* * * * * * Real Classic! , * * * * * Great Stuff! , * * * * Very Good! , * * * O.K. , * * Poor! , * Real Bullshit!

 

Hier nun das Update fuer August. Das Update fuer September erfolgt Anfang Oktober 2010.  Wie immer, besprochen von Ralf Real Shock.

 

ICON CLAN - „Rock’n’Roll Rodeo” CD
ICON CLAN
„Rock’n’Roll Rodeo” CD
( Whirlwind Records / Gordeon Promotion , Release Date: 23. August 2010 )
Wir zaehlen einmal durch. Ja, da sind Drei am Werke. Hoeren auf den Namen Icon Clan (kein, so schlechter Bandname) und haben sich mit Haut und vor allen Dingen Haaren dem knochentrockenen Rock’n’Roll verschrieben. Da werden die Haare bis zum Ende der vierzehn Tracks bestimmt zu einer ansehnlichen Headbanger-Matte herangewachsen sein. Die drei Weisen kommen nicht aus dem Morgenland, sondern aus Helsinki und rockern sich seit 1999 durch das Staedtchen. Natuerlich haben sie auch schon einige Male ueber den Tellerrand hinaus geblickt und waren in Europa ausgiebig auf Reisen. Hier wird auf Old-School Niveau a la MOTORHEAD oder AC/DC gerockt, bis das die beruehmte Schwarte kracht. Gibt echt Schlimmeres.
( * * + )

THE MEMBERS - „Live in Berlin” CD
THE MEMBERS
„Live in Berlin” CD
( TheMembers.co.uk , Release Date: Juni 2010 )
Ich hab ja mal auf Verdacht Anfang August ein paar Bettel-Promo-Mails in die grosse weite Welt verschickt. Nur die Members liessen nach drei Wochen von sich hoeren. „Live in Berlin“ ist ein Mitschnitt vom April 2010 aus dem „Wild At Heart“. Als Trio zusammen geschrumpft und auch ohne ihren frueheren Saenger Nicky Tesco uebernahm Gitarrist JC Carroll zusaetzlich den Gesangspart. JC macht seinen Job ausgezeichnet und klingt ein wenig wie Arturo Bassick von den LURKERS, der uebrigens im Publikum war. Am Bass blieb mit Chris Payne alles wie gehabt. Nur ihr Drummer wurde ausgetauscht. Kein Geringerer als Nick Cash von 999 sitzt da nun dahinter! Kleines Manko der CD: Die zweite Gitarre fehlt. Dadurch klingen die elf Songs etwas zu duenn. Die Produktion ist allerdings vom Feinsten und haut richtig was raus. Neben den alten Knallern wie „Soho-A-Go-Go“, „Solitary Confinement“ und natuerlich ihren absoluten pUnKrOcK-Klassiker „The Sound Of The Suburbs“ hat man noch einige neue Songs wie etwa „New English Blues Part II“ oder „I Ain’t Gon’ Be Yo’ Bitch No Mo’“ eingestreut, die im Gesamtbild sehr gut harmonieren. Neues Studio-Album wuerde ich wohl besser finden, aber zur Not tut es dieses durch und durch sehr gelungene Live-Werk auch.
( * * * * )

THE RABBLE - „The Battle’s Almost Over...” CD digi-pak
THE RABBLE
„The Battle’s Almost Over...” CD digi-pak
( Filthy Lucre / Gordeon Promotion , Release Date: 20. August 2010 )
Wir stellen uns mal folgendes rein fiktives Szenario vor. Der geleckte Mike Ness (SOCIAL DISTORTION), der schoene Lars Frederiksen (RANCID) und die Punk-Omi der Nation, Nina Hagen (die eh alles annimmt, was sie noch so kriegen kann) sitzen in einer Jury von einer dieser Casting-Shows mit dem Motto „Punkrock Stars“. Alle sind sich einig: Das Trio mit vier Faeusten aus Neuseeland soll gewinnen. Warum? Nun, die Frage beantwortet dieses nun zweite Studio-Album. Perfekt vom Scheitel bis zur Sohle sind die Edel-Youngster musikalisch, textlich, layout-technisch, aber vor allen Dingen optisch einmal komplett durchgestylt. Wirklich, am Allerschaerfsten finde ich dabei den Guertel mit der Skelett-„Mittelfinger“-Hand-Schnalle, die auf dem zweimal auffaltbaren beiliegendem Deluxe-Farbposter vom Gitarristen getragen wird. Also, ein Poster ist dabei, schoen schoen (warum eigentlich kein Starschnitt? Kommt bestimmt mit dem dritten Album.), dazu ein aufwendiges Booklet, und das Ganze in einem Digi-pak der Sonderklasse A verpackt. An alles ist gedacht worden und Mike, Lars + Nina klatschen begeistert Beifall. Nur was fehlt, ist die Seele. Klingt wie aus einem schlechten Pathos-Kriegsfilm, ist aber so. Ich vermisse den Sand im Getriebe. Den Dreck unter den Fingernaegeln, die Hautabschuerfungen, der abgeschlagene Flaschenhals, der vor deinem Gesicht ploetzlich gefaehrlich nahe auftaucht. Das hier was The Rabble veranstalten, das ist mir einige Spuren zu aalglatt und gepost.
Musikalisch machen die Jungs bei ihren 16 Tracks einiges her, keine Frage, die Instrumente beherrschen sie, das ist eine gute Streetpunk/pUnKrOcK-Mischung. Doch dann hoere ich mir lieber die „…And Out Comes The Wolves“ an, also das Original. Die Band hat es ganz einfach nicht auf den Schirm bekommen, ihren eigenen Stil zu entwickeln. Die Songs klingen teilweise wie RANCID-Outtakes. Nee, so wird aus Neuseeland sicherlich keine ansprechende Alternative auf der pUnKrOcK-Landkarte.
Hochglanz-Punk. Das moegen auch sicherlich die angehenden Schwiegermuetter der drei Rabble-Bubis!!! Aber weil es irgendwie so niedlich und kein bissel gefaehrlich wirkt, gibt es aus meinem Pott drei O.K.-Sternchen. Bin ja nicht so…..
Kleine Randnotiz: Ich kannte mal 1982 eine Band aus NZ mit dem Namen THE JOHNNIES, deren 7inch-EP „Who Killed Johnny?“ immer noch bei mir im Regal steht, weil feinster „KILLED BY DEATH“-Shocking//pUnKrOcK, you know. Aber diese Zeiten sind natuerlich laengst vorbei….
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SOIFASS
„Hypokrit” CD digi-pak
( KB Records / Gordeon Promotion , Release Date: 10. September 2010 )
Leute der unteren Gesaesstaschen, wenn ich auf deren „MySpace-Player“ einen Song mit dem Titel „Fickt oich“ entdecke, dann kann das hier nur eine grandiose Fehlplanung fuer mich werden. Und ich erinnere mich an die ganzen fiesen miesen Skinheads, die mir in den 80ern an die Waesche wollten. Aber heute sind sie ja alle lieb und voll united, die Punkies, die Skins, die Mods, die Greaser und die SKA-Witwen. Haeh?
Rein musikalisch ist das neue Album von Soifass, die sich 1999 in Marzahn, einem Ost-Berliner Plattenbauviertel gruendeten, nicht so schlimm wie erwartet. Geht meist in die gediegene Mid-Tempo Richtung, Rock-Musik und Oi! vereint oich, Verzeihung euch. Das Schwergewicht-Image was die Jungs aber so an den Tag legen, ist nix fuer so einen halbgaren Strullerhannes wie mich. Da muesste ich ein paar Stullen mehr futtern, um mitreden zu koennen. Und? Will ich das? Ich meine, mitreden? Sicherlich nicht. Nein, nein, nein, sagt das Punkerschwein. Mein Senfglas bleibt hier fest verschlossen.
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SPERMBIRDS - „A Columbus Feeling” CD
>>> RECORD OF THE MONTH <<<
SPERMBIRDS
„A Columbus Feeling” CD
( Rookie Records / RookieRecords.de , Release Date: 03. September 2010 )
Direkt beim ersten Reinhoeren bleiben Songs haengen. Das ist mehr als erstaunlich! Passiert eben nicht mehr so oft! Bei mir faengt das neue Spermbirds-Album dann eigentlich auch erst mit Track 3 an. Also, zaehle ich mal direkt meine Faves der insgesamt 13 Songs auf. Das waeren, wie bereits erwaehnt Track 3 mit „Stacks & Piles”, „Meet Me In The Middle”, „Black In A Rainbow”, „Choose Not To Look”, „Try And Stop Us”, „Strategy For Victory” und „Let Me Think”. Das sind sieben Tracks. Fuer die heutige Zeit ein ausgezeichneter Schnitt. Mit solch einer Wucht, solch einer Dynamik, solch einer Kraft haette ich nie und nimmer dieses Album erwartet. Musikalisch geht das ganz klar „Back To The Roots“, als das „Trust“ und das „Zap“ die Fanzine-Landschaft dominierten, als im Amiland der Hardcore auftrumpfte und die Szene fest im Griff hatte und als das „Maximum Rock’n’Roll“ fuer viele so was wie eine Bibel war. Und als ich beinahe woechentlich nach Berlin telefonierte, um mir die aktuellsten HC-Scheiben von „Sasquatsch“-Alex aufschwatzen zu lassen.
Die Songs sind meist voellig simpel, haben aber eine unwiderstehliche Gitarrenfolge. Lee Hollis fuerchtet sich nach wie vor nicht um das Wohl seiner Stimmbaender. Na ja, wenn die alten kaputt gehen sollen, legt die Band bestimmt zusammen fuer ein paar Neue. Lee Hollis bleibt der Chef im Ring. Von ihm wuerde ich mir wohl auch eine Eigentumswohnung oder eine Versicherung andrehen lassen, so vertraut klingt der Herr in meinen Ohren nach. Und der Sound ist Punk Rock mit der typischen 80er HC-Haltung. Gehoert sich ja heute nicht in der modernen Punker-Welt, in so einer abgestandenen Suppe rumzuruehren. Unfassbar, das die Spermbirds so etwas noch, nach all den Jahren hinbekommen. Und das mit einer derartigen Leichtigkeit verbunden. Was bei den Spermbirds evtl. etwas neu zu sein scheint, ist der minimale poppige Anteil, der die Refrains leichter zugaenglich macht. Und das fliesst so nahtlos ein, dass du dir keinen Kopf machen brauchst. Das passt einfach! So kann Punk Rock auch im Jahr 2010 klingen. Immer noch scheisse-wuetend, trotzdem melodisch bis Kante, man muss die Dinge nur fest im Visier haben.
( * * * * * )