* * * * * Hit! , * * * * knapp vorbei , * * * OKay , * * Glueck gehabt , * Shit!

So, hier nun (mit ein paar wenigen Tagen Verspaetung) das Februar-Update. Das naechste Update erfolgt dann Ende Maerz 2006. Alle Reviews, wie immer, besprochen von Ralf Real Shock.

 

ANTI-FLAG - "For Blood And Empire" CD
ANTI-FLAG
„For Blood And Empire” CD
( Red Ink Music / Dynamic-Discord-Agency.com , Release Date: 17. Maerz 2006 )
Anti-Flag auf einem Major? Da war die Szene vor gut einem Jahr in heller Aufregung! Ob das gut gehen kann? Gerade bei einer Band wie Anti-Flag, dessen oberstes Gebot es ist, politische Denkanstoesse zu geben, die nicht so einfach mainstream-maessig zu verdauen sind. Sollte die Band etwa Einschnitte hinnehmen muessen? Nun ja, ich fand es auch zunaechst etwas merkwuerdig, dass ausgerechnet Anti-Flag zu „Sony/BMG“ wechselten. Meines Erachtens hatten sie das auch gar nicht noetig, denn schliesslich waren sie bei „Fat Wreck Chords“ in guten Haenden. War es am Ende doch nur der schnoede Mammon, der die Band dazu verleiten liess das Major-Angebot nicht auszuschlagen? Im Gegensatz zu frueher, braucht sich aber heute gluecklicherweise keine Band mehr bei den Majors einzuschleimen, sie brauchen keine Abstriche in ihren Texten zu machen und das Punkrock-Musik salonfaehig geworden ist, brauche ich wohl niemanden mehr zu erzaehlen. Von daher bleibt alles beim Alten und die Band kann die Vorzuege nutzen, bei der eine kleinere Plattenfirma einfach ueberfordert waere. Bestens Beispiel hierfuer GREEN DAY. Trotzdem sehe ich „meine Punkrock-Bands“ lieber auch auf einem entsprechend sympathischen Punkrock-Label, als auf einem fuckin´ Major, das die Musik generell nicht als Attitude sieht sondern als reine Verkaufsware. Wenn also die Verkaufszahlen nicht stimmen sollten, werden Anti-Flag bestimmt wieder ganz schnell auf einem Punk-Label zu finden sein, oder aber sie werden in etwa so gross wie GREEN DAY, RANCID oder the OFFSPRING. Genug der privaten Spekulationen, lets talk about the music and lyrics! 13 Songs, oder besser formuliert 13 offene Wunden, die direkt ins Herz von Amerika´s korrupter Bush-Politik stossen. Anti-Flag sind noch direkter geworden und machen keinen Hehl daraus, das sie von der momentanen Regierung herzlich wenig halten. Anti-Flag tun gut, gerade im aktuellen Punkrock-Bereich, wo ansonsten Gleichgueltigkeit und Traegheit herrscht. Sie sagen klipp und klar was Sache ist und lassen sich auch kein Hintertuerchen offen, wo sich so manche Band aus der Szene versteckt. Bei Anti-Flag weiss man einfach wo man dran ist. Das macht fuer mich die Band in erster Linie aus! Musikalisch weiterhin vornehmlich auf ´77er Hymnen-Kurs im ganz grossen Punk-Reggae-Style von the CLASH und STIFF LITTLE FINGERS, um hier mal die zwei klassischen Beispiele zu nennen. Verdammt mitreissend und extrem abwechselungsreich vorgetragen. Songs wie „I´d Tell You But…“, „The Press Corpse“ oder „Hymn For The Dead“ gehen einfach unter die Haut.
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BOMBSHELL ROCKS - "The Conclusion" CD
BOMBSHELL ROCKS
„The Conclusion” CD
( Combat Rock Industry / FireInsideMusic.com , Release Date: 01. Februar 2006 )

Ganz klar, die ganz grossen „Mid-Tempo“-Knaller ihrer letzten Scheibe „From Here And On“ fehlen, denn mit dem Weggang ihres Saengers Marten Cedergran – der sich danach als Tattoo Artist versuchte – verloren die Schweden im Sommer 2003 ihren wichtigsten Mann. Das kann man erst einmal ruhig so stehen lassen, denn gerade bei „From Here And On“ schrieb Marten alle Texte fuer. Doch die restlichen Vier wollten die Band aufrechterhalten und so uebernahmen die beiden Gitarristen Richard Andersson und Crippi Maeaetae abwechselnd das Mikro. Sie liessen Marten dabei ueberraschend schnell in Vergessenheit geraten, obwohl mir seine Stimme auf „From Here And On“ am besten gefiel. Die Band spielte nun aber eine haertere Gangart, was sich auf ihrer MCD „Love For The Microphone“ gut abzeichnete. Mit „The Conclusion“ werden nun 13 Tracks wiedergegeben, die dann gluecklicherweise wieder verstaerkt auf die melodische Variante anspielen. „Bloodbrothers“ kommt da z.B. ganz im Stile von RANCID´s „…And Out Come The Wolves“, aber immer noch mit der eigenen Note unterlegt. Waere ja auch ein Unding, wenn die Band in all den Jahren nicht ihren persoenlichen Stil gefunden haette. Die Texte schreiben nun Richard und Crippi und ich meine, dass es hier wesentlich politischer zugeht. Das wirkt sich auch auf die einzelnen Songs aus, die meist sehr gitarrenlastig sind, und allgemein betrachtet orientieren sie sich schon an ihre ganz fruehe Phase, was die vielen Streetpunk-Refrains auch offenkundig belegen. Und hier kommt dann der Einschnitt von mir, auf Dauer klingen die Songs schon etwas zu hart und leider zu unmelodisch. Mehr am Hardcore-Punk dran, als am 77er-Punk. Schade, haette naemlich sehr gerne die fuenf Sternchen raus gehauen. Inkl. Hidden-Track.
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THE DESTRUCTORS
„The Punk Singles Collection“ CD
( Captain Oi! Records / CaptainOi.com , Release Date: 20. Februar 2006 )

„Captain Oi!“ darf sich ruhig auch mal einige Schnitzer erlauben. Hier ist so ein Fall mit den Destructors! Sie sind nicht wirklich schlecht, aber auch nicht wirklich gut! Eben typischer Roedel-Hardcore, der Anfang der 80er auf der britischen Insel hoch im Kurs stand. Die meisten Bands dieser Spezies nahmen sich nie die Zeit an einer richtigen Melodie zu basteln. Deswegen kaufte ich mir schon zu der Zeit nix von diesen speziellen Bands! Der Drummer konnte zwischen den Songs locker ein paar Biere zischen, weil er eh nur den einen UftaUfta-Rhythmus halten musste. Auch bei den Destructors-Nietenkaisern laeuft es stur nach Schema F. Null Einfallsreichtum! Die Songs hoeren sich alle irgendwie ziemlich gleich und verdammt boring an. Warum „Captain Oi!“ denen nun unbedingt noch mal eine Re-Release ermoeglichte, bleibt fuer mich ein Raetsel. Hier nun alle Singles der Band, angefangen mit der „Senseless Violence“ (Juni ´82), gefolgt von der „Religion“ (August ´82), der „Jailbait“ (Dezember ´82) und der „Forces Of Law“ (April 1983). Es folgten die 12“inches „Wild Thing“ und „Cry Havoc & Unleash The Dogs Of War” (Dezember ´83). Das Artwork stammte uebrigens von Brain „Pushead” Schroder, der mir zum ersten Mal in den ´80ern durch diverse Zeichnungen fuer das „MRR“ aufgefallen war. Zum Schluss gibt es dann noch zwei Tracks von einer limitierten 500er-Single, die dem Fanzine „Trees And Flowers“ beigelegt wurde. Macht zusammen 28 Tracks.
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THE DESTRUCTORS
„Exercise The Demons Of Youth“ CD
( Captain Oi! Records / CaptainOi.com , Release Date: 20. Februar 2006 )

Da hilft auch kein Nach-Mastern mehr! Die Band war einfach zu lasch und konnte einfach keine guten Songs spielen! Die Texte hingegen waren in Ordnung, aber man achtet ja doch zuerst auf die Musik. Das erste Album unter dem Namen „Exercise The Demons Of Youth“ enthielt 19 Tracks und erschien irgendwann im Jahre 1983. Insgesamt sind 29 Tracks auf der CD zu hoeren, da die ersten beiden Singles hier noch einmal als Bonus draufgepackt wurden.
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FLESH FOR LULU - "Roman Candle – Live" DVD
FLESH FOR LULU
„Roman Candle – Live” DVD
( Cherry Red Films / CherryRed.co.uk , Release Date: 27. Februar 2006 )

Funny Stuff aus den 80er, ich kannte die Band vorher nur vom Namen her. Der eigenwillige Charme der 80er wird in der Live-Performance sehr gut wiedergegeben. Obwohl ich dem Flesh For Lulu-Sound nicht sonderlich angetan bin – eine Mischung aus Gothic, Rock’n’Roll und ADAM ANT New Wave – kann ich mich von dem Geschehen auf der Buehne nur schwer losreissen. Die stark geschminkten Herren dieser Fakultaet sehen in ihrem Buehnen-Outfit nach feinstem Glam-Trash-Punk aus, eher harmlos, aber doch irgendwie unberechenbar, wie die Zugabe von dem STOGGES-Cover „I Feel Alright“ dann offenbart. Und schwups ist ihr ewig grinsender Saenger vorne im Zuschauer-Mob verschwunden und die humorlose Security hat alle Haende voll zu tun ihn wieder heile auf die Buehne zubekommen. Schoene Bilder und sauber eingefangen vom Kamerateam, das diesen Auftritt vom Mai 1985 im Londoner „Camden Palace Theatre“ in seiner vollen Laenge von 55 Minuten filmte.
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I WALK THE LINE - "Desolation Street" CD
I WALK THE LINE
„Desolation Street“ CD
( Combat Rock Industry / FireInsideMusic.com , Release Date: 01. Februar 2006 )

Schwachpunkt der Schweden-Band ist ganz eindeutig ihr Saenger Ville, der nebenbei auch den Bass bedient. Er kann nur einen Ton rauf- und runtersingen, bietet allenfalls langweiligen Punk-Standard und versucht erst gar nicht eine Melodie zu halten. Bei dieser ausgekluegelten musikalischen Mischung aus ein wenig Duester-Gothic und hauptsaechlich modernen Punkrock-Klaengen waere ein Gesangsorgan vom Kaliber eines Dave Vanian, Stiv Bators, Jack Grisham oder Michael Monroe natuerlich der Idealfall. So muss man aber leider mit einer recht mageren Durchschnittskost vorlieb nehmen. Was haette man als vielseitiger Saenger in dieser mehrschichtigen Art von Musik, die durch die staendige Piano-Praesenz noch eine weitere zusaetzliche Atmosphaere offen haelt, nicht alles reininterpretieren koennen. Ich moechte da gar nicht weiter ausholen. So kommt es wie es kommen muss, die 12 Tracks lassen sich im Verlauf ihrer Spielzeit im Mittelmass nieder. Die Schweden haben doch sonst die besten Saenger. Warum hier nicht? Mein Tip(p), besser nur am Bass bleiben Ville, und sich schleunigst einen neuen Saenger suchen, der dem anspruchsvollen I Walk The Line-Sound gewachsen ist. Dann wird die Band auf jeden Fall noch zu einer weiteren Hauptattraktionen aus dem wichtigsten Land des europaeischen Rock’n’Roll. Trotzdem, four stars fuer die hervorragende Musikleistung!
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IAN PAGE & THE AFFAIR
„Hold On To Your Mojo“ MCD
( Detour Records / Detour-Records.co.uk , Release Date: 06. Februar 2006 )

Ian Page´s zweite Single, die er mittlerweile fuer Dizzy´s „Detour Label“ aufgenommen hat. Wie auch schon der Vorgaenger „Prove It“ schwer vom Soul beeinflusst geizt der extrem tanzbare Titelsong nicht mit Einsaetzen von Blasinstrumenten. Die Mod-Gemeinde wird es ihm danken und liegt ihm sicherlich wieder zu Tausenden vor den Fuessen. Bei Track 2 „It´s Growing“ geht es noch eine Spur heftiger in Richtung Soul. Vom guten alten Brit-Mod der ´70er a la the JAM, the CHORDS oder the JOLT ist man meilenweit entfernt. Vielleicht ist da nur noch der Name uebrig geblieben, aber auch von seiner damaligen Band, the SECRET AFFAIR war ich nie sonderlich angetan gewesen. Bei Track 3 handelt es sich um ein Cover der klassischen Soul-Ballade „The Tracks Of My Tears“ und gefaellt mir persoenlich am besten. Und das nicht nur, weil die Blaeser mal Pause haben.
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the LOVED ONES - "Keep Your Heart" CD
THE LOVED ONES
„Keep Your Heart“ CD
( Fat Wreck Chords / FatWreck.de , Release Date: 20. Februar 2006 )

Das Trio aus Philadelphia macht ganz schoen Alarm! Die musikalischen Erfahrungen sammelten sie vorher in lokalen Bands wie the CURSE, TRIAL BY FIRE und KID DYNAMITE, die wohl am ehesten ein Begriff sein duerften. Vorbildfunktionen hatten sicherlich auch Bands wie ARTICLES OF FAITH, LEATHERFACE und die komplette Palette an FACE TO FACE artverwandten Combos. Mit einem Bein stehen sie beinahe kurz vorm seichten Melodic-Pop-Core, doch die rasant gespielten Songs lassen da keine zweite Meinung zu. The Loved Ones sind extrem druckvoll, verdammt eingaengig und bei allen dreizehn Songs gehen sie spuerbar straight zur Sache. Gluecklicherweise bleibt da ueberhaupt keine Zeit sich am komplizierten Frickel-Kram like AGAINST ME! auszuprobieren. Auch die melancholischen Momente kommen nicht zu kurz, wie man es beispielsweise auf Track 7 „Sickening“ gut hoeren kann. Zum Schluss drehen sie mit den Power-Punkern „100K“ und „Player Hate Anthem“ noch mal so richtig schoen auf. Alles perfekt gemacht fuer einen optimalen Start auf „Fat Wreck Chords“.
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MAD SIN
„Teachin´ The Goodies…And More!“ CD
( Anagram Records / CherryRed.co.uk , Release Date: 23. Januar 2006 )

Mad Sin aus Berlin kennt man mittlerweile in den Staaten genauso gut wie in Japan. Das kontinuierliche Touren macht sich irgendwann mal bezahlt! Und die Band hat ja buehnen-technisch eine Menge zu bieten. Aber auch auf „Teachin´ The Goodies…And More!“ reizen mich Mad Sin musikalisch kein bisschen. Das Album erscheint nun in einer Neuauflage mit fuenf Bonus-Tracks, darunter Cover-Versionen von TURBONEGRO „Rock Against Ass“ und von the CRAMPS „Human Fly“. Bei den restlichen Tracks sind auch noch einige Cover-Songs vertreten, wie etwa von BOB MARLEY „I Shot The Sheriff“, von the DWARVES „Saturday Night“ und von the MISFITS „London Dungeon“. Geht schon irgendwie mit zwei fest zugekniffenen Augen in Ordnung.
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the MEMBERS - "At The Chelsea Nightclub" CD
THE MEMBERS
„At The Chelsea Nightclub” CD
( Captain Oi! Records / CaptainOi.com , Release Date: 30. Januar 2006 )

Was soll nun noch bitte schoen kommen? Mit dem Erscheinen der ersten beiden Alben der Members scheint „Captain Oi!“ nun alle wirklich wichtigen Punk/New Wave Records der ´70er abgegrast zu haben. Ich habe mir dazu mal das Buch „Punk Diary 1970-1979“ von George Gimarc vorgeknoepft, insbesondere den Index am Schluss des Buches. Fuer sein 266-Seiten starkes Buch hat Gimarc akribisch die aktuellsten Nachrichten aus der damaligen Punkrock-Szene Woche fuer Woche, hauptsaechlich aus den englischen Musikblaettern, „NME“, „Sounds“ und „Melody Maker“ rausgefiltert. Ihm ist dabei wirklich nichts entgangen. Und die Members tauchten im Index als einzige Band noch auf, dessen beiden Alben bisher noch nicht auf CD veroeffentlicht waren. Alle anderen Scheiben von Bands wie the BOYS, CHELSEA, the SKIDS, PENETRATION, LEYTON BUZZARDS, the LURKERS, the CHORDS, the VAPORS oder the JOLT sind in den letzten Jahren bei „Captain Oi!“ rausgekommen. Tja, und fuer meine Begriffe schliesst sich da nun der Kreis mit den Members. „At The Chelsea Nightclub” muss leider ohne Texte im Booklet auskommen. Dafuer steht aber ihr Saenger Nicky Tesco bei den insgesamt 19 Tracks (wovon allerdings acht Bonus-Tracks sind) Rede und Antwort. Und da erfaehrt man schon so einige ziemlich bemerkenswerte Details zu den einzelnen Songs. JOHN PEEL war es damals, der zuerst ihre Debuet-Single „The Sound Of The Suburbs“ in seinem Programm hatte. Auch hier sorgte good old Peely dafuer, das die Members sofort zum Gespraechsthema wurden und schon bald sollten sie bei „Virgin Records“ einen Vertrag unterschreiben. Die Band blieb Stammgast in seinem Programm und so spielte er oft genug „Soho A Go Go“, „Stand Up And Spit“ oder „Love In A Lift“ von dieser ersten LP hier. Die Members schraenkten sich in ihrer Musik nicht ein und waren weitaus offener als manch andere Punkrock-Band zu dieser Zeit. Das bescherte uns einen verdammt abwechselungsreichen Sound, der eine brillante Mischung aus ´77er Punk Rock, Reggae und den seichteren britischen New Wave Klaengen war. Vergleichsweise etwa mit the RUTS, da Nicky Tesco ein aehnlich starkes Ausnahme-Organ hatte wie Malcolm Owen. Die Members produzierten reihenweise Hits, andere Bands wie etwa die NEWTOWN NEUROTICS spielten sie mit veraendertem Text nach, aus „Solitary Confinement“ wurde „Living With Unempolyment“. Aber Tesco mochte die Neurotics-Version weniger, wie er im Booklet verlauten laesst. Nach all den Jahren nun das erste Mal auf CD. Klasse-Job mal wieder vom „Captain Oi!“!!!
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the MEMBERS - "1980 – The Choice Is Yours" CD
THE MEMBERS
„1980 – The Choice Is Yours” CD
( Captain Oi! Records / CaptainOi.com , Release Date: 30. Januar 2006 )

Wie schon bei der ersten Members-Review erwaehnt, habe ich wirklich darauf gewartet, dass es auch das zweite Album endlich auf CD schafft. Auf „1980 – The Choice Is Yours” fehlen vielleicht im ersten Moment die ganz ganz grossen Ueberflieger der ersten CD, aber im 6-Song-Bonus-Teil gibt es zwei der besten Punkrock-Songs ueberhaupt von den Members zu hoeren. Damit meine ich ihre Single „Killing Time“ und deren B-Seite „G.L.C.“. Eingeleitet wird die 17-Song-CD uebrigens mit dem phantastischen Reggae-Instrumental „The Ayatollah Harmony“, eine Art von Tradition, die auf dem ersten Album mit dem ebenso hervorragenden „Electricity“ begonnen hatte. Wie ihr merkt war und bin ich immer noch hoffnungslos diesem einzigartigen Sound der Members verfallen. Im Booklet ist nun allerdings Gitarrist JC an der Reihe und gibt einige denkwuerdige Storys zum Besten. Unbedingt zu erwaehnen waeren auch noch die Klassiker „Romance“, „Flying Again“ und „Police Car“. Beide Picture-CDs sind im Original-Artwork der Vinylversionen gehalten und im Booklet gibt es zusaetzlich noch Fotos und Coverabbildungen ihrer 7“inches. Neben den beiden anderen „Virgin Label“-Heroes, the SKIDS und the RUTS gelten die Members als ausgezeichnete Ergaenzung. So klang der britische Punk Rock/New Wave Ende der 70er!
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MIKEYLA
„The Lie” CD
( B Factory Music / Gordeon Promotion , Release Date. 03. Maerz 2006 )

Die 19jaehrige Mikeyla wird in ihrer Heimat Schweden nach der Single-Auskoppelung des Titeltrack bereits als neuer Shooting Star am RockPop-Himmelchen gehandelt. Doch mein Geschmack trifft es nicht! Obwohl ich ja doch zugeben muss, das mich die Umschreibung ihrer 12-Song-CD zunaechst recht neugierig gemacht hatte. Denn diesem Text zufolge haette ich auf Musik im Stile von SHAMPOO oder KENICKIE getippt. Dies trifft aber nur auf den Song „Young And Stupid“ wirklich zu. Ein unbeschwerter pUnK-maessig angehauchter Ohrwurm, der schon seit Wochen bei mir in der Playlist immer mal wieder gerne auftaucht. Genau diesen unverbluemten BubblegumPop-Sound haette ich auch noch gerne auf den restlichen Tracks gehoert. Aber da wird meist eine grausame Bombast-Mainstream-Rock-Schiene gefahren. Sound fuer fuckin´ MTV eben! „Young And Stupid“ bleibt also eine janz einsame Klasse fuer sich und gewinnt auf jeden Fall ein zweites Sternchen dazu.
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PENETRATION - "Moving Targets" CD
PENETRATION
„Moving Targets“ CD
( Captain Oi! Records / CaptainOi.com , Release Date: 30. Januar 2006 )

Ein weiteres Klassiker-Album der britischen Punkrock-History! Ich kaufte mir damals, Mitte der 80er, die LP bei einer Plattenboerse in Holland im limitierten „Glow In The Dark“-Vinyl, zusammen mit der dritten RAMONES „Road To Ruin“ in yellow vinyl. Und das fuer verhaeltnismaessig kleine Kohle. Natuerlich kannte ich die elf Songs auf „Moving Targets“ schon weit vorher, da mein Bruder sich die LP sofort zulegte, als sie im Oktober 1978 erschien. Vorab hatte JOHN PEEL uns aber schon per Radio so richtig schoen heiss gemacht und in seiner Samstagmorgen-Show „Rock Today“ auf „BFBS“ Songs wie „Future Daze“, „Life´s A Gamble“, das BUZZCOCKS-Cover „Nostalgia“ oder das PATTI SMITH-Cover „Free Money“ einige Male gespielt gehabt. „Virgin Records“ veroeffentlichte 1990 das Album zum ersten Mal recht lieblos auf CD, zusaetzlich aber mit den fuenf Bonus-Tracks von ihrer ersten 7“inch „Don´t Dictate“/Money Talks“, ihrer zweiten 7“inch „Firing Squad“/„NeverR“ und die B-Seite „V.I.P.“, von ihrer dritten 7“inch „Life´s A Gamble“. 16 Jahre spaeter wartet „Captain Oi!“ mit einer weitaus besseren CD-Version auf. Voellig neu gemastert wirken die Songs von Anfang an um einiges druckvoller und kommen dadurch noch viel besser zur Geltung. Dabei hoert man Sachen, die man vorher einfach nicht gehoert hatte oder man hat nicht darauf geachtet, weil einfach zu leise abgemischt, wie etwa der Background-Chorus zu „Life´s A Gamble“. Dazu gibt es Dutzende Beispiele mehr auf „Moving Targets“. „Captain Oi´s“-Hausmischer Tim Turan von „Turan Audio“ verleiht den Songs einen wahrhaftig neuen Zauber. Da wo „Virgin“ 1990 die Liebe zum Detail vermissen liess, hat Captain Oi!“ mal wieder ein Top-Booklet aus dem Aermel gezaubert. „Record Collector“-Journalist Alex Ogg schrieb gemeinsam mit Saengerin Pauline Murray eine vier-seitige Band-Story. Danach folgen alle Texte zu den insgesamt 16 Songs (natuerlich hat „Captain Oi!“ die eben erwaehnten fuenf Bonus-Tracks mit an Bord genommen), die durch Singlecover und Fotos aufgelockert werden.
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the RUTS - "The Punk Singles Collection" CD
THE RUTS
„The Punk Singles Collection“ CD
( Captain Oi! Records / CaptainOi.com , Release Date: 20. Februar 2006 )

17 Single-Tracks, angefangen von ihrem beeindruckendem ´79er-Debuet „In A Rut“ bis zum typischen Ruts-Smasher „West One (Shine On Me)“. Neu gemastert, so das die Musik viel dichter aus den Boxen schallt. Und das faellt bei den ruhigen Reggae beeinflussten Tracks besonders ins Gewicht. Zum ersten Mal auf CD die original Versionen von „Babylon´s Burning”, „Something That I Said” und „Jah War”. Zusaetzlich debuetiert „Society”, die B-Seite von „Babylon´s Burning”. Nach dem tragischen Drogentod ihres einzigartigen Saengers Malcolm Owen machten die restlichen drei Ruts-Mitglieder mit dem Saxophonisten Gary Barnacle – spielte schon bei „West One“ und „Jah War“ mit – unter dem Namen RUTS D.C. einige Zeit weiter. Die Songs „Different View“ und „Formula Eyes”, von ihrer ersten Single und zugleich auch letzten Release fuer „Virgin Records” sind am Schluss der CD zu hoeren. „Jah War“ war in den 80ern einer der Songs, der am Wochenende in jeder Independent-Disco lief. In etwa vergleichbar mit STIFF LITTLE FINGERS „Johnny Was“. Natuerlich sind im Booklet wieder alle Single-Cover abgebildet, die mit wichtigen Informationen unterlegt sind. Die Songs der Ruts bleiben bis heute unschlagbare Klassiker der britischen Punkrock-History.
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the SODA POP KIDS - "Write Home" CD
THE SODA POP KIDS
„Write Home“ CD
( Full Breach Kicks / FullBreach77.com , Release Date: Februar 2006 )

Das was mir direkt bei den insgesamt 10 Songs unangenehm aufstoesst, sind die nicht zu ueberhoerenden „Rhythmus & Blues“-Einfluesse. Und ich wette, dass ihr Saenger weitaus mehr drauf hat, als man es bei diesem doch ziemlich verzerrten Gesang-Mix raushoert. Ich haette mir lieber ein wenig mehr Glam-Rotz gewuenscht, anstatt ewig auf dem ausgelutschten Rock’n’Roll-Garagensound rum zureiten, denn dadurch klingen die Soda Pop Kids latent sehr nach boring ROLLING STONES der 60er. Ich haette dann lieber die andere Variante bevorzugt, you know snotty DEAD BOYS der 70er mit den BLACK HALOS und D-GENERATION der 90er. Fuer mich bleiben die Songs irgendwann im Nirgendwo stecken und wirken eben nur noch althergebracht und ziemlich gewoehnlich. Das das solch einer Band passieren koennte, die u.a. den Saenger von the RIFFS, Tony Mengis am Bass und Stevie Kix von the WEAKLINGS am Schlagzeug beherbergt, haette ich mir vorher einfach nicht denken koennen. Das ist mir einfach too much an Whiskey durchtraenkendem „Rhythmus & Blues“-Stuff.
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TWO TONE PINKS - "Battered And Bruised" CD
TWO TONE PINKS
„Battered And Bruised“ CD
( Detour Records / Detour-Records.co.uk , Release Date: 16. Januar 2006 )

Da hat „Detour Records“ wieder tief in die Mod-Truhe gegriffen. Mir war die Band aus Manchester bisher jedenfalls kein Begriff gewesen. 1979 gingen die Two Tone Pinks aus der New Wave/Punk-Combo the SNYDE hervor. Ihren ersten Gig spielten sie im August des selben Jahres, als support von the SELECTER. Recht schnell hatten sie ein richtiges Live-Programm auf die Beine gestellt und spielten ihre Gigs quer durch das Vereinte Koenigreich. Da trat man auch schon mal mit den U.K. SUBS, the RUTS, the FAST CARS oder the VAPORS gemeinsam auf. Konzertmaessig lief es also hervorragend, aber ihre Musik auf Vinyl zu transportieren gestaltet sich als recht schwierig. Eine selbst aufgenommene Demo-Cassette wurde zu allen moeglichen Plattenfirmen gesandt, doch niemand schien sich fuer ihre Musik zu interessieren. Es hagelte nur Absagen. Nur einen Song brachte die Band offiziell unter. Das ist auch zugleich der CD-Opener „Don´t Lecture Me“, der damals auf dem nun raren LP-Sampler „A Sudden Surge Of Sound“ zu finden war. Bereits 1980, ein gutes Jahr nach ihrer Gruendung trennte sich die Band wieder. Wahrscheinlich war die Enttaeuschung zu gross, das kein Label sich erweichen liess ihre Musik auf Vinyl zu pressen. Auf dieser CD sind die acht Studio-Recordings von besagter Demo-Cassette zu hoeren. Als Bonus gibt es einen einwandfreien 6-Song-Live-Mitschnitt aus dem Jahre 1980, u.a. mit den Cover-Versionen „All Day And All Of The Night“ (the KINKS) und „Apache“ (the SHADOWS). Die Two Tone Pinks gehoeren sicherlich nicht zu meinen „Top Ten“-Combos, wenn es um den Mod-Sound der ´70er fruehen 80er geht. Aber man muss der Band auch unbedingt zu Gute halten, das sie erst am Anfang ihrer musikalischen Entwicklung standen, und so gesehen sind die einzelnen Tracks schon so was wie kleine Mod-Perlen. Von daher ist es einfach schade, dass die Band nicht einige Jahre weitergemacht hat.
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U.S. BOMBS - "We Are The Problem" CD
U.S. BOMBS
„We Are The Problem” CD
( People Like You Records / Starkult Promotion , Release Date: 13. Maerz 2006 )

Nach ihrer eher etwas schwaecheren letzten full-length „Covert Action“ aus dem Jahre 2003 haette ich es ehrlich gesagt, nicht fuer moeglich gehalten, dass sie es noch einmal gemeinsam in ein Studio schaffen. Duane Peters aka „The Master Of Disaster“ hatte schliesslich mit DIE HUNNS und THE DUANE PETERS GUNFIGHT gleich zwei parallel laufende Bands am Start, und sein Label „Disaster Records“ nahm ihn natuerlich auch enorm viel Zeit in Anspruch. Nicht zu vergessen, die Geburt seines Sohnes „Clash Peters“. Kerry Martinez aka „K Bomb“ hingegen lebte schon seit geraumer Zeit in New York City, hatte eine neue Band mit den BAD LUCK CHARMS und spielte soviel ich weiss auch die ein oder andere US-Tour bei ROGER MIRET & THE DISASTERS mit. Ausserdem produzierte er Scheiben von the HEARTACHES und the BROKEN BOTTLES. Und ohne ihren Originalsaenger- und Gitarristen waeren die Bomben auf jeden Fall aufgeschmissen gewesen. Hinzu kam der Weggang ihres langjaehrigen Bassisten Wade Walston, und auch Drummer Chip Hanna verabschiedete sich nach seinem Wieder-Einstieg nun endgueltig. Doch irgendwie schien es dass sich die Band, um Duane und Kerry noch einmal ernsthaft berappeln wuerde. Mit ihrem zweiten Mann an der Gitarre Curt Stitch (the RADICTS, L.E.S. STITCHES), und der neuen Rhythmussektion, Bassist Andy Dahill und Schlagzeuger Jamie „Monkey Boy“ Reidling wurden im letzten Jahr die 15 Songs fuer „We Are The Problem“ aufgenommen. Tatkraeftige Unterstuetzung bekamen sie von ihrem alten Freund und Piano-Man Doug Summers, der zusammen mit der Band 1999 am Album „The World“ mitgearbeitet hatte. Das Ergebnis auf ihrer nun mittlerweile siebten full-length Studio-Scheibe ist erstaunlich gut ausgefallen. Es scheint beinahe so, als wenn sich insbesondere Duane dabei mehr ins Zeug gelegt hat, um die stimmliche Qualitaet wieder in fruehere Topform zu praesentieren. Die Songs klingen allesamt ausgewogener, melodischer und auch irgendwie weiser. Besonders mit dem Titel-Track ist ihnen wieder nach langer Zeit ein echter Punkrock-Smasher im Stile von „Warstoryville“ und „Yanks & Rebs“ gelungen. Wahrlich einer der besten US Bombs-Songs! Und das Video mit der umgedrehten US-Flagge ist eh Punk Rock 77! Kerry wird uebrigens – ganz im Stile der RAMONES, als Dee Dee auch mal ans Mikro ran durfte – beim Gesang haeufig mit eingebunden. Das bringt natuerlich wieder zusaetzliche Abwechselung mit sich. Die Bomben ueberraschen auch mit verhaeltnismaessigen ruhigen Nummern, wie etwa „Guns Of The West“, das im ersten Moment wie „Gates Of The West“ von the CLASH klingt oder die lupenreine Ballade „Tonight”, und den locker vom Hocker gespielten Rocker „Heartbreak Motel“. Aber auch die laute Punkrock-Haltung kommt in Songs wie „Do It Again“, „Revolution Weekend“ oder „4th Of July“ nicht zu kurz! Die US Bombs beweisen mit dieser Scheibe dass sie wieder voll im Saft stehen und immer noch zu wichtigsten Punkrock-Vertretern der Modernen zaehlen. Eine US-Tour folgt im Fruehjahr. Da bleibt mir nur noch zu sagen: „God Save The US Bombs, my son!“
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V.A.: „ANTI-SOCIETY” CD (Anarcho-Punk Compilation Vol. 3)
V.A.: „ANTI-SOCIETY” (Anarcho-Punk Compilation Vol. 3)
CD
( Overground Records / OvergroundRecords.co.uk , Release Date: 13. Februar 2006 )

Call, me a lazy bastard, aber die Review koennte genauso beginnen, wie die unter den Titeln „Anti-War“ und „Anti-State“: „Es war einmal vor sehr langer Zeit, da trieben auf den Strassen im englischen Koenigreich Unholde und Schelme ihr Unwesen und versetzten das Land in eine Art Schockzustand. Sie nannten ihre kleinen Banden REALITY CONTROL, the SEARS, LIBERTY, ICON A.D., ALTERNATIVE, THATCHER ON ACID, the APOSTLES, HAGAR THE WOMB, OI POLLOI, ANTI STATE CONTROL, ICONS OF FILTH oder REVULSION. Von der Gemeinschaft verstossen bauten sie ein Netzwerk im Untergrund auf und liessen das was sie zu Sagen hatten auf kleinen Buehnen in noch kleineren Clubs auf musikalische Art frei nach Schnauze raus. Ein politischer Denkprozess hatte in dieser ueberschaubaren Gemeinde eingesetzt und es gab so viel Unrecht auf Englands Boden, gegen den es sich lohnte zu kaempfen. Sehr anschaulich wird das, wie schon in der Booklet-Einleitung vom ersten und zweiten Teil, von Sean McGhee vor Augen gefuehrt, dem damaligen Saenger der Band PSYCHO FACTION und der auch mitverantwortlich bei der Zusammenstellung dieser CD-Reihe ist. Und auch wenn der politische Anteil bis auf den heutigen Tag immer kleiner wurde, gibt es mittlerweile ueberall auf der Welt Punkrock-Bands, die sich auf die damaligen Vorreiter und Nachfahren der CRASS-Punx berufen und ihrer extrem politischen Haltung folgten. Gut, das „Overground Records“ diese einmalige insbesondere auf England ausgerichtete Erscheinung neu aufgerollt hat. In der Aufmachung und in der Durchfuehrung gleicht auch der dritte Part dieser Anarcho-Punk Compilation dem der „Bored Teenagers“-Sampler-Reihe von Dizzy Detour. Mit der Liebe zum Detail werden die insgesamt 23 Bands und ihre Darbietungen in Text und Bild festgehalten. Bin gespannt, wie der vierte Teil sich nennen wird, etwa „ANTI-POLICE?“. Auf jeden Fall wieder ein brillanter Job von „Overground Records“.
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V.A.: „DEATHROW”
„The Chronicles Of Psychobilly” CD
( Anagram Records / CherryRed.co.uk , Release Date: 20. Februar 2006 )

Im letzten Update gab es eine Besprechung zu dem gleichnamigen Buch von Alan „Shark“ Wilson. Frei nach dem Motto: „Du hast das Buch gelesen, nun hoere die Musik!“ geht es hier also um einen Psychobilly-Lauschangriff vom Feinsten. 25 Songs von Hochangesehenen Bands dieser speziellen Zunft sind vertreten, wie etwa the METEORS, GUANA BATZ, LONG TALL TEXANS, the SHARKS, the GAZMEN, RESTLESS, the CARAVANS, FRENZY oder the FRANTIC FLINTSTONES. Die Songs scheinen mir aber alle schon vorher veroeffentlicht worden zu sein. Im Booklet kann man sich dann noch einer kurzen Vorstellung des „Deathrow Fanzine“ vor Augen fuehren.
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