Red“ mit ihren Veroeffentlichungen von angesammelten Werken zustaendig gewesen. Ueberrascht hat mich auch das die DISCO ZOMBIES hier nicht mit ihrem Klassiker „Drums Over London“ vertreten sind, sondern mit der B-Seite „Mary Millington“ von ihrer dritten Single „Here Come The Buts“. „Drums Over London“ wurde nach meiner Ansicht auf „Rock Today“ deutlich mehr gespielt. Aber vielleicht wurde ja in England bei der taeglichen zweistuendigen John Peel-Radioshow auf BBC etwas anders verfahren und der Song erlangte dort mehr Airplay. Neben den Peel-Hits „Ambition“ (SUBWAY SCET), „Hedi´s Head“ (KLEENEX), „Thinkin´ Of The U.S.A.” (EATER), „White Mice” (THE MO-DETTES), „Teenage Treats” (THE WASPS), „Self-Conscious Over You” (THE OUTCASTS), „Radio Wunderbar” (THE CARPETTES), „Bad Hearts” (THE TIGHTS) und „Brickfield Nights” (THE BOYS) fand auch der SWELL MAPS-Song „Real Shocks” den Weg auf die CD, nach dem Songtitel ich ja zunaechst mein bereits drittes Ego-Zine zu der Zeit benannte und wenig spaeter ja auch mein Spitzname wurde. Als Punk-Kid war ich natuerlich nur scharf auf die reinen Punkrock-Sachen und hielt mich von Bands wie YOUNG MARBLE GIANTS, GLAXO BABIES, AU PAIRS oder THE MONOCHROME SET mit ihren musikalischen Kunststueckchen fern. Heute bringe ich dem (natuerlich mit gewissen Abstand) mehr Verstaendnis entgegen, obwohl ich mich auch noch heute mit einigen Bands sehr schwer tue. Obendrein hat man sich die Muehe gemacht mit ehemaligen Bandmitgliedern in Kontakt zu treten. Dabei sind Geschichten herausgekommen, die in diesem Kontext unbedingt dazu gezaehlt werden muessen. Im Booklet steht u.a: „John Peel war unser Mentor, unser Lieblingsonkel, unsere Hoffnung, unsere Inspiration.“ Dem kann ich mich mit ganzem Herzen nur anschliessen. Und ich freue mich schon auf weitere Zusammenstellung, hoffentlich dann auch mit Bands wie DANGEROUS GIRLS, THE RIVALS, THE CLERKS, ARTERY, TV21, ARMED FORCE, ANOTHER PRETTY FACE, DENIZENS, THE MEKONS, THE RIPCHORDS, SHAKE und THE VALVES.
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YAKUZI - „Thin Red Line“ CD
YAKUZI
„Thin Red Line“ CD
( Rookie Records / RookieRecords.de , Release Date: 28. Maerz 2008 )
Kaum zu glauben das dieses 6-koepfige Star-Ensemble aus dem beschaulichen Pforzheim kommt, denn sie koennen auf ihrem mittlerweile zweiten Studio-Album es jederzeit mit ihren Westkuesten-Kollegen aufnehmen. Der Gesang geht sehr oft stark verdaechtig in Fat Mike´s Richtung und ueberhaupt vieles erinnert einen an NOFX. Aber wie so viele moderne Combos – die Punkrock nur als einen etwas anderen Musikstil sehen, den man jederzeit wunderbar mit anderen Richtungen gnadenlos vermischen kann – wird nicht strikt eine Linie gefahren, sondern Yakuzi toben sich auf den unmoeglichsten Musikstilen aus. Fuer solche Bands, die in jeder noch so brenzligen Situation ein Hintertuerchen zum ausgelassenen Tanzteechen offen haben, konnte ich mich noch nie wirklich begeistern. Ich hab es eben nicht so mit Swing, Western und nur bedingt mit lateinamerikanischen Klaengen. Von daher ist mein Interesse leider schon nach wenigen Songs erloschen. Trotzdem sind die 14 Tracks alles andere als schlecht, eben nur fuer ein anderes Publikum gemacht und nicht fuer Mitt-40er Punkrock-Greise.
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