* * * * * Hit! , * * * * knapp vorbei , * * * OKay , * * Glueck gehabt , * Shit!

So, hier nun das Mai-Update. Das naechste Update fuer Juni und Juli erfolgt dann Ende Juli 2006. Alle Reviews, wie immer, besprochen von Ralf Real Shock.

AUTOMATICS - "Britannia" MCD
AUTOMATICS
„Britannia” MCD
( Dork Records / mhendriks.fsnet.co.uk/INDEX.html , Release Date: Mai 2006 )

Anfangen moechte ich mein Mai-Review-Update mit einer wunderbaren Vier-Song-Promo-CD. Sie gilt sozusagen als Appetizer fuer die gleichnamige full-length, die am 05. Juni 2006 auf „Dork Records“ erscheint, dem Label von Phil Hendriks (the STIFFS), der extra fuer diese Release sein Label nach gut 20jaehrigem Schlummerschlaf wieder zum Leben erweckte. Die Gaesteliste der Musiker um Automatics-Saenger Dave Philp liest sich dabei wie ein erlesener ´77er Punkrock-Hofstaat. Mitgewirkt haben, um dieses Album (was uebrigens zwei Jahre in der Mache war) zu verwirklichen: Steve Jones (SEX PISTOLS), Michael Des Barres (ex POWER STATION), Mike Rossi (SLAUGHTER & THE DOGS), Ian McCallum (STIFF LITTLE FINGERS) und natuerlich auch Phil Hendriks. Am Schlagzeug sass ein gewisser Tommy Dwyer und den Bass bediente Jim Wirt, der das Album auch mal wieder produzierte. Was wir hier zu hoeren bekommen sind vier satt ausgestattete Power-Punk-Pop-Perlen im astreinen mid-tempo ´77er-Stil. „British Beat“ wurde z.B. mit Stevie Jonesy neu eingespielt, ich meine ihn auch im Background-Chor zu vernehmen, kann mich aber auch taeuschen. Mit Mr. Jones scheint Dave in den letzten Jahren wohl eine innige Freundschaft zu verbinden. Naja, so viel ich weiss leben die beiden Englaender ja auch auf dem selben Huegel in L.A., you know the Beverly Hills. Da die Themen bei der Textwahl sich rund um das Vereinte Koenigreich drehen, kommen auch so einige recht traditionelle musikalische Elemente, wie etwa eine Brass Band beim Titelsong zum Einsatz. Und „Rule Britannia“ faengt klassisch „A cappella“ an und geht dann aber sehr schnell wieder unter Strom weiter. Bin nun natuerlich sehr gespannt auf die restlichen sieben Tracks der CD. Die Feuerprobe ist mit Bravour bestanden worden!
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CELTIC FROST
„Monotheist” CD
( Century Media Records / CenturyMedia.com , Release Date: 29. Mai 2006 )

Wie komme ich jetzt aus dieser Nummer wieder raus? Nun, eigentlich hatte ich ja „Century Media“ einzig und allein wegen der neuen BACKYARD BABIES CD kontaktiert, die mir dann auch prompt zugeschickt wurde und im April-Update mit einer 5-Star-Review gewuerdigt wurde. Aber, wer konnte zu diesem Zeitpunkt schon ahnen, dass ich auch alle weitere Neuerscheinungen des Label-Programm zugesandt bekomme? Denn dies ist weit gefaechert, wie sich hiermit bestaetigt. Celtic Frost! Schon allein beim Bandnamen froestelt es mich. Die sind im Gothic-Metal und im Extrem Metal firm. Ein leichter Anflug von Depressionen und Haarausfall kuendigt sich bei solchen Schubladenbezeichnungen bei mir an. Ich lese das Info noch kurz an, mach einen Abstecher in Track 1 und schon ist mein Urteil fuer alle Zeiten gefaellt. Das ist eben ueberhaupt keine musikalische Basis fuer so einen ollen ´77er-Punker wie mir.
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CHARGE - "Perfection Plus… The Best Of"  CD
CHARGE
„Perfection Plus… The Best Of“ CD
( Anagram Records / CherryRed.co.uk , Release Date: 10. April 2006 )

Ich wusste schon damals, vor knapp 24 Jahren, warum ich mir nicht deren LP “Perfection” zugelegt hatte. 1982, als so einige Punkrock-Bands anfingen sich einer musikalischen Erneuerung zu unterwerfen. Bei so manchen, wie etwa the PARTISANS, BLITZ, ANTI-PASTI, the FITS, the DEFECTS, CHRON GEN. oder ABRASIVE WHEELS ging es gut aus, bei Charge eher nicht. Sie hatten sich mit ihren hoch toupierten Haarspray-Frisuren auch rein optisch in den Grenzbereich zum „sauberen Punkie-Tum“ gewagt. Musikalisch glich „Perfection“ einer kleinen Katastrophe. Der Sound wurde ekelig bombastisch aufgebrezelt und man versuchte irgendwie und irgendwie auch nicht wie ein billiger Abklatsch von THEATRE OF HATE zu wirken. Die 12 Songs sind der grosse Schwachpunkt dieser „Best Of“. Danach geht es aber endlich ans Eingemachte. Denn, oh Wunder, Charge begannen mal als lupenreine kleine Pogo-Kapelle die es sogar schafften fuer eine Tour 1980 nach Germany zu kommen. Sie machten auch im Duisburger Hippie-JZ „Eschhaus“ Station, aber leider leider war es mir aufgrund meines Berufes als Koch vergoennt sie dort zu sehen. Danke an mich bloeden Punker-Idioten, der sich einen so feinen Beruf mit so wahnsinnig tollen Arbeitszeiten ausgesucht hatte. Augenzeugen sprachen hinterher von einer wahren Pogo- und Spuck-Orgie waehrend ich traurig am Herd stand und die Bratkartoffeln in der gusseisernen Pfanne schwenkte. Charge damals verpasst und noch so einige zig andere Bands, aber ich kann es ja eh nicht mehr aendern. Also zurueck zur CD, die erst mit Track 13 ein breites Grinsen auf mein antikes Antlitz zaubert. Wir hoeren am Stueck die verdammt rare „Kings Cross“-EP, die „Destroy The Kids“-EP, die „Fashion“-Single und die „Luxury“-Single. Auch hier ist die Veraenderung von kurzen hektischen Pogo-Stampfern zu eher Bombasti-Mucke schon gut zu erkennen, aber das haelt sich gluecklicherweise noch im legitimen Punker-Rahmen. Hab damals, so viel ich noch weiss alle vier Singles gehabt, aber irgendwann fand ich die fuer eine Zeit nicht mehr so gut und zack standen sie auf meiner Vinyl-Verkaufsliste und wurden fuer ein paar lausige Muenzen verscherbelt. Jetzt bin ich froh, sie nach langer Zeit wieder mal zu hoeren und koennte mir selbst im Minuten-Takt die Fresse polieren, das ich damals so unglaublich dumm und bloede war, diese vier Kostbarkeiten aus den Haenden zu geben. Die CD ist sehr gut aufgemacht, das Booklet verdient die Bezeichnung „deluxe“ mit all seinen raren Fotos und den Texten, sowie der XXL-Story zur Band. Leider gibt es am Schluss kein Happy End. Saenger Stu P Didiot verstarb Mitte Juli 2003 an seinem Krebsleiden. Im Internet gibt es eine Tribute-Seite fuer ihn und zwar unter Stu-P-Didiot.com.
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the CONFESSION - "What About The Kids?"  CD
THE CONFESSION
„What About The Kids?” CD
( MSM1279.Records / MSM1279Records.com , Release Date: 08. Mai 2006 )

Schon wieder eine Streetpunk-Band. Und schon wieder aus Schweden! Ja Herrschaftszeiten, hoert das denn nie auf! Da kann der Doktor der Punkrock-Chirurgie sich an zehn Fingern abzaehlen, wo die sound-technisch stehen. Und zwar mit einem Bein bei the VOICE OF A GENERATION und mit dem anderen Bein bei den BOMBSHELL ROCKS. Die Viererfrucht-Bande beweist also Geschmack. Zwischendurch werden auch mal ein paar schnoerkellose Klopper untergemischt. Das erklaert dann auch die erstaunlich kurze Gesamtspielzeit von nur 18:11 Minuten bei zehn Songs.
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D.O.A. - "Live At The Assassination Club"  DVD
D.O.A.
„Live At The Assassination Club“ DVD
( Cherry Red Films / CherryRed.co.uk , Release Date: 24. April 2006 )

Wieder einmal hat sich „Cherry Red Films“ ein uraltes „Jettisoundz“-Video abgegriffen und daraus eine schicke DVD gezaubert. Die Rede ist hier schliesslich von D.O.A., einer der besten kanadischen Bands der ´80er. Dieser Auftritt stammt vom Februar 1984, waehrend ihrer England-Tour aufgezeichnet im „Bierkeller“ von Leeds. Ein paar Monate spaeter sah ich die Band in der exakt gleichen Besetzung in der Bochumer „Zeche“, wo sie ein aehnlich grandioses Set hinlegten, wie auf dieser DVD hier. Die Bildqualitaet ist vollkommen in Ordnung, und das Kamera-Team hat es wirklich gut verstanden, die Buehnen-Action um „Wackeldackel“-Joey Shithead komplett einzufangen. D.O.A. spielen sich dabei durch ihre bekannten Knaller, wie etwa „America“, „Burn It Down“, „Rich Bitch“ (dedicated to Maggie Thatcher!), „War In The East“ und „New Wave Sucks“. Auch der DILS-Klassiker „Class War“ darf da natuerlich nicht fehlen. Bonus Footage kommt von „Spoken Words“-Poeten wie SEETHING WHELLS(?), SPARTACUS R(?) und MENSI von den Angelic Upstarts. D.O.A. sah ich dann noch viele Jahre spaeter, Ende der ´90er ebenfalls in Bochum und zwar im Bahnhof Langendreer, da allerdings als Trio zusammen geschrumpft. Diese Vorstellung war absolut enttaeuschend gewesen und die Songs wurden so hardrock-maessig runter gebrasselt, so, das man sie ueberhaupt nicht mehr wieder erkennen konnte. Aber, zum Glueck gab es auch die Zeit, als D.O.A. diesen von den britischen Inseln beeinflussten ´70er-Punk spielten, und dieses Konzert in der Bochumer „Zeche“ wird mir auch deshalb noch so gut im Gedaechtnis haften bleiben, da ich dem Gitarristen Dave Gregg vor lauter Begeisterung einfach mal in die Saiten gegriffen habe, ohne mir von ihm eine einzufangen. So, und ich hoere jetzt mal brav und artig die „Something Better Change“-Scheibe! Scheisse, was bin ich froh, das „Empty Records“ die Scheibe vor knapp sechs Jahren als CD veroeffentlicht hat. Don´t Let The Memories Die!
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THE FRANTIC FLINTSTONES
„The Frantic Flintstones Story“ DVD
( Cherry Red Films / CherryRed.co.uk , Release Date: 24. April 2006 )

Die 80 Minuten Filmmaterial von einer der fuehrenden Psychobilly-Bands heutzutage enthalten sieben Songs aus dem Londoner „Dingswalls“ 1987, ein Mitschnitt aus Nuernberg von 1990 und einer deutschen Dokumentation mit dem Titel „Too Sweet To Die“. Hier entpuppt sich ihr Frontmann Chuck Harvey als ein aeusserst unterhaltsamer Typ, der sich durch ein deutsch-englisches Kauderwelsch kaempft. Dieser Kurzfilm von 2003 ist wirklich sehr gut gelungen, was natuerlich zum grossen Teil an den sympathischen Mr. Harvey liegt. Der Fan kommt hier absolut auf seine Kosten, da viele Aufnahmen bisher unveroeffentlicht waren. Nur schade, dass ich Psychobilly nicht mag….
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THE GUN CLUB
„Live At The Hacienda 1983/84” DVD
( Cherry Red Films / CherryRed.co.uk , Release Date: 24. April 2006 )

Fuer eine ganze Generation an degenerierten Jugendlichen waren Gun Club aus Los Angeles eine echte Kultband. Mich hat die Band, um den frueheren Schreiber des legendaeren Punk-Fanzine „Slash“ und leidenschaftlichen BLONDIE-Fan Jeffery Lee Pierce nie wirklich interessiert. Okay, der Song „Sex Beat“ war schon ein Knaller und wurde in den ´80ern in jeder Indie-Disco gespielt, doch mit dem restlichen Material konnte ich mich stets nie anfreunden. Das lag mit Sicherheit an den Rockabilly-, Blues- und Jazz-Einschlaegen. Auf dieser DVD mit einer Spielzeit von 117 Minuten sind zwei Shows zusehen, die beide in Manchester einmal 1983 und einmal 1984 im „The Hacienda“ aufgenommen wurden. Am Bass Patricia Morrison, die bei the BAGS angefangen hatte und viel spaeter dann zu the DAMNED stiess. Debbie Harry und Chris Stein widmete dem 1996 an einem Herzinfarkt verstorbenen Jeffery Lee Pierce auf der Blondie-CD „No Exit“ von 1999 den Song „Under The Gun“.
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IGNITE
„Our Darkest Days” CD
( Century Media Records / CenturyMedia.com , Release Date: 15. Mai 2006 )

Seit ihrer Gruendung 1994 in Orange County ist der Ignite-Fuenfer im Hardcore unterwegs. Ich meine mich zu erinnern, schon die ein oder andere Scheibe besprochen zu haben, aber so richtig zugesagt hat mir der Ignite-Sound nie. Auch mit ihrer vierten full-length tue ich mich schwer. Stimmlich sackt das Ganze sogar extrem in Pathos-Rock-Gefilden a la fuckin´ the DARKNESS ab, musikalisch sind zum Teil allerdings gute straighte Melodien vorhanden, die aber leider immer wieder durch nervige Stop- und Go-Passagen geschickt ausgebremst werden. Neuen Saenger like TSOL-Jake suchen und die Songs einfach ohne fuckin´ Frickelkram durchspielen, dann waere ich zufrieden. Aber wir sind ja hier nicht auf einem Wunschkonzert und deshalb muss ich notgedrungen den nuechternen Tatsachen ins Auge sehen.
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the MOTORS - "The Motors 1"  CD
THE MOTORS
„The Motors 1“ CD
( Captain Oi! Records / CaptainOi.com , Release Date: 03. April 2006 )

Der musikalische Grundstein der Motors wurde bereits 1972 mit der Band DUCKS DELUXE gelegt. Sie kamen aus der klassischen britischen Pub-Rock-Ecke, die auf die FLAMIN´ GROOVIES, DR. FEELGOOD und DAVE EDMUNDS standen. 1976 noch als reine Rockband gegruendet brachten die vier Motors-Typen dann ihr erstes Album im Oktober 1977 raus. Wie das damals so in den 70ern modern war, wollte (fast) jede Plattenfirma und (auch fast) jeder Musiker auf den Punk/New Wave-Zug aufspringen, um etwas vom Kuchen abzubekommen. Das erste Album hier kann man noch so halbwegs akzeptieren, obwohl es mit Punk ueberhaupt nix zu tun hat. Die Motors versuchten am neuen Sound anzuknuepfen, versagten aber nach meiner Meinung klaeglich. Sie waren halt einfach zu steif und nicht spontan genug! Nur ihre erste Single „Dancing The Night Away“ war ein richtig kleiner Hit geworden, weil die Gitarrenarbeit besonders in der Mitte des Songs absolut brillant gespielt war und dann eher schon an the JAM erinnerte. Der Rest hoerte sich hingegen wie ein fieser Abklatsch aus SUZI QUATRO, STATUS QUO und the POLICE an. Dazu dieser mehrstimmige schwuelstige Pop-Gesang! Mich schauderst!!! Ich mochte die Motors schon damals nicht. Die Typen waren mir einfach viel zu alt und sahen eben wie stinknormale Rocktypen aus. Und es wurde alles noch schlimmer! Siehe the next Motors-Review…..
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THE MOTORS
„Approved By The Motors“ CD
( Captain Oi! Records / CaptainOi.com , Release Date: 03. April 2006 )

Nicht zuviel versprochen, denn die Motors hatten auf ihrem zweitem Album einen regelrechten Mainstream-Hit mit „Airport“ verbrochen gehabt. Der Song wurde ein Dauerbrenner und lief in jeder noch so kleinen Dorfdisco, zwischen BONEY M und den BEE GEES. Die Tanzflaeche bebte und die Punks bekamen das grosse Kotzen! Damit hatten die Motors damals bei mir komplett verkackt gehabt. Lass uns mal eins klarstellen! Es gibt guten Pop und es gibt richtig schlechten Pop. Und den richtigen schlechten Pop machten die Motors. So richtig oede und absolut bedeutungslos! Warum hat ihnen das damals keiner ins Gesicht gesagt? Da hoere ich mir lieber freiwillig die BEATLES an oder pausenlos STATUS QUO mit „Rockin´ All Over The World“. Aber fuer die Motors haette ich keine Hand ins Feuer gelegt, ausser ich waere schmerzfrei gewesen oder stehe auf angekokelte Fingerchen. Die Band ging also voellig merkwuerdige Wege und ihr Sound war wirklich kaum zum Aushalten. Doch das dicke Ende sollte noch folgen!
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THE MOTORS
„Tenement Steps“ CD
( Captain Oi! Records / CaptainOi.com , Release Date: 03. April 2006 )

Das dritte und erfreulicherweise auch endlich letzte Album der Pathos-Bande war eine weitere Steigerung in punkto ekelhafter Bombast-Rock geworden. Pfui Spinne! Der Sound triefte nur so vor Mitleid und boring old fart Schwanengesaenge. Weiss der Geier, warum „Captain Oi!“ für diese Combo solch ein Aufhebens heute noch macht. Tut mir leid, aber die Motors gehoerten zum pechschwarzen Teil der englischen New Wave Geschichte Ende der 70er.
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PSEUDO EXISTORS - "Stamp Out Normality"  CD
PSEUDO EXISTORS
„Stamp Out Normality“ CD
( Overground Records / OvergroundRecords.co.uk , Release Date: 22. Mai 2006 )

Ich weiss es noch wie heute! Wieder einer von diesen spannenden Samstagmorgen. Ich sitze quasi auf heissen Kohlen! Und warte auf 11:00 Uhr. Endlich! „Rock Today“, die Radioshow mit JOHN PEEL auf dem englischen BFBS-Sender kann beginnen! Was fuer neue Songs wird er heute wohl spielen? Die Antwort ist schnell gefunden. Bereits in der ersten Haelfte seines einstuendigen Programms kommen die Pseudo Existors. Vier junge Bengel aus dem englischen Provinzstaedtchen Lincoln. Ihr Song „Pseudo Existence“ sprengt mal wieder alle Erwartungen! Die Aufnahme auf meinem Quelle-Radiorekorder ist geglueckt! Und wieder verstehe ich weder Bandname noch Songtitel. Aber der Song ist ein Knaller! So wie Punk Rock damals auch sein sollte! Aggressiv bis Kante, ein ungehemmter musikalischer Wutausbruch. Heute vergleiche ich ihre nicht mehr zu bezahlende 4-Song-EP „Stamp Out Normality“ (die bei mir uebrigens zwischen der PIGS „Youthanasia“-EP und der PORK DUKES „Bend And Flush“-Single steht) mit anderen One Chord Wonders aus den ´70ern wie etwa the KILLJOYS „Naive“, SOME CHICKEN „New Religion“ oder the USERS „Sick Of You“. Natuerlich sind auch die anderen drei Songs auf der 19-Song-CD hoeren, wobei vor allen Dingen noch „Coming Up For Air“ besonders hervorsticht. Und das alles in einem kratzfreien Sound! Es folgen dann zum ersten Mal ganz offiziell auf CD die beiden Songs „TV Scream“ und „Peace And Quiet“, die zusammen in einer zweiten angesetzten Studio-Session im Juli ´79, zusammen mit „Poison“ und „Beyond The Zone“ aufgenommen wurden. Letztgenannte Songs fanden den Weg auf den „East“-Sampler, der 1980 auf „Dead Good Records“ raus kam, da wo auch ihre Debuet-EP erschien. Die restlichen Songs der CD sind Livemitschnitte aus dem Jahr 1979, u.a. mit einer Coverversion von den SEX PISTOLS „I Wanna Be Me“. „Overground“ haette natuerlich lieber noch mit weiteren Studio-Tracks die CD angereichert, aber es gab einfach nicht mehr! So wie es bei vielen damaligen Bands eben so ueblich war. Und dann muessen einige Livesachen herhalten, die qualitativ eher durchschnittlicher Natur sind und als reines Zeitdokument angesehen werden sollten. Im Booklet nahmen sich Bassist John Loonam und Schlagzeuger Mark Siddy die Zeit, um eine Chronologie der damaligen wichtigsten Geschehnisse zu verfassen. Die Einleitung unter dem Titel „How We Got Together“ zeichnete Mark allerdings im Alleingang auf. Grandiose Aufarbeitung!!!
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THE RADIACS
„Hellraiser” CD
( Anagram Records / CherryRed.co.uk , Release Date: 17. April 2006 )

Mitte der ´80er wurde die Band in Sheffield gegruendet. Ihre ersten Gehversuche in Sachen „Konzerte geben“ absolvierten sie in lokalen Clubs wie das „Take Two“. Schon recht bald hatte das Quartett sich einen guten Ruf beim Psycho-Publikum erspielt und wurde immer wieder zu den so genannten „Psychobilly Weekenders“ eingeladen. Headliner-Tourneen in Europa folgten. 1989 erschien dann ihr erstes Album „Hellraiser“ auf „Link Records“, was jetzt zum ersten Mal auf CD erhaeltlich ist, zusaetzlich mit dem Bonus „Heart Attack“, einem Song der fuer die „Link“-Compilation „Katz Keep Rockin´“ eingespielt wurde.
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SHOCK NAGASAKI - "Year Of The Spy"  CD
SHOCK NAGASAKI
„Year Of The Spy“ CD
( Rebellion Records / Gordeon Promotion , Release Date: 26. Mai 2006 )

Schon ihr Song „Palisades And Renegades“ auf der Split-7“inch von „TKO Records“ mit STRAITJACKET war genau nach meinem Geschmack. Und nun also die erste full-length. Diesmal sind auch die Namen der Bandmitglieder im Booklet abgedruckt. Und sofort daemmerte es mir! Der Gitarrensound und ueberhaupt die ganze musikalische Machart kamen mir doch irgendwie bekannt vor! Ich kramte in meinen LIBERTINE-CDs rum und meine Vermutung wurde bestaetigt. Jamie Covile (Lead Vocals/Guitar) und Paul Vincent (Bass) waren einst bei Libertine, die sich irgendwann mal vor Jahren aufgeloest haben. Schoen zu wissen das Jamie und Paul auch ohne Libertine-Saenger Belvy K hervorragend auskommen koennen. Die 12 Tracks klingen beinahe wie eine neue Libertine-Scheibe. Treibender und absolut cooler Glam-Punkrock im Stile alter GENERATION X und D-GENERATION Songs mit sagenhaft wirkenden Gaensehaut-Hymnen-Choeren. Wahrscheinlich kann solch ein Sound wirklich nur in New York entstehen. Von der ausserordentlich fuckin´ brillant Gitarrenarbeit erinnert mich Jamie´s Stil immer wieder an olle PROFESSIONAL SEX PISTOL Steve Jones und noch ein wenig mehr an Nic Austin von CHELSEA, zu Zeiten, als die Klassiker-Alben „Evacuate“ (1982) und „The Alternative“ (1993) aufgenommen wurden. DAVE GOODMAN (RIP), der alte SEX PISTOLS-Produzent haette bei „Year Of The Spy“ sicherlich seine helle Freude mitgehabt. Da die CD auf einem hollaendischen Label erschienen ist, kann man vielleicht darauf hoffen die Band bald auch in Europa zu sehen. Denn solche speziellen Bands sind heute so verdammt rar geworden! Glasklar, das ist die Scheibe des Monats Mai!!!! 
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SUGAR PUFF DEMONS
„Falling From Grace” CD
( Anagram Records / CherryRed.co.uk , Release Date: 15. Mai 2006 )

1989 auf „Link Records“ erschienen. Lange Zeit war die LP mit ihren 15 Tracks vergriffen und dank „Cherry Red Records“ nun endlich die Premiere auf CD. Das Psychobilly-Trio gruendete sich 1982 im Nordosten von England. In ihrer relativ kurzen Zeit als Band nahmen sie dieses Album auf und waren bei diversen LP-Samplern mit vertreten. Sie spielten Shows gemeinsam mit the FRANTIC FLINTSTONES und DEMENTED ARE GO. Bevor ich mir hier aber weiter was aus den Fingern sauge, verweise ich doch lieber auf das CD-Booklet. Denn dort ist die ganze Geschichte, verfasst von „Big Cheese“-Schreiber Simon Nott, nachzulesen.
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SWELL MAPS - "Wastrels And Whippersnappers"  CD
SWELL MAPS
„Wastrels And Whippersnappers“ CD
( Overground Records / OvergroundRecords.co.uk , Release Date: 08. Mai 2006 )

Ein grosser Freund der Swell Maps war ich ja nie wirklich, obwohl ich mir damals Anfang der 80er den Song „Real Shocks“ von ihrer dritten Single „English Verse“ auserwaehlt hatte, um so mein kleines Ego-Zine zu nennen. Tja, und dann einige Jahre spaeter wurde es dann auch noch mein Spitzname. Songs wie „Read About Seymour“, „Let´s Build A Car“ oder „Dresden Style“ waren ja Ende der ´70er so was wie kleine JOHN PEEL-Hymnen gewesen, da Peely in seinem Programm den Swell Maps genauso viel Beachtung schenkte wie the FALL. Diese ziemlich raren Home-Recordings, die sich auf dieser 23-Track-CD befinden sind allerdings ausschliesslich den Fans gewidmet, die auch sonst alles von der Band im Regal stehen haben. Entstanden zwischen 1974 und 1977 gibt es hier u.a. die ganz fruehen Versionen von Songs wie „Harmony In Your Bathroom“, „Vertical Slum“ oder „Full Moon/Blam“, die spaeter auf ihrem ersten Album „A Trip To Marineville“ in einer weitaus besseren Studioqualitaet veroeffentlicht wurden. Im Booklet sind dann noch Storys von den Bandmitgliedern Jowe Head und dem leider im Maerz diesen Jahres verstorbenen Nikki Sudden zu lesen.
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V.A.: „LONG LOST PSYCHOBILLY VOL. 1”
CD
( Anagram Records / CherryRed.co.uk , Release Date: 15. Mai 2006 )

„Link Records“ war zwar Mitte der 80er in erster Linie ein reines Punkrock-Label, aber mit der Zeit wurden immer mehr Psychobilly-Bands mit an Bord genommen, wie etwa BATFINKS, RADIACS, SUGAR PUFF DEMONS, STAGE FRITE, the TERMITES, TAILGATORS, RANTANPLAN, SCARED STIFF und FRANTIC FLINTSTONES. Von diesen Bands stammen die insgesamt (zum Teil ziemlich raren) 18 Tracks, die komplett von deren „Link“-Vinylscheiben entnommen wurden. Im Booklet verfasste ausserdem Alan Wilson (the SHARKS) noch ausfuehrliche Sleevenotes, inklusive Interviewauszuege von einigen Mitgliedern der oben aufgefuehrten Bands. Guter Einsteig fuer ein Publikum, was auf der Suche nach den ganz speziellen Psychobilly-Bands ist, die damals bei „Link“ unter Vertrag standen.
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