* * * * * * Real Classic! , * * * * * Great Stuff! , * * * * Very Good! , * * * O.K. , * * Poor! , * Real Bullshit!

So, hier nun das Update fuer Januar. Das Update fuer Februar erfolgt Anfang Maerz 2010.  Alle Reviews, wie immer, besprochen von Ralf Real Shock.

 

AUTOMATICS - „The Jukebox Of Human Sorrow“ CD digi-pak
AUTOMATICS
„The Jukebox Of Human Sorrow“ CD digi-pak
( Dork Records / DorkRecords.net , Release Date: Mai 2009 )
Voellig ueberrascht war ich, als ich Ende 2009 per Zufall erfahren hatte, das seit Mai des letzten Jahres ein brandneues 14-Track-Album der Automatics vorliegt. Das lag sicherlich daran, dass fuer das mittlerweile fuenfte regulaere full-length kaum Werbung gemacht wurde. Auch hielt man es nicht fuer noetig ein „MySpace“-Bulletin zu verschicken. Weder Phil Henriks von „Dork Records“/THE STIFFS noch ihr Saenger Dave Philp selbst ruehrten sich. Und ich dachte, ich haette zu beiden einen recht guten eMail-Kontakt. Gut, ich hab die Connection in der letzten Zeit auch etwas schleifen gelassen, aber ich dachte, wenn sich was tut, wird man mir bestimmt Bescheid geben. Dem war leider nicht so. Auch hier bewahrheitet sich der abgedroschene Spruch: „Immer schoen am Ball bleiben.“ Nun ja, ich kann heutzutage eben nicht auf allen Hochzeiten mehr gleichzeitig tanzen und die Sachlage dabei genau im Auge zubehalten. Aber sei es drum, nach dem ich die Neuigkeit auf dem Schirm hatte, kontaktierte ich sogleich Phil und er sagte sofort zu, mir eine CD-Copy zu zusenden. Nicht nur das! Auf meine Bitte hin brannte er mir auch das Weihnachts-Album „The Last Noel“, was ich direkt im Anschluss besprochen habe. (Thanks very much, Phil!) An ihr Ausnahme-Album „Britannia“ aus dem Jahre 2006 reicht das neue Werk sicherlich nicht ganz ran. Aber auf der Scheibe findet man nicht einen durchschnittlichen Song, da sucht man wirklich vergeblich. Dave hat einfach eine begnadete Faehigkeit hochmelodische und erstklassig produzierte PowerPop-pUnK-Lieder zu schreiben. Wer sich einmal auf seine Stimme und seine Musik eingelassen hat, bleibt, wie ich, hoffnungslos diesem musikalischen Dauer-Zauber verfallen. Das ist fuer steinalte pUnK-rOcKeR, die locker auf die 50 zugehen genau das richtige! Einfach nur wunderschoene und entspannende Musik zum Geniessen! „A Mighty Long Way From Memphis“ vom Comeback-Album „2“ (2001) und „Wonderful Day“ von der MCD „Old River Thames“ (2006) wurden dabei neu eingespielt, die restlichen Tracks sind gaenzlich neue Kompositionen. Da moechte ich wirklich nicht einen Song hervorheben, da alle ihre ganz besonderen Staerken haben.
( * * * * * + )

AUTOMATICS - „The Last Noel“ Digital Release
AUTOMATICS
„The Last Noel“ Digital Release
( Dork Records / DorkRecords.net , Release Date: 2008 )
Seit 2007 gibt es die 12 Tracks als digitalen Download. Der Opener „Christmastime Is Coming” wurde dabei uebrigens schon im Kino-Film „The Christmas Cottage“ mit Peter O’Toole verwendet. Fuer 2008 war eine offizielle CD-Veroeffentlichung im Gespraech. Bisher ist daraus noch nichts geworden. So muss man mit dem Download weiter vorlieb nehmen. Aber was solls? Die Musik ist das was zaehlt!!! „The Last Noel” ist keine plumpe Aneinanderreihung von bekannten Weihnachts-Liedern, sondern alle Songs stammen aus der Feder von Dave. Dabei konnte Dave u.a. auf die Schuetzenhilfe von Steve Jones (SEX PISTOLS) und Yogi (BUCK CHERRY) zurueckgreifen. Dave duerfte mittlerweile dafuer bekannt sein keine halben Sachen zu machen und so kann man auch hier ganz beruhigt zuhoeren. Exzellente Produktion paart sich mit ueberragendem Songwriting! Das Thema Weihnachten scheint Dave ebenso am Herzen zu liegen, wie seine alte Heimat England, die er voller Hingabe auf dem Album „Britannia“ besungen hatte. So bekommt auch „The Last Noel“ sein ganz spezielles Gesicht. Und dieses Jahr in der Adventszeit wird das Album eine grossartige Einstimmung fuer das Weihnachtsfest sein.
( * * * * * )

DIE BONKERS - „Stockbesoffen & Genial“ CD/DVD digi-pak
DIE BONKERS
„Stockbesoffen & Genial“ CD/DVD digi-pak
( Burnout Records / New Music Distribution , Release Date: 21. Dezember 2009 )
„Saufen! Saufen! Jeden Tag nur Saufen!“ Das war mal eine Wahlparole der APPD und dieses zweite Album des Rostocker Trios koennte ohne weiteres der Soundtrack dazu sein. Rein musikalisch ist nicht viel daran auszusetzen, das geht schon in Ordnung, vorausgesetzt man laesst sich ein wenig auf Hardrock-Metal-Kutte und Oi!-Punk ein. Textlich wird derb stumpf vom Leder gezogen, sollte man auf keinen Fall fuer bare Muenze nehmen. Die Waterkant-Slang-Wortgefechte mit ihren eingestreuten kleinen Witzchen zwischendurch erinnern ein wenig an die Werner-Comics und seine „Boelkstoff“-Trinkgelage, also durchaus lustig. Auf der DVD setzt sich dieser Reigen fort. Die Jungs nehmen sich halt gerne mal selbst auf die Schueppe.
( * * * )

THE CUTE LEPERS - „Smart Accessories“ CD digi-pak
THE CUTE LEPERS
„Smart Accessories“ CD digi-pak
( Damaged Goods Records / DamagedGoods.co.uk , Release Date: 07. Dezember 2009 )
Vom ersten Album „Can’t Stand Modern Music“ bekam ich noch wenigstens die ganz regulaere Version zugeschickt. Jetzt, mit der zweiten full-length hab ich es mit einer schaebigen Promo-Copy zu tun. Pah, die will ich irgendwie nicht!!!! Denn mein Grundsatz: „Die Musik, ist das was zaehlt!“, geraet hier ein wenig ins Wanken, da mich grundsaetzlich die Band schon mehr interessiert, als so manch andere, die ich hier im Januar-Update besprochen habe. Da wuerde ich dann auch mal gerne im Booklet rumblaettern, ja halt einfach, das fix und fertige Produkt in Haenden halten duerfen, damit man ein noch staerkeres Gefuehl fuer die Musik vermittelt bekommt. Sollte aber nicht sein. Schad! Und Schnitt! Nun bin ich nach jahrelangem Gruebeln endlich dahinter gekommen, warum mir schon THE BRIEFS nie wirklich zu 100% zugesagt haben. Ich meine, ich habe all ihre Alben auf CD fein saeuberlich im Regal liegen und sie schon seit Monaten, ach was sag ich, Jahren(!!!) nicht mehr angeruehrt. Es ist der quaekende Gesang, der mich hauptsaechlich stoert! Und ich dachte die janze Zeit es waere die schrammelig gespielte Kindergitarre gewesen. Da lag ich aber ordentlich verkehrt! Denn Steve E. Nix hat eine aehnliche Stimmlage wie Olga von den TOY DOLLS. Das Verhaeltnis ist gewissermassen identisch. Die TOY DOLLS machen wie die Cute Lepers ja eigentlich die Musik, die mich seit Ende der 70er bis in alle Ewigkeit gepraegt hat. Leider konnte ich mich in all der Zeit nie mit Olga’s Stimme anfreunden, was ich im Nachhinein doch sehr bedauert habe. Das gleiche Dilemma bahnt sich nun auch bei den Cute Lepers an. Musik: Yes Sir! Gesang: No thanks! Zu meinem Leidwesen klingt das neue Album direkt beim ersten Hoeren auch noch rein musikalisch gesehen sehr viel ausgereifter und intensiver als ihr erstes Album. Waere da nicht die nervige Stimme! Ich war schon fast der Verzweifelung nahe, da klingelt es ploetzlich an der Haustuer und ein zutiefst beleidigter Kid Reid von THE BOYS steht vor mir und meint: „RealShock, hoer dir nur mal Track 4 an! Das ist der BOYS-Song, den ich seit unserem Konzert 2001 in Duesseldorf immer schreiben wollte.“ Sagt es und zieht mit grimmiger Miene wieder ab. Natuerlich stand kein Kid Reid vor meiner Tuer, aber wenn man sich „You Don’t Have To Belong To The Religious Right“ genauer anhoert, meint man wirklich, die BOYS stehen vor der Tuer. Hier klingt Steve E. Nix auch nicht mehr wie Olga, sondern eben wie ein Duncan „Kid“ Reid. Ja, dieser Song ist das absolute Highlight dieser CD! Was fuer eine brillante Gitarre!!!! Dazu diese grossartigen Choere!!! Eine wahre 77er-Sternstunde!!! pUnK rOcK!!! YES SIR!!! Waeren nur mehr Songs in dieser Art auf der CD, dann haette ich sie schon laengst bei Amazon in England bestellt und im ersten Anfall der Begeisterung mir spontan mit Billig-Tinte Cute Lepers auf die Wangen geritzt. Nach diesem Song ist alles anders. Zurueck auf Anfang! Nicht ein Song ist jetzt noch in der Lage dieses scheiss-hohe Level zu erreichen. Da kacken die restlichen zwoelf Darbietungen voellig ab, obwohl gut gespielt sind sie ja…., aber hey Stevie-Boy kauf dir eine andere Stimme. Wie man gehoert hat, geht es doch! Jetzt gibt es zwei Bewertungen, echt, das muss einfach so sein!
Fuer die „Smart Accessories“ CD gibt es: ( * * * * + )
Fuer den Track „You Don’t Have To Belong To The Religious Right“ gibt es selbstverstaendlich: ( * * * * * * )
PS: Ich hab den Song jetzt schon zehn Mal hintereinander gehoert und bin ihn immer noch nicht leid. Wann ist mir so etwas zum letzten Mal passiert? Ich habe keine Ahnung!

DOLLFACE - „Silent Rebellion“ CD
DOLLFACE
„Silent Rebellion“ CD
( 65Productions / Rock This Town Promotion , Release Date: 05. Februar 2010 )
Immer auf der Suche nach neuen Bands und Sounds bin ich fuer (fast) jedes Promo-Angebot zu haben. Denn schliesslich weiss man im Voraus nie, ob nicht doch der eine oder andere Song mir zusagen koennte. Man kann natuerlich heutzutage nicht mehr verlangen, dass einen ein komplettes Album direkt umhaut, aber wenn ein oder zwei Songs meinen Geschmack treffen, bin ich schon mehr als nur zufrieden. Frueher habe ich mich regelrecht verweigert etwas anders klingende Combos eine Chance zu geben, aber die Neugier hat mit den Jahren schliesslich gesiegt und ich bin dafuer auch schon das eine oder andere Mal „belohnt“ worden. Als Beispiel seien hier nur mal THE LAW angefuehrt, die mich mit ihrem aktuellen Album „A Measure Of Wealth“ sehr angenehm ueberrascht haben. Nun aber zu Dollface aus Schweden. Bei Musik aus Schweden kann man im Grunde genommen kaum verkehrt liegen. Und auch hier standen die Vorzeichen nicht schlecht! Das Cover ziemlich pUnk rOcK-maessig gestaltet, wie etwa die Benutzung der „Stencil“-Schriftart, die zuerst von THE CLASH und etwas spaeter von CRASS verwendet wurde. Der optische Eindruck der Band auf dem Backcover-Booklet geht dann in Richtung THE HIVES, obwohl sich der Typ in der Mitte (bestimmt ihr Saenger) ruhig mal haette etwas gerader hinstellen koennen und nicht so wie ein Schluck Wasser in der Kurve. Musikalisch bekomme ich dann allerdings ein voellig anderes Bild geliefert. Das geht mir zu sehr in die handelsuebliche vertrackte Welt des britischen Langweiler-Rock. Der Saenger geht mir mit seinem Leierkasten-Stimmchen ganz schoen auf die Nerven und auch musikalisch kann ich damit nicht wirklich viel anfangen. Keine echte Energie dahinter, zu spaerlich eingesetzte Gitarren und die Refrains sind einfach viel zu brav. Angepasste Indie-Mucke fuer die FaceBook-Generation. Schad!
( * * )

ELVIS JACKSON - „Against The Gravity“ CD
ELVIS JACKSON
„Against The Gravity“ CD
( Antstreet Records / New Music Distribution , Release Date: 04. Dezember 2009 )
Die Slowenen beweisen mit dem Bandnamen schon einmal guten Humor. „Against The Gravity“ ist seit ihrer Gruendung im Jahr ´97 nun ihr viertes Album. Kleine Geschichte am Rande: Der fruehere FAITH NO MORE-Bassist Billy Gould hat sich heutzutage auf unbekannte kleine Bands spezialisiert und ist fuer sie als Produzent taetig. Auch dieses Album hat er produziert. Elvis Jackson hat aber mit Faith No More sonst nichts gemeinsam. Ein Glueck! Die 13 Tracks sind meist gut abgehender MelodyCore. Von Ska- oder gar Metal-Einfluessen, so wie es im Info geschrieben steht, bleibt der Sound erfreulicherweise verschont. Hier und da ein guter Reggae oder ein heftiger Hardcore-Einschlag sorgen fuer die noetige Abwechselung. Nicht der ganze grosse Wurf, aber hoerbarer als viele andere Combos aus diesem Genre.
( * * * + )

GENEPOOL - „Lauf! Lauf!“ CD
GENEPOOL
„Lauf! Lauf!“ CD
( Rookie Records / RookieRecords.de , Release Date: 29. Januar 2010 )
Gerade habe ich die Besprechung zur DOLLFACE CD abgeschlossen und davon berichtet, dass es in der heutigen Zeit beinahe unmoeglich geworden ist, dass man von einem kompletten Album noch umgehauen wird. Nun, diese (evtl. etwas vorschnelle) Aussage gilt fuer diese CD sicherlich nicht. Schoen, das es immer mal wieder Ausnahmen gibt. Genepool sagte mir vorher rein gar nix. Dementsprechend unvorbereitet war ich, als ich von ihrem Sound erfasst wurde und mit weit aufgerissenen staunenden Augen einfach in ihren Sog mitgerissen wurde. Ihre Musik klingt fuer mich alten Punker wie eine Zeitreise in die spaeten 70er, zurueck zum Glueck (die HOSEN moegen mir wegen dieser Wortwahl verzeihen…), wo ich mir Woche fuer Woche, fuer JOHN PEEL und seine „Rock Today“-Shows auf BFBS den Arsch abfreute, und wo (fast) jede Band noch voellig anders klang. Na klar durften es THE RUTS, die U.K. SUBS und die COCKNEY REJECTS sein, aber zwischendurch auch die neue WIRE, die neue PiL, ein wenig JOY DIVISION und die neue SUZIE AND THE BANSHEES, oder die ersten Singles von den DISCO ZOMBIES, den GLASS TORPEDOES oder GARDEZ DARKX, man scheisse, man war einfach jung und sass die ganze Zeit wie auf gluehenden Kohlen, und fuer alles was JOHN PEEL uns vorsetzte war man unendlich dankbar. Und am Montag ging es dann in den Duisburger „Rock On“ und schaute wat Cheffe Metal-Udo so Neues aus England am Freitag importierte hatte. „Frisch aus England“, war da das Stichwort! Diese ganzen Erinnerungen verbinde ich mit der neuen CD von Genepool, die so herrlich britisch antik klingt. Und die den ein oder anderen Sound von damals wunderbar in ihre Lieder verarbeitet haben, ohne dabei unangenehm aufzufallen. Das hat Klasse, das hat Stil! Die Produktion ist optimal auf dem Punkt, um diesem aufpeitschten Post-Punk gerecht zu werden. Das Gehoer laesst sich nichts vormachen und die persoenliche Wahrnehmung taeuscht sich auch nicht! Denn von jedem Musiker geht so dermassen viel an Power aus, man spuert, die werfen alles, wirklich gottverdammt alles was sie haben in die beruehmte Waagschale. Intensiver kann eine Platte kaum klingen! Yes, „Frisch aus Deutschland“ ist hier mal zur Abwechselung das Stichwort!
( * * * * * + )

GEWAPEND BETON - „Empty Batteries“ CD
GEWAPEND BETON
„Empty Batteries“ CD
( Crucial Attack / New Music Distribution , Release Date: 30. November 2009 )
Jetzt hab ich mir schon einige Besprechungen frueherer Releases der Amsterdamer Band im Netz durchgelesen und alle kommen zu dem Schluss, dass die vier Bubis sich nach 80er-Hardcore/Skatecore anhoeren. Hochkaraetige Namen wie BAD BRAINS, ZERO BOYS oder REAGAN YOUTH sind in dem Zusammenhang ebenfalls gefallen. Hoppla, mal schoen langsam hier! Liebe Leute, da liegen aber Welten zwischen! Gewapend Beton kann es zu keiner Sekunde mit den HC-Klassikern der 80er „Rock For Light“, „Vicious Circle“ oder „Youth Anthems For The New Order“ aufnehmen. Also, was sollen solche unglaublich illusorischen Vergleiche? Meint man so, die Verkaufszahlen steigern zu koennen? Das glaube ich kaum. Nein, man sollte am Boden der Realitaet bleiben. Gewapend Beton sind sicherlich keine schlechte Band, aber ihre Musik ist allenfalls guter Durchschnitts-HC-Punk, der keinen wirklich aus der Bahn wirft. Und der gute alte typische Hardcore der 80er hoerte sich so was von anders an! Ich muss es wissen. Ich hab damals alles gesammelt, was man hier in Germany kriegen konnte. Noch ein abschliessendes Wort zum Booklet: Wer kam auf die bescheuerte Idee auf rotem Hintergrund die Texte in schwarz abzudrucken mit einer voellig unleserlichen Schriftart? Dabei sind die Textzeilen auch noch in alle Himmelsrichtungen schoen verschnoerkelt gesetzt worden, so dass man, wenn man wirklich bereit ist sich die Texte beim Hoeren der Musik durchzulesen, absolut keine Chance hat mit zukommen, ausser man hat noch ein paar Augenpaare in Reserve. Ich glaub, eine Echse koennte das auf Anhieb!
( * * * )

GUITAR ARMY - „Guitar Army Does Detroit“ CD
GUITAR ARMY
„Guitar Army Does Detroit“ CD
( MySpace.com/TheSpys2 , Release Date: 2009 )
Das Detroiter Schweinerock-Fest ist hiermit eroeffnet. Und ich penne gleich ein vor Langweile. Gitarrenverliebte STOOGES/MC5-Junkies werden allerdings voll auf ihre Kosten kommen. Nur „Now I Wanna Be Your Dog” und “No Fun” reissen mich kurz aus meinem Schlaf. Den „Dog“-Song kann man auch nicht so einfach nur daher rocken lassen, das geht schon deshalb nicht, weil dieser eine Gitarrengriff so viel Gefaehrlichkeit ausstrahlt, aehnlich wie der von „Sonic Reducer“ (DEAD BOYS) oder der von „Better Off Dead“ (LA PESTE). Insgesamt macht das hier 15 Live-Einspielungen aus verschiedenen Lokalen und Clubs, rund um Windsor. Windsor ist Kanadas suedlichste Stadt, sie liegt Detroit direkt gegenueber auf der anderen Seite des Flusses. Tja, da haben wir es doch! Nun, jetzt fragt man sich vielleicht, wie ich an solch eine eher untypische CD gelange. Hier die Aufklaerung: Da die olle kanadische „Killed By Death“-Combo THE SPY’S zu meinen „MySpace-Freunden“ zaehlt und ich jeden Tag fleissig in die Bulletins schaue, war ich natuerlich entzueckt zu lesen, das es die SPY’S LP nun auch auf CD gibt. Fuer weitere Informationen sollte ich mich an eine bestimmte eMail-Adresse wenden. Und schon war ich mit Dale „Elad“ D’amore, dem Gitarristen verbunden. Sofort gab er das OK, mir die SPY’S CD zu zusenden, meinte aber noch, das er auch eine CD von seiner heutigen Band beilegen wird, der Guitar Army, mit denen er sporadisch jammt und kleinere Auftritte absolviert. So, das war’s, die SPY’S-Review folgt weiter unten.
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LOUSY - „Moments Of Fame“ CD/DVD digi-pak
LOUSY
„Moments Of Fame“ CD/DVD digi-pak
( Bandworm Records / New Music Distribution , Release Date: 04. Dezember 2009 )
Auch mal eine schoene Idee sich im Kuhstall einzeln auf einem Stuhl fuer das Booklet ablichten zu lassen. Das Chemnitzer Quartett ist im Laufe der Zeit musikalisch aber besonders stimmlich stark von Bands wie SMOKE BLOW oder BONECRUSHER beeinflusst worden. Natuerlich ist man auch in elf Jahren Band am Instrument sicherer und besser geworden. Fuer mich klingt das neue Album mit der beigefuegten DVD „Kosmos privat“ wie eine Mischung aus Hardcore-Punk und diversen Blues-Elementen. Das Ganze dann sehr aggressiv vorgetragen, was natuerlich in erster Linie am Gesang liegt. Die DVD ist uebrigens von der FSK erst ab 12 freigegeben.
( * * * + )

NAZI DOGS - „Old Habits Die Hard“ CD/LP
NAZI DOGS
„Old Habits Die Hard“ CD/LP
( Wanda Records / New Music Distribution , Release Date: 13. November 2009 )
Im Oktober-Update des vergangenen Jahres habe ich lediglich eine reine Promo-Copy von „Nicotine Records“ zum Besprechen zugeschickt bekommen. Nun bekam ich sozusagen als „Zugabe“ beide Veroeffentlichungen von den offiziellen Stellen zugesandt. An meiner Review aendert das natuerlich nix, die folgt gleich im Anschluss. Aber so kam ich dann auch endlich in den Genuss der Texte. Und das mit „My Wave“ von den SURF PUNKS und „Take Your Medicine“ von den SUICIDE KINGS zwei Cover-Versionen vorliegen, habe ich beim ersten Mal voellig verpeilt. Bin ja schliesslich nicht allwissend, you know! Und dass olle Johnny von den STITCHES beim Titel-Track mit seiner Gitarre zu hoeren ist, sollte auch nicht unerwaehnt bleiben. So viel Zeit muss sein! So, jetzt aber zur Review: „Liegt Orange County jetzt in Aachen, oder wat? Oder sind die STITCHES etwa dort hin umgesiedelt? Diesen spontanen Eindruck vermittelt mir der Opener und gleichzeitig auch der Titel-Track dieser zweiten CD von Aachen’s Top-pUnKrOcK-Band. Karsten intensivierte seine stimmliche Staerke weiter in Richtung von Mike Lohrman’s Snot-Voice. Aber auch sein abgefuckter und very sick klingender Gesang bei „I Cannot Die“ und besonders bei „Latex Love“ erinnert an so manche abgedrehte alte amerikanische „KBD“-Band aus den 70ern like THE FEAR oder CRIME. Und musikalisch gibt es auch eine unglaubliche Steigerung zu verbuchen. Die Nazi Dogs brauchen sich ab sofort nicht mehr als Vorband abzukrebsen, sie sind der Hauptact! Ganz klar, die Nazi Dogs ist Karsten’s Baby. Songs und Musik sind auf ihn zugeschnitten. Er geht konsequent seinen Weg. Er bleibt in seinen Reihen stets umtriebig und aktiv. Das sollte man zu schaetzen wissen. Dank einer ueberragenden Studio-Produktion kommt der NaziDogs-Sound erst jetzt so richtig zur Entfaltung. Die 14 Songs hauen wirklich so dermassen gut rein ins Oberstuebchen, so dass ich gespannt auf eine Fortsetzung warte. Das Wortspiel zu „L.A. Brador“ hab ich allerdings, wenn auch erst im zweiten Anlauf verstanden. Als CD-Hidden-Track gibt es obendrauf noch das GG ALLIN-Cover von „Bite It You Scum“ als Live-Mitschnitt. Und „Latex Love“ hat sich mittlerweile bei mir als echter Hit entwickelt.“
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NO SHAME - „Ironing Day“ CD digi-pak
NO SHAME
„Ironing Day“ CD digi-pak
( Rookie Records / RookieRecords.de , Release Date: 05. Februar 2010 )
Es gibt Scheiben, die hoerst du das erste Mal und denkst, mmmhh, nicht schlecht. Dann hoerst du die Scheibe ein zweites, drittes oder meinetwegen auch ein viertes Mal und nichts weiter passiert. Keine Steigerung, aber auch keine Tendenz die nach unten zeigt. Es bleibt alles auf Anfang mit dem mmmhh, nicht schlecht. So geschehen mit dem neuen Werk und mittlerweile fuenften Studio-Album von Finnlands (laut Info -angeblich) besten Punkrock-Band No Shame. Nun, die Jungs haben das Herz am rechten Fleck, soviel kann ich schon mal vorwegnehmen. Sicherlich machen sie sich auch ein wenig mehr Gedanken, als beispielsweise vieler ihrer amerikanischen Parallelbands. Laut ihrer Webpage haben sie es nicht so mit Majors und MySpace. Darauf koennen sie gerne verzichten. Sie wollen 100%ige Kontrolle. Das ist die richtige (pUnKrOcK)-Einstellung! Seit 1999 ist die Finnen-Band schon aktiv und haben es bisher erfolgreich vermieden auf Teufel komm raus bekannt zu werden. Sie lassen ihre Musik sprechen, sei es live oder im Studio. Mit „Ironing Day“ ist ihnen die volle Breitseite an Power und Energie gelungen. Die Produktion spielt ihnen dabei auch exzellent in die Karten. Die Songs sind mir aber leider mitunter zu hektisch vorgetragen, die etwas gesetzten Songs sprechen mich da schon mehr an, wie etwa „Empty Promises“. Ist aber dann auch der einzig verwertbare Song. Fuer mich, versteht sich! Erinnert ein wenig an die spaetere rockige Schiene von UPRIGHT CITIZENS. Bei allen anderen Songs gilt leider, das da die noetige Substanz fehlt, um bei mir erfolgreich nachzuhallen, und ich hab das Ding wie eingangs erwaehnt an einem Stueck drei- bis viermal durchgepowert. Auch mit ein wenig Distanz (zwei Tage Pause und dann wieder rein in den Player) ist da der Bann bei mir nicht zu brechen. Schade…., trotzdem gibt es volle vier Sternchen, weil fuer meinen „One Way Street“-Geschmack kann in diesem einen Fall ja die Band nichts fuer.
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THE PIKES - „No-Name Street“ MCD
THE PIKES
„No-Name Street“ MCD
( Dirty Faces Records / TimeForAction.de , Release Date: 27. November 2009 )
Yep, diese CD mit ihren sechs Songs wird von mal zu mal besser! Da gibt es kein Vertun! Der Titel-Track ist jetzt schon ein Hit! „Time For Action“ haette die Band auch ohne weiteres als 70er ModpUnK-Band from the U.K. verkaufen koennen, keinem waere etwas wirklich aufgefallen, so authentisch klingen die Pikes mit ihrem Debuet aus Berlin. Die Melodien gehen volle Kanne in Richtung THE JAM zu Zeiten ihrer zweiten LP „This Is The Modern World“. You know, eben diese kleinen ruppigen pUnKrOcK/Mod-Songs, die man fuer alle Zeiten in sein Herz geschlossen hat. Besonders gut harmonieren uebrigens die Backing Vocals mit dem Lead-Gesang. Das gibt es auch nicht alle Tage. Das Gesamtpaket stimmt einfach! Die Produktion ist perfekt auf Gesang/Bass/Gitarre/Schlagzeug abgestimmt. So muss das klingen! Superarbeit am Mischpult!
( * * * * * )

RADAU AG - „Stempel drauf!“ CD digi-pak
RADAU AG
„Stempel drauf!“ CD digi-pak
( Contra Records / New Music Distribution , Release Date: 06. Dezember 2009 )
Ganz OKayer Punk (Marke „Burning Britain 1982“ meets a little bit von THE RAMONES), den die Jungs aus Neuss auf ihrem ersten Album abliefern. 14 Tracks sind es geworden, es wird deutsch gesungen, der ziemlich angepisste Saenger klingt nach Streetpunk, mitunter gute Refrain-Choere, also, alles schon mal irgendwie da gewesen.
( * * * )

ROTTEN BARK - „Chillin’ Out“ MCD
ROTTEN BARK
„Chillin’ Out“ MCD
( Underground / RottenBark.com , Release Date: November 2009 )
Fuer drei mickerige Songs so ein Alarm! Ohne jegliche Vorwarnung und „per Einschreiben“ bekam ich dieses „Werbegeschenk“ frei Haus. Meine Adresse hatten sie wahrscheinlich bei „MySpace“ rausgefiltert. Eine voellige durchgeplante Strategie steckt dahinter! Mit der ganzen Internet-Breitseite wird hier ganz dick aufgefahren. Das Info entpuppt sich als eine etwas groessere farbige Hochglanz-Postkarte, wo auf alle „wichtigen“ Knotenpunkte im Netz hingewiesen wird, sei es Facebook, Twitter oder MySpace. Eine eigene Webpage hat die Band aus Polen in Auftrag gegeben, und vertreten ist man u.a. auch noch bei „Garageband“, „Last.fm“ und „PunkRockers.com“. Mit solch einem massiven Werbe-Bewusstsein habe ich grundsaetzlich ein Problem. Werbung schoen und gut, aber alles sollte seine Grenzen haben. Aber so sind die meisten Kiddies von heute eben, da steckste in deren Denke einfach nicht drin. Unsereiner musste sich in den 80ern alles von der Pieke auf erarbeiten, heute faellt fast alles einem einfach in den Schoss. Da grenzt es an ein Wunder das die noch selbst ihre Instrumente spielen. Muesste doch auch mal langsam das Internet uebernehmen, oder wie jetzt? Pop Punk Rock / California Style haben sich die sechs jungen Huepfer auf eine weitere mit gesandte Pressephoto-Postkarte geschrieben. Ja, und da liegen sie goldrichtig. Sehr frisch und unverbraucht klingt das! Die drei Songs sind verdammt fett produziert und haben diesen melodischen Touch der US-Westkueste auf jeden Fall intus. Spielen koennen sie auch, und das richtig gut (stehen ihren Kollegen aus den US of Hate in nix nach!), und der Titel-Track hat sogar das Zeug ein richtiger Ohrwurm zu werden. Musikalisch/Stimmlich somit absolut auf Augenhoehe, nur diese ueberkandidelte Public Relations (schoen ausgedrueckt, Herr RealShock!) sollte man mal ueberdenken. Die Sympathie ueberwiegt am Ende beim Anblick dieser wirklich niedlichen harmlos aussehenden Bubis und dem Maedi. Eine nette kleine Rasselbande!
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SCHARMUETZEL - „Forward Into War“ CD digi-pak
SCHARMUETZEL
„Forward Into War“ CD digi-pak
( Bandworm Records / New Music Distribution , Release Date: 15. Januar 2010 )
Den Bandnamen finde ich schon einmal unfassbar scheisse! Fragen wir einen Fachmann. Was sagt Wikipedia zu diesem Begriff? „Der Ausdruck Scharmuetzel (v. ital. scaramuccia, auch Treffen) bezeichnet ein kleines Gefecht oder Handgemenge. Das zugehoerige Verb ist scharmuetzeln oder auch altertuemlich scharmutzieren: kleine Gefechte liefern, plaenkelnd fechten. Unter einem Scharmuetzel versteht man im militaerischen Sinn den zeitlich wie oertlich begrenzten Kampf kleinerer Einheiten innerhalb eines groesseren Konflikts. Allerdings koennen Scharmuetzel auch Ausloeser einer Schlacht oder eines Krieges werden. Diese Scharmuetzel genannten Kaempfe zeichnen sich oft durch grosse Brutalitaet aus und finden haeufig zwischen mehr oder weniger isolierten Einheiten, wie etwa der Vor- oder Nachhut oder einer Patrouille/Posten statt. Waehrend bei einer Schlacht gewisse Regeln eingehalten werden, wird im Scharmuetzel meist wild durcheinander gekaempft, es sind keine klaren Frontlinien vorhanden, oft ist den Kombattanten nicht einmal klar, wo der Gegner ist.“ Und Schnitt! Beim Durchschauen der Texte musste ich einige Male heftig schlucken. Ich war ehrlich entsetzt und absolut fassungslos!! Geht es noch eine Spur pathetischer? Selbstironie ist hier voellig fehl am Platze, hier wird vom hart schuftenden Working Class Skinhead Hero berichtet, der sein Land ueber alles liebt. Zum wiederholten Mal: Was ist daran nur so toll? Ich kapier es einfach nicht! Hier wird ein Oi!-Klischee nach dem anderen rausgepackt. Ich dachte, das haetten wir laengst hinter uns! Mein Gott, wie alt sind die Jungs ueberhaupt? Ich tipp mal zwischen 24 und 30, aber reden wie frueher mein Opa vom Krieg. Wenn ich es jetzt mit total finsteren Skinheadgesellen zu tun haette (denn davon gab es in den 80ern jede Menge von, da war nicht viel mit United bei Punks + Skins), dann wuerde ich sagen Klappe zu und Affe tot. Aber das sind doch an sich alles nette liebe Jungs, wenn man sich die Fotos auf ihrer Webpage mal anschaut. Passt auch irgendwie nicht, dann hier so eine CD raus zuhauen und voll den Harten raushaengen zu lassen. Barack Obama auf dem Cover einen Kopfschuss zu verpassen ist auch nicht gerade sehr ueberlegt. Wahrscheinlich der einzige Politiker, den man ein ganz klein wenig Glauben schenken darf. OKay, aber warum lasse ich mir ueberhaupt solch eine CD ins Haus kommen? Nun, die Antwort liegt auf der Hand. So ganz ignorieren moechte ich das auch nicht, was die heutige Punker- und Skinheadszene auf der Strasse so treibt. Deswegen lasse ich mir ab und an gerne solche Scheiben zukommen um meinen Senf abzugeben, und auch hoffentlich mit einigen Vorurteilen aufzuraeumen. Ja, ich bin eben ein 80er-Kid und werde mein Lebtag immer noch den boesen Skinhead vor Augen haben, der uns Punkerschweine frueher durch die Strassen gejagt hat. Ich bin halt vorbelastet und komme aus einer anderen Zeit. Als es nicht so einfach war, um von jetzt auf gleich auszumachen, ob der Skinhead gegenueber, dir jetzt ein Bier ausgibt oder dir kraeftig was aufs Maul haut. Gut, diese Zeiten gehoeren in der heutigen Szene der Vergangenheit an, aber trotzdem, diese Scheibe hier geht vom Inhalt her so gar nicht. Weil sie fuer mich ganz persoenlich bewusst oder unbewusst viele ziemlich unschoene Erinnerungen von frueher wieder hochgespuelt hat.
( * - )

SOCIAL DISTRUST - „Who Is My Killer?“ CD digi-pak
SOCIAL DISTRUST
„Who Is My Killer?“ CD digi-pak
( Wanda Records / WandaRecords.de , Release Date: Dezember 2009 )
Ich wuerde mal sagen, dass sich die Jungs aus dem Sauerland den Drive durch unnoetige Gitarrenbreaks selbst rausnehmen. Die Songs gewinnen nie wirklich an Fahrt, da in meinen Augen voellig ueberfluessige und sinnlose Passagen eingebracht werden. Bei solch ueberladener Gitarrenarbeit macht sich die Band selbst das Leben schwer! Die beiden Gitarristen sollte man unbedingt mal zur Seite nehmen und in ihre Schranken verweisen. Viel zu umstaendlich, viel zu kompliziert, kein Song kommt dabei wirklich auf den Punkt. Der direkte (pUnKrOcK)-Weg waere wesentlich effizienter gewesen. Weniger ist oftmals eben mehr! Auch der Hauch von Schweinerock-Elementen dringt durch und stoert mich alten Punker ganz gewaltig. Trotzdem es nach dieser „Standpauke“ etwas albern klingt, liegt mir nichts ferner, als die musikalischen Faehigkeiten der kleinen Rasselbande schlecht zu reden, denn das sie spielen und Songs schreiben koennen liegt nach nur wenigen gehoerten Takten ihrer ersten full-length auf der Hand. Aber dieses Potenzial wuerde ich gerne in einem anderen Licht sehen. Ich hoere da einige vielversprechende Anleihen der ADOLESCENTS, BOMBSHELL ROCKS und LEATHERFACE raus. Damit laesst sich doch arbeiten, oder? Einige Refrains allerdings knallen sofort rein, wie etwa bei „The Sinner“ oder beim ersten Track „Silence“. Tut mir echt leid, aber hier waren nur drei Sternchen drin.
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SPEEDBALL - „Maximum Speed“ CD
SPEEDBALL
„Maximum Speed“ CD
( Detour Records / Detour-Records.co.uk , Release Date: 14. Dezember 2009 )
Und wieder hat „Detour Records“ eine sehr unbekannte Mod-Band aus den 70ern ausgebuddelt, um sie nun nach all den Jahren mit einer 14-Song-CD zu wuerdigen. Wie in den meisten Faellen bei solchen Bands kam auch das Trio Speedball – aus Southend stammend, in der Grafschaft Essex – ueber eine Single nicht hinaus. Diese bildet mit ihren Tracks, der A-Seite „No Survivors“ und deren B-Seite „Is Somebody There?“ das Geruest dieser Scheibe. Die Single kam 1979 auf dem lokalen „No Pop“-Label in einer 500er Auflage raus. Wie es der Zufall so will, ist am 31. Januar diesen Jahres bei eBay die Single fuer umgerechnet 70,00 EUR versteigert worden. Auf der CD befinden sich noch fuenf weitere Songs, die im Studio aufgenommen wurden, die allen Anschein nach von JC Carroll, dem damaligen Gitarristen der MEMBERS produziert wurden. Dazu gesellen sich zum Abschluss sieben qualitativ einwandfreie Live-Tracks, u.a. mit dem BOYS-Cover „First Time“. Die Band bestand gerade mal gut zwei Jahre, da war es auch schon wieder vorbei. Das war schade, denn das musikalische Innenleben war sicherlich noch nicht ganz ausgeschoepft worden. Im Booklet erzaehlt ihr Ex-Manager Roger Allen einige feine Anekdoten, die ich aber jetzt nicht grossartig breittreten will. Zur Musik von Speedball sei gesagt, dass sie schwer von THE JAM beeinflusst waren, aber auch THE VAPORS, LONG TALL SHORTY, THE MERTON PARKAS und THE JOLT spielten bestimmt eine tragende Rolle. Leider klingt der Gesamtsound nicht ganz so fluessig, wie man es sich gerne vorstellen mag, aber die Ansaetze waren von Anfang an gegeben. Ausserdem war der pUnKrOcK-Faktor ganz klar rauszuhoeren. Die Weichen waren gestellt, die Band spielte die Londoner Club-Szene rauf- und runter, die Musikindustrie versprach ihnen so einiges, aber nichts wurde davon in die Tat umgesetzt. Aber so schnell auch der grosse Zuspruch – ausgeloest besonders durch den Film „Quadrophenia“ – kam, so rasch verflog er auch wieder, und die Musikpresse liess das Mod Revival einfach links liegen. Heute ist man in der gluecklichen Lage, von irgendwelchen fuehrenden Musikzeitschriften nicht mehr abhaengig zu sein. Man kann in seiner kleinen Underground-Welt schalten und walten, wie man gerade Lust dazu hat. Doch damals waren diese Wirkungsbereiche gerade mal im Aufbau und man war tatsaechlich davon abhaengig, was woechentlich der NME, der Melody Maker und der Sounds vorgab. Gut, Fanzines gab es zwar auch schon on masse, aber das Netzwerk steckte auch hier gerade mal in seinen Kinderschuhen. Abschliessend sei noch einmal darauf hinzuweisen, dass die Musik von Speedball nicht immer das Gelbe vom Ei war. Trotzdem macht diese Veroeffentlichung Sinn! Die CD ist auf 1000 Exemplare limitiert!
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THE SPY'S - s/t CD
THE SPY’S
s/t CD
( MySpace.com/TheSpys2 , Release Date: Dezember 2009 )
Gut, dass ich die LP-Version schon im Jahr 2001 von „Incognito Records“ zur Besprechung zugesandt bekommen habe, denn sonst wuerde ich jetzt beim Anblick der CD ganz schoen bloed aus der Waesche gucken. Es wurde Front/Back-Cover der LP auch fuer die CD uebernommen. Allerdings sind die aber dermassen billig und schlecht kopiert, so dass man sich erst gar keine Muehe machen braucht, etwas von der Schrift zu entziffern. So scheisse kopiert sahen ja noch nicht einmal meine ersten Zine-Gehversuche im Jahre ´78 aus! Dann legt man die CD rein und wundert sich das mit der zweiten LP-Seite angefangen wird, also quasi mit der Live-Seite. Wenn ich jetzt nur die CD-Version zur Verfuegung haette, wuerde ich also ueberhaupt keinen Zugriff auf irgendwelche Auskuenfte zu den Songs haben. So muss ich also immer auf die LP schielen, dessen Covergestaltung gestochen scharf ist. OKay, das nur zur kurzen Vorwarnung. Nun folgt meine damalige Besprechung aus dem 3RD #23: „Wie steht es vorne so schoen auf dem Cover, „Original Punk Rock From Canada“. Und so ist es dann auch. Die A-Seite beschaeftigt sich ausschliesslich um die aktive Phase der Spy´s, damals 1979 und 1980. Hier ist ihre erste und einzige Single „Machine Shop“ (leider von einer ziemlich verkratzten Vinylscheibe abgenommen) vertreten, gefolgt von sechs Demos. Schon jammerschade, das es die Band bei diesen Songs nur zur herkoemmlichen Demo-Qualitaet schaffte, denn ich moechte nicht wissen, wie sich so einige Lieder im Aufnahme-Studio angehoert haetten. Mit „I Wanna Be Like You“ oder „Welcome To The Cruel World“ haben die Spy´s damals unglaublich brillante Songs geschrieben. Auf der B-Seite ist ein kleiner Mitschnitt von sieben Songs zu finden, der bei ihrer Reunion-Show im Jahre 1995 aufgenommen wurde. Sehr gute Qualitaet und hier stellt sich noch ein kraeftiger typisch britischer 7oties PowerPop-Einfluss ein. In der Bilanz gesehen ist dem „Incognito-Team“ hiermit ein verdammt guter Griff in die verstaubte kanadische Historie-Schatulle geglueckt.“ Und Schnitt!!!
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V.A.: „WRECKTROSPECTIVE” (3XCD Boxset)
V.A.:
WRECKTROSPECTIVE”
3XCD Boxset
( Fat Wreck Chords / FatWreck.com , Release Date: 01. Dezember 2009 )
Da hat sich aber Fat Mike zum Jahresende 2009 wirklich nicht lumpen lassen. Anlaesslich des 20jaehrigen Bestehens von „Fat Wreck Chords“ gibt es nun diese „fette“ 3er-CD-Box, sozusagen zum Nachschlagen. Ueber 280 Veroeffentlichungen sind seit 1989 dazu gekommen, klar, da kann man schon mal solch ein Mammut hier raus hauen und ein wenig Historie betreiben. Insgesamt sind es 88 Tracks auf drei CDs verteilt. Disc 1 beginnt mit Songs aus den wichtigsten Alben. Disc 2 wartet mit 28 bisher unveroeffentlichten Demo-Tracks auf. Und das Schmankerl ist sicherlich die Disc 3, wo die limitierte Fat Club 7“inch-Serie dokumentiert ist mit seinen insgesamt 27 Songs. Im zweifach aufklappbaren deluxe digi-pak befindet sich dann noch ein „fettes“ Fold-Out Poster, wo jedes Release (in Farbe natuerlich) mit Bildchen zu sehen ist. Auf der Rueckseite gibt es dann kleine „denkwuerdige“ Geschichten von verschiedenen Band-Mitgliedern zu lesen. Fat Mike gibt natuerlich auch noch einige LinerNotes in seiner typischen Understatement-Art ab. So, und nun zaehle ich noch einige Bands auf, die hier vertreten sind, wobei doch die meisten von ihnen schon sehr lange bei „Fat Wreck“ verweilen: LAGWAGON, NO USE FOR A NAME, STRUNG OUT, GOOD RIDDANCE, SNUFF, SWINGIN’ UTTERS, SCREECHING WEASEL, ANTI-FLAG, LESS THAN JAKE, REAL McKENZIES, DEAD TO ME, LAWRENCE ARMS, NERF HERDER, PROPAGANDHI, AGAINST ME!, THE DICKIES, THE EPOXIES, SMOKE OR FIRE, RANDY, ENEMY YOU.
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THE ZIPS - „Jaw Jaw“ MCD
THE ZIPS
„Jaw Jaw“ MCD
( Tenement Toons / MySpace.com/TheZips, Release Date: 27. November 2009 )
„To jaw-jaw is better than to war-war. Zu deutsch: „Es ist besser, ein Schwaetzchen zu halten, als Krieg zu fuehren.“ Unter diesem bekannten Zitat von Winston Churchill am 26. Juni 1954 im Weissen Haus steht die Maxime dieser 5-Song-MCD, wenn man das Intro „Jaw Jaw Overture“ mitzaehlt. Die Songs sollen laut des beiliegenden Infos als Denkanstoss dienen, denn aendern kann auch die Band an den Auswuechsen der weltweiten Kriegsschauplaetze mit Songs wie „Stop The War“ oder“ Not In Our Name“ nicht viel. Man merkt sofort, dass hier eine schweine-alte britische pUnKrOcK-Combo aus den 70ern am Werke ist, dessen Mitglieder sich einen Dreck darum scheren, ob sie im Jahr 2010 modern klingen. Der fast schon Akustik-Sound ist sehr CLASH-maessig ausgerichtet, am ehesten etwa wie zu „London Calling“-Zeiten und Saenger Jonzip hoert sich nicht nur einmal wie Mick Jones an. Die Botschaft ist angekommen, die Songs haben genau die richtige Tragweite und lassen rein musikalisch gesehen keine weiteren Fragen offen.
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ZOOPARTY - „You Are Here“ CD
ZOOPARTY
„You Are Here“ CD
( Acme Records / MySpace.com/ZooParty , Release Date: 2007 )
Ich frage mich wirklich allen Ernstes, warum diese Band in Europa nicht schon laengst richtig Fuss gefasst hat! Meine ganz persoenliche „Last Minute“-Entdeckung von 2009 auf „MySpace“, wuerde ich mal so formulieren wollen. Abseits vom ganzen aktuellen Punker-Hype durchschnittlicher Beschiss-Combos wurde ihr zweites Album „Re-Fuse“ von mir zur „Platte des Monates“ gekuert. Eigentlich wollte ich mit dem US-Label „Acme Records“ selbst in Kontakt treten, um vor Ort ihnen das erste Album fuer eine weitere Review abzuschwatzen. Aber Gitarrist/Saenger Erik Pettersson kam diesem Vorhaben zuvor und machte mir das verlockende Angebot, mir auch das erste Album direkt zu zuschicken. Da konnte und durfte der RealShock nicht nein sagen! Und schon nach wenigen Tagen lag die CD im Briefkasten. Auch auf ihrer Debuet full-length gab es die gemeinsame Studio-Arbeit mit Brian James (THE DAMNED) und Glen Matlock (SEX PISTOLS). Die beiden Gitarristen sind auf „Smile“ zuhoeren und Brian steuerte zusaetzlich noch auf dem letzten Track der CD seinen ganz speziellen Sound bei. Einige Unterschiede gibt es hier schon zum Nachfolger „Re-Fuse“. „You Are Here“ ist so was wie ein viel versprechender Vorbote, ein optimaler Aufwaermer eben, der noch etwas in der Entwicklung steckte und nach dem richtigen Sound suchte. Hier geht das Trio mitunter ziemlich trashig zu Werke, was aber auch an den unterschiedlichen Studio-Sessions liegen kann. Zwischen Januar 2006 und April 2007 wurden die insgesamt 12 Tracks mit einer Gesamtspielzeit von einer knappen halben Stunde in drei verschiedenen Studios aufgenommen. Dabei schiesst „Give It Up“ den Vogel ab und koennte man als perfekten Uebergang zu „Re-Fuse“ sehen. Auch das anschliessende „This Time Around“ ist vom selben Typ. Diese zwei Tracks sind der pure PROFESSIONALS/NEUROTIC OUTSIDERS beeinflusste pUnK rOcK und sind mit meilenweitem Vorsprung die Highlights dieser Scheibe!!!
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