* * * * * Hit! , * * * * knapp vorbei , * * * OKay , * * Glueck gehabt , * Shit!

So, hier nun das Januar-Update. Das erste Update fuer das Jahr 2006. Das naechste Update erfolgt dann Ende Februar 2006. Alle Reviews, wie immer, besprochen von Ralf Real Shock.

 

the BRIEFS - "Steal Yer Heart" CD digi-pak
THE BRIEFS
„Steal Yer Heart” CD digi-pak
( BYO Records / BYORecords.com , Release Date: 25. November 2005 )

Um das neue Studioalbum der Briefs hier auf der 3RD-Seite besprechen zu koennen, lagen zunaechst einige Huerden vor mir, die es zu nehmen galt. Alles fing ganz harmlos – wie so oft im heutigen virtuellen Zeitalter – mit einer eMail an, die ich Anfang November 2005 zu Mark Stern von „BYO Records“ sendete. Er hatte bisher immer ein offenes Ohr fuer meine „Wuensche“ gehabt und schickte mir unverbindlich die aktuellsten Label-Releases direkt aus den Staaten zu. Als ich noch die Print-Fassung vom 3RD rausgab, kam es haeufiger vor, dass wir Anzeigen-Deals gegen Promo-CDs vereinbarten. Nie gab es irgendwelche Probleme. Mark Stern war wie ich vom alten Punkrock-Schlag. Man verstand sich eben! Diesmal verwies er mich an „Rabazco Promotion“ in Berlin, die u.a. auch das „BYO Label“ in ihrer Liste fuer Bemusterungsexemplare auffuehrten. Mit dieser Firma hatte ich zu Print-Zeiten auch zu tun gehabt, allerdings brach der Kontakt Stueck fuer Stueck ab, als ich mit dem 3RD nur noch on-line unterwegs war. So schrieb ich also nach etwas laengerer Zeit mal wieder eine eMail an Marita, die fuer die Promo-Geschichten von „BYO“ zustaendig ist, und fuegte ihr im Anhang als Empfehlungsschreiben sozusagen das Mail von Mark bei. Kurze Zeit spaeter meldete sie sich auch und meinte, das fast alle Promos bereits raus sind, sie aber noch eher einige Streetmagazine (was immer das auch bedeuten mag) bemustern wuerde, bevor sie mir eine schicken koennte. Denn ich sollte es bitte schoen nicht in den falschen Hals bekommen, aber da das 3RD nun ausschliesslich on-line seine Wege geht, und es von E-Zines im Netz nur so wimmelt, sprach sie die Aeusserung aus, ob die 3RD-Seite auch tatsaechlich besucht wird. Natuerlich bekam ich das in den falschen Hals! Ich schrieb ein halb-freundliches Mail zurueck, worin ich unverbluemt meine Meinung ueber ihr Handeln kundtat. Ich wartete noch zwei Wochen ab, keine Reaktion mehr von ihr! Ich schrieb Mark ein zweites Mal an und berichtete ihm, dass ich keinen Erfolg bei „Rabazco“ hatte. Mark meldete sich dann allerdings auch nicht mehr, so das mir als letzte Chance in den Kopf kam, die Briefs persoenlich mal anzumailen. Hier der Original-eMail-Austausch: „Hello Briefs, I don´t know, if you remember, but we did in No. 23 from 2002 (the one with the CROWD on the cover) of my fanzine an interview with you. I always get your latest CDs for a review in 3RD from Bitzcore or BYO. This time I have problems to get a promo-copy for your last CD "Steal Yer Heart". Because, that I´m now only since last year a Online-Fanzine the german promotion label, means that they first get the promo-CDs out to some shitty and trendy city mags, who don´t care about punk rock! I mailed to Mark at BYO, (always a friendly and trustful man in punk rock) and tell him about this "problems", but after two weeks he don´t send me any reply. So, you are my last chance. If you like to send me a copy of your new CD, that would for me, as always, a real pleasure to review on my site. If you like, take a look at my site. I hope to get an answer from you.” Nach dieser Mail bekam ich wenige Tage spaeter ein Mail von Julie, die bei „BYO Records“ in Los Angeles die Promo-Abteilung betreut. „Hi Ralf! I got this email forwarded from the Briefs...and like they he says below, how about an interview (ha ha)? I'll put finished copy of the CD in the mail for you today regardless..., thank you for your support of the Briefs in the past and let me know if you'd be interested in interviewing the Briefs!” Im Anhang war dann das Mail von Briefs-Gitarrist Dan an Julie zu finden. „Can you help Ralf? And make him do an interview with us or somethin...his mag is pretty cool. He was the first german interview we ever were asked to do.” So kann es gehen. Nach nur wenigen Tagen hatte ich dann die neue CD der Briefs in Haenden. Aber was fuer ein Aufwand! Ich bin mir aber immer noch nicht zu schade, alle Hebel in Bewegung zu setzen, wenn ich unbedingt eine CD auf der Seite besprechen moechte. Vom Thema reihen sich die Briefs mit ihrem Retro-Punk-Style natuerlich optimal ins 3RD-Gefuege ein. Bei irgendwelchen beschissenen Streetmagazinen werden die nicht so liebevoll behandelt, da wird so eine Scheibe gnadenlos untergehen und ueberhaupt nicht die noetige Anerkennung erlangen, die sie verdient hat. Die sollen lieber bei ihrem shitty Mainstream-Muell bleiben, wie fuckin´ Coldplay, fuckin´ Franz Ferdinand, fuckin´ Oasis oder fuckin´ Babyshambles. So noch dem Motto, wir sind ja alle ein wenig durchgeknallt, voll auf punkrock, total rebellisch, und die Clash finden wir auch alle ganz dufte! Na dann, FUCK OFF und Gute Nacht! Ich schau eben zu, das ich gerade bei den Reviews den Punkrock-Stuff besprechen darf, der mir auch wirklich am Herzen liegt. Das klappt nun online viel besser als noch bei der Print-Edition. Labels, die schon immer bei mir hoch im Kurs standen, werden es in Zukunft auch bleiben. Und da gehoerte „BYO Records“ immer dazu. „Rabazco Promotion“ zieht es lieber vor mit der Masse zu schwimmen, als effektiv zu handeln. Vielleicht haben die da auch alle keine Ahnung, was Punkrock anbetrifft und machen einfach nur ihren Promo-Job, so wie jeder normal arbeitende Mensch auch. Um Fuenf ist Schluss und nach mir die Sintflut! Dann sollte man vielleicht eher bei Aldi an der Kasse anfangen, anstatt die neue Briefs-CD in Promotueten zu verpacken. Denn die ist wieder einmal astrein geworden! Das Geheimnis ihrer 12 Songs? Man muss sie einfach verdammt laut hoeren! Dann kann man sich auch an den Schrammelgitarren-Sound, den ich noch bei ihrer letzten CD „Sex Objects“ bemaengelt habe, recht schnell gewoehnen. Die Briefs stehlen nicht nur einsame Punkrock-Herzen, sondern klauen auch wie die Raben! Kaum ein Punkrock-Held von 1977 wird da aussen vorgelassen, von den RAMONES bis zu den SAINTS ist musikalisch die gesamte Produktpalette auf einem Schlag vertreten, und das wird im grellbunten Plastik-Zellophan des Briefs-typischen „Jet Boy Jet Girl Pogo-Beat“ vakuumverpackt. Damit die Nachwelt eben auch noch was davon hat, und man in zwanzig Jahren von einer Band aus Seattle – und damit meine ich bestimmt nicht fuckin´ Nirvana (FUCK GRUNGE!) – erzaehlen kann, die den ´70er Punkrock-Sound wuerdig und in all seiner Kreativitaet und Originalitaet mit viel Liebe zum Detail vertreten haben.
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CHAZ MATTHEWS - "Amazing Graceless" CD
CHAZ MATTHEWS
„Amazing Graceless” CD
( Full Breach Kicks / FullBreach77.com , Release Date: September 2005 )

Chaz Matthews hat nun mit „Amazing Graceless“ sein erstes Solo-Album gemacht. Auf den ersten Blick gibt es keine grossen musikalischen Veraenderungen zu seiner frueheren und mittlerweile auch aufgeloesten Band, the DIMESTORE HALOES. Aber auch unter dem Begriff „Solo-Platten“ gibt es so einige Unterschiede. Nehmen wir z.B. JEFF DAHL oder KEVIN K. Wenn die ein Solo-Werk abliefern kann man auch wirklich davon ausgehen, das es eine reine Solo-Scheibe geworden ist. Sprich, der Musiker hat auch (oder fast) alle Instrumente im Studio selbst eingespielt. Der perfekte Abschluss einer Solo-Arbeit wuerde auch noch die Arbeiten am Mischpult einbeziehen. Aber das wuerde dann doch etwas zu weit fuehren, denn nicht jeder Musiker hat auch ein Haendchen fuer gute Produktionen. Dann gibt es auch noch „verfaelschte“ Solo-Aufzeichnungen, die den Kuenstler ganz gezielt ins Rampenlicht bringen soll, obwohl er von einer Backin´ Band im Studio begleitet wurde. In den meisten Faellen spielen solche sogenannten Solo-Musiker dann Gitarre und schreiben auch alle Songs selbst. Und ich meine, das es sich bei „Amazing Graceless” um ein solches Projekt handelt. Denn mit keiner Silbe wird im spaerlichen Booklet darauf hingewiesen, das Chaz auch die gesamte Produktpalette an Instrumenten im Studio eingespielt hat. Nein, vielmehr wird ein Dank an Damian, Josh, Pat, Jake und Kevin gerichtet. Oder anders ausgedrueckt, Chaz traegt einfach viel zu dick auf. Kein Wunder, das er auch bei fuckin´ MySpace.com eine Seite hat, aber das ist wiederum eine ganz andere Geschichte. Ziemlich abstrus finde ich die Aufzaehlungen im Booklet. Fangen wir mal an: „All Songs written and performed by Chaz Matthews“ (Mein Kommentar: „Da ist ja nichts gegen einzuwenden.“), „Produced by Chaz Matthews“ (Mein Kommentar: „Auch nichts gegen zu sagen.“), „Engineered by Chaz Matthews“ (Mein Kommentar: „Naja, das haette man auch einfacher haben koennen, wie z.B.: „Produced and Engineered by Chaz Matthews.“), „Chaz Matthews plays Gibson and Epiphone Guitars exclusively“ (Mein Kommentar: „Okay, allerdings fuer JOHNNY THUNDERS-Fans die auf die Dimestore Haloes stehen eh nichts Neues.“), „Chaz Matthews uses Dax hair pomade exclusively“ (Mein Kommentar: „Haeh?“) und zu Guter letzt: „Chaz Matthews wears Wrangler jeans exclusively“ (Mein Kommentar: „Das interessiert nun mal wirklich kein Schwein!“). Diese Liste koennte man eigentlich beliebig fortsetzen, wie etwa Chaz Matthews trinkt ausschliesslich Wasser ohne Kohlensaeure, oder Chaz Matthews putzt seine Zaehne ausschliesslich mit Colgate Periogard Plus. Jetzt mal ehrlich, so was hat nichts in einer CD von jemanden zu suchen, der die DEAD BOYS und die HEARTBREAKERS gut findet. Wie wuerde es sich beispielsweise anhoeren, wenn ich nur mal rein hypothetisch versteht sich, eine Solo-Scheibe mache und dann ins Booklet schreibe: „Ralf Real Shock uses Three-Weather Taft Styling Gel Ultrastrong 4 exclusively.“ Hoert sich das nicht total daemlich an? Einen Witz kann ich dahinter auch nicht erkennen. Ich denke ganz einfach, das Chaz seinen Namen sehr gerne liest und sein Ego hegt und pflegt, wo er nur kann. Das wirkt auf mich allerdings sehr aufgesetzt und spinnerhaft. Eben alles eine Spur zu cool und zu angeberisch. Ich denke ganz einfach, das Chaz sich viel zu ernst nimmt, oder aber er ist schon laengst auf einen Star-Trip. Schaut man sich dazu mal die beruehmte ANDY WARHOL-Collage an, die Chaz von sich auf der Rueckseite des Bookets gemacht hat. Uebrigens, ich hab mal im Internet nachgeguckt. Diesen unverkennbaren Stil kann man sich fuer sage und schreibe 90,00 EUR mit seinem Foto selbst machen lassen. Unter diesen hoechst sonderbaren Vorrausetzungen faellt es mir dann doch recht schwer rein objektiv an die 13 Songs zu gehen, aber auch hier wird der Weg, den Chaz mit den HALOES mal eingeschlagen hat einfach weiter fortgesetzt. Klingt gut, ist aber bei weitem nicht wirklich spektakulaer. Ich frage mich dabei, welche Gesichtscreme Chaz bevorzugt und ob er seine Jeans auf links waechst. Sind das die grossen Fragen, die bald die Zukunft des Rock’n’Roll bewegen? Man kann nie wissen, aber fuckin´ MySpace.com ist der unruehmliche Anfang. Posen, Faken, und alle kannten JOHNNY THUNDERS natuerlich hoechstpersoenlich.
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the CRIMES - "Nobody Cries Forever" CD
THE CRIMES
„Nobody Cries Forever” CD
( Revel Yell Music / TheCrimes.de , Release Date: 16. November 2005 )

King Sven, nun schon seit einigen Jahren Gitarrist bei den Crimes ist der einzige aus alten LA CRY-Tagen, der seinem Stil bis heute treu geblieben ist. Das hoert man natuerlich gerne. Und so ueberrascht es mich keineswegs, dass die 12 Songs auf dem zweiten Album der Hamburger nach exquisitem Rock’n’Roll-Punk a la DEVIL DOGS und HUMPERS klingen, gemischt mit einigen musikalischen Ausfluegen in Richtung HIVES und BRIEFS. Hier geben sich der Mr. Rock und der Mr. Roll noch wohlwollend die Klinke in die Hand. Die Crimes klingt richtig international, eben wie eine Band aus den Staaten oder Schweden, aber bestimmt nicht wie eine aus Germany. Frag mich nur wie die vier Sonnenbrillen-Liebhaber, an das japanische Label „Revel Yell Music“ gelangt sind. So sind aber die Chancen bestimmt um einiges besser, sich auch im Land der aufgehenden Sonne einen Namen zu machen. Denn die Crimes gehoeren auf die internationale Showbuehne des aktuellen Rock’n’Roll-Biz. und koennten eine Band wie die HIVES etwa ohne grosse Probleme ins Abseits befoerdern. Mir bereiten die Songs auf dieser CD sehr viel Spass und etwas wehmuetig erinnert es mich auch an diese ganz spezielle Zeit in den ´90ern, wo man gemeinsam Konzerte mit LA CRY bestritten hat.
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„DEATHROW - The Chronicles Of Psychobilly“ Book
( Cherry Red Records / CherryRed.co.uk , Release Date: 06. Februar 2006 )

Da wollte „Cherry Red” mir wohl einen Gefallen tun. Aber seit wann interessiere ich mich fuer Psychobilly? Deshalb nur die Fakten: „Alan Wilson (Gruender und Frontmann von the SHARKS) hat dieses 382-starke-Buch komplettiert. Das bedeutet, er hat aus seinen sieben Jahren fuer das „Deathrow-Fanzine“ (1993 bis 2000) die besten Geschichten, Reviews und Storys zusammengetragen. Dabei hat er grossen Wert draufgelegt, dass die Originalseiten im Buch abgedruckt werden. Das ist auch ohne weiteres gelungen. Wer Spass an dieser Szene hat, kann sich diesen Waelzer auf jeden Fall zulegen und sich den Episoden von Bands wie the FRANTIC FLINTSTONES, BATMOBILE, DEMENTED ARE GO, the ESCALATORS oder the METEORS ausfuehrlich widmen.“
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HEIMATGLUECK
„2 Stueck in einer Packung“ CD
( Campary Records / Campary-Rec.de , Release Date: November 2005 )

Heimatglueck sind aus Hamburg und geistern in der Szene auch schon einige Jaehrchen vor sich hin. Das Trio besteht aus zwei weiblichen Geschoepfen an Gitarre und Bass, sowie einem Schlagwerker. Mit dieser Veroeffentlichung haben sie die 15 Songs ihrer Doppel-7“inch von 1999 erstmalig auf CD verewigt. Nun, musikalisch bewegt sich das auf einem ziemlich schmalen Brett, die Songs sind allesamt nicht ganz durch gebacken und es wirkt auf mich im Gesamteindruck doch arg dilettantisch. Eine Band wie KLEENEX hat das frueher einfach viel origineller vorgetragen. Die Mischung aus Deutsch-Punk und Pop-Trash klingt reichlich unbeholfen. Vielleicht ist das ja auch eine Art Art-Punk und ich hab mal wieder keine Ahnung, wovon die Spezialisten da draussen reden. Dieter Bohlen wuerde dazu sagen: „Das flasht mich gar nicht.“
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KING KURT - "Destination Zulu Land – King Kurt Live" DVD
KING KURT
„Destination Zulu Land – King Kurt Live“ DVD
( Cherry Red Films / CherryRed.co.uk , Release Date: 30. Januar 2006 )

Oh no dachte ich erst, als mir diese DVD uebersandt wurde. King Kurt? Nee, das muss nun wirklich nicht sein! Doch ein kurzer Blick genuegte und ich konnte mich daran erinnern, die Show schon mal vor zig Jahren auf einer alten VHS-Kassette gesehen zu haben. Sofort hatte ich den Spass beim Anblick der voellig durch geknallten Britten, die 1981 auszogen und den Rockabilly ganz schoen auf die Schüppe nahmen. Erinnerungen wurde bei mir wachgerufen. Ich meine, das ich mir sogar mal einer ihren ersten Singles zugelegt hatte, irgendwas auf bunten Vinyl, oder aber als sie in der Bochumer „Zeche“ auftraten und die meisten Zuschauer sich einen blauen Muellsack uebergezogen hatten, um sich vor der Mehl- und Eierattacken der „Tollen-Jungs“ zu schuetzen. Es sei aber noch unbedingt erwaehnt, dass viele Zuschauer auch mit Mehl- und Eierpackungen „bewaffnet“ waren und sich waehrend des Konzertes beide Parteien nichts schenkten. Der Laden muss hinterher ausgesehen haben wie Sau. Diese Show hier wurde am 30. Dezember 1983 im Londoner „Marquee“ gefilmt und zeigt eine King Kurt-Show in all seiner saumaessigen Herrlichkeit. Hat in jeder Hinsicht einen immensen Unterhaltungswert und auch der Sound, den die damaligen britischen Musikblaetter gerne als „Zombie Punk und Zulu Rockabilly“ beschrieben, kann mich ueber weite Strecken verdammt gut bei Laune halten. Die „Punk-Attitude“ ist bei King Kurt auf jeden Fall gegeben. Und das zeigen sie besonders bei dem Interview, was vor dem Gig aufgezeichnet wurde. Der kleine Interviewer ringt sichtlich um Fassung und Luft, waehrend sich die „King Kurt“-Bande als sittsame Oxford-Schueler praesentieren, und mitunter ein akzentfreies Englisch sprechen. Der Typ, der die Fragen stellt hat ueberhaupt keine Ahnung und er ist hoffnungslos mit diesem abgedrehten Haufen ueberfordert. Falls dieses Interview allerdings bewusst gestellt ist, dann hat King Kurt und der Interviewer grosses schauspielerisches Koennen bewiesen.
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THE MOVEMENTS
„Grains Of Oats“ CD
( Alleycat Productions / RockThisTown.de , Release Date: Oktober 2005 )

Da habe ich mich aber gruendlich verzettelt. Als das Angebot von der Promotion-Agentur „Rock This Town“ bei mir im eMail-Fach lag, dachte ich zu keiner Sekunde, das es noch eine Band geben koennte, die den selben Namen tragen wuerde, wie die drei PowerPop-Mods aus Daenemark. Mit dem einem Unterschied das sie sich ohne s am Ende schreiben. Fand es nur ein wenig merkwuerdig, das sie so kurz hintereinander zwei komplette Alben veroeffentlichten. Deswegen war ich dann doch mehr als verdutzt, als „Grains Of Oats“ bei mir im Briefkasten lag und feststellen musste, dass diese Band hier so gar nichts mit Mod-Sound zu tun hatte. Eher schon mit Psychedelic Garagen Rock, der sich bei so manchen der insgesamt 11 Songs auch mal ein wenig in Richtung Australien bewegt, Mitte der ´80er, als Bands wie the STEMS oder the LIME SPIDERS dort das Sagen hatten. Doch der Psychedelic-Fluch lastet zu sehr auf den Movements-Songs, so dass das Interesse an der Scheibe bei mir wieder recht schnell verloren geht. Aber, wirklich schlecht ist der Sound nun auch wiederum nicht!
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PENETRATION - "Re-Animated – Celebrating 23 Years Out Of The Music Business" DVD
PENETRATION
„Re-Animated – Celebrating 23 Years Out Of The Music Business“ DVD
( Polestar Productions / CherryRed.co.uk , Release Date: 06. Februar 2006 )

Als ich 2001 zum ersten Mal von einer Penetration-Reunion hoerte spitzte ich natuerlich meine Ohren. Es war zu dem Zeitpunkt nur von einem offiziellen Konzert in Sunderland und einem inoffiziellen Warm-Up in einem Hinterraum eines Pub in Newcastle die Rede. Ich war ernsthaft am ueberlegen, ob ich nicht nach England fliegen wollte. Nach dem ich aber meine damalige finanzielle Situation kurz ueberschlagen hatte, liess ich das Unternehmen ganz schnell wieder fallen. Umso erfreulicher war es dann zu erfahren, dass die Band nach ihrem Gig Ende Januar 2002 in Sunderland wieder Blut geleckt hatte und sporadisch bis zum heutigen Tage Shows in England spielt. Auch haben sie wieder den Spass entdeckt neue Songs aufzunehmen. Einen ersten Vorgeschmack steht schon seit etwas laengerer Zeit mit dem MP3-Ausschnitt zu dem Song „Guilty“ auf deren Homepage. Neben Saengerin Pauline Murray sind auch noch Bassist Robert Blamire und Schlagzeuger Gary Smallman von der Originalbesetzung dabei, die ehemaligen Gitarristen Fred Purser und Neale Floyd wurden durch Steve Wallace und Paul Harvery sehr gut ersetzt. In dieser Line-Up spielten sie am 15. Dezember 2002 ihren zehnten Gig. Und zwar an der „Northumbria University“ in ihrer Heimatstadt Newcastle. „Polestar Productions“ brachte den Auftritt 2003 dann auf DVD raus. Die DVD konnte man allerdings nur auf der Homepage erwerben, was sie natuerlich nicht gerade sehr erschwinglich machte. Damit ist jetzt aber Schluss. Am 06. Februar 2006 erscheint die DVD nun in Lizenzvereinbarung mit „Cherry Red“ so das eines gut gefuehrten Promotion-Feldzuges nichts mehr im Wege steht. Zudem kommt die DVD mit einem aufwendigen Booklet daher, wo alle Texte der 16 Songs, die sie an dem Abend gespielt haben abgedruckt sind. Zum Live-Auftritt sei gesagt, dass auch an Penetration die Zeit nicht spurlos vorbeigegangen ist. Man bewegt sich doch sehr behaebig auf der Buehne, da ist im Publikum wesentlich mehr los, aber ansonsten werden die Lieder ganz gut vorgetragen, obwohl hier und da die Power einfach raus ist. Nun ja, wir sind ja alle keine 20 mehr, also sei das verziehen. Pauline´s Stimme ist gluecklicherweise noch zu 80% Prozent intakt, und so kann man besonders beim letzten Song des Abends „Firing Squad“ schon mal eine kleine Gaensehaut bekommen. Wenn ich mir so das Video betrachte bin ich eigentlich ganz froh, das ich damals nicht so durchgeknallt war nach Sunderland zu fahren. Trotzdem wuerde ich mir die Band, falls sie hier in der Naehe mal spielen sollten gerne anschauen. Einige Extra Features sind auf der DVD auch noch zusehen, zum einen, einen kurzen Mitschnitt des Soundchecks, sowie Impressionen vom „Holidays In The Sun“-Festival, Juli 2002 in Blackpool. Besonders nach der Show im „Wintergarden“ haette die Filmemacherin Carol Lynn ruhig laenger mit ihrer Kamera draufhalten koennen, um den Besuchern des Festival mehr Raum fuer Interviews zu bieten.
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RED ALERT
„Take No Prisoners – Live Across The Continents!“ DVD
( Cherry Red Films / CherryRed.co.uk , Release Date: 02. Januar 2006 )

Drei Konzerte wurden auf 117 Minuten Spielzeit zurechtgeschnitten. Aufzeichnungen aus den USA, „Showcase Theatre” – Corona (CA) vom 25. November 2000, aus Japan beim „Holidays In The Rising Sun“-Festival vom 13. Oktober 2000 und aus Spanien, „Puertohurraco Sister´s Bar“ – Barcelona vom 30. Januar 2004. Aber hier passiert eigentlich nicht sehr viel. Die Band spielt ihre Hits wie „Take No Prisoners“, „City Invasion“ oder „Screaming At The Nation“ bei allen Konzerten ohne jegliche Power runter. Das Publikum geht zwar gut mit, aber irgendwie habe ich mir von den Konzerten und speziell von Red Alert on stage wesentlich mehr von versprochen. Nee, da hoere ich mir die Band doch viel lieber auf CD an.
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ROCK’N’ROLL STORMTROOPERS
„On Fire“ CD
( Full Breach Kicks / FullBreach77.com , Release Date: November 2005 )

Letztes Jahr kam diese Scheibe in Europa als CD und LP auf „Hulk Records“ raus. Die US-Version hat zusaetzlich noch den Track „(We Are) Ready To Rock“ als Bonus zu den regulaeren 11 Songs anzubieten. Die Schwaben-Punks mit dem grossen Hang zum ´77er-Sound sind sicherlich keine Unbekannten mehr in der hiesigen Punkrock-Landschaft. Nun versuchen sie ihr Glueck in den Staaten. Und mit „On Fire“ koennte das durchaus gelingen. Allerdings macht es sich die Band doch ein wenig zu einfach. Der Refrain bzw. Groel-Chorus steht bei fast allen Songs zu sehr im Vordergrund und wiederholt sich innerhalb eines Stueckes viel zu oft. Das ist wie Karussell fahren, ohne mal einen kleinen Stop einzulegen. Musikalisch koennen die Vier wesentlich mehr, da bin ich mir ziemlich sicher, aber da alles nur auf diesen einen speziellen Moment im Lied zugeschnitten ist, kommt bei mir recht schnell Langeweile auf.
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SPIZZ ENERGI - "Where´s Captain Kirk? – Spizz Energi Live" DVD
SPIZZ ENERGI
„Where´s Captain Kirk? – Spizz Energi Live” DVD
( Cherry Red Films / CherryRed.co.uk , Release Date: 13. Februar 2006 )

Nach und nach veroeffentlicht „Cherry Red Films” die Mitschnitte vom ersten “Holidays In The Sun”-Festival aus dem Jahre 1996. Nun sind Spizz Energi an der Reihe. 11 Songs, darunter natuerlich ihre Hits wie „6000 Crazy“, „Soldier Soldier“ und „Where´s Captain Kirk?“. Und das in der kompletten Original Line-Up. Vom letzteren Song ist im Anschluss ein frueheres Promo-Video zu sehen, aufgenommen im Londoner „Marquee Club“. Dann folgt eine Probe aus dem Jahre 2004 mit vier Songs. Wobei hier das Witzige ist, dass sich die Band selbst gefilmt hat und im Endbild eben Spiegel verkehrt zu sehen ist. Zuletzt dann noch ein Interview mit Spizz, was 2005 entstanden ist. Man achte auf die Mikrophone und deren Aufkleber. Die Band lebt noch immer von ihrem Ausnahme-Saenger Spizz, der stets fuer einen Spass zu haben ist. Gesamtspielzeit betraegt 80 Minuten.
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STREET BRATS - "See You At The Bottom…." CD
STREET BRATS
„See You At The Bottom….“ CD
( Full Breach Kicks / FullBreach77.com , Release Date: September 2005 )

Nach ihrer phaenomenalen ersten 7”inch “You´ll Never Walk Alone“ waren die Erwartungen an ihr Debuet-Album dementsprechend hochgesteckt. Tatsaechlich finden sich die B-Seiten Songs „I Remember“ und „Mind Control“ auf der 10-Track-CD wieder. Auch „You´ll Never Walk Alone“ haette ich liebend gerne mal in einer knackigen CD-Fassung gehoert. Aber, das Leben ist kein Wunschkonzert und man kann eben nicht alles haben. Anfangs war ich dann doch etwas enttaeuscht von den restlichen acht Tracks. Das die Street Brats aus Chicago einen Song schreiben koennten, der „You´ll Never Walk Alone“ toppen wuerde, war eher unwahrscheinlich, allerdings dachte ich zumindest, das sie das musikalische Level halten koennten. Aber auch unter diesem Aspekt wurde kein Boden gutgemacht. Vielmehr folgende auf die anfaengliche Enttaeuschung voellig objektive Ernuechterung. Nur so konnte ich mich ein weiteres Mal an das Album heranwagen. Und siehe da, es funktionierte! Dabei filterte ich direkt zwei neue Hits heraus, „We´re Alright“ und „Destination Nowhere“. Doch auch die verbleibenden neuen Tracks schiessen ueber das Mittelmass weit hinaus und sind musikalisch sehr stark mit dem „´77er Wonderland“ verbunden. Die Street Brats koennten durchaus als eine schnellere BOYS-Version mit einer feinen Glam-Note unterlegt durchgehen. Textlich erinnert mich „See You At The Bottom….” sehr haeufig an SOCIAL DISTORTION´S erstes Album “Mommy´s Little Monster”. Fuer Punks Anfang/Mitte 20 treffen die Street Brats genau die richtigen Zeilen. Ihr Markenzeichen ist jedoch der lang anhaltende Sing-A-Long-Refrain, der die einzelnen Lieder recht fix als aeusserst einpraegsam gestaltet. Wenn ich weiter oben fuer das aktuelle Album von the BRIEFS alle Sternchen verteilt habe, waere es jetzt ein Unding dies nicht bei „See You At The Bottom….” zutun.
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URGENCIES
„Desolation Chic” CD
( Bubble Empire Recordings / FullBreach77.com , Release Date: 12. September 2005 )

Eigentlich muesste ich die Band aus Austin richtig gut finden, da ihre Einfluesse angeblich von den DEAD BOYS bis zu D GENERATION reichen. Die Melodien sind nicht das Problem, doch auf welch einer lahmarschigen Art sie diese darbieten, erinnert mich an diese geschmacklosen Haarspray toupierten L.A.-Bands Mitte der ´80er. Die Urgencies praesentieren auf ihre insgesamt 12 Tracks einen toedlich langweiligen Mix aus Glam-Rock und Punk’n’Roll-Standards. Ich weiss nicht, wer denen das Hirn vernebelt hat, aber vielleicht sollte man erst richtig sein Instrument beherrschen koennen und danach evtl. zur Bottle Of Gin und aehnlichen Rock’n’Roll-Genussmitteln greifen. Nee Jungs, das war nix. Zurueck auf Anfang.
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V.A.: "AVON CALLING – The Bristol Compilation" Do-CD
V.A.: „AVON CALLING – The Bristol Compilation”
Do-CD
( Cherry Red Records / CherryRed.co.uk , Release Date: 21. November 2005 )

Da hat sich „Cherry Red” einen einzigartigen Fund aus den eigenen Reihen aufs Neue „gesichert“! Bedeutet, das alle Releases des „Heartbeat Label“ von Anfang an vom „Cherry Red Label“ lizenziert wurde. Die zwei CDs – natuerlich in re-mastered Versions – beinhalten zum einen den kompletten LP-Sampler „Avon Calling“ aus dem Jahre ´79 mit sechs weiteren Tracks, die hier das erste Mal zu hoeren sind, und zum anderen die komplette Single-Kollektion des Labels aus der Zeit von ´78 bis ´81. Das Ganze kommt in einem aufklappbaren uebergrossen CD-Taschen-Set, wo die beiden CDs, sowie ein richtig schoenes dickes Booklet Platz finden. Die Vor- und Ruckseiten der insgesamt zwoelf Singles sind dabei original getreu im CD-Format abgedruckt. Dazu kommt eine ausfuehrliche Story ueber die damalige Musikszene in Bristol und ihre Bands. Von allen zwanzig Bands, die hier auf den beiden CDs vertreten sind, gibt es Fotos im Booklet zu sichten. Ein JOHN PEEL Livemitschnitt aus einer seiner Radioshows ist am Anfang von „Avon Calling“ zu hoeren. Originalauszug: „… the one that sets the standard for any future compilation, not a bad track on it – truly superb.” Er spielte jede Nacht zwei oder drei Songs bei sich im Programm, und das ueber mehrere Wochen. VICE SQUAD hatten mit „Nothing“ z.B. ihr Vinyl-Debuet, aber nicht alle Bands konnte man direkt mit dem Begriff Punk Rock in Verbindung setzen. Es war ein sehr abwechselungsreicher Mix, den Bands wie die GL*XO BABIES, the X-CERTS, STEREO MODELS, VARIOUS ARTISTS, PRIVATE DICKS, the STINGRAYS oder DOUBLE VISION auf dem Sampler erfolgreich begonnen hatten und der wurde mit den Singles auf dem selben hochklassigen musikalischen Niveau fortgesetzt. Hier stechen vor allen Dingen die Band APARTMENT mit ihrem Klassiker „Winter“ oder 48 HOURS mit dem CLASH-beeinflussten „Back To Ireland“ hervor, aber auch die Single der PowerPop-Punks the LETTERS „Nobody Loves Me“ gehoerten zu den ganz grossen 7“inch-Momenten. Diese beiden CDs sind gleichzusetzen mit einem Original JOHN PEEL-Soundtrack der ´70er!
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