* * * * * Hit! , * * * * knapp vorbei , * * * OKay , * * Glueck gehabt , * Shit!

So, hier nun das Juni-Update. Das naechste Update erfolgt dann Ende Juli 2005. Alle Reviews, wie immer, besprochen von Ralf Real Shock.

 

DROPKICK MURPHYS
„The Warrior´s Code” CD
( Hellcat Records / Starkult Promotion , Release Date: 20. Juni 2005 )

Was hab ich eigentlich von einem neuen Album der Murphys erwartet? Die Frage stellte ich mir erst, als die CD bereits auf dem Tisch lag und mir schlagartig klar wurde, das die Fangemeinde mittlerweile ein biblisches Ausmass erreicht hat. Tatsaechlich hatte ich ja angenommen gehabt, das durch ihren Beitrag „We Got The Power“ zum zweiten „Rock Against Bush“-Sampler alle Zweifel vom Tisch waeren, aber denkste! Ein Grossteil der Amerikaner hat schon irgendwie eine recht paranoide Einstellung zum Irak-Krieg entwickelt, auf die ich hier aber nicht weiter eingehen moechte. Das wuerde dann doch etwas zu weit fuehren. Wir hier in Deutschland stehen ja solchen Dingen immer etwas kritischer gegenueber, was ich natuerlich nur begruessen kann. („Stuff Their Fucking Armies, Killing Isn´t My Idea Of Fun“ – Auszug aus „Wasted Life“ von Stiff Little Fingers). Fast jede deutsche Band in den 80ern hatte ein Lied gegen die Army im Set. Niemand aus der Berufsarmee waere damals auf die Idee gekommen, solch eine abgefuckte Punk-Band gut zu finden. So ungefaehr nach dem Motto, sich verpflichten als Berufssoldat und in der Freizeit fein Punkrock hoeren. Ich glaub, so ein Typ haette bei seinen Kameraden schnell ausgeschissen gehabt und waere jede Nacht mit diversen Gesichtsprellungen ins Bett gegangen. Oder, wie hiess noch gleich der eine Song von der deutschen Band WUT: „Ich bin nichts, Ich kann nichts. Gib mir eine Uniform“! So aehnlich ging glaube ich der Refrain! Und Gleichschritt marsch! Augen geradeaus! Stillgestanden! Und ruehren! Was hab ich meine Zeit als W-15er ´83/´84 doch gehasst! Freie Meinungsaeusserung? Ja, Scheisse! Immer schoen den Bueckling machen und dem Oberst die Eier kraulen. Und dann kommen die Murphys daher und besingen in „Last Letter Home“ mit Sgt. Andrew Farrar einer ihrer toten Helden auf dem Schlachtfeld von Irak! („It´s Up To You Not To Heed The Call-Up, I Don´t Wanna Die, I Don´t Wanna Kill“ – Auszug aus „The Call-Up” von the Clash). Aber nicht nur das, die Band erfuellte den letzten Wunsch des gefallenen Soldaten und spielten seinen Lieblingssong „Fields Of Athenry“ auf der Beerdigung! Das sollten doch bitte schoen die Militaerskapellen bewerkstelligen. Wofuer sind die denn sonst da? Mir persoenlich ist das jedenfalls eine ganze Ecke zu heftig, wo ich klare und unmissverstaendliche Abstriche mache. Geht es noch eine Spur pathetischer? Ich denke kaum. Sag doch mal ehrlich, die koennen sie doch irgendwie nicht mehr alle beieinander haben! Das geht mit meiner Meinung absolut nicht konform! Und, das schmaelert ganz ungemein meine Gesamtansicht zu den 14 Songs, wobei u.a. auch andere verstorbene Freunde und Legenden in ihren Texten theatralisch und glorreich besungen werden. OKay, das man verstorbenen Freunden Songs widmet finde ich voellig legitim, das man seinen Lieblingssportverein huldigt, kann ich evtl. im Ansatz auch noch nachvollziehen, obwohl ja heutzutage keiner mehr fuer den Verein und die Fans spielt, sondern nur dort, wo man die meiste Kohle scheffeln kann, allerdings einer verblichenen Boxerlegende ein Denkmal zu setzen finde ich arg ueberzogen und ziemlich weit hergeholt, und irgendwie auch ganz schoen laecherlich. Aber einem gefallenen US-Soldaten? Wenn der Typ meint, er muss unbedingt in den Krieg ziehen, soll er doch! Da faellt mir einfach nichts mehr zu ein! („Let There Be Peace In The East, Peace In The West, So Throw Away The Guns And The War´s All Gone” – Auszug aus „Roots, Radicals, Rockers And Reggae” von Stiff Little Fingers). Mir ist keine etwas gelaeufigere Punkrock-Band, oder auch stinknormale Mainstream-Band bekannt, die sich auf so einem Niveau vorher begeben hat. Na gut, die VANDALS, aber die sind fuer mich nach ihrer Stippvisite bei den Soldaten im Irak eh gestorben! Was soll also der Scheiss? Etwa Punkrock und Armee in Einklang zu bringen? Die Armee ist, wie so viele staatliche Institutionen der natuerliche Feind des Punkrock! Doch in den „U.S. Of Hate“ ticken die Uhren bei so vielen Leuten eben voellig anders. Das kennen wir ja schon, spaetestens aber seit Michael Moore an die Oeffentlichkeit getreten ist. Aber anscheinend ist das auch eine Spezialitaet des Hauses, denn die Murphys sind eben wie geschaffen fuer das einfache Gemuet des kleinen Mannes. Da hier am Grenzweg und im benachbarten Umland die Schuetzenfestsaison wieder im vollen Gange ist, wuerden die Murphys mit ihrem Dudelsack bestimmt auch eine wunderbare Schuetzengruppe abgeben. Schoen konservativ, you know. Eben an altertuemlichen Traditionen festhalten. Musikalisch hat sich hingegen nichts veraendert! Mitreissende Melodien, da haben die Murphys eh was von weg. Aber, wenn dann solche abstrusen Storys bei rumkommen? Nee, dieser Scheiss-Patrioten-Stolz (PS: Ich hasse das Wort Stolz!) geht mir hier ganz immens auf die Nuesse! Wuerde mich echt nicht wundern, wenn es die Murphys den VANDALS nachmachen, um auch mal in den Irak zu fliegen und dort vor ihren tapferen Soldaten zu spielen. („I Hate The Army, I Don´t Wanna Go Fighting In The Tropical Heat” – Auszug aus „Career Opportunities” von the Clash). Ich denke nun wirklich ernsthaft darueber nach, meine kompletten Dropkick Murphys Platten demnaechst bei ebay zu verscherbeln. Ich kann deren Musik nach solch einem gravierenden Einschnitt nicht mehr bedingungslos gut finden! Mit Sicherheit war das die letzte Scheibe, die ich von denen hier auf der 3RD-Page besprochen habe. Das ist mittlerweile eine so komische und undurchsichtige Szene geworden, mit der ich persoenlich ueberhaupt nichts mehr gemeinsam habe. Und wer mal so richtig gepflegt abkotzen moechte, dem empfehle ich den Namen „Sgt. Andrew Farrar“ in der Goggle-Suchmaschine einzugeben. Was sich da fuer ein patriotischer Muell anhaeuft ist fuer einen Europaeer nicht in die Worte zu fassen. Death Or Glory? Man erfaehrt dort jede Menge an Hintergrundinformationen! PS: Bewusst habe ich hier fruehere Textauszuege von STIFF LITTLE FINGERS und THE CLASH mit in die Kritik eingebunden – die immer schon entschiedene Gegner von der Armee und des Krieges waren – von denen die Murphys stets behaupten, das sie eine grosse Rolle in ihrer musikalischen Entwicklung gespielt haben. Das Paradoxe ist schier perfekt.
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THE DUANE PETERS GUNFIGHT - s/t CD
THE DUANE PETERS GUNFIGHT
s/t CD
( Disaster Records / DisasterRecords.com , Release Date: 24. Mai 2005 )

Clever ausgedacht Mr. Peters! Waehrend die HUNNS durch die Schwangerschaft von seiner Lebensgefaehrtin Corey Parks auf Eis gelegt war, wurde schnell ein neues Treffen der US BOMBS in die Wege geleitet, was zur Folge hatte, das wir in diesem Jahr noch mit einer neuen full-length von ihnen rechnen koennen. Aber anscheinend war Duane noch nicht komplett ausgelastet gewesen, und hat seine naechste Band an den Start gebracht. Gunfight besteht aus Mitgliedern der EXPLODING FUCK DOLLS, ULTRAVIRES, SPENT IDOLS, the SLEEPERS, BLACK LAB und the MASONS. Alles Punkrocker, versteht sich. Und so hoeren sich Gunfight auf ihren zehn Tracks, inkl. dem RADIO BIRDMAN-Cover „Breaks My Heart“, wie eine Mischung aus den frueheren US BOMBS und den HUNNS an, bevor Corey zu ihnen stiess. Der Sound ist somit ´77er Punk Rock vom allerfeinsten. Nur sollte Duane irgendwann mal seiner Stimme eine laengere Ruhepause goennen, denn wie kaputt die sich anhoeren kann, ist auf dem letzten Track „Marry Me“ erschreckend manifestiert.
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HIGH SCHOOL SWEETHEARTS - "Heels ´N Wheels" CD
HIGH SCHOOL SWEETHEARTS
„Heels ´N Wheels“ CD
( Get Hip Recordings / GetHip.com , Release Date: 15. Maerz 2005 )

Das Cover ist wirklich unter aller Sau! In keiner Weise wird dokumentiert, das es sich hier um das zweite Album der Garagen PopPunker aus New Jersey handelt. Haette ich das beigefuegte Infoblatt nicht sofort durchgeschaut, waere die CD erst einmal ganz unten auf dem Haufen der Juni-Besprechungen gelandet. Die Stimme von Frontfrau Cynthia Santiglia erinnert mich immer wieder an Wendy Wu von THE PHOTOS. Auch der Sound klingt, trotz der nicht zu ueberhoerenden Garagennote, nach britischer ´80er New Wave Musik, mit einem guten Schuss an BLONDIE und RAMONES. Besonders gut kann man das bei „Downtown Girl“, „Not Coming Back“, „Cherry Hi-Way“ und „Sweet Thing“ feststellen. Die gesamten 15 Tracks sind gepraegt vom „gute Laune“-Effekt. Einziges Manko: Vielleicht haetten sie lieber mal oefters das Tempo anziehen sollen, anstatt sich strikt an das Mid-Tempo-Limit zu halten. „Thin White Line“ von den AVENGERS hat da z.B. die richtige Geschwindigkeit und ist verdammt gut nachgespielt. Aber auch so eine glatte 4-Sternchen-CD! Eine Scheibe, die von mal zu mal immer oefters im Ohr haengen bleibt.
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THE MAINLINERS
„Bring On The Sweetlife” CD
( Get Hip Recordings / GetHip.com , Release Date: 15. Maerz 2005 )

Den aktuellen “Get Hip”-Stuff bekomme ich meist erst ein paar Monate spaeter zugeschickt. Diese Veroeffentlichung reicht bis Mitte Maerz zurueck, was ja in unserer schnelllebigen Zeit fast schon ein knappes Jahr bedeuten kann. Nun, verpasst habe ich bei den Mainliners nichts. „Get Hip“ hat mir in der Vergangenheit immer mal ein Promo-Paeckchen zukommen lassen, aber der Stuff war wirklich nicht der Rede wert. Kann aber auch sein, das das Label in ihrer musikalischen Auswahl ein wenig nachgelassen hat oder aber ich komme jetzt erst zu der Erkenntnis, das mir das Label schon die ganzen Jahre ueber, als es das 3RD noch in der Printausgabe gab, nie wirklich zugesagt hatte. Die schwedischen Mainliners spielen auf ihren insgesamt 12 Tracks den momentan sehr angesagten Garagen-Rock, den sie mit einigen STOOGES-Varianten und vereinzelten Rhythm & Blues-Deutungen aus der KINKS-Sektion aufgefrischt haben. Freunde der HIVES wird das sicherlich freuen.
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No Use For A Name - "Keep Them Confused" CD (Banner)
NO USE FOR A NAME
„Keep Them Confused“ CD
( Fat Wreck Chords / FatWreck.de , Release Date: 13. Juni 2005 )

Etwas langatmig und nicht mehr so spritzig und packend, wie ihre Vorgaenger klingt das mittlerweile fuenfte Studioalbum der Westcoast-Truppe. Beim ersten Hoeren machte ich mir zwar noch keine richtige Sorgen, aber nach dem zweiten und dritten Anlauf war ich doch leicht geschockt, da mir die Songs ziemlich harmlos vorkamen, und so gar nichts dabei nachhallen wollte. Sehr soft angelegt, das Ganze. NUFAN haben am Basis-Mix wahrscheinlich so lange rumgefummelt, bis dann dieser schwermuetige Emo-Touch unbeschadet sein latentes Unwesen auf den insgesamt 13 Tracks treiben konnte. Ich vermisse die positive Energie ihrer frueheren Darbietungen und auch die grandiosen melodischen Mid-Tempo Melodic-Nummern, die ja bisher immer im Programm waren. Das schwaechste NUFA-Album, was mir bisher untergekommen ist. Muss ich mal so stehen lassen! Ich bin ehrlich gesagt richtig enttaeuscht, da ich mich doch insgeheim sehr auf ein neues Lebenszeichen dieser sympathischen Bubi-Band gefreut hatte. Jetzt hoere ich mir doch lieber gleich mal ein paar Tracks von der letzten CD „Hard Rock Bottom“ an, um wieder etwas bessere Laune zubekommen.
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THE SOVIETTES - "LP III" CD (Banner)
THE SOVIETTES
„LP III“ CD
( Fat Wreck Chords / FatWreck.de , Release Date: 27. Juni 2005 )

Bereits das dritte Album der Band aus Minneapolis, aber das erste fuer „Fat Wreck“! Naja, das Ding nennt sich ja schliesslich auch „LP III“, du Dummkopf! Die CD beginnt sehr viel versprechend! Leider verflachen die insgesamt vierzehn Songs zunehmend und man koennte auf den Gedanken kommen, das hier eine gut sortierte kalifornische Punk-Band sein Handwerk offenbart. Die rotzige Frische der Anfangsminuten ist schon bald wie weggefegt. Das haette eine wirklich erstklassige Scheibe werden koennen, das Tempo ist da, Einfluesse von the BRIEFS oder the RAMONES sind stets praesent, aber mit was gibt sich der Real Shock 2005 noch wirklich zufrieden? Da kann es manchmal schon verdammt schwierig werden, nicht wahr Ollen? Doch der erste Song „Multiply And Divide“ bleibt ein Knaller fuer sich, wo sich u.a. auch noch ihr Drummer Danny, das einzige nicht weibliche Wesen in der Band als Backin´ Vocalist betaetigt. Sein Einsatz erinnert mich spontan an „Wart Dog“ von DEE DEE RAMONE. Trotzdem habe ich noch rechtzeitig die wahre Klasse der Band erkannt und drei Sternchen waeren fuer die beeindruckenden Leistungen der Soviettes auf diesem Album hier auf jeden Fall viel zu wenig gewesen. Wieder mal eine typische Schizo-Review vom Real Shock! Shut Up, You Fxxx!
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TV SMITH - "One Chord Wonder" DVD
TV SMITH
„One Chord Wonder” DVD
( Cherry Red Films / CHerryRed.co.uk , Release Date: 11. Juli 2005 )

Sehr treffender Titel! TV Smith ist ja nun schon eine geraume Zeit nur mit einer Akustikgitarre „bewaffnet“ in der Weltgeschichte unterwegs und wird von allen Seiten zu Recht mit Lob und Anerkennung ueberschuettet. Selbsbewusst stellte er sich im August ´96 auf die Buehne des „Winter Gardens“ in Blackpool, um im Rahmen des ersten „Holidays In The Sun“-Festival, erstmals vor einem grossen Publikum, hauptsaechlich die Klassiker der ADVERTS dem ansonsten natuerlich E-Gitarre verwoehntem Pogo-Mob zu unterbreiten. Alle vorherigen Bedenken waren umsonst, denn TV wurde mit einer derartigen Begeisterung vom Punker-Volk empfangen, so das der Akustik-Pogo ganz automatisch seinen Lauf nahm. Insgesamt sind hier 60 Minuten Spielzeit zusammen geschnitten wurden. Zu dem Auftritt in Blackpool gesellen sich auch noch Mitschnitte aus dem Berliner Club „Wild At Heart“, vom November 2001 und der Song „Not In My Name“ kommt von einer Perfomance im Februar 2003 aus dem „KuBa“ von Juelich. Der Mann ist eben eine Klasse fuer sich!
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THE UNSEEN
„State Of Discontent“ CD
( Epitaph Records / Starkult Promotion , Release Date: 09. Mai 2005 )

Hatte das Video zu “Scream Out” gesehen und war angenehm ueberrascht. Die klingen ploetzlich nicht mehr so panisch, als wenn eine Meute Rednecks hinten ihnen her waere. Sofort kam mir eine Band in den Sinn, ANTI-FLAG. Da sind auf jeden Fall so einige Parallelen vorhanden. „Starkult“ hatte noch ein Pappcover-Promo für mich uebrig, so das ich leider keine Texte zu den Songs vorliegen habe. Ich gehe einfach mal davon aus, das eine so couragierte Band, stets auf ihre Texte wert legt, und sie auch immer im Booklet abdruckt. Was mir allerdings doch etwas zu schaffen macht, ist, das Ken Casey von den DROPKICK MURPHYS das Album produziert hat. Ich meine, hier treffen doch Welten aufeinander. Auf der einen Seite Irokesen-Punks, die sich sehr politisch in ihren Texten geben, und auf der anderen Seite mit Ken Casey eine doch eher konservativere Meinung, der sich spaetestens mit dem neuen Album „The Warrior´s Code“ als guter amerikanischer Patriot geoutet hat, und den Einsatz im Irak anscheinend auch indirekt befuerwortet. Denn sonst wuerde man keinen Song ueber einen toten Soldaten auf seine Scheibe packen, der aus purer Ueberzeugung und nationalem Stolz (Fuck Stolz!) nach dem 11. September 2001 dem Militaer wieder beigetreten war. Diese Konstellation bringt mich doch etwas aus der Fassung. Vielleicht sprechen ja auch beide Parteien nicht ueber solche brisanten Angelegenheiten, und treffen sich nur aus dem Grund, um ueber Musik zu quatschen. Auf jeden Fall sind mir Unseen um einiges lieber. Ganz klar.
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V.A.: "BAD BOYS FOR LIFE" DoDVD
V.A.: „BAD BOYS FOR LIFE”
„Most Exciting People Like You Acts” DoDVD
( People Like You Label / PeopleLikeYouRecords.com , Release Date: 18. April 2005 )

Das Dortmunder Label laesst sich nicht lumpen und faehrt auf dieser Doppel-DVD fuer den Preis einer DVD(!!!) alles auf, was es zu bieten hat. DVD 1 beschaeftigt sich ausschliesslich mit den Bands, die 2004 auf der Festival-Tour mitgewirkt haben. Von THE BONES, DEMENTED ARE GO, DIE HUNNS und DAMNATION wurden jeweils sechs bis acht Songs live mitgeschnitten. Fuer mich natuerlich am interessantesten der Auftritt der HUNNS, gefolgt von DAMNATION. Corey ist als Saengerin eine ziemliche Bereicherung und nimmt Duane eine Menge an „Arbeit“ ab. Hat der Gute auch dringend noetig, da seine Live-Qualitaeten als Saenger doch in den letzten Jahren immer mehr zu wuenschen uebrig liess, und er meist nur noch ins Mikro reingroelt, so das kaum jemand mal ein klares Wort mitbekommt. Aber sonst praesentiert sich Mr. Peters sehr fit, ein Ueberschlag gibt es auch noch gratis oben drauf, und Cory vollfuehrt am Ende des Mitschnittes noch ihre „Feuer Spuck“-Number. DAMNATION spielen zuweilen ein Klasse Brett, so zwischen DI, MISFITS und schnellen Orange County Punk. Das Publikum ist leider kaum dazu zu bewegen, sich von dem regen Treiben auf der Buehne anstecken zu lassen, fast alles steht und glotzt, oder macht eifrig Fotos. Natuerlich duerfen waehrend der Shows auch eingestreute Interviews oder Statements mit den Akteuren nicht fehlen. Die Bonus-DVD haelt so einige Ueberraschungen parat. Es gibt u.a. viele gutgemachte Videos von AMERICAN HEARTBREAK, DEADLINE, DIE HUNNS, THE BONES, GENERATORS, VENEREA und SPOOK zu sehen. Darunter sind auch noch wahre Highlights, wie etwa das verdammt originelle Video zu dem REVOLVERS-Song „Narrowminded But Ain´t Got A Glue“, die ja leider nun auch schon Geschichte sind, aber alle, ausser dem D-dorfer mittlerweile ein neues Zuhause bei DISTRICT gefunden haben. Ein neues Album wird da wohl Ende diesen Jahres noch erscheinen. Weiteres Highlight die gut gemachte GENERATORS-Dokumentation, die von mir aus ruhig noch eine halbe Stunde haette laenger gehen koennen, als die gezeigten 15 Minuten. Das ist halt meine Welt, you know. Ziemlich lustig dann die beiden Videos von THUG MURDER zu den Songs „I Fought The Law“ und „Double Fist“. So kommt man ganz locker auf eine gesamte Spielzeit von 150 Minuten. Nach diesem mehr als nur gelungenem Einstand hoffe ich mal, das auch die diesjaehrige Tour irgendwann 2006 auf DVD erscheint. Die Erfolgsstory des Label muss ja schliesslich weiter geschrieben werden.
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V.A.: "DECONSTRUCTION TOUR 2003" DVD
V.A.: „DECONSTRUCTION TOUR 2003”
„Live In Europe” DVD
( Destiny Label / Destiny-Tourbooking.com , Release Date: 11. April 2005 )

Was sofort ins Auge sticht, ist die perfekte digitale DVD-Qualitaet. Hier macht das Anschauen von Anfang an so richtigen Spass. Kein Wunder aber auch, waren doch hier mit der „BBB-Productions“ echte Profis am Werk, die sich ansonsten auf das Filmen und Produzieren von „Extreme Sport Videos“ – gekoppelt teilweise auch mit Live-Musik – wie etwa „Moto XXX Series“, „The Great Outdoors“ und „Eargasm“ spezialisiert haben. Solche eingespielten Filmcrews bedeuten natuerlich mehr als nur die halbe Miete. Die Spielzeit belaeuft sich auf exakt 69 Minuten, wobei von jeder Band jeweils ein Song aus den verschiedenen Auftritten waehrend ihrer Reise durch Europa zusammen geschnitten wurden. Dieser spezielle Schnitt erinnert mich spontan an das „Tribal Video“ von den DICKIES, damals 1991 mit dem Titel „Over Stukaland“. Solche Schnitte exakt auf den richtigen Ton der Musik zu setzen sind von grosser Sorgfalt und einem immens Arbeitsaufwand gepraegt. Deshalb hier schon mal, volle Punktzahl! Aber auch sonst stimmt bei dieser DVD alles! Die Auftritte von NOFX, THRICE, BOYSETFIRE, BOUNCING SOULS, TERRORGRUPPE, T.S.O.L. (mein persoenliches Highlight!), REAL McKENZIES, STRUNG OUT und FABULOUS DISASTER werden mit kleinen Gespraechen der Musiker schoen in Einklang gebracht. Natuerlich duerfen auch so einige Absurditaeten nicht fehlen, wie etwa der selbst inszenierte Wettbewerb im Backstagebereich, „Break The Table“. Hat was von „Jackass“, you know. Absolut Klasse die DVD, hier wird man wirklich zu jeder Sekunde aufs Beste unterhalten. Ganz grosses Kino!
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V.A.: „PUNK-O-RAMA Vol. 10”
CD plus DVD
( Epitaph Records / Starkult Promotion , Release Date: 13. Juni 2005 )

Das Label kann es sich anscheinend leisten, mal eben noch eine DVD zum 10jaehrigen dran zu haengen. Aber hier wird auch sehr gut deutlich welch musikalischer Mist sich mittlerweile in der Epitaph-Family wohl fuehlen kann. Da gibt es u.a. auch Platz fuer furchtbaren Rap(!!!), uebelste Elektro-Klaenge und sterbenslangweiligem Emo-Core, was ich so gar nicht nachvollziehen kann. Geht es dem Label etwa finanziell so gut, das sie solche Totalausfaelle locker wegstecken koennen? Das Hauptgewicht liegt aber gluecklicherweise immer noch auf Punk und so hoert man wie gewohnt aktuelles Material von the UNSEEN, RANCID, PENNYWISE und PULLEY. Auch von Bands aus der Oberen Zehntausend Liga wie the OFFSPRING, NOFX und BAD RELIGION gibt es nebenbei sogar einige unveroeffentlichte Songs zu verbuchen, die den Kauf fuer den kleenen Panker von nebenan sicherlich noch interessanter gestaltet. Ausserdem gesellen sich noch TURBONEGRO, THE (INTERNATIONAL) NOISE CONSPIRACY und MILLENCOLIN dazu, die auf dem befreundeten „Burning Heart Label“ zu Hause sind. Auf der DVD sind dann insgesamt 24 Music-Videos dokumentiert, von denen man sich die meisten auch auf der hauseigenen Website schon zigmal anschauen konnte. Am besten schneiden hier die (INTERNATIONAL) NOISE CONSPIRACY ab, die ein recht witziges Video zu „A Small Demand“ gedreht haben. Wenn ich mir allerdings dann die BEATSTEAKS und „I Don´t Care As Long As You Sing“ anschaue, ist es mir immer noch absolut schleierhaft, warum diese Band mit ihrer Durchschnittskost so grosse Erfolge feiern konnte. Weiterer Abspieltip(p) ist: BAD RELIGION „Los Angeles Is Burning“, mit dem wahrscheinlich anspruchsvollstem Clip unter den restlichen Videos.
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V.A.: "THE HISTORY OF NO FUTURE" DoCD
V.A.: „THE HISTORY OF NO FUTURE“
DoCD
( Cherry Red Records / CherryRed.co.uk , Release Date: Juni 2005 )

54 Songs aus der Zeit, als das englische „No Future Label“ mitverantwortlich dafuer war, das 1982 der Punk Rock auf die Strassen Englands wieder zurueckkehrte. Alle Singles, sowie diverse Sampler-Beitraege von den damaligen wegweisenden Bands wie etwa BLITZ, PARTISANS, PETER & THE TEST TUBE BABIES, RED ALERT, CHANNEL 3, VIOLATORS, ATTAK, WALL, SCREAMING DEAD, BLOOD, INSANE oder BLITZKRIEG sind hier zu finden. Von allen Bands gibt es Discographien im 12-Page-Booklet nachzulesen und auch die Cover der Singles sind alle abgebildet. Wer heutzutage an die inzwischen sehr raren Original-7“inches nicht mehr rankommt oder einfach nur auf das Vermaechtnis dieses sehr guten Labels zurueckblicken moechte, ist bei dieser Doppel-CD bestens aufgehoben. Erstmals wurde diese Zusammenstellung 1999 von „Cherry Red“ veroeffentlicht. Die wurde auch von mir im 3RD No.16 besprochen. Nun erscheint also knapp sechs Jahre spaeter diese zweite Pressung.
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