* * * * * Hit! , * * * * knapp vorbei , * * * OKay , * * Glueck gehabt , * Shit!

So, hier nun das August-Update. Das naechste Update erfolgt dann Ende September 2005. Alle Reviews, wie immer, besprochen von Ralf Real Shock.

ANDY BLADE -  "The Secret Life Of A Teenage Punk Rocker: The Andy Blade Chronicles" Book
ANDY BLADE – „The Secret Life Of A Teenage Punk Rocker: The Andy Blade Chronicles” Book
( Cherry Red Records / CherryRed.co.uk , Release Date: 01. Juli 2005 )

Andy Blade war der Saenger von EATER, der juengsten Londoner Punkrock-Band. Er erinnert sich in seinen abgeschlossenen Kurzgeschichten an die „Glory Days Of Punk Rock“ auf eine recht amuesante wie ironische Weise. Mein Englisch reicht da leider nicht ganz aus, um das 208-starke Buch Seite fuer Seite in mich reinzusaugen. So beschraenke ich mich darauf einzelne Kapitel rauszupicken. Und die lesen sich so spannend wie ein Kurzkrimi! 1976, Andy gerade mal 15 Jahre alt und der Punk-Trouble konnte beginnen. Da die anderen Leute, mit denen er abhing, meist aelter und staerker waren, bekommt man schon mal den Eindruck, das er auch nur benutzt wurde. So wie das wohl bei jedem anderen Haufen so ueblich war, der Juengste holt eben das Bier! Doch Andy kam aus jeder Nummer ohne Blessuren raus. Andy war zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort. Und das immer! Dafuer kann man ihn aus heutiger Sicht eigentlich nur beneiden. Wer haette nicht mal gerne Sid Vicious, Johnny Thunders, Don Letts, Lou Reed, Siouxsie, Nils Stevenson, Mick Jones, Spizz, Rat Scabies, Billy Idol, Gene October, Johnny Rotten, Joey Ramone oder Dave Goodman zu der Zeit voellig unkonventionell kennen gelernt? Andy hat sie alle getroffen! Mal witzig, mal weniger witziger! Ich will aber an dieser Stelle wirklich nicht zu viel verraten, denn dafuer sind Andy´s Anekdoten einfach zu schoen zum Lesen. Herny Rollins hat uebrigens das Vorwort verfasst. Abgerundet wird das Buch noch mit einigen Abbildungen, aus Andy´s privatem Foto-Album. Nach Johnny Rotten´s Biographie, das Beste was ich aus dieser Zeit um 1977 gelesen habe.
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ANGEL CTY OUTCASTS
„Let It Ride” CD
( People Like You Records / Starkult Promotion , Release Date: 05. September 2005 )

Was fuer ein Ei hat sich denn „People Like You“ mit dieser Band ins Nest gelegt? Anlass dieser Formulierung ist der Song „Popeye In Afghanistan“. Leider lag mir kein Text vor, so das ich ein wenig Zeit damit verbrachte, im Internet nach ihnen zu fahnden. Und dort taten sich recht interessante Dinge auf. Das italienische „Rock Explosion” interviewte den Lead-Gitarristen der Band, Tak Boroyan. Hier ein Auszug: “I've been really impressed by the song “Popeye In Afghanistan”. Explain us why did you choose to talk about that war in this way. What's your point of view about that? Popeye is for you the prototype of the American hero?” Tak: “We have the outmost respect and admiration for veterans from all wars and I personally have always been a fan of war songs, humorous or melancholic songs that are either created on the battle field or popularised by soldiers during war time. "Popeye In Afghanistan" was meant to be that style of song. It is a modern American soldier's song so to speak.” RockExplosion: “You wrote as introduction of the same track: This song is aimed against those who attacked us on 9/11/01. Nothing more, nothing less. Who attacked New York in your opinion? Did you see Michael Moore "Fahrenheit 9/11"? If so what do you think about it?” Tak: “The reason we wrote that disclaimer is because we got some flack from very few misguided individuals who thought the song had some kind of political agenda behind it. We, intentionally leave our personal political views out of the band's content and wanted to make sure it stays that way. We do not back any political party, movement or cause with our band. And if you think we're nationalistic or racist because of the Popeye song, you're out of your mind. I'd say 99.9% of our fans understand and love the song. To answer your question I'm not a big conspiracy guy so I'm going to agree with the rest of the world that Al Qaeda attacked New York. I didn't see Fahrenheit 911. Personally speaking, I have trouble trusting political extremists from either side, so the film was not something I was interested in seeing.” OKay, soweit der Auszug aus dem Interview. Ich wusste bisher gar nicht das Michael Moore ein Politextremist ist, denn in den Staaten herrscht ansonsten vornehmlich die Meinung, das er ein liebenswerter dicker Trottel ist, den man eh nicht wirklich ernst nimmt und das seine Arbeit dort eher als pure Satire angesehen wird. Ich habe auch ueberhaupt keine Erklaerung dafuer, das man den Film „Fahrenheit 911“ unter dem Aspekt sieht, das er von einem politischen Extremisten gedreht wurde. Ausserdem, wie kann man Fan von „War Songs“ sein? Gehoert davor nicht ein „Anti“? Also, Anti-War Songs? Eine weitere Meinung holte ich mir auf „HangingHex.com“ ein, ein Online-Zine, was folgende CD-Kritik zu „Let It Ride“ schrieb: „I’ve never been big on rockabilly music. It’s not to say it’s not entertaining, but I don’t go out of my way to check it out and I shaved off my pompadour back in ’98 (OK, so I started losing my hair… what’s it to ya?!). If the name didn’t give it away these guys are from LA and, yup, they’re living on the outside. The spin some stories about being wanted criminals, police chases, hanging out in LA, and gambling… oh yeah, and about Popeye fighting in Afghanistan (I can’t make this stuff up). Musically I have nothing to compare this to other than back when I used to listen to Rancid and they’d break out the occasional fast, noodly bass-driven rockabilly song. Man, Thorp puts out every friggin’ kind of music on the planet.” Nachgereicht werden sollte noch, das “Throp Records” in den USA das Album veroeffentlicht hat. Meine Meinung zu der Band? Popeye kennt ja eigentlich jedes Kind. Die Comicfigur, die wenn sie Spinat gefuttert hat, Baerenkraefte besitzt und mit dem Nebenbuhler kurzen Prozess macht. Das auf den Krieg zu transportieren finde ich total krank und kein bisschen witzig. Und deshalb empfinde ich eigentlich die gleiche Abneigung wie bei meiner Kritik zum aktuellen DROPKICK MURPHYS Album. Ich mag solche Bands einfach nicht. Ich komme damit einfach nicht zu recht. Wahrscheinlich weil ich aus einer ganz anderen Zeit komme und das mir das jetzt immer mehr Schlag auf Schlag bewusster wird. Und heute hat sich sowieso die gesamte Szene so stark veraendert, das ich anscheinend mit meiner Meinung hoffnungslos auf weiter Flur stehe. Heute werden solche hoechst fragwuerdigen Bands einfach so akzeptiert. Die Szene ist einfach nicht mehr kritisch genug und nimmt alles nur noch gleichgueltig zur Kenntnis. Erleichternd finde ich, das ich der Band auch musikalisch nicht sehr viel abgewinnen kann. Hektisch vorgetragener Rockabilly-Punk mit einer solch duennen Produktion unterlegt, das du die Floehen husten hoerst und so faellt es mir ueberhaupt nicht schwer, hier nur ein Sternchen raus zu hauen.
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THE BARRACUDAS - s/t CD
THE BARRACUDAS
s/t CD
( NDN Records / NDNRecords.com , Release Date: 19. September 2005 )

Wer kennt sie nicht? Ihre erste 7”inch „I Want My Woody Back” fuer das “Rough Trade Label” spielte JOHN PEEL 1979 in seiner Radioshow rauf und runter. 1980 landeten sie mit der Surflegende „Summer Fun” sogar in den englischen Charts. Kurz nachdem sie 1981 ihr erstes Album „Drop Out With The Barracudas” veroeffentlichten verliess David Buckley (Bass) und Nick Turner (Drums) die Band. Nick Turner stieg schon wenig spaeter bei den LORDS OF THE NEW CHURCH ein. Waehrenddessen bissen sich Jeremy Gluck (Vocals) und Robin Wills (Guitar) mit der neuen Rhythmus-Sektion Jim Dickson und Terry Smith durch. 1993 stiess Ex-FLAMIN´ GROOVIE(S) Chris Wilson an der zweiten Gitarre dazu. Das Quintett spielte noch zwei Alben ein, “Meantime” und “Endeavour To Preserve”, bevor sie sich im Dezember ´84 das erste Mal trennten. Es dauerte knapp fuenf Jahre, als die Band wieder zusammenkam, um weitere Songs aufzunehmen und zu veroeffentlichten. Das nur kurz zum Einstieg. Ich hab die Band seit ihrer ersten Single fuer absolut integer gehalten und dieser Eindruck bestaetigte sich mit ihrer ersten LP vollends. Dazu muss ich allerdings anfuegen, das ich die Barracudas nicht wirklich vinyl-technisch auf Schritt und Tritt verfolgt habe, also kann ich mir ueber ihre anderen Scheiben aus der Vergangenheit keine Meinung erlauben. Nur, soviel ist klar wie Klaerchen, denn was die Band nun zehn Jahre nach ihrem letzten Album auf dieser mir nun vorliegenden 15-Track-CD abliefert, schliesst nahtlos an ihr erstes Hit-Album an. Wieder einmal sind am Bass und am Schlagzeug voellig neue Musiker angeworben worden, aber der harte Kern mit Gluck, Wills und Wilson steht wie eine Eins! Ein Hit folgt auf den anderen. Ohne Witz! Vielleicht nicht ganz so ungestuem jugendlich wie auf der „Drop Out“, aber dafuer sind sie in ihrem impulsiven Wesen bestaendig geblieben, was sich in Songs wie „Poor White Trash“, „Not That Kind“, „What You Want Is What You Get“, „The Price You Pay“ und „Take A Walk“ sehr gut aeussert, und bei mir nach verdammt kurzer Eingewoehnungsphase zu Dauerbrennern im CD-Player avancieren. Ich bin von diesem Gitarrensound einfach gefangen! Das sind eben richtige Songs! Und such mal 2005 nach richtigen Songs! Da muss man schon recht lange suchen, bis man auf so fruchtbaren Boden stoesst, wie in dem Fall hier. Das ist ganz einfach formuliert, eben grosartiger Rock’n’Roll-Surf/PowerPop-Sound mit der „Stay Free“-Attitude des Punk!
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THE BIPS - "If Life Was Like A Gig Of John Plain" CD
THE BIPS
„If Life Was Like A Gig Of John Plain“ CD
( Pretty Vacant Records / TheBips.nl , Release Date: Dezember 2004 )

Die Bips aus dem hollaendischen Nijmegen gibt es auch schon ewig und drei Tage. Seit ihrer Gruendung 1987 gilt das Rotationsprinzip. Immer wieder wurden Bassisten und Schlagzeuger munter ausgetauscht, nur Gitarrist und Saenger Jozzy Rubenski blieb bis zu ihrem ersten Split 1993 die ganze Zeit an Board. Erst 1997 machten sie wieder von sich reden, eine Reunion-Show im ausverkauften Amsterdamer „Paradiso“ mit den HEIDEROOSJES. Doch es sollte noch bis zum September 2001 dauern, bis Jozzy sich dazu entschliessen konnte, mit neuer Line-Up einen zweiten Versuch zu wagen. Das soll aber nicht heissen, das er in der Zwischenzeit als Musiker untaetig gewesen ist. Nein, ganz und gar nicht. Denn zwischendurch existierte noch die Band LOVE KILLS, die den Sound der Bips erfolgreich fortsetzte. Aus dieser Zeit stammt auch die heutige Bassistin der Bips, Barbie L.L., die hier auf den insgesamt 12 Tracks der ersten full-length der Bips ueberhaupt im Backin´ Vocals-Bereich fuer reichlich Schwung und Abwechselung sorgt. Bei „Revolution Now“ glaenzt sie uebrigens auch als Hauptsaengerin. Das die Bips Anfang Dezember 2005 ins nordenglische Bolton reisen, um dort zwei Shows zu absolvieren, u.a. mit der ´77er Tribute Punkrock-Band LOVE BATTERY und der SEX PISTOLS EXPERIENCE Cover-Band, zeigt unmissverstaendlich in welche Richtung die Bips gehen oder besser noch formuliert geblieben sind. Eben ´77er Punk Rock mit grossen Ambitionen zu unseren alten englischen Helden, allen voran natuerlich die SEX PISTOLS. 1977 Forever! Immer wieder schoen!
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BRAIN FAILURE - "American Dreamer" CD
BRAIN FAILURE
„American Dreamer” CD
( People Like You Records / Starkult Promotion , Release Date: 05. September 2005 )

Wen meint die Band eigentlich mit “American Dreamer”? Etwa ihren Produzenten Ken Casey? Aber lassen wir das mit der Politik. Man muss nicht in jeder Besprechung, wo ein Murphy Dropkicker als dritte Person mitwirkte bzw. in diesem speziellen Fall hier produzierte etwas rein interpretieren. Zunaechst dachte ich das der China-Import mit ihrem zweiten Longplayer jedes Klischee eines billigen Abziehbildes erfuellt. Machen volle Kanne mehr auf RANCID als auf DROPKICK MURPHYS und denken, das sie sich irgendwie schon durchwurschteln koennen. Aber direkt nach dem ich die 16-Track-CD ein zweites Mal im Player verschwinden liess, war meine Meinung doch eine ganz andere. OKay, es stimmt schon das man hier zeitweise das Gefuehl hat RANCID spielen unter falscher Flagge, aber diesen Vorwurf brauchen sich die vier jungen Kerle von mir nur bedingt gefallen zu lassen. Es gibt eben Bands, die ueberbruecken solch niedriger Einschaetzung mit einer unbaendigen Spielfreude und einem geschickt gewaehltem Manoeverspiel. Das Album mit all seinen RANCID-Anleihen geht absolut fuer mich in Ordnung, weil es sich im Gesamtbild in seiner kindlichen Originalitaet durchsetzen kann. So gesehen muss der Begriff „Spaetlese-Punx“ nicht immer was Negatives bedeuten. Hit der CD, fuer mich ganz klar: „Coming To The USA“. Fuer diesen brillanten Smasher gibt es ein Extra-Sternchen!
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THE CARPETTES - s/t CD
THE CARPETTES
s/t CD
( NDN Records / NDNRecords.com , Release Date: Juni 2005 )

Mit „Heddy” haben sich die Carpettes direkt in mein kleines Punkrock-Herz gespielt! So simpel, so einfach und doch so verdammt wirkungsvoll! Ein weiteres One Chord Wonder der englischen Punkrock-Geschichte! Wunderbar melodische Gitarre und als Spezialist alter Punkrock-Schule kann man mit etwas Phantasie dahinter kommen, das es sich hierbei um die Carpettes handelt, die 1977 auch einen JOHN PEEL vom Fleck weg begeistern konnten. Ich hoere heute noch seine Ansage zu dem Song „Radio Wunderbar“ im Ohr. Erfrischend und kein bisschen altbacken hoeren sich die Carpettes auf den insgesamt 13 Tracks an, wovon allerdings nur noch ihr Bassist George Maddison als Original-Mitglied uebrig geblieben ist. Das ehemalige Urgestein der Band, Gitarrist und Hauptsaenger Neil Thompson verliess 2004 die Band, sein Bruder Paul Thompson spielte hinterm Schlagzeug noch schnell fuenf Tracks mit ein, bevor er im letzten Jahr auch in den Sack haute. Doch Georgie Boy liess sich nicht beirren und fand in Jimmy Devlin (Gitarre/Gesang) und Jim Cosgrove (Schlagzeug) recht fix zwei neue Mitstreiter, die den original Carpettes-Sound musikalisch sehr eindrucksvoll auf den verbleibenden acht Songs wiedergeben. Da Jimmy und Jim aus Glasgow stammen und dort auch ihre Hauptband haben, die sich nach dem alten PROFESSIONALS-Song JUST ANOTHER DREAM benannten, reiste unser George einmal quer durch das United Kingdom und vervollstaendigte in der schottische Metropole das self-titled Album. Uebrigens, diese Angaben habe ich mir aus dem Netz gefischt, weil es weder im Infoblatt noch auf der Homepage der Band irgendwelche Daten ueber die neue Line-Up zu lesen gab. Texte sind im mageren Booklet leider nicht vorhanden. So kann man sich also voll und ganz auf den einmaligen Sound einstellen.
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CHAOS U.K.
„Enough To Make You Sick” CD
( Anagram Records / CherryRed.co.uk , Release Date: 01. August 2005 )

Von Chaos U.K. war ich schon damals, Anfang der 80er, nicht sonderlich begeistert. Ihre erste EP „Burning Britain“ (ach, daher der Buchtitel von Ian Glasper´s „The History Of UK Punk 1980 – 1984“) fuer das „Riot City Label“ hatte ich mir zwar zugelegt gehabt, wurde allerdings genauso schnell abgestossen wie ihre musikalischen Seelenverwandten von DISORDER, CHAOTIC DISCHORD oder VARUKERS. Allerdings hatten Chaos U.K. immer mal wieder Songs in ihrem Set, die sich nicht in der typischen Hardcore-Mentalitaet einreihten. Denn auf der „Enough To Make You Sick” findet sich mit “Urban Nightmare” ein richtig guter Punk’n’Roller, der aber unter den 11 Songs leider die ruehmliche Ausnahme bildet. Im Anschluss gibt es obendrauf noch die 12 Songs ihrer „The Chipping Sodbury Bonfire Tapes“, die auch nicht besser klingen, ausser vielleicht das „New Rose“-Intro zu „Kill!“. Eben nicht mein Ding, aber zum Verreissen irgendwie auch zu schade, denn schliesslich gehoerten sie zu den ersten englischen Bands, die sich den Hardcore-Punk auf die Fahne gepinselt haben. Fuer ein OKay reicht das allemale. Kam 1993 das erste Mal in der „Punk Collectors Series“ raus, und wurde nun wieder neu-aufgelegt.
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CLIT 45 - "Self-Hate Crimes" CD digi-pak
CLIT 45
„Self-Hate Crimes“ CD digi-pak
( BYO Records / BYORecords.com , Release Date: 19. April 2005 )

Clit 45 sind vier verdammt junge Rotznasen von der Westkueste der USA, die auf ihrer ersten full-length mit seinen insgesamt 14 Tracks ein atemberaubendes Tempo vorlegen. Der Balanceakt US-Hardcore like MINOR THREAT mit den stilistischen Vorzuegen der fruehen ADOLESCENTS oder BAD RELIGION zu koppeln, und dazu auch noch den britischen Punk Rock nicht ausser Acht zu lassen, ist mehr als nur geglueckt. So gesehen koennen sich Clit 45 jetzt schon in die Reihe von Bands wie RANCID oder the UNSEEN problemlos einfuegen. Dabei klingen sie immer nach Clit 45 und nicht nach irgendeiner billigen Kopie oben genannter Bands! Fuer die spezielle Originalitaet gibt es hinterher in der Bewertung noch ein Extra-Sternchen dazu! Die ueberschaeumte Angriffslust, die von diesen Upstarts ausgeht haute mich im ersten Moment regelrecht um! Ich kacke allerdings zur Mitte hin ziemlich ab, da fuer mich alten Loser das auf Dauer zu anstrengend ist! Mit 42 pickt man sich halt die genialen Mid-Tempo-Rosinen raus wie etwa „Over My Head“, „What´s Left?“, Gimme Death“, „Misery On A Mainline“ und „The Strom Is Over“.
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EINSTÜRZENDE NEUBAUTEN
„Halber Mensch” DVD
( Cherry Red Films / CherryRed.co.uk , Release Date: 25. April 2005 )

Letzten Monat hatte ich mit der DVD von TEST DEPT. „Program For Progress” zu kaempfen und nun schickt mir „Cherry Red“ prompt und frei Haus das deutsche Gegenstueck. Die Neubauten, das war fuer mich schon immer ein rotes Tuch gewesen. Kein Bezug zu. Hab mir mal ein paar short-cut Einblicke in ihrer Perfomance verschafft, also, nee wirklich nicht, das muss ich nicht haben. Freunde dieser Zunft werden allerdings spitze Freudenschreie ausstossen, denn nun gibt es endlich das Begleit-Promo, aufgeteilt auf 10 Videos, zu dem Album „Halber Mensch“, was 1986 veroeffentlicht wurde. Schoen, das wir mal darueber gesprochen haben.
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MANIC HISPANIC - "Grupo Sexo" CD
MANIC HISPANIC
„Grupo Sexo“ CD
( BYO Records / BYORecords.com , Release Date: 12. Juli 2005 )

So jetzt sind GREEN DAY auch in die Punk Rock Classic Reihe der Manic Hispanic aufgenommen worden. Welche eine Ehre, und dann auch noch direkt als Opener mit „Welcome To Paradise“, was von unseren mexikanischen Freunden in „Welcome To Paramount“ umbenannt wurde. Und auch sonst bietet die mittlerweile vierte full-length, die wie immer nur aus professionell nachgespielten Punk Rock Songs besteht, keine wirklichen Veraenderungen. Vielleicht quatschen die Taco-Brueder diesmal ein wenig mehr zwischen den Songs als sonst, aber wie gesagt, man kann sich wieder auf eine wunderbar angerichtete Festtagsplatte einrichten. 11 Songs aus beinahe 30 Jahren Punk Rock History sind vertreten und das reicht von den CLASH mit „Police & Thieves“ bzw. „63“, ueber die VIBRATORS mit „Baby, Baby“ bzw. „Lupe Lupe Lupe“ bis hin zu „Modern Machine“ von the CROWD, bzw. „Lowerd Machine“. Dazwischen gibt es noch fein Nachgespieltes von the CIRCLE JERKS, 999, the WEIRDOS, the RAMONES, FEAR, DESCENDENTS und MINOR THREAT. Guten Appetit also! Wer die vorangegangenen Scheiben besitzt, wird sich bestimmt auch dieses Teil ganz schnell unter den Nagel reissen.
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MEGA CITY FOUR - "Tranzophobia" CD
MEGA CITY FOUR
„Tranzophobia“ CD
( Cherry Red Records / CherryRed.co.uk , Release Date: Juni 2005 )

Das erste Album mit seinen insgesamt 14 Tracks (yep, ganz in der RAMONES-Tradition!) der brillanten Mega City Four, die aus dem kleinen englischen Farmborough in der Naehe von Bristol kamen, erschien 1989 auf „Decoy Records“, unter der Leitung des Erfolgsproduzenten Iain Burgess, der u.a. auch Bands wie NAKED RAYGUN, PEGBOY und EFFIGIES am Mischpult betreute. Einer ihrer ersten Gigs spielten MC4 1987 als support act der ANGELIC UPSTARTS in der Londoner Punkrock-Kultstaette „100 Club“. Spaeter spielten sie mit Bands wie den INSTIGATORS, SENSELESS THINGS, CHINA DRUM, MOVING TARGETS, DOUGH BOYS und den CELIBATE RIFLES zusammen, die schon weitaus eher zu in ihrer musikalischen Bandbreite passten. MC4 waren eine sehr aktive Live-Band gewesen. Nachdem sich der Erfolg ihres full-length Debuet auch ausserhalb von England rum gesprochen hatte dauerte es nicht sehr lange das man sie auch auf deutschen Buehnen zu sehen bekam. Ich hab die Band damals drei Mal live sehen koennen. In Wuppertal, in Dortmund und bei einem Summer Open Air. Ob auf Platte oder auf der Buehne, die MC4-Jungs waren in null-komma-nix erklaerte Lieblinge von mir. Sie waren einer der wenigen Bands, die das was sie im Studio aufnahmen auch live hundertprozentig umsetzen konnten. Das macht eben eine richtige Band aus. MC4 spielten hinreissenden mid-tempo Melodic-PopPunk, und das lange bevor dieser Begriff in der Szene Einzug hielt. Sie hatten schon ganz frueh ihren eignen Stil gefunden gehabt, der bis zum heutigen Tage auch einzigartig geblieben ist. Sie waren eben gleichermassen beeinflusst von Bands wie HÜSKER DÜ, den UNDERTONES und den BUZZCOCKS. Wiz unvergleichliche Stimme erkennt man immer wieder. Er ist auch noch als einziges MC4-Mitglied, nach dem Split der Band im Jahre 1996 musikalisch aktiv geblieben. Heute spielt er in seiner lokalen Punk-Band IPANEMA, die auch schon 2003 eine 7“inch veroeffentlicht haben. Ein Album soll demnaechst wohl folgen. „Tranzophobia“ kann ich jedem nur ans Herz legen, sich dieses Album mal in Ruhe anzuhoeren. Und das gilt nicht nur fuer die heutige GREEN DAY-Kundschaft! Wer in der Schatztruhe der Band kramen moechte, dem empfehle ich auch noch das zweite Album „Who Cares Wins“, und ihre Single-Collection „Terribly Sorry Bob“.
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ORANGE
„Welcome To The World Of…” CD
( Hellcat Records / Starkult Promotion , Release Date: 22. August 2005 )

Eigentlich ist die Geschichte zu dieser Besprechung ziemlich schnell erzaehlt. Vier Teenager aus der Gegend um Hollywood haben im zarten Alter von 16 bis 18 Jahren ihr erstes Album mit 11 Tracks auf dem renommierten „Hellcat Label“ veroeffentlicht, was sich wie ein durch und durch gelungenes Power-Pack aus RANCID, the CLASH und GREEN DAY anhoert. Laut der Homepage von Orange sind die Jungs schon dabei, Songs fuer ein zweites Album zu schreiben. Man soll die Jugend in ihrem Tatendrang nicht stoppen und schon gar nicht, wenn man solch ein beeindruckendes Erstlingswerk hingelegt hat. Dem ist ansonsten nichts hinzu zufuegen.
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THE PITS - "New Conspiracies" CD
THE PITS
„New Conspiracies“ CD
( Bunker Records / BunkerUK.com , Release Date: 06. Juni 2005 )

Tony Lindstedt hat vom Bass zur Gitarre gewechselt und bildet mit Saenger Jerome Dagg seit ihrer ersten full-length „Introducing…“ das Band-Grundgeruest. Der Wechsel ist im uebrigen unbeschadet ueber die Buehne gegangen, denn auch auf dieser mittlerweile dritten CD bleibt sich die Band ihrer Tonart treu. Nur schade, das hier keine Texte beiliegen und man mit einem popeligem Booklet vorlieb nehmen muss. Fuer mich gelten the Pits immer noch zu einer der Punkrock-Bands im Vereinten Koenigreich, die leider viel zu sehr unterschaetzt werden. Und dabei haben sie bisher mit ihren drei Alben bewiesen, das sie fuer intelligent gemachten Punk Rock stehen, dessen Richtung in erster Linie klar auf das Jahr 1977 abzielt und sie in ihrer Machart stark an Bands wie GUITAR GANGSTERS oder RED LONDON erinnern laesst. Sie haben ihren Stil weiterhin verfeinern koennen und haben nun auch einige Reggae-Fragmente in ihren wuchtigen PROFESSIONALS-maessigen „Wall Of Guitar-Sound“ einbetten koennen. Co-Produzent war uebrigens Fred Purser von PENETRATION, der auch mit seiner Gitarre bei Track 7 „Animals“ zu hoeren ist. Fazit: Ein tolles abwechselungsreiches Punkrock-Album das mit seinen insgesamt zehn Tracks nur so vor Energie und Entschlossenheit strotzt! Sunderland Is Calling!
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THE REAL McKENZIES - "10,000 Shots" CD
THE REAL McKENZIES
„10,000 Shots” CD
( Fat Wreck Chords / FatWreck.de , Release Date: 22. August 2005 )

Die trinkfeste Schottenrock-Gemeinde meldet sich zwei Jahre nach der Veroeffentlichung ihres letzten Album „Oot & Aboot“ wieder zurueck und praesentiert mit „10,000 Shots“ ihre erste richtige Release fuer das „Fat Wreck Label“. Wer auf Ueberraschungen gefasst war, kann nun erleichtert aufatmen. Ohne die Band lapidar abkanzeln zu wollen, aber der Sound ist haargenau der Alte geblieben. Punk Rock – die die Westkuesten-Melodicschule genauso stark einbindet wie das britische 3-Akkorde-Wunder der ´70er – trifft auf schottischen Dudelsack, und die Absturzfeier kann feuchtfroehlich beginnen. Das Fat Mike wieder mal als Produzent agierte hoert man an allen Ecken und Kanten der insgesamt 13 satt ausgearbeiteten Tracks. Ein feiner Melodic-Touch a la NOFX ist an manchen Stellen nicht zu leugnen. Die Real McKenzies kann ich mir auch im nuechternen Zustand immer wieder gerne anhoeren. Da kommt nie Langweile auf. Und ein Bier in der Hand vermisse ich dabei auch nicht. Cheers!
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SALVATION - "The Complete Collection 1985-1989" CD
SALVATION
„The Complete Collection 1985-1989“ CD
( Cherry Red Records / CherryRed.co.uk , Release Date: 25. Juli 2005 )

Yep, so lasse ich mir Gothic-Sound gerne gefallen! Obwohl ich ja finde, das Salvation gar nicht so viele Parallelen parat haelt, um mit anderen Gruftie-Bands wie SISTERS OF MERCY, DANCE SOCIETY oder THE MISSION an einem Strang zu ziehen. Dann muessten theoretisch U2 ja auch schon fast unter „Gothic“ laufen, tun sie aber nicht. Natuerlich sollte man bei dieser letzten Vermutung nicht vergessen, das ich auf diesem Gebiet ein blutiger Laie bin und ich mich noch nie fuer Musik der Juenger in ihren schwarzen Gewaendern und weissen Rueschenhemden interessiert habe. Fuer mich sind die insgesamt 20 Tracks eher im Stile von THE ALARM und PRESSURE angesiedelt. Denn die Musik klingt nie wirklich depressiv, sondern durchweg erstaunlich poppig und immer fein grade aus. Sehr angenehme Klangwelt, in der ich mich da gerade bewege. Laeuft absolut rund. Zumal ich mit Track 4 noch eine echte Ueberraschung erleben durfte. Auf Anhieb erkannte ich ihren Hit „Lady Faith“ wieder, der Mitte der 80er sehr haeufig am Wochenende in NRW´s Gruftie-Discotempel No. 1, dem „Zwischenfall“ in Bochum lief. Damals lief dort natuerlich ueberwiegend Dunkel-Kram, aber auch fuer eine halbe Stunde lang Punk from the U.K. und Artverwandtes wie etwa U2 (schon wieder die!), ADAM & THE ANTS, SIOUXSIE & THE BANSHEES oder NEW MODEL ARMY war immer ein Platz im Programm des DJ reserviert. Klar, das ich dort binnen kuerzester Zeit Stammgast wurde und ich fast jede Freitag- und Samstagnacht in eine mir voellig fremde bizarre Welt abtauchte. War aber auch zu dem Zeitpunkt der einzige gute Laden weit und breit, der sich auf Independent Music spezialisiert hatte. Schon ulkig, da bekomme ich fast zwanzig Jahre spaeter diesen einen Song auf einem Silbertablett serviert, ohne vorher zu wissen, was es mit Salvation eigentlich auf sich hat. Im gut aufgemachten Booklet mit reichlich Text versehen, werde ich in alle wichtigen Informationen ueber die Band aus Leeds dann schlussendlich eingeweiht. Wie es heute so ueblich ist, sind die Tracks allesamt digital re-mastered worden, wobei der letzte Song, „Girlsoul“ aus dem Jahre ´83 vorher auf CD gaenzlich unveroeffentlicht war.
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SUN EATS HOURS - "The Last Ones" CD
SUN EATS HOURS
„The Last Ones“ CD
( Rude Records / Starkult Promotion , Release Date: 12. September 2005 )

Im ersten Moment kann man sich nur schwer vorstellen, das die Band aus dem sonnigen Italien stammt. Denn nach ihrem Sound zu urteilen, haette ich die eher der kalifornischen Westkueste zugeteilt, wo man mit Bands wie NOFX, BAD RELIGION, PENNYWISE, LAG WAGON, FACE TO FACE oder NO USE FOR A NAME musikalisch eine Sprache spricht. Nun, mit diesen Bands haben sie sich zum Teil zwar schon die ein oder andere Buehne dieser Welt geteilt, aber sonst sprechen sie eine andere Landessprache. Gut, das Musik sich schon immer ueber Sprachbarrieren locker hinweg setzen konnte. So expliziert klingen die insgesamt 14 Songs sehr kultiviert. Die Band spielt souveraen und voellig straight ihren hypermelodischen, meist auch etwas melancholisch wirkenden PopCore-Punk auf einer satten Powerproduktion aus. Die Gitarrenarbeit ist dabei vorzueglich, man reiche mir zum Dessert die Schale mit den Weintrauben. Schoener Sound zum Abschalten!
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THROW RAG
„13 FT. And Rising” CD digi-pak
( BYO Records / BYORecords.com , Release Date: 12. Juli 2005 )

Immer noch die erste durchweg gelungene full-length „Desert Shoes“ aus dem Jahr 2003 im Ohr, widmete ich mich den insgesamt 14 Tracks auf dem Nachfolgewerk. Schon nach den ersten Songs wunderte ich mich doch sehr, denn dem ehemaligen rotzig-schleppenden Punkrock-Sound mit einem guten Schuss Rock’n’Roll aus der Richtung von the HUMPERS, musste einem ueber weite Strecken ziemlich abgedrehtes Gemisch aus Country, MOTORHEAD-Metal und DEAD KENNEDS zur „Frankenchrist“-Zeit weichen. Ein Song, merkwuerdiger als der andere. Throw Rag geben sich extrem experimentierfreudig und haben sich dabei musikalisch wirklich um 180 Grad gedreht. Und das in voller Fahrt! Da konnte auch Erfolgsproduzent Cameron Webb nicht viel ausrichten und ihm blieb wohl nichts anderes uebrig, als sich dem unbegreiflichen Sinneswandel der Band zu beugen. Der Gitarrensound kommt dabei fuer meine Begriffe am Schlimmsten weg. Meist wird auf aetzender Hardrock-Basis rum gejault. So sick-maessig, wie es in den ´80ern so einige selbsternannte Hardcore-Bands vorgemacht haben. Au backe! Dadurch werden an fuer sich gute Ansaetze sofort zunichte gemacht. Fuer dieses kleine Abenteuer haben Throw Rag uebrigens Lemmy von MOTORHEAD, Jello von den DEAD KENNEDYS und Keith von den CIRCLE JERKS gewinnen koennen, die immer mal wieder den Part den Gastsaengers erfuellen. Ein Cover fand diesmal auch wieder den Weg in die abstruse Welt der Band, nachgespielt wurde von des Country-Helden Merle Haggard der Song „Tonight The Bottle Let Me Down“. Im direkten Vergleich gelobe ich mir mit meilenweitem Abstand ihr erstes Album „„Desert Shoes“.
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THE VARUKERS - "Live: Protest And Survive" DVD
THE VARUKERS
„Live: Protest And Survive“ DVD
( Cherry Red Films / CherryRed.co.uk , Release Date: 05. September 2005 )

Einer der wichtigsten und einflussreichsten britischen Hardcore-Bands aus den fruehen ´80ern – neben DISCHARGE, DISORDER und ONE WAY SYSTEM – wird nun noch mal nachhaltig mit einer DVD gewuerdigt. Finde ich auch ganz in Ordnung, obwohl die Band in all den Jahren nie auf meiner Hitliste stand. Die Varukers kommen auf der Matschscheibe authentisch rueber und lachen koennen die auch. Für Hartgesottene dieser Punk-Spezies eher die Ausnahme. Sonst gucken die meisten ja immer fuerchterlich boese drein, als ob im naechsten Moment die Welt zusammenbricht. Wie dem auch sei, es gibt auf der DVD einen Zusammenschnitt von 66 Minuten. Das Konzert aus Norwich, „Live At The Oval“, vom Oktober ´96 gehoert zum Hauptbestandteil der DVD. Danach folgt noch Bonusmaterial aus Sydney (1998), New York (2000), Nottingham (2005) und den Clip zum Song „Soldier Boy“ aus der ´83er Punk-Dokumentation „UK/DK“ wurde ebenfalls mit angefuegt. Bei allen Aufnahmen ist es immer wieder schoen zu sehen, wie Iro-Punx und Skins vor der Buehne zusammen abfeiern. So soll es sein. Amen!
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