So, hier nun das Update fuer Februar. Das Update fuer Maerz erfolgt Anfang April 2009.  Alle Reviews, wie immer, besprochen von Ralf Real Shock.

 

ALIAS CAYLON - „Follow The Feeder” CD digi-pak
ALIAS CAYLON
„Follow The Feeder” CD digi-pak
( Rookie Records / RookieRecords.de , Release Date: 27. Februar 2009 )
In Flensburg wird auch getanzt! Und das nicht erst, seit die dort beheimatete Band Alias Caylon 2005 ihre Debuet-Scheibe „Resorbing Everything“ veroeffentlicht haben. Nun ist Ende Februar der Nachfolger erschienen. 10 Tracks, die ein unheilvolles Wechselbad der Gefuehle bei mir ausloesen. Denn so ganz einfach ist ihr Sound nicht zu fassen! Einfach gehaltene Pop-Strukturen werden systematisch durch eignartige Klangwelten und manchmal absurde Schrei-Ausfluege zerlegt. Warum muss das denn immer so kompliziert gemacht werden? Gegen die eine oder andere Schraeglage hab ich ja nix einzuwenden, aber das ist mir hier auf Dauer viel zu anstrengend. Da vergeht mir ganz schnell der Spass! Ich habe bis heute nicht herausgefunden, warum viele wirklich musikalisch gute Bands – und dazu gehoeren diese Jungs auf jeden Fall dazu! – so agieren. Dient diese Art von Musik etwa zum richtigen Verarbeiten einer schweren Kindheit oder der Vorbereitung der bevorstehenden Magisterarbeit? Aber vielleicht liegt die Loesung auch auf der Hand. Ich hab die Schuldigen gefunden! Es sind die bockigen Schafe auf dem Cover!
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ART LESS - „Live im Druckluft, Oberhausen” DVD
ARTLESS
„Live im Druckluft, Oberhausen” DVD
( Artless / MySpace.com/Donnerwetter1 , Release Date: Januar 2009 )
Dieser Mitschnitt vom 02. Mai vergangenen Jahres war sicherlich nicht fuer eine offizielle DVD-Release vorgesehen, sondern kommt eher einer Arbeit aus der „Lust und Laune“-Abteilung nahe. Dafuer gibt es die Aufnahmen mit anschliessendem Interview fuer schlappe 8,00 EUR, inkl. Porto versteht sich, bei deren MySpace-Seite zu bestellen (siehe fein oben). Die Bildqualitaet laesst ganz schoen zu wuenschen uebrig und der Ton dabei ist gelinde gesagt katastrophal. Aber davon ab, bessere Videos ist man erwiesenermassen vom Halloween Mike eh nicht gewohnt. Das ist aber nicht boese gemeint. (Gell, lieber Micha, falls du diese Worte hier von deinem frueheren Kumpel Real Shock evtl. lesen solltest.) Ich spreche da eben aus Erfahrung. Von der Original-Besetzung sind nur noch Hank Sinatra am Gesang und Willi Solid an der Gitarre dabei. Die restlichen zu vergebenen Posten werden von jungen Huepfern ausgefuellt, deren eigentliche Hauptbands u.a. auch die Fun-Punkers von PLANLOS ist. In dem Video werden natuerlich vorzugsweise die alten Kracher gespielt, wie etwa „Wozu“, „Peace und Anarchy“, „Mein Bruder ist ein Popper“ oder „Donnerwetter“. Die extrem pogo-freudige Menge feiert die Band an einem Stueck (und das voellig zu Recht) ab! Leider kann man die Songs nicht einzeln anklicken. Wenn, dann muss man sich schon das ganze Konzert anschauen.
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THE BOPPIN´ KIDS - „The Ultimate Worst Of“ CD digi-pak
THE BOPPIN´ KIDS
„The Ultimate Worst Of“ CD digi-pak
( Crazy Love Records / Cargo-Records.de , Release Date: 13. Maerz 2009 )
Auch in Italien wurde Mitte der 80er wuester Psychobilly gespielt. Einer der bekanntesten Bands duerften wohl zu dieser Zeit die Boppin´ Kids gewesen sein. Ihr erstes Album „Go Wild“ ging direkt in die nationalen Charts und bescherte dem Trio Radio-, Presse- und sogar auch TV-Auftritte. Wenn Szene-Acts wie die STRAY CATS, THE CRAMPS oder THE METEORS in Italien auf ihrer Tour Station machten, waren die Boppin´ Kids gern gesehener support act. 15 Songs sind auf dieser „Best Of“ zusammen getragen worden, die von ihren ersten beiden Alben stammen. Uebrigens, 2008 fand die Band wieder zueinander und arbeitet derzeit an einem neuen Album.
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CHURCH OF CONFIDENCE - „Takin´ Over“ CD
CHURCH OF CONFIDENCE
„Takin´ Over“ CD
( Wild At Heart Records / ChurchOfConfidence.de , Release Date: 01. Maerz 2009 )
Church Of Confidence setzen auf ihrem Cover wieder voll auf das Greaser-Image. Musikalische Erwartungen werden damit aber nicht erfuellt. Schon ueberraschend! Denn ich hatte mich laengst fuer eine bestimmte Frisur entschieden. Eight-Balls und Flammenhemden sind nun endlich out! Das neue Album von Berlin-Kreuzberg´s Rock’n’Roll-Institution klingt so ganz anders. So nach immer frisch duftenden pUnKrOcK-Blueten und nach verschmusten RAMONES – besonders gut beim Tribute-Song „Hey Ho Let´s Go“ rauszuhoeren – dann wieder Vollzeit-Rock’n’Roll-Punk im Stil von den SOCIAL DISTORTION „King Of Fools“-Stuecken, und stimmlich kommt das oefters mal in die Naehe des im letzten Jahr leider verstorbenen TEENAGE HEAD-Saengers, Frankie Venom. Schweinerocker-Matten und Weekend-Greaser haben hier Sendepause und glotzen etwas verstoert in die Runde. Gut so! Ein Album, was mich doch mehr anspricht, als erwartet. Ich wackeldackel mit meinem Koepfchen sogar ganz automatisch zu den Rhythmen von „Hollywood“, ich fass es nicht! Ein gutes Zeichen! Ein sehr gutes sogar! Und „Hey Ho Let´s Go“ ist ein Hit fuer jede Rock’n’Roll-Jukebox! Aber auch die wunderbar poppig gehaltenen „One In A Million“, „Call Of The Wild“ (volle Kanne TEENAGE HEAD!) oder „Sweet Four Roses“ lassen mich keineswegs kalt! Die Cover-Songs von Lemmy, Spedding und Scott/Young funktionieren hier nur als Beiwerk, die Eigenkompositionen sind es, die die Klasse dieser CD unter Beweis stellen. Ich bin voellig ueberrumpelt und somit ist „Takin´ Over“ meine ganz persoenliche Ueberraschung fuer diesen Monat!
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DUANE PETERS GUNFIGHT / GG ALLIN - Split-7” 6-song-e.p.
DUANE PETERS GUNFIGHT / GG ALLIN
Split-7” 6-song-e.p.
( Ponk Media / PonkMedia.com , Release Date: 10. Februar 2009 )
GG Allin, der das Scheisse werfen auf Punker-Konzerten salonfaehig machte, gruesst froehlich winkend aus der Gruft auf dieser wirklich exquisit aufgemachten 7”inch, die es in einer limitierten 1000er-Auflage unter ponkmedia.com/ponkUK zu bestellen gibt. Sein „Partner In Crime“ ist dabei kein Geringerer als Duane Peters, der noch unter den Lebenden weilt und seine Koerperfluessigkeiten manchmal auch nicht unter Kontrolle halten kann. Waehrend GG damals auf Konzerten allerdings ganz gezielt mit seinem frisch gelegten Haufen um sich warf, lag Duane lieber bewusstlos von zuviel schlechten Drogen und billigem Alk im Tourbus und pisste sich ordentlich voll. Schoen zu sehen, wenn zwei Punker ein gemeinsames Hobby haben. Eine Ueberlegung: Koennten wir uns GG und Duane mit blutbeschmierten rasierten Schaedeln als Ennis del Mar und Jack Twist im Film „Brokeback Mountain“ vorstellen? Nein, ich denke eher nicht! Nun, auf der rein musikalischen Ebene aber passen die beiden Huebschen wieder gut zueinander. Duane liefert mit seinen GUNFIGHT(S) exklusiv die Songs „Last Cowboy“ und „Marry Me“, sowie anerkennende spoken words ueber GG. GG hingegen haut mit „Guns, Bitches, Brawls & Bottles und „Carmelita“ zwei Punk-Songs im besten „Country & Western“-Stil raus. Das kann gut finden wer will, ich tue es nicht. Auch Duane hatte schon mal weitaus bessere Songs auf der Tasche. Dieser Cowboy/Banditen-Quatsch wird jetzt hoffentlich nicht das naechste grosse Ding nach der ganzen „Eight Ball“-Scheisse!
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THE GUMBABIES - „This Is Plastic” CD
THE GUMBABIES
„This Is Plastic” CD
( Schlecht & Schwindlig / New-Music-Distribution.de , Release Date: 09. Januar 2009 )
Wusste gar nicht, dass es das „Schlecht & Schwindlig”-Label noch gibt. Denn auf diesem ist nun das neue Album der Muenchener Gumbabies erschienen. Um es direkt auf den Punkt zubringen, „This Is Plastic“ ist solide abgehender mid-tempo Punkrock, der seine Verwandte eher im heutigen Zeitfenster sucht und findet. Fast ueber die gesamte Laufzeit der CD vermisse ich allerdings Spritzigkeit und Abwechslung. Der beruehmt beruechtigte Funke, er will nicht einmal so richtig zu mir ueberspringen. Das ist echt schade, denn nichts liegt mehr ferner, als die insgesamt dreizehn Songs unnoetig schlecht zureden. Vielleicht wollte die Band so perfekt wie moeglich im Studio klingen. Der Schuss ging leider nach hinten los! Es klingt einfach zu steril, zu sauber, zu stereotyp, zu behaebig fuer eine rotzige noch so junge Punkrock-Band. Denn jeder Handgriff sitzt wie beim Alter! Ob es da der Chorgesang oder der Endmix der Gitarren ist. Nur der letzte Track „Rum, Sodomy & The Clash“ (wat iss das denn fuer ein Titel?) laesst mich weiter hoffen. Hier bricht der Fuenfer endlich aus dem selbst konstruierten Schema aus und versprueht den von mir so sehnlich herbei gewuenschten Esprit einer flegelhaften Punkrock-Band! Doch leider viel zu spaet…..
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HARD-ONS - „Suck And Swallow: 25 Years, 25 Songs“ CD
HARD-ONS
„Suck And Swallow: 25 Years, 25 Songs“ CD
( Rookie Records / RookieRecords.de , Release Date: 20. Maerz 2009 )
Hab mal eben im Internet kurz in eine Discographie der Hard-Ons reingeschnuppert und siehe da, es gab schon vorher die ein oder andere „Best Of”-CD. Nach meiner Recherche muesste das nun die vierte hochoffizielle „Best Of“ sein.
Das australische Trio war 1985 mit ihrer ersten EP-Single „Surfin´ On My Face“ eine echte Offenbarung und zugleich der Geheimtipp schlechthin, bis zu dem Tage, als ich die Band live zu Gesicht bekam. Anfang 1988 bereisten sie das erste Mal Europa. Auf einer ihrer Gastspiele habe ich sie im hollaendischen Enidhoven gesehen, in einem Package, das ansonsten nur aus langhaarigen Hardcore- und Metal-Verschnitten bestand. Die Hard-Ons waren der Haupt-Act und total beschissen. Die Haare flogen ueber die Gitarren und all ihre brillanten Smash-Hits konnte man nur noch erahnen. Nun ja, ich war damals von ihren ersten drei Singles und den beiden Alben „Smell My Finger“ und „Hot For Your Love, Baby“ ziemlich angetan, und hab den Jungs noch die eine oder andere Chance gegeben und bin brav zu weiteren Konzerten von ihnen gefahren. Wie etwa, zu dem, als sie in Koeln im damaligen „Rose Club“ noch, spielten. Ein ehemals guter Kumpel von mir mit erheblichen Promillewerten intus packte die Drei kurz vorm Konzert am Schlafittchen (rein symbolisch gesehen!) und meinte, sie sollten ihre Songs heute mal gefaelligst was langsamer spielen, so wie auf Platte eben. Das sah schon drollig aus, wie mein Kumpel mit seinen gut 1,90cm die verwundert nicht gerade Hochgewachsene dreinblickende Hard-Ons-Schar ein wenig zur Sau machte. Und, die etwas barsche Wortwahl nahm sich die Band auch tatsaechlich zu Herzen und so spielten sie die ersten Songs im halbwegs normalen Tempo. Aber das hielt nicht fuer lange. Irgendwann ging es dann wieder mit unseren lieben Kleinen durch und sie spielten so entsetzlich schnell wie immer. Also, live blieben sie eine einzige Katastrophe. Auf Platte sah das natuerlich ganz anders aus. Und davon kann man sich hier auch lang und satt ueberzeugen lassen, denn Songs wie „Where Did She Come From?“, „Ache To Touch You“, „Girl In The Sweater“, „Surfin´ On My Face“, „Get Wet“, „All Set To Go“ oder „Just Being With You“ (mein absoluter fave!) sind bis heute unerreichte PopPunk-Klassiker des australischen Sounds, der Mitte der 80er nach Europa schwappte und hier auch sehr schnell seine Anhaenger fand. Und wie so oft waren auch hier die RAMONES an allem schuld! Aber auch die Songs neueren Datums wie etwa „Fallen Star“, „Wild Cat“, „What Would Stiv Bators Do?“ oder „Stop Crying“ sind eine Klasse fuer sich. Leider findet sich auch ein wenig Knueppelmaterial auf der CD ein, aber der brandneue Song „Everyone Seems To Be Out To Get You“ entschaedigt fuer so manche musikalische Entgleisung wieder. Mit so vielen grossartigen Ohrwuermern im Ohr kann der Fruehling kommen! Ganz klar, das ist die CD des Monats Februar!
PS: Hab mich waehrend des Verlauf dieser Review dazu hinreissen lassen bei Amazon.de kurz reinzuschauen, und fuer wenig Bares die gebrauchten CDs „Yummy“ und „Too Far Gone“ bestellt.
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HEARTBREAK STEREO - „Inspiration (Back From The Dead)“ CD
HEARTBREAK STEREO
„Inspiration (Back From The Dead)“ CD
( Rookie Records / RookieRecords.de , Release Date: 13. Maerz 2009 )
Die Nahrungskette im Punk-Biz. ist schier endlos! RANCID fuehlten sich hauptsaechlich von THE CLASH beeinflusst, BOMBSHELL ROCKS von RANCID, und diese drei Jungspunde aus einer Kleinstadt im schwedischen Teil Finnlands klingen so, wie zu Anfang BOMBSHELL ROCKS. Nebenher gesagt macht das Trio auf ihrem Debuet ganz schoen Alarm und hinterlaesst einen ziemlich fitten Eindruck bei mir. 11 Tracks auf knapp 28 Minuten reduziert, da kann man sich schon ausmalen, dass es hier von Anfang bis zum Ende ordentlich zur Sache geht. Natuerlich kann man in dem Zusammenhang auch wieder den Begriff „Street-pUnK“ aus der Mottenkiste holen, das passt schon. Nun, BOMBSHELL ROCKS wurden von Platte zu Platte besser, bis zu dem Ausstieg ihres Saengers. Das wuerde ich mir auch von den Dreikaesehochs wuenschen. Allerdings ohne Ausstiegsklausel! Die Weichen sind auf jeden Fall gestellt!
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JOHNNY THROTTLE - „Stukas Over Shoreditch” 7” 4-song.e.p.
JOHNNY THROTTLE
„Stukas Over Shoreditch” 7” 4-song.e.p.
( Wrench Records / Wrench.org , Release Date: Februar 2009 )
„Wrench Records” lag sozusagen vier Jahre brach. Man wartete wohl auf die richtige Band! Und die nennt sich nun Johnny Throttle, kommt aus London und gibt es erst seit knapp acht Monaten. Doch die vier arg finster dreinschauenden Gesellen auf dem Back-Cover verfuegen ueber genuegend musikalische Kenntnisse aus frueheren Bands wie etwa THE PARKINSONS, MENACE, SHAKIN’ NASTIES oder JACKOFFS. Dementsprechend sind auch die vier Songs ihres Debuet ausgefallen. Staubtrockener Snot-pUnKrOcK, der sie in die Naehe der STITCHES und andere Orange County- und „Hostage Records“-Gefaehrten bringt. KBD in 2009! Mehr braucht man nicht zu sagen!
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KEVIN K - „Deutschland” CD
KEVIN K
„Deutschland” CD
( Kicking Records / MySpace.com/KevinKRock , Release Date: Januar 2009 )
Es ist schon recht ungewoehnlich fuer einen Amerikaner sein aktuelles Werk nur mit dem schlichten Titel „Deutschland“ zu benennen. Doch da Vollzeit- und Vorzeige-Rock’n’Roller Kevin K waehrend seiner zahlreichen bestrittenen Touren in Germany nur gute Erfahrungen gesammelt hat, dachte er wohl, er muesste etwas an dieses Land und seine Leute zurueckgeben. Das hat er, ohne pathetisch zu werden, sehr clever geloest. Er hat sich in erster Linie auf Berlin konzentriert, und sich auf IGGY POP und DAVID BOWIE „berufen“, die 1977 gemeinsam in der Hauptstadt verweilten. Zur besseren Verstaendigung: Bowie vermittelte damals einen Plattenvertrag fuer Pop beim Label „RCA“ und produzierte die beiden Alben von Pop, „The Idiot“ und „Lust For Life“. Und half somit, dass Pop wieder auf die Beine kam. Doch zurueck zu Kevin K. Die zehn Songs wurden in zwei verschiedenen Studios in Frankreich eingespielt. Neben den ueblichen Rock’n’Roll-Love-Songs, die natuerlich laengst zum Markenzeichen von Kevin K geworden sind, spielte er mit „Intrusive“, „American Sector“ und „Red Haired Girl“ drei Tracks ein, die bewusst an Bowie´s „Heroes“ und an Pop´s „Passenger“ Erinnerungen wecken sollen. Kevin K´s „Deutschland“ ist mittlerweile das achtzehnte Studio-Album und ein ganz Spezielles dazu! Frei nach dem Motto: „Ick bin ein Berliner!“
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THE LOVED ONES - „Distractions” MCD
THE LOVED ONES
„Distractions” MCD
( Fat Wreck Chords / FatWreck.com , Release Date: 30. Januar 2009 )
Einige Tracks von ihrer letzten full-length „Build And Burn“ haengen bei mir immer noch gut im Ohr. Natuerlich ein sehr positives Zeichen! Und so freute ich mich umso mehr auf ihre aktuelle Release „Distractions“, die neben den drei Eigenkompositionen „Distracted“, „Last Call“ und „Spy Diddley“ auch drei Cover-Lieder von BRUCE SPRINGSTEEN („Johnny 99“), BILLY BRAGG („Lover´s Town Revisited“) und JOE STRUMMER („Coma Girl“) am Schluss zu bieten hat. Die Auswahl spricht fuer den exzellenten Musikgeschmack der Band. Okay, ueber Springsteen kann man selbstverstaendlich geteilter Meinung sein, aber ich find den Alt-Rocker nicht wirklich schlecht. „Coma Girl“ wird uebrigens nur mit Akustikgitarren und Gesang eingespielt. Kommt gut, aber das Original bleibt unerreicht. Von den eigenen Songs gefallen mir „Distracted“ und „Last Call am besten. Die Band hat ein ausserordentliches Gespuer fuer richtig gute Pop-Melodien entwickelt, und baut dabei eine Bruecke zum allseits beliebten kalifornischen Melodic-Punkcore, der aeusserst energisch und manchmal auch ein wenig melancholisch dabei klingt. Doch das positive Gefuehl ueberwiegt ganz eindeutig! Bin wieder einmal schwer beeindruckt!
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THE MISSION - „The First Chapter – Live” CD     THE MISSION - „God’s Own Medicine – Live” CD     THE MISSION - „Children – Live” CD     THE MISSION - „Carved In Sand” – Live” CD
THE MISSION
„The First Chapter – Live” CD
„God’s Own Medicine – Live” CD
„Children – Live” CD
„Carved In Sand” – Live” CD
( Cherry Red Records / CherryRed.co.uk , Release Date: 09. Februar 2009 )
Aus „Cherry Red’s Goth Collectors Series” entspringen diese vier CDs. The Mission, die aus den SISTERS OF MERCY hervorgingen, wurden Mitte der 80er sozusagen zur zweiten Kraft in der britischen „Gothic-Szene“. Ihr Erfolg hielt viele Jahre an, bis es dann im Jahr ´96 nach etlichen Problemen zur endgueltigen Trennung der Band kam. Drei Jahre spaeter vereinte sich die Band dann allerdings wieder. Sie gingen auf zahlreiche Tourneen und nahmen neue Alben auf. Im Mai 2007, als gerade das aktuelle Studio-Album „God Is A Bullet“ veroeffentlicht worden war, und die Band in einer von London´s bekanntesten Konzertorten, dem „Shepherd’s Bush Empire“ auftrat, kam nach der Show der Promoter des Ladens, Ian Richards, in die Umkleide der Band und machte ihnen folgenden Vorschlag: „Warum spielt ihr nicht Anfang naechsten Jahres vier Shows bei uns? An jedem Abend wird exklusiv dann eines der ersten vier Alben von euch gespielt. Mit B-Seiten und Extra-Tracks. Was haltet ihr davon?“ Nun, die Band um Saenger und Gitarristen Wayne Hussey, der uebrigens nun in Sao Paulo (Brasilien) lebt, hatte sofort Feuer gefangen. Im Februar 2008 war es dann soweit. Die ersten vier Alben der Band, „The First Chapter“, „God’s Own Medicine“, „Children“ und „Carved In Sand“ wurden mit allen relevanten Flipsides und Extra-Tracks vom 27. Februar 2008 bis zum 01. Maerz 2008 praesentiert. Diese Exklusiv-Konzerte besiegelten auch den zweiten Anlauf von The Mission. Seitdem ist Wayne Hussey solo unterwegs.
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OPTIONAL ENDING - „Five Stitches To Georgia” CD
OPTIONAL ENDING
„Five Stitches To Georgia” CD
( AudioRiot Entertainment / MySpace.com/OptionalEnding , Release Date: Februar 2009 )
Ganz schoen trashig wuerde ich mal spontan in die Runde werfen. Der Schlagzeuger dreht ja komplett durch! Und die beiden Gitarrenbesitzer drehen ebenfalls kraeftig auf. Scheiss auf eine gute Produktion! Regler auf Anschlag und dann gib ihm. Hier wird nicht lange gefackelt. Man kommt sofort zur Sache. Und das meist im halsbrecherischen Tempo. So praesentiert sich das neue Studiowerk der jungen Band aus dem sueddeutschen Raum. LESS THAN JAKE und NOFX, und auch ein wenig SCREECHING WEASEL, das sind so die drei Hauptbestandteile, die bei den 10 Tracks immer mal wieder gut zuerkennen sind. Uebrigens, einen tieferen Sinn bei der Namensvergebung des CD-Titels sucht man laut der Band vergebens.
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THE PHOTOS - „Crystal Tips And Mighty Mice” CD
THE PHOTOS
„Crystal Tips And Mighty Mice” CD
( Cherry Red Records / CherryRed.co.uk . Release Date: 21. Juli 2008 )
Eigentlich war diese Besprechung fuer Januar geplant gewesen. Die letzte CD die ich besprechen wollte. Aber die Zeit reichte dann doch nicht mehr, da ich bei der vorletzten Review beinahe eine Stunde am rumbasteln war. Schlechtes Timing, meinerseits. Aber irgendwie hab ich es auch nicht eingesehen, mir da Hektik anzutun, wenn es die Promo-Abteilung von „Cherry Red“ einfach nicht mehr auf die Reihe bekam mir regelmaessig ihren Output zu schicken. Eine entsprechend brummige Besprechung war schon im Kasten, da erfuhr ich den wahren Grund, und der liess mich sofort ganz schoen blass werden!
Ende letzten Jahres meldete der „Cherry Red“-Distributor „Pinnacle“ Konkurs an. Das war eine ziemlich grosse Geschichte in England, die da an mir spurlos vorbeigelaufen ist, und die ich im Nachhinein dann auf den Homepages der „Music Week“ und der „Independent“ gelesen habe. Denn es waren noch viele andere kleine Labels betroffen. Weil „Pinnacle“ allen noch einen Haufen Geld und Ware schuldete, konnten sich viele kleinere Labels diesen Verlust nicht leisten und mussten ihre Arbeit notgedrungen beenden. Nur die etwas groesseren Labels, wie etwa „Cherry Red“, konnten sich wieder berappeln, obwohl sie natuerlich auch erhebliche Verluste eingefahren haben. Mittlerweile ist „Cherry Red“ bei „Plastic Head Distribution“ untergekommen und leckt sich immer noch die Wunden. Das wird auch noch seine Zeit brauchen, bis man wieder zum normalen Tagesgeschaeft uebergehen kann. Deswegen war es natuerlich nicht moeglich mir in diesen schwierigen Zeiten die gewuenschten Promos zu zusenden, aber wenn alles wieder in halbwegs geordneten Bahnen laeuft gibt es da wieder gruenes Licht, teilte mir die Promo-Abteilung schriftlich mit.
Aber irgendwie passt die Besprechung dieser CD hier in dieser ganzen Problematik gut rein. Denn die Produktion des zweiten Photos-Album wurde damals, Anfang der 80er, ebenfalls von vielen Schwierigkeiten ueberlagert, die es dann unmoeglich machten, die Songs auf Vinyl pressen zu lassen. Aufschluss gibt da die ausfuehrlich gefuehrte Geschichte, die im Booklet von „No More Heroes“-Autor Alex Ogg und dem Produzenten Tony Visconti (bekannt fuer seine Arbeiten an Alben der BOOMTOWN RATS, STRANGLERS, ALTERED IMAGES, D-GENERATION oder ANTI-FLAG) nachzulesen ist. Denn der „A&R-Head“ der „CBS“, Muff Winwood, stoppte damals die Veroeffentlichung, weil er meinte, das auf dem Album nur ein Song dabei war, den man fuer eine Hit-Single auskoppeln konnte. Die Photos waren aufgeschmissen. Alle Mueh im Studio fuer die Katz! Die Band zerbrach an dieser unsinnigen Entscheidung und trennte sich. Nun hat „Cherry Red“ die damaligen fertigen Aufnahmen uebertragen bekommen und hat die Songs im ueberarbeiteten Zustand, inkl. sieben Bonus-Tracks auch der breiten Oeffentlichkeit zugaenglich gemacht. Was fuer ein Glueck, kann ich dazu nur sagen. Dieser fuckin´ „A&R-Head“ lag voellig daneben mit seiner Meinung. Die Songs brauchen allerdings eine gewisse Eingewoehnungszeit, aber dann funktionieren sie. Glasklarer New Wave Sound der 80er, mit raffinierten Wendungen und tollen Pop-Melodien. Die Photos waren auf dem besten Weg sich als etablierte Groesse in der britischen Musikszene festzusetzen. So wie es BLONDIE in den USA zum Teil geschafft hatte. Genau so haette es auch fuer die Photos enden koennen. Von daher noch ein verspaetetes und herzliches FUCK OFF! an Muff Winwood, auch wenn er mal bei der SPENCER DAVIS GROUP in den 60ern den Bass gezupft hat.
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THE VADERS - „A Link To The Past” CD
THE VADERS
„A Link To The Past” CD
( Horror Business Records / New-Music-Distribution.de , Release Date: 09. Januar 2009 )
Street-pUnK, wie man ihn seit Jahren kennt und mag. Die Amis machten diesen Begriff ungefaehr Mitte der 90er bekannt, es folgten die Schweden-Gangs, und auch deutsche Bands hatten an diesem Sound schnell Gefallen gefunden. Dabei haben gerade die Bands aus Deutschland mit den Jahren zum Teil musikalisch gleichgezogen und koennen sich mit ihren amerikanischen und schwedischen Kollegen ganz entspannt auf Augenhoehe treffen. Ein neuer Beweis dieser Sachlage ist das aktuelle und zweite Album von Ibbenbueren´s Vaders, dessen Kleinstadt auch die DONOTS hervorgebracht hat. Parallelen zu schwedischen Bands, bezueglich der Herkunft, tun sich da auf, denn da kommen die besseren Bands auch aus kleineren Staedten. Wenn man mir die Vaders als „Blind-Date“ untergeschoben haette, waere meine prompte Antwort bestimmt gewesen: „Schon wieder eine gute Band aus Schweden!“ Wirklich, du hoerst mittlerweile den Unterschied nicht mehr raus! Die vier Vaders-Jungs stehen fuer dicht produzierten und hymnisch durchsetzten Street-pUnK – mal schnell, mal langsam – der in einem Rutsch wohltuend die Gehoergaenge durchpustet. Der Tag wird kommen, an dem auch THE VADERS fuer eine Referenz in meinen Reviews herhalten muessen. Versprochen Punks!
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