* * * * * Hit! , * * * * knapp vorbei , * * * OKay , * * Glueck gehabt , * Shit!

So, hier nun das Maerz-Update. Das naechste Update erfolgt dann Ende April 2006. Alle Reviews, wie immer, besprochen von Ralf Real Shock.

 

46 SHORT

„Truth Denied”  CD

( TKO Records / TKORecords.com , Release Date: 04. April 2006 )

Die vier Burschen hier aus Kalifornien kloppen so richtig rein! Sie verkoerpern auf ihren 13 Songs die Hardcore-Punk-Einstellung der ´80er, als Bands wie die CIRCLE JERKS, BLACK FLAG und POISON IDEA sich einen Namen machten. Ein Wort noch zu den Texten. Die sind frei von gaengigen Szene-Klischees, es wird mehr Wert auf die „Punk-Problems-Teenage-Angst-Lyrics“ gelegt. Meine Musik ist das heute sicherlich nicht mehr, obwohl ich immer noch ganz gerne Artverwandtes wie etwa OUT OF ORDER, PLEASED YOUTH, N.O.T.A. oder DIRECT ACTION von Zeit zu Zeit hoere.

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THE BUFFETS

„Saucy Jack”  CD

( Damaged Goods Records / DamagedGoods.co.uk , Release Date: 20. Maerz 2006 )

Zunaechst einmal habe ich keinen blassen Schimmer, was es mit dieser CD eigentlich auf sich hat. Deshalb kann ich nur mal kurz die Fakten offen legen. The Buffets ist eine einmalige Sache gewesen, zu der sich Anfang April des vergangenen Jahres drei Maedels von Bands wie den STUCK-UP´S, CHATHAM SINGERS und HEADCOATEE zusammen gefunden hatten, um zusammen eine Woche in London damit zu verbringen, eine Probe zu absolvieren, anschliessend zwei Tage an diesem Album zu arbeiten und auch einen gemeinsamen Gig im „Dirty Water Club“ zu spielen. Danach flog Sister Tiffany von der Band STUCK UP´S wieder zurueck nach Seattle. 14 Songs spielten sie ein, und zwar ausnahmslos Cover-Versionen der BUFF MEDWAYS, in der BILLY CHILDISH das Sagen hat. Herausgekommen sind leicht poppig klingende Punkrock-Garagen-Songs, die gluecklicherweise nicht unterproduziert worden sind, sondern eher stark die einfache 8-Track-Studio-Methode ins Gedaechtnis ruft, die 1977 von vielen Bands verwendet wurde. The Buffets erinnern mich dabei permanent an eine typische „Rough Trade“-Band der ´70er! Auch wenn der Sound nicht vollends meinen Geschmack trifft, so finde ich doch recht schnell Gefallen an den einzelnen flott abgehenden und ziemlich originellen Fassungen, wie etwa bei meinem persoenlichen Highlight  „Punk Rock ist nicht tot“. Langweile kommt hier wirklich selten auf. Aber, zum vierten Sternchen reicht es dann doch nicht so ganz.

( * * * + )

 

BUZZCOCKS - "Flat-Pack Philosophy"  LP/CD 

BUZZCOCKS

„Flat-Pack Philosophy“  LP/CD

( Damaged Goods Records / DamagedGoods.co.uk , Release Date: 06. Maerz 2006 )

Die Vorschusslorbeeren die das regulaer achte Studioalbum erntete waren durchaus berechtigt. „Flat-Pack Philosophy“  erinnert in seiner schlichten Kompaktheit an die ersten drei Buzzcocks-Alben aus den ´70ern, insbesondere aber an ihr drittes Album „A Different Kind of Tension“ von ´79. Nach den eher doch recht durchschnittlichen letzten beiden Alben „Modern“ von 1999 und dem s/t-Werk 2003 auf „Cherry Red Records“ war eine solche musikalische Steigerung wirklich nicht mehr zu erwarten. Ich dachte, das Pete Shelley & Co sich auf diesen Zweig gemuetlich gemacht haetten und das keine allzu grossen Spruenge mehr moeglich waeren, ausgenommen allerdings ihre letzte Single „Sick City Sometimes“ von 2003. Aber mit dieser neuen 14-Track-CD haben sie es vor allen Dingen dem furchtbar blasierten Brit-Pop-Haufen gezeigt. Hier unterscheiden sich Original und Faelschung ganz eindeutig. Fuckin´ Oasis und Konsorten koennen zur Hoelle fahren! „Flat-Pack Philosophy“  ist ein ergreifend modernes Pop-Punk-Dokument. Die Produktion ist auf den Punkt gebracht. Alles klingt besser, frischer und energievoller. Der Punkrock-Gehalt ist dabei sehr hoch anzusiedeln. Leider habe ich nur eine CD-R vorliegen, die mir Ian von „Damaged Goods“ freundlicherweise aufgenommen hat, denn an die Original-CD, die auf dem mir voellig unbekannten Label „Cooking Vinyl“, zeitgleich mit der LP-Version auf „Damaged Goods“ veroeffentlicht worden ist, war es unter normalen Umstaenden unmoeglich „ranzukommen“. Aber irgendwann, wenn die CD in ein oder zwei Jahren bei Amazon.uk guenstiger geworden ist, werde ich sofort zugreifen. „Cooking Vinyl“ hat mitunter wohl genauso wenig Ahnung von guter und vor allen Dingen gezielter Promotion wie etwa hierzulande die Plattenfirma der Toten Hosen. Hier zaehlen in erster Linie auch nur die Verkaufszahlen. Denn nur so kann ich mir erklaeren, warum das Buzzcocks-Album ausgerechnet in einer voellig neben der Spur laufenden Zeitung, wie die aktuelle Ausgabe der „TV-Spielfilm“(?) besprochen wird. Und dann auch noch von Jemanden, der natuerlich keine Ahnung von der Materie hat. Schreibt man doch da, das die Gitarren so ungestuem galoppieren wie 1978 als „Everybody´s Happy Nowadays“ das ARD-Jugendprogramm aufmischte. Das ich nicht lache! Zunaechst einmal stammte der Song aus dem Jahre 1979 und zum anderen waren die Buzzcocks nach meinem Wissenstand niemals in der ARD zu sehen, sondern nur im ZDF und das Samstags abends um halb acht bei „RockPop“. In der ARD gab es an „sogenannten Jugend- bzw. Musiksendungen“ zu der Zeit nur die „Szene“ mit Thomas Gottschalk. Dort traten zwar auch Punkbands wie PENETRATION, the DAMNED und ULTRAVOX auf, aber an die Buzzcocks muesste ich mich eigentlich erinnern. Immer diese halbgaren Unwahrheiten. Wenn man keine Ahnung hat sollte man doch einfach seine Schnauze halten! Na ja, soviel Zeit zum Klugscheissen muss einfach sein! Hehehe…., ich hatte mir ja auch fest vorgenommen, nachdem ich beim Hoeren von „Flat-Pack Philosophy“  aus dem Staunen nicht mehr raus kam, mir die Buzzcocks ein zweites Mal live anzuschauen. Das erste Mal liegt schon einige Jahre zurueck und das waren denkbar schlechte Vorrausetzungen gewesen, die mich damals in der Essener „Zeche Carl“ erwarten haben. Der Laden war restlos ausverkauft gewesen, der Soundmix unter aller Sau und das Publikum bestand fast nur aus diesem daemlichen „Rock Am Ring“-Publikum, so typische Festivalgaenger eben, die olle Kurt Cobain und noch oller Iggy Pop ueberm Bett haengen haben. Nix Halbes und nix Ganzes, you know. Also, ich hab kaum Punks dort gesehen gehabt, fuehlte mich in meiner Haut ziemlich unwohl, und hab kaum was vom eigentlich Konzert mitbekommen. Als ich dann jetzt die Tourdaten fuer Deutschland gesehen habe, fand ich den Termin im Koelner „Underground“ recht ansprechend. Kleiner Club, guter Sound und auch noch ein Samstag. Als ich mir dann aber die Kartenpreise im Vorverkauf angeschaut habe, bin ich fast nach hinten gefallen, 17,90 EUR!!!! HA! Nicht mit mir, meine Freunde! Und schon gar nicht bezahle ich fuer eine Vorband mit, auf die ich ueberhaupt keinen Wert lege. Und auf Verdacht ohne Karte die gut 50 Minuten nach Koeln anzutreten, wo die A 57 eh eine einzige Baustelle ist und hinterher womoeglich vor ausverkaufter Huette zu stehen, nee, das muss ich mir nun wirklich nicht mehr antun. 15,00 EUR haette ich ohne Weiteres bezahlt, aber 17,90 EUR, das ist einfach unverschaemt. Absoluter Rip-Off!!! No Way Sir, von dem Geld kaufe ich mir dann doch lieber irgendwann mal ihre letzte DVD „Live at the Shepherds Bush Empire 2003“, da hab ich wesentlich mehr von. Denn wenn das Publikum im „Underground“ sich wie die Oelsardinen fuehlen, werde ich schoen entspannt auf der Couch sitzen und mir die DVD anschauen.  

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HOLLY GOLIGHTLY

„Laugh It Up“  CD

( Damaged Goods Records / DamagedGoods.co.uk , Release Date: 13. Maerz 2006 )

Re-Issue ihres zweites Album, was 1996 auf dem nun nicht mehr existierten „Vinyl Japan Label“ veroeffentlicht wurde. Garagen-Schrammel-Sound auf ein Minimum reduziert, so koennte man die insgesamt 14 Songs kurz umschreiben, wobei auch einige Cover-Versionen von the KINKS, ROY ORBISON und CHUCK BERRY dabei sind. Da kann ich das Blatt drehen und wenden wie ich will, mit dem Holly-Stil werde ich auch in hundert Jahren nicht warm.

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THE KREWMEN

„Legend Of Krewmen”  DVD

( Cherry Red Films / CherryRed.co.uk , Release Date: 23. Maerz 2006 )

Das englische Psychobilly/Rockabilly-Trio gruendete sich 1982. Mitte der ´80er fungierten sie als Backin´ Band in dem Musical „Elvis” und tourten mit dem Theater-Ensemble ein Jahr lang durch Amerika und England. Bei einer der Auffuehrungen kam es hinter der Buehne dann zu der Vertragsunterzeichnung mit „Lost Moment Records“. In den darauf folgenden Jahren veroeffentlichte sie auf dem Label eine Serie an klassischen Psychobilly-Alben und tourten kontinuierlich rund um den Erdball. Die DVD zeigt einen kompletten Live-Mitschnitt Anfang der ´90er in dem damals bekannten Psychobilly-Club „Billy´s“ im britischen Stoke on Tent. Fuer eine Psycho-Band doch eher untypisch hatten sie auch Cover-Stuecke von the CLASH „Should I Stay Or Should I Go“, der GARY GLITTER BAND „Do You Wanna Touch” und von the MONKEES „Steppin´ Stone” in ihrem Programm. Als Bonus-Material wurden fuenf Promo-Videos „angehaengt“, die aus der Single-Periode der Band stammen. So kommt man auf eine Spielzeit von insgesamt 69 Minuten.

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THE LOVE DRUNKS

s/t  CD

( Alive Records / Bomp.com , Release Date: 10. Januar 2006 )

Der Sangesmeister geht mir schon nach wenigen Sekunden furchtbar auf den Sack! Wie aetzend hoch der fast bei jedem Song zu Anfang rumkreischt, nee, da liegen meine Nerven sofort blank! Und der Sound? Der Honky-Tonky Blues-Fritze trifft auf den Rockabilly-Kallewirsch und beiden fahren gemeinsam nach Detroit, um auf den Spuren der STOOGES zu wandeln. Musik zum Abgewoehnen!

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THE METEORS

„Stampede”  CD digi-pak

( Anagram Records / CherryRed.co.uk , Release Date: 06. Maerz 2006 )

Eigentlich kann ich mich hier nur wiederholen und die selbe Wortwahl treffen, die ich im September-Update 2005 zur Re-Issue ihres Album „Sewertime Blues” und im November-Update 2005 zur Re-Issue ihres Album „Don´t Touch The Bang Bang Fruit” verwendet habe: „Das die Meteors nicht meinem musikalischen Naturell entsprechen, duerfte hinlaenglich bekannt sein. Deshalb nur kurz die wichtigsten Fakten zur CD: „Das Album kam 1984 raus und stuermte direkt die Top Ten der Independent-Charts. Nach all den Jahren gibt es die 12 Songs nun als spezial CD digi-pak – „Psychobilly Collectors Series No. 43“ – wobei mit „I´m Just A Dog (Wild Hog Remix)“, „Stampede (King Ray Bat Scalator In The Dark Mix)“, „Fire Fire“ und „Little Red Riding Hood“ noch vier ziemlich rare Bonus-Tracks angefuegt wurden. Der englische „Record Collector“ schrieb einst ueber die Band: „Only the Meteors can genuinely claim to have started, led and defined a whole subculture based around the energy of punk!“ Nun gut, ich halt mich, wie schon bei der „Sewertime Blues”-Review und der „Don´t Touch The Bang Bang Fruit“-Review vornehm zurueck.“

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DIE MIMMI`S - "Du bist Deutschland"  MCD 

DIE MIMMI´S

„Du bist Deutschland“  MCD

( Weser Label / WeserLabel.de , Release Date: 13. Maerz 2006 )

Voellig unerwartet bekam ich Mitte Maerz mal wieder Post vom „Weser Label“. Mit frisch operierten Stimmbaendern meldet sich Fabsi und seine Mimmi´s zurueck. Als ich das Cover sah und den Text darauf las dachte ich nur: Yes Sir, genauso tickt auch meine Uhr zu dieser heuchlerischen Werbebotschaft (zu der ich mich in meinen „Weekly Words“ vom 22. Dezember 2005 zu genuege ausgelassen habe). Im rotzigen ´77er-Sound a la SEX PISTOLS zu „Bollocks“-Zeiten wird der Titelsong „Du bist Deutschland“ in knapp gefassten Worthuelsen rausgeschleudert. Das sitzt! Nach „Gebt den Faschisten keine neue Chance“ haben die Mimmi´s eine weitere deutsche Punkrock-Hymne geschrieben. So gefaellt mir die Band auch am allerbesten. Denn wenn die Mimmi´s solch heisse Eisen anpacken, dann laufen sie regelmaessig zu Hoechstformen auf. Unvorstellbar in diesem Zusammenhang ist uebrigens die Tatsache, das eine solche Kampagne unter dem gleichen Motto, „Denn Du bist Deutschland“ bereits 1935 bei einer NS-Kundgebung auf dem Ludwigsplatz in Ludwigshafen stattfand. Der Bildnachweis liefert das Stadtarchiv von Ludwigshafen. Das muss man erst einmal ganz langsam sacken lassen! Da bleibt einem der Mund nur noch ganz weit offen stehen. Dummheit regiert halt dieses Land, denn sonst haetten die Verantwortlichen sich mal in den Geschichtsbuechern schlau gemacht, bevor sie sage und schreibe 30 Millionen Euro in diesen Slogan reinbuttern. Und diese 30 Mille waeren sicherlich besser aufgehoben worden, wenn man sie in Jugendzentren, Kindergaerten oder Kulturstaetten gesteckt haette, wo doch jede dritte Einrichtung vor der sicheren Schliessung steht. Natuerlich befinden sich noch weitere Tracks auf der MCD. Und da hat Fabsi – der uebrigens am 31. Maerz 50 wird und das mit einem Konzert in Duesseldorf, im „Haus der Jugend“ feiert – ganz tief in die D-dorfer Punkrock-Covertruhe gegriffen. „Hahnenkampf“ und „Immer wieder besetzt“ sind alte ZK-Songs von 1980 bzw. 1981. Danach folgen die Klassiker von MALE mit „Zensur und Zensur“ und SYPH mit „Zurueck zum Beton“. Schoen satt ausproduziert und auch hier stellt sich wieder das alte Punkrock-Pogo-Feeling ein. Das ist ganz eindeutig die beste Scheibe, die die Mimmi´s bisher gemacht haben.

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the NAZI DOGS - "Chase The Man"  CD 

THE NAZI DOGS

„Chase The Man“  CD

( TKO Records / TKORecords.com , Release Date: 04. April 2006 )

Hier nun also endlich die lang angekuendigte CD-Version auf „TKO Records“! Und weil ich heute besonders faul bin uebernehme ich der einfach halber die Besprechung – zur LP-Fassung auf „ZCM Records“ – die es im Oktober-Update 2005 zu lesen gab:  „So langsam wird es mir sogar etwas zu albern, mich weiterhin um solch eine Punkrock-Nennung im Jahr 2005 zu monieren. Anfang der ´80er hab ich ja schliesslich auch „Nazi School“ von den CRACKED ACTOR oder „Nazi Snotzy“ von den HYPNOTICS mit Begeisterung gehoert. Tue ich eigentlich heute noch, obwohl man damals ueber so etwas nicht so viel nachgedacht hat, wie es heute etwa der Fall ist. Wer 1976 fein aufgepasst hatte, dem ist sicherlich nicht entgangen, dass dies natuerlich reine Punkrock-Provokationen waren. In dieser sich brueskierten Haltung bewegen sich weiterhin die Nazi Dogs aus Aachen und setzen das Katz und Mausspiel „boeser Punk – guter Punk“ erfolgreich fort. So wird weiter froehlich vor sich her angeeckt. Schaut sich dazu nur mal einer das Cover an. Die „Easy Rider“-Bikes sind mit George W. Bush und seinem guten Kumpel im Jenseits Adolf Hitler besetzt. Die beiden Groessenwahnsinnigen sitzen laechelend und extrem laessig auf ihren Boecken und fahren dem (Sonnen)-Untergang entgegen. Passend dazu sah ich letztens im Internet ein Photo von einem aelteren Englaender der bei einer Protest-Demo gegen den Irak-Krieg ein Plakat umgehaengt hatte mit den Worten „Adolf Hitler lebt in George W. Bush weiter“. Musikalisch klingt das 11-Song-Paket sehr nach altem rotzigen ´77er Punkrock, mit einem nicht zu leugnendem unterschwelligem Garagen-Sound. Darunter auch die drei souveraen vorgetragenen Coversongs, "Suicide King" (SUICIDE KING), "Mongoloid" (DEVO) und "What´s The Shit Called Love" (the PAGANS). Mit dem ein oder anderen Song koennten sie auch durchaus auf die Sympathien des „Hostage Label“-Umfeld stossen.“ Somit sind die Nazi Dogs die erste deutsche Band, die auf „TKO Records“ landen konnten. Und das direkt mit einer full-length! Das schafft nun wirklich nicht jede deutsche Band auf Anhieb! Glueckwunsch nach Aachen, Karsten! Bin nun aber mal aeusserst gespannt, ob sich „TKO“ mit dem doch sehr gewagten Coverbild nicht jede Menge Aerger in the US Of Hate einhandelt!

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the RAPED - "The Complete Raped Punk Collection"  CD 

THE RAPED

„The Complete Raped Punk Collection“  CD

( Anagram Records / CherryRed.co.uk , Release Date: 13. Maerz 2006 )

Das erste Mal erschien die Collection 1994 auf „Anagram Records“. Nun wurde eine zweite Pressung ins Rennen geschickt, die sich optisch kaum grossartig von der ersten unterscheidet. Raped waren eine typische Londoner Punkrock-Band gewesen. Während die SEX PISTOLS am 14. Januar 1978 ihre letzte US-Show im “Winterland“ in San Francisco spielten, veroeffentlichten Raped ihre erste Vinylscheibe mit dem provokanten Titel „Pretty Paedophiles“ auf „Parole Records“. Die vier Songs haetten auch hervorragend in den „Summer Of 1977“ gepasst, als Bands wie the USERS, the KILLJOYS, SOME CHICKEN, PVC 2, the NOSEBLEEDS, the PANIK oder the PIGS ihre ersten Singles raus brachten. Denn genau in diese spezielle Sparte faellt der Sound von Raped. Nur knapp zwei Jahre gab es Raped, Weihnachten ´78 spielten sie ihre letzten Gigs auf Einladung von RUDI in Belfast. Hier nun der komplette Output von Raped, ihre erste Single, zwei Out-Takes von der Single-Session, 4 Demos vom Maerz ´78, ihre zweite Single „Cheap Night Out“ und den Schluss bildet ein einwandfreier 7-Song-Livemitschnitt aus dem „Vortex“ vom Oktober ´77. In einem Anfall geistiger Verwirrung habe ich vor ueber zwanzig Jahren die zweite Single fuer 2,50 DM verkauft. Danach hab ich Single fuer diesen Kurs natuerlich nie mehr entdecken koennen. Nur gut, das ich das nicht auch noch mit ihrer ersten 7“inch gemacht habe. Die steht weiterhin streng gehuetet bei mir im Single-Regal, zwischen der HOT RODS-Single "Do Anything You Wanna Do" und der RINGS-7"inch "I Wanna Be Free".

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THE SAINTE CATHERINES

„Dancing For Decadence“  CD

( Fat Wreck Chords / FatWreck.de , Release Date: 20. Maerz 2006 )

Nach zwei full-length´s, einer EP und zwei Split-7“inches sind Sainte Catherines aus Montreal als erste kanadische Band auf „Fat Wreck“ gelandet. Die Band zaehlt sechs Mitglieder, wovon allein drei der jungen Herren eine E-Gitarre umgeschnallt haben. Zwei Gitarristen in einer Band kann manchmal schon schwierig genug sein, aber gleich drei an der Zahl? Da muessen die baertigen Sechs-Saiten-Barden aber janz jut entspannte Zeitgenossen sein, um sich nicht in die Quere zukommen, und genau wissen welchen Part sie zu spielen haben. Auch die anderen drei Herrschaften tragen Vollbart oder zumindest einen Drei-Tage-Bart. Das laesst in mir eine Geschichte von frueher aufflammen. Ende der ´80er stieg ich kurzzeitig ins Fenstermontage-Geschaeft ein. Mein werter Kollege von damals fand BAP und PINK FLOYD gut und trug passend zu seinem abgefuckten Hippie-Musikgeschmack einen gepflegten Vollbart. Irgendwann hatten wir dann mal eine Wette am Laufen. Wir wollten uns gleichzeitig einen Bart wachsen lassen. Wer ihn zuerst abrasiert, hatte natuerlich verloren. An den Wetteinsatz kann ich mich im Moment leider nicht mehr erinnern. Selbstverstaendlich musste zunaechst der alte Bart ab. Danach sah mein geschaetzter Kumpan direkt zehn Jahre juenger aus. Die erste Woche ueberstand ich noch ganz gut, doch in der zweiten Woche begann das grosse Kitzeln. Mein ueberaus verehrter Kamerad meinte zu mir, wenn ich den Juckreizen der zweiten und dritten Woche standhielt, wuerde es sich ab der vierten Woche langsam legen. Doch schon nach wenigen Tagen brach ich das Experiment ab. Ich hatte zusaetzlich ernsthafte Befuerchtungen dass ich hinterher als alter Rauschelbart-Heini auch noch BAP und PINK FLOYD gut finden wuerde. Nein, nein, das durfte nicht sein und so schnitt ich mir das Unkraut flugs aus dem Gesicht. Worauf ich hinaus will? Ganz einfach, ich mag keine Baerte, und schon gar nicht bei Punks, finde sie hoechst widerlich und mit der Musik von den Kanadiern, die auf ihren insgesamt 12 Tracks wie ein hektisches Hardcore-Gebraeu aus AGAINST ME! und HOT WATER MUSIC daherkommt, kann ich nur recht wenig mit anfangen. Die Vergleiche zu LEATHERFACE, die im Infoblatt angefuehrt sind, kann ich leider nur im Ansatz ein wenig erkennen. Zugegeben einige Songs wie „Ring Of Fire = 4 Points“, „Emo-Ti-Coms: Punk Rock Experts“ und „Hau weg die Scheisse“(!!!!) sind recht amuesant betitelt. Ende April sind sie Sainte Catherines als support act von ME FIRST & THE GIMME GIMMES auf Europatournee. Dann kann man sich ein genaueres Bild von ihren Live-Qualitaeten machen. Mein Tip(p): Lasst euch also schon mal einen Bart wachsen und uebt den Refrain zu ihrem Song „Get Your Politics Out Of My Hair“!

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TOPPER - "Once A Punk, Always A Punk"  CD 

TOPPER

„Once A Punk, Always A Punk”  CD

( Wild Kingdom / Starkult Promotion , Release Date: 17. Maerz 2006 )

Mitte 2000 legte ich mir die MCD “Once A Punk, Always A Punk” zu. Ohne die Gruppe naeher zu kennen, gab der Bandname TOPPER den entscheidenden Ausschlag mir die Scheibe zu kaufen. Sollte sich die schwedische Combo aus Stockholm wirklich nach dem CLASH-Schlagzeuger Topper Headon benannt haben? Als ich die MCD endlich in der Hand hatte wurde meine anfaengliche Vermutung  tatsaechlich bestaetigt. Der Titel-Track haute mich zwar im ersten Moment nicht wirklich um, aber der Sound ging ganz klar in die Richtung von the CLASH. Der zweite Song „Take The Skinheads & The Homeboys Bowling“ haute in die gleiche Kerbe und liess mich auch ein wenig an die japanischen STRUMMERS erinnern. „Once A Punk, Always A Punk“ wurde ein nationaler Erfolg und kletterte in den Single-Charts bis auf Platz 23. Fuer Herbst 2000 plante die Band eine erste full-length aufzunehmen, doch ihre Plattenfirma „MNW“ ging kurz vor dem angesetzten Studiotermin pleite. Ein Jahr spaeter unterzeichnete Topper gluecklicherweise einen neuen Vertrag bei „Corruption Records“. Fuenf lange Jahre sollte es nur noch dauern, bis die 10 Tracks endgueltig ihren Weg vom Aufnahmestudio auf CD fanden. Die besten Songs liegen dabei ganz eindeutig im ersten Teil der schoen satt produzierten CD. Dabei ueberrunden Songs wie „Cash From Chaos“ (Topper hoeren bestimmt auch manchmal die SEX PISTOLS/PROFESSIONALS), „B.L.O.“ („Police On My Back“ hinterlaesst hier deutliche Spuren bei der Gitarrenfuehrung), „No.1“ (ganz grosses CLASH-Kino!, dem Text nach zu urteilen handelt es sich um ein JOE STRUMMER-Tribute), „Off She Goes“ (ein weiterer Punkrock-Smasher im ´77er-Gewand!) oder „White Shiny Missiles“ (ein unglaublich beeindruckender Reggae-Punk ganz im Stile von den Dub-Flipsides der „Super Black Market Clash“ CD) ganz locker den Titel-Track. Aber es sollte nicht unerwaehnt bleiben das mir „Once A Punk, Always A Punk“ als herkoemmlicher CD-Track einer full-length viel besser gefaellt, anstatt der eigenstaendigen Single. Topper spielen ihre CLASH-Truempfe auf einem sehr hohen musikalischen Niveau aus, ohne sich aber dabei an den brillanten Kompositionen von Strummer und Jones gesundzustossen. Hier spielt Wertschaetzung und Respekt eine ganz entscheidende Rolle. So schaetze ich den Vierer-Topper-Bob zumindest ein. Topper ist eine Band, die mit ihrer Art von Musik sehr nahe an die CLASH-Meisterwerke ran kommen und trotzdem ihr eigenes kleines Punkrock-Notenheft zu keiner Sekunde aus der Hand geben. Dieser Drahtseilakt ist geglueckt! Hammer-Scheibe!!!

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V.A.: "ROOTS ROCK REBEL"  DVD 

V.A.: „ROOTS ROCK REBEL“

DVD

( Wild Kingdom / Starkult Promotion , Release Date: 31. Maerz 2006 )

Als noch kaum jemand ernsthaft daran dachte, so was wie ein JOE STRUMMER-Tribute auf die Beine zu stellen (ich denke, der Schock ueber seinen unerwarteten Tod lag bei vielen Leuten immer noch sehr tief), organisierte der Filmemacher und Clash-Fan Balsam Hellstroem (abseits vom ueblichen Clash-Rummel) knapp zwei Monat nach Joe´s Tod, am 20. Februar 2003 im Stockholmer Club „Beatbox“  eine Tribute-Nacht. Hellstroem´s Einfluss auf die schwedische Rockszene muss enorm sein, denn an diesem Abend war alles da, was Rang und Namen hatte, um die CLASH-Songs zu intonieren. Als Backin´ Band fungierten hauptsaechlich die Jungs von SATOR, die ihren Job verdammt gut machten. Balsam selbst sang „Straight To Hell“. Und so teilten sich an diesem Abend das Mikro beispielsweise Nicke Borg & Dregen von den BACKYARD BABIES bei „I Fought The Law“, Howlin Pelle von the HIVES, zusammen mit RANDY bei „Rock The Casbah“, the NOMADS bei „48 Hours“ oder der Saenger von the INTERNATIONAL NOISE CONSPIRACY bei „Bankrobber“. Anlaesslich dieser Veranstaltung reformierte sich 20 Jahre nach ihrer Trennung auch EBBA GROEN, Schwedens sehr bekannte Punkband der 70er/80er. Aber das eigentliche Highlight wird am Ende der DVD dokumentiert. Mick Jones hoechstpersoenlich spielt zunaechst zusammen mit dem sympathischen Weeping Willos(?) eine astreine Version von „(White Man) In Hammersmith Palais“, um dann anschliessend mit EBBA GROEN die alten CLASH-Klassiker, „What´s My Name“, „Career Opportunities“ und „White Riot“ zu praesentieren. Die Begeisterung unter den Zuschauern kennt dabei keine Grenzen mehr und zum Schluss kommen viele Musiker und einige Leute auch aus dem Publikum auf die Buehne um den Chor zu „White Riot“ unter ziemlich chaotischen Zustaenden zu singen. Joe Strummer haette der Abend bestimmt gefallen.

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