* * * * * Hit! , * * * * knapp vorbei , * * * OKay , * * Glueck gehabt , * Shit!

So, hier nun das leicht verspaetete Update fuer Mai. Das Update fuer Juni erfolgt Anfang Juli 2007. Alle Reviews, wie immer, besprochen von Ralf Real Shock.

 

BEERZONE - „Against The Flow“/„Strangle All The Boybands” CD
BEERZONE
„Against The Flow“/„Strangle All The Boybands” CD
( Overground Records / OvergroundRecords.co.uk , Release Date: 04. Juni 2007 )

Obwohl mich die Musik von England´s Beerzone kaum interessiert, hab ich deren ausfuehrliche Geschichte im Booklet aufmerksam durchgelesen. Denn die ist weitaus interessanter, als ihr ansonsten ganz passabel gespielter Punk Rock, der erkennbare TEST TUBE BABIES-Abdruecke hinterlaesst. Alle Achtung, wie die Band trotz vieler interner Probleme es immer wieder geschafft hat, in den USA auf Tour zu gehen. Das nennt man den unbedingten Willen seine Sache straight durchzuziehen. Etwas untypisch aber, das gerade „Overground“ die zweite und die dritte Scheibe der Band mit seinen insgesamt 29 Songs veroeffentlicht hat. Aber was solls? Auch muss mal eine mittelpraechtige Release drin sein. Man kann ja nicht staendig so ein hohes Niveau fahren.
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BIS - „We Are Bis From Glasgow, Scotland – Greatest Hits” CD/DVD
BIS
„We Are Bis From Glasgow, Scotland – Greatest Hits” CD/DVD
( Cherry Red Records / CherryRed.co.uk , Release Date: 30. April 2007 )

Durch puren Zufall stiess ich auf dieses Trio. „Lookout Records“ hatte mir 2001 den CD-Sampler „Freakout Episode 2“ zum Besprechen zukommen lassen. Neben gaengigen Bands wie THE DONNAS, THE EYELINERS, SCREECHING WEASEL oder THE LILLINGTONS fiel BIS mit ihrem Song “Dead Wrestlers” voellig aus dem musikalischen Konzept des Label. Denn das Maedel und ihre beiden Jungs spielten einen disco-verseuchten punkigen Pop-Song, der sofort zu einer dieser klassischen Ohrwuermern mutierte. Danach versuchte ich die MCD „Music For A Strange World“, wo der Song drauf war, zubekommen, leider ohne nennenswerten Erfolg. So machte ich mich auf der Suche nach weiteren BIS-Veroeffentlichungen und wurde natuerlich wie so oft bei Amazon fuendig. Hier legte ich mir die bereits 1999 erschiene „Social Dancing“-CD zu, die einen weiteren Disco-Pop-Punk-Knaller mit „Eurodisco“ zu bieten hatte. Ich mochte eigentlich schon immer diese Art der Zusammenstellung, z.b. finde ich „Heart Of Glass“ genauso gut wie die letzte Single von BLONDIE „Good Boys“. Oder aber auch die vielen englischen New Wave Bands von frueher, die immer mal einen Disco-Rhythmus ins Liedchen haben einfliessen lassen. Bei BIS hat das bei mir auf Anhieb auch sofort funktioniert. Auf dieser „Best Of“-CD mit allen englischen Hit-Singles, wovon von ´96 bis ´99 auch sieben Tracks prompt in den Charts landeten, kann sich jeder noch anfaenglicher Skeptiker von ihrem „New Wave Dance Pop“ kinderleicht ueberzeugen lassen. Einraeumen sollte ich aber schon noch, das nicht alle Songs so ein hohes Level wie „Eurodisco“, „Action And Drama“ und „Dead Wrestlers“ halten koennen. Aber ich kann nicht anders und haue trotzdem alle Sternchen bei der Bewertung raus! Auf der DVD sind ihre gesamte Video-Clip-Palette zu sehen, sowie eine Fotogalerie. Bemerken moechte ich unbedingt noch diese neuartige CD-Ausstattung. So eine Box hab ich bis dato auch noch nicht gesehen.
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BITUME - „Gut Im Trend” CD
BITUME
„Gut Im Trend” CD
( Rookie Records / RookieRecords.de , Release Date: 27. April 2007 )

Musikalisch meistens on the top, doch ich kaempfe wie immer mit der Darbietung des deutschen Gesang. Das klingt mir leider viel zu ernst und ueberhaupt nicht rotzig genug. Geht in Richtung BUT ALIVE wuerde ich mal vermuten. Und die fand ich auch nie so dolle. Ein wenig Lockerheit wuerde den Texten ab und an ganz gut tun. Das ist alles recht schwer verdaulich und gerade in deutschen Texten kommt das noch drastischer zum Vorschein. Ich lebe eben auf dem Land, sehe jeden Tag in die Natur und hab keinen Beton vor der Tuer. Ich lasse mich lieber im Sommer von Muecken stechen, als tagtaeglich von einer Menschenmenge rumgeschubst zu werden. Was die Oldenburger hier abliefern ist mehr so die klassische Grossstadt-Musik, von der man zeitweise ganz schoen depressiv und betroffen werden kann. Obwohl Oldenburg gar nicht so gross ist, eher recht beschaulich, denn ich habe dort schliesslich in der Kaserne 1983/84 brav meinen Wehrdienst abgeleistet. Nichtsdestotrotz so eine Endzeitstimmung, wie es bei den vierzehn Songs immer wieder durchsickert, brauche ich nicht mehr. Kann auch sein, dass ich mir die Welt heutzutage ein wenig zu schoen rede, aber macht es wirklich Sinn, sich mit jedem Problem auseinander zusetzen? Ich will meine Seele noch ein wenig behalten. Falls es mich in diesem Leben allerdings noch mal in eine Stadt ziehen sollte, dann koennte unter gewissen Umstaenden „Gut Im Trend“ wohl mein Soundtrack werden. Bis dahin zaehle ich die Maeusekoettel in unserem Gartenschuppen.
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BLACK DIAMOND HEAVIES
„Every Damn Thing” CD digi-pak
( Alive Records / Bomp.com , Release Date: 23. Januar 2007 )

Die Garage ruft! Ein – wie es das Info so schoen formuliert hat - „Punk-Ass-Blues-Duo“ aus Tennessee machen einen auf extrem verzerrten Low-Budget Johnny Walker. Das zieht nicht nur mir die Schuhe aus! Die zehn Darbietungen zerren ordentlich an meinen Nerven. Schnell raus damit! Wieso bekomme ich so was immer wieder zugeschickt? Versteht einer die Welt!
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THE BLOODY HOLLIES
„Who To Trust, Who To Kill, Who To Love” CD
( Alive Records / Bomp.com , Release Date: 23. Januar 2007 )

Amerika´s Bloody Hollies gewannen fuer ihr Vorgaenger-Album „If Footmen Tire You…“ beim Musik Award in San Diego die Kategorie „Best Rock Album Of The Year“. Ich glaube mich erinnern zu koennen, das ich auch diese CD hier mal zum Besprechen vorliegen hatte und nicht so ganz die Begeisterung in San Diego nachvollziehen kann. Mich spricht der Sound auch weiterhin nicht wirklich an! Extrem ueberdrehter Blues-Gesang, viel zu viele nervende Gitarrensolos, unnoetige Breaks, und dieser scheppernder Rock’n’Roll der immer wieder kinderleicht die Grenze zum Hardrock-Monster ueberschreitet, und auch Anleihen zu JIMI HENDRIX verbrannter Gitarre offenbart, das alles hat nicht sehr viel mit meinen Geschmacksrichtungen zu tun. Wenn Langhaarige, Vollbaertige und Wuschelkoepfe sich einer Gitarre naehern hat das in den meisten Faellen nicht wirklich etwas Gutes zu bedeuten.
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BORN TO LOSE - „Old Scars” CD
BORN TO LOSE
„Old Scars” CD
( People Like You Records / Starkult Promotion , Release Date: 11. Mai 2007 )

….and Upstarts? Oder wie jetzt? So jung noch und machen schon einen auf Alt! Seit 2001 hat die Band aus Texas drei Alben und eine Single veroeffentlicht. Aber dann direkt schon mit „Old Scars“ eine sozusagen „Best Of“ zu praesentieren halte ich fuer leicht uebertreiben. Da sollte man noch mindestens vier weitere Jahre dranhaengen, dann kann man ueber so ein Thema mal nachdenken. Leider habe ich hier nur einen Promo-Pappdeckel vorliegen, so das hier nicht ersichtlich wird, welche Tracks neu und vor allen Dingen wie viele davon zu den insgesamt siebzehn „Best Of“-Songs untergemischt wurden. Ausserdem sind auch einige „non-released rarities“ dabei. Okay, da kann ich ja auch nur raetseln. Sound-technisch sind die fuenf Jungs im Mitgroel-Streetpunk zu Hause, der aber auch einige fuerchterliche Schweinerock-Elemente auf den Plan ruft. Texte wuerde ich alter Meckerfritze auch mal gerne lesen, hoffe nur dass es sich dabei nicht um patriotisches Bullshittin´-Halbwissen handelt, das ja bei so einigen Bands aus diesem Genre spaetestens seit dem US-Angriff auf den Irak ausgeloest wurde.
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THE BOTTROPS - s/t CD
THE BOTTROPS
s/t CD
( Destiny Records / Dynamic-Discord-Agency.com , Release Date: 25. Mai 2007 )

Ich hab soeben die BITUME-CD besprochen. Und alles was ich dort musikalisch sowie textlich vermisst habe, bekomme ich beim Erstling der Bottrops aber auch sofort so was von auf die Fresse! Damit hat nun wahrlich keiner mit gerechnet! Ich war schlecht vorbereitet. Die Stimme klingt nach Rotze! So fies und so gemein! Dabei noch verdammt cool und ueberaus schnippisch! Nach richtig alter Punkrock-Scheisse wie etwa MITTAGSPAUSE oder MALE! Die Texte, klar auf Deutsch, haben aber genau die richtige Temperatur um bei mir nicht auf die grosse Langeweile zu stossen. Das ist kein gefuehlter Punkrock von irgendwelchen „MySpace fuckin´ Trendy-Cunts“, Menschenskinders!!!!, das ist gelebter Punkrock! Man moechte sich am liebsten wieder die Pattextuete ueber die „Graue Panther“-Hirse stuelpen und solange inhalieren, bis ein Auge blind wird. Die Bottrops bringen dich wieder zurueck auf Anfang, als du als gestiefelter Punkrock-Kater neugierig und naiv die Welt entdeckt hast. Dabei stets den gestreckten Mittelfinger einsatzbereit. Da ist man seit vielen Jahren endlich drogen- und alkfrei und dann kommen die Bottrops und ruckzuck ist man wieder der Versuchung nahe rueckfaellig zu werden. Dann glaube ich aber nicht, dass ich mit Mitte 40 dann noch einmal die Kurve bekomme. Reserviert mir schon einmal einen Platz unter der Bruecke! Yes, ich bin ein Unterhund! Aber der Weg aus dem „Kleingarten BRD“ ist beschwerlicher als man denkt. Und trotzdem ist es nicht wirklich einfach diese insgesamt vierzehn Songs entsprechend achtbar zu beurteilen. Ich hab mich hier einige Wochen regelrecht davor gedrueckt. (Real Shock, du verlauster Drueckeberger!) Hatte ich Angst vor den schoen durchgeknallten und doch so realen deutschen Texten? Wahrscheinlich…, es gibt fuer mich im Grunde genommen kaum eine Band die deutsche Texte in brillant gespielten Punkrock-Hymnen, wie einst STUNDE X 1989 zu „Graf Porno reitet fuer Deutschland“-Zeiten, ummuenzen kann. Tja, die Bottrops koennen das! Wie ein guter alter wieder gefundener Freund! Sie haben mich auf einen neuen zu erkundeten Pfad geschickt. Auf einem Auge blind, immer noch die Pattextuete ueberm Kopf stolpere ich zum naechsten Buedchen um mich mit Bier fuer den Rest des Tages reichlich einzudecken. Wenn ich diese Songs hoere moechte ich am liebsten stundelang nur alte Punkrock-Storys aus den 70ern und 80ern raus hauen. Geniale Idee, den Song „Eure Probleme“ mit dem SEX PISTOLS-Song „Problems“ ausklingen lassen. Auf diese Band hat die Punkrock-Nation gewartet!
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CHANNEL 3 - „I´ve Got A Gun”/„After The Lights Go Out” CD
CHANNEL 3
„I´ve Got A Gun”/„After The Lights Go Out” CD
( Captain Oi! Records / CaptainOi.com , Release Date: 30. April 2007 )

Seit es „Captain Oi!“ gibt, hat es meines Wissens, ausser den DICKIES mit ihren ersten beiden Scheiben, keine weitere amerikanische Band auf dem Label gegeben. Und nun sind im Monat April direkt zwei Klassiker-Veroeffentlichungen mit D.O.A. (Review siehe weiter unten) und Channel 3 erschienen. Zwei hochkaraetige Punkrock-Bands aus der Old School! Im Gegensatz zu der ´91er CD-Release auf „Anagram“ ist hier das komplette zweite Album „After The Lights Go Out“ enthalten, sowie fuenf weitere Bonus-Tracks, u.a. der Knaller schlechthin, „Indian Summer“ vom LP-Sampler „Something To Believe In“, damals 1983 auf „BYO Records“ raus gekommen. Somit haben wir es hier mit satten 27 Tracks zu tun, die natuerlich auch wieder erfolgreich ueberarbeitet wurden. Ihre absoluten Punkrock-Classics – die stets an englische Bands, insbesondere aber immer wieder an the CLASH erinnerte, als an Punk-Musik aus ihrer eigentlichen Heimat Kalifornien – wie etwa „I´ve Got A Gun“, „I´ll Take My Chances“ oder „I Didn´t Know“ haben sich seit Anfang der 80er auf ewig in mein Hirn eingefraest. Das Booklet hat ebenfalls einiges zu bieten. Und zwar alle Texte, eine Discographie, viele Fotos, eine Bandgeschichte, zusammengefasst von „No More Heroes“-Autor Alex Ogg, und eine ausfuehrliche bandinterne Story, aufgeschrieben von Gruendungsmitglied Mike Magrann.
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CHERRY OVERDRIVE - „Clear Light!” CD
CHERRY OVERDRIVE
„Clear Light!” CD
( Hep Town Records / EvilBitch666.com , Release Date: 07. Mai 2007 )

Mit Cherry Overdrive aus Kopenhagen geht zum x-ten Male eine mode- und stilbewusste All-Girl-Band an den Start, die mit ihrer ersten full-length auf altbewaehrte Original 6oties Garagenklaenge schwoert. Hier wird verzerrt und georgelt! Komme was da wolle! Allerdings haelt sich bei mir das Interesse logischerweise arg sparsam in Grenzen. Ich bin mehr fuer freie Sicht auf der Autobahn!
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THE DANSE SOCIETY INTERNATIONAL
„Looking Through” CD
( Anagram Records / CherryRed.co.uk , Release Date: 19. Maerz 2007 )

1980 im englischen Barnsley aus verschiedenen lokalen Post-Punk-Bands gegruendet machte sich die Band auf, in der Gothic-Szene mit ihren sehr atmosphaerischen Soundklaengen einen Namen zu machen. „Looking Through“ war mit seinen acht Songs ihr drittes und zugleich auch letztes Studioalbum gewesen. Kurz nach der Veroeffentlichung im Jahre 1986 verliess der Saenger Steve Rawlings die Band. Die restlichen Mitglieder versuchten noch mit einem anderen Saenger weiterzumachen, scheiterten aber schon wenig spaeter mit diesem Vorhaben, und loesten sich endgueltig auf. Bis zum heutigen Tage fand man sich nicht mehr zu einer Reunion zusammen.
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DEADLINE
„More To It Than Meets The Eye” CD digi-pak
( Captain Oi! Records / CaptainOi.com , Release Date: 30. April 2007 )

Soweit ich mich erinnern kann kam das full-length Debuet der Londoner Band 2001 als „Vinyl-Only-Release“ auf „Plastic Bomb Records“ raus. Schon damals konnte ich mit dem simpel gestrickten Streetpunk-Oi!-Mix nicht sehr viel anfangen. Saengerin Liz klang fuer meinen Geschmack zwar ganz okay, aber die stimmlichen Faehigkeiten stiessen sehr schnell an ihre Grenzen, und wirkten somit auf Dauer zu eintoenig und zu farblos. Also keine wirklich schlechte Band im musikalischen Sinn, aber eben nichts was mich wirklich begeistern konnte. Ganz anders reagierte die restliche Fanzine-Welt. In den meisten Faellen ueberschlugen die sich nur so mit Lobeshymnen. Daran hat sich auch seitdem nichts geaendert. Ganz im Gegenteil! In den letzten sechs Jahren haben Deadline durch weitere Alben und zahlreiche Touren noch mehr an Fans fuer sich gewinnen koennen. Nun ist „More To It Than Meets The Eye” als deluxe digi-pak neu veroeffentlicht worden. Zu den 12 LP-Tracks kommen noch einmal 4 Bonus-Tracks dazu. Unnoetig wohl zu erwaehnen, das die Aufnahmen vom Haus- und Hof-Studiodigitalspezialisten Tim Turan remastert wurden. Ausserdem gibt es im Booklet eine Story von den Anfaengen der Band vom Bassisten Herve zu lesen.
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DEEP EYNDE - „Bad Blood” CD
DEEP EYNDE
„Bad Blood” CD
( People Like You Records / Starkult Promotion , Release Date: 11. Mai 2007 )

Ich hatte ja schon befuerchtet, dass die Hollywood-Gothic-Punker vielleicht ihren Stil nicht treu bleiben, und evtl. beim Rockabilly-Grease oder beim Hardrock-Blues schwach werden, so wie es bei vielen aktuellen Bands schon fast zur Mode geworden ist. Nicht so bei Deep Eynde! Die gehen konsequent ihren Punkrock-Weg! Und haben sich mit ihrer zweiten full-length sogar verbessern koennen. Die 13 Songs klingen sehr ausgereift, haben die noetige Tiefe, sind verdammt abwechselungsreich gespielt und wunderbar dicht produziert worden. Wenn Saenger Fate Fatal mal punkrock-maessig ins Mikro schreit, klingt er sogar ein wenig wie SONNY VINCENT. Der Sound bleibt weiterhin eine optimale Mischung aus fruehen T.S.O.L., THE DAMNED zu „The Black Album“-Zeiten und „sanfteren“ MISFITS-Choeren.
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D.O.A. - „Punk Rock Singles 1978-99“ CD
D.O.A.
„Punk Rock Singles 1978-99“ CD
( Captain Oi! Records / CaptainOi.com , Release Date: 30. April 2007 )

Nachdem es CHANNEL 3 auf „Captain Oi!“ geschafft haben nun eine weitere amerikanische Band, die neben den FORGOTTEN REBELS in Kanada als dienstaelteste noch existierte Punkrock-Band angesehen wird. Die Rede ist natuerlich von Joe „Shithead“ Keithley´s DOA, der als einziges reelles Gruendungsmitglied den Rumpf der Band vorm drohenden Verfall bewahrt. Und das mit Erfolg! Er ging, wie sein britischer Punkrock-Kollege Charlie Harper von den U.K. SUBS durch zig Umbesetzungen. Aktuell ist im Moment, Original-Bassist Randy Rampage dabei, aber das kann sich jeden Tag schlagartig wieder aendern. Wieder einmal macht sich die zusaetzliche Studioueberarbeitung, sprich Tim Turan´s Mastern der insgesamt 26 Tracks vollends bezahlt. Der Sound klingt einfach frischer und besser. Ich hoere hier nun auch zum allerersten Mal die Originalversionen ihrer „Disco Sucks“-EP von 1978. Im Booklet gibt es zu allen Singles die Covers abgedruckt und Mr. Shithead war sich auch nicht zu schade im Januar dieses Jahres einige Linernotes zu jeder 7“inch-Veroeffentlichung zu schreiben. Da kommt so manches Wissenswertes zu Tage. Das DOA gerade in ihrer Fruehphase zu einer der besten Punkrock-Bands ueberhaupt galten, wird mit diesem Release doppelt und dreifach belegt. Songs wie „World War 3“, „Fucked Up Ronnie“, „The Enemy“, „Whatcha Gonna Do?“, „Fuck You“ (SUBHUMANS-Cover) oder „General Strike“ sind einfach nicht mehr aus der kanadischen Punkrock-History wegzudenken.
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FRONTKICK - „The Cause Of The Rebel” CD
FRONTKICK
„The Cause Of The Rebel” CD
( People Like You Records / Starkult Promotion , Release Date: 11. Mai 2007 )

Das dritte Studioalbum von den Berlinern lapidar als Streetpunk zu bezeichnen, waere sicherlich nicht im Sinne des Erfinders. Im Gegensatz zu ihrer letzten Scheibe „Underground Stories“ ist ihr Sound auf den insgesamt 14 Tracks noch eine Gangart mehr ins weitaus melodischere bzw. ruhigere Gefilde abgedriftet. Die Produktion bleibt dabei konstant gut und setzt jeden Song optimal in Szene. Die Mischung aus THE CLASH, ONE MAN ARMY, HUNGRY FOR WHAT und BOMBSHELL ROCKS stoesst „auf dem ersten Blick” bei mir auf Wohlgefallen, aber einen Hit wie es „36 Guns“ auf der „Underground Stories“ war, ist leider nicht dabei. Dafuer ist die Band dann doch zu vorausschauend mit den einzelnen Songs umgegangen. Das klingt mir, so leid es mir auch tut, unterm Strich etwas zu einheitlich.
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THE HEADLINES - „Plug ‘n’ Play” CD
THE HEADLINES
„Plug ‘n’ Play” CD
( Radio Rebel Records / RadioRebelRecords.com , Release Date: 20. April 2007 )

Was fuer ein starker Anfang! Mit den ersten drei Songs „Let´s Get Together“, dem JOE STRUMMER-Tribute „With No One To Follow“ und dem Hit der CD „The Streets Of My Town“ haben mich die Nordlichter aus dem schwedischen Malmoe direkt gewinnen koennen. Auch das Sax stoert mich hier nicht sonderlich. Sehr gut gespielter Punk Rock mit verdammt vielen Pop-Elementen. So haette es von mir aus gerne weitergehen koennen. Aber leider verflacht die CD etwas. Nun ja, wenn man so viel versprechend eine CD startet, ist es zunaechst etwas schwierig sich auf normalen Pegel wieder einzupendeln. So bloed es auch klingen mag, gewinnt die CD dann aber wieder recht schnell an Fahrt. Und von daher kann ich der Band nicht wirklich etwas Schlechtes andichten. Ganz im Gegenteil! Die anfaenglichen Bedenken nach den ersten drei Songs sind wie verflogen. Wenn man an den richtigen Stellen naemlich genau hinhoert, wird hier nur eine Band gehuldigt. Und das sind ganz eindeutig THE CLASH! Reggae ist das Stichwort! Mundharmonika-Einsaetze, wo einem direkt „Groovy Times” in den Sinn kommt. Das angesprochene Pop-Element und die Backin´ Vocals der Bassistin Kerry Bomb vermitteln zusaetzliche Lockerheit. Und lassen mich am Ende zu einem fuenften Sternchen hinreissen.
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MANIC STREET PREACHERS - „Send Away The Tigers” CD
MANIC STREET PREACHERS
„Send Away The Tigers” CD
( Sony BMG Music / VollKontakt.com , Release Date: 04. Mai 2007 )

Die Manics aus Wales begleiten mich mit ihrer Musik, seitdem ich sie das erste Mal Ende der 80er auf einer der „Underground Rockers”-Sampler gehoert hatte. Sofort ging der ´77er Punkrock-Gitarrensound und die eindringliche Stimme ihres Saengers in mein Blut ueber. Ich kaufte mir all ihre Alben, ihre wichtigsten DVD-Erscheinungen und massenweise an MCDs. Trotzdem ich im Laufe der Jahre sicherlich nicht immer mit ihrer Richtung einverstanden war, konnte ich von dieser Band einfach nicht lassen. Zu sehr war ich von den sagenhaften Melodien und der faszinierenden Stimme angefixt worden. Ich war auch einfach zu neugierig, wenn mal wieder ein neues Album anstand. Denn ich konnte jedes Mal sicher sein, das dort einige Ausnahme-Songs vertreten waren. Die Band schaffte es sofort mit ihrem ersten Album „Generation Terrorists“ von der Musik leben zu koennen. Obwohl sich mit den Jahren ihr musikalisches Befinden stark gewandelt hat, haben sie nie ihre Punkrock-Wurzeln verleugnet oder gar abgelegt. Das lag wohl einzig und allein an ihrer ganz persoenlichen Einstellung. Sie hatten es auch nie noetig auf irgendwelche Zuege aufzuspringen und Trends zu folgen. Die Manics hatten schon seit Beginn an ihren eigenen kleinen Zug am Rollen, inkl. Schaffner und Lokfuehrer. Sie tauchten niemals in der britischen Klatschpresse auf, wie etwa meine ganz speziellen Lieblinge, die Grossmaul-Knilche von Oasis. Die Manics hatten sich und ihre Musik. Das reichte ihnen zum Gluecklich sein. Auch das bis heute mysterioese Verschwinden ihres Gitarristen Richy James Mitte der 90er trug der Rest der Band nach anfaenglichem Schock nicht an die Oeffentlichkeit. Was soviel bedeuten soll, dass sie mit dieser Geschichte nicht hausieren gingen. Das machten sie untereinander aus. Erst zehn Jahre spaeter erinnerten James Dean Bradfield, Nicky Wire und Sean Moore im Song „Cardiff Afterlife“ an ihren ehemaligen Kollegen. All dies macht sie nachhaltig und auf lange Sicht gesehen noch sympathischer und menschlicher. Nun sind sie bei ihrem achten Studioalbum angelangt und James spielt seine Melodien immer noch auf seiner STEVE JONES-Gitarre. Sie sprechen ganz offen davon, dass ihre musikalischen Motive in den SEX PISTOLS und in den CLASH ruhen. Darum sind die zehn Tracks auch wieder verstaerkt in die Naehe des Gitarrensound gerueckt. Der Song „Imperial Bodybags“ ist der lebende Beweis dafuer. Das klingt wie die Manics zu ihrer Anfangszeit, nur noch viel mehr ausgereifter. Ein klassischer Punkrock-Song eben! So wie er im Buche steht. Ihre erste Hit-Single „Your Love Alone Is Not Enough“ erinnert durch die stimmliche Begleitung der CARDIGANS-Saengerin Nina Persson sofort an „Little Baby Nothing“, was die Band 1992 mit Traci Lords eingespielt hatte. „Underdogs“ wiederum ist einfach nur cool! Und zwar richtig cool! Als loyaler Fan dieser Band verneige ich mich natuerlich auch vor den restlichen Songs. God Save The Manics!
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RENTOKILL - „Antichorus” CD
RENTOKILL
„Antichorus” CD
( Rude Records / Dynamic-Discord-Agency.com , Release Date: 25. Mai 2007 )

Im textlichen Sinn von amerikanischen Polit-Bands wie etwa PROPAGANDHI oder ANTI-FLAG gehen die Oesterreicher aus der Wiener Neustadt zu Werke. Musikalisch kann man allerdings Parallelen zu ANTI-FLAG fast voellig vergessen, da geht es doch bei Rentokill deutlich heftiger zur Sache. Mehr so eine Mischung aus leicht angeschraegtem Melodic-Core like RISE AGAINST oder STRIKE ANYWHERE und noch schnelleren HC-Sounds a la RICH KIDS ON LSD. Rentokill sprechen mit ihrem Stil eher die aktuelle BILLY TALENT-Fraktion an oder aber auch die jungen Punk-Kids die sich momentan da draussen auf dem Selbstfindungstrip mit oder ohne Rucksack, Homeless oder nicht Homeless befinden. Zwischendurch wird zwar mal ein etwas entspannendes Mid-Tempo mit „Step Over The Wall“ oder „Kingdom“ eingestreut, aber da ist fuer mich der Zug schon laengst abgefahren. Ist nicht meine Welt. Bin ich zu alt dafuer? Kann schon sein. Auch egal, gib mir mal lieber die volle Ladung der ersten TOXIC REASONS-Scheibe „Independence“! That´s what I call home! Punkrock-Home! Warum hab ich die nicht eigentlich schon laengst auf CD?
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THE SEPARATES
„The Truth Is In There” CD digi-pak
( Radio Rebel Records / RadioRebelRecords.com , Release Date: 06. Januar 2007 )

2001 spielte die Hagener Band ihr erstes Konzert, als support von MARKY RAMONE & THE SPEEDKINGS. Ein viel versprechender Start! Es folgten weitere Shows u.a. mit SONNY VINCENT und THE SAINTS. Nach einer 7“inch und einer 10“/MCD folgt nun also die erste full-length. Mein erster Eindruck? Nun, die Musik der Vier hoert sich bestimmt nicht so an, als wenn sie irgendwo in einem Hagener Hinterhof entstanden ist. Vielmehr ist man mit den 12 Songs international auf Augenhoehe, vorausgesetzt man ist dem schwer gitarren-lastigen Solo-Sound der Neuzeit nicht abgeneigt. Die Hagener lassen ordentlich den speedy Schweinerock-Blues-Hammer im Stile von MONSTER MAGNET, GLUECIFER, NASHVILLE PUSSY, PETER PAN SPEEDROCK oder ZEKE kreisen. Dabei nimmt das Jaulen der Gitarren einfach kein Ende, was mir persoenlich nun gar nicht behagt.
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THE TOUCHERS
„The Underwater Fascist” CD
( MySpace.com/Touchers / CDB Promotions , Release Date: April 2007 )

Jetzt sitze ich hier schon 20 Minuten vorm PC und hoere mir die CD an. Ich bin ziemlich ratlos und habe keine Ahnung, was ich von den Songs halten soll. Doch eins habe ich schnell festgestellt. Die Produktion ist geglueckt, aber was soll auch schief gehen wenn JACK ENDINO am Mischpult sitzt. Jetzt bin bei Track 11 mit “Michigan” angelangt und gebe hier mal ein erstes Statement ab: „Ich finde die Booklet-Gestaltung – auf die ich an dieser Stelle nicht naeher eingehen moechte – und auch die Art der Musik hoechst seltsam.“ Bevor ich hier also noch weitere 20 Minuten am PC nutzlos vergeude, gebe ich einfach mal die Worte wieder, die auf der Touchers-MySpace-Seite unter “Sounds like” zu finden sind: „JOHNNY CASH being molested by THE PIXIES, THE MELVINS and screwed by FUGAZI.“ Alles klar soweit? Seit dem ich bei MySpace auch meine Seite habe, bekomme ich doch teilweise ziemlich schraeges Material zugeschickt. Ich waere von daher sicherlich nicht in Depressionen verfallen, wenn dieses Promo-Paeckchen aus Montana mich nicht erreicht haette.
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V.A.: „IN GOTH DAZE“ - CD/DVD
V.A.: „IN GOTH DAZE“
CD/DVD
( Anagram Records / CherryRed.co.uk , Release Date: 08. Maerz 2007 )

„Cherry Red“ entwirft im Moment recht witzige CD-Boxen. Nach der Verpackung zur BIS-CD/DVD ist mir auch diese recht praktische Gestaltung voellig neu. Aber nun zum Inhalt. „In Goth Daze“ ist eine gut durchdachte Ansammlung der verschiedenen Bands aus der 80er Gothic-Rock-Szene. Da waeren zu nennen: ALIEN SEX FIEND, PLAY DEAD, RED LORRY YELLOW LORRY, SKELETAL FAMILY, DANSE SOCIETY, INCA BABIES, MALARIA, BAUHAUS, VIRGIN PRUNES oder SPECIMEN. Aber auch Bands wie LIGOTAGE (die Nachfolgeband von Beki Bondage / VICE SQUAD), RUBELLA BALLET oder HAGAR THE WOMB sind hier vertreten, denn in den 80ern lagen die Post-Punk bzw. Gothic-Lager noch sehr dicht beieinander. Auf der CD sind 18 Songs und auf der DVD 22 Darbietungen zu finden.
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THE WILD HEARTS - s/t CD digi-pak
THE WILDHEARTS
s/t CD digi-pak
( Round Records / FiftyThirdAndThird Promotion , Release Date: 25. Mai 2007 )

Die Wildhearts aus England ereilt dasselbe Schicksal wie einst the HARD-ONS aus Australien. Die HARD-ONS hatten die schlechte Angewohnheit in spaeteren Jahren entdeckt, doch hypermelodische PopPunk-Perlen mit grausamen speedy HeavyMetal-Thrashern zu verwanzen. Das einzig Positive dabei war, das sie die Stile huebsch von einander getrennt hatten und sich nicht auf der Platte in die Quere kamen. Das ist bei den Wildhearts allerdings ueberhaupt nicht der Fall. Schon der Opener laesst mich ziemlich verwirrt zurueck. Wie viele verschiedene Musikstile da bei „Rooting For The Bad Guy“ aufeinanderprallen ist kaum noch zu ueberblicken. Auch die anderen neun Songs leiden mehr mal weniger unter dieser speziellen Krankheit, Schweinerock „Ekel deluxe“ oder 70er-Hardrock mit „Punk Rock light“ zu verwursten. Hier und da mal blitzt dann eine tolle poppige Punkpassage auf, aus der man mit ein wenig Refrain eine wunderbar melodische Nummer haette zaubern koennen. Aber die Band geht andere Wege und tobt sich munter in allen Himmelsrichtungen aus. Das ist auf Dauer nicht mehr zu ertragen. Es stimmt mich sogar ein wenig traurig, wie die Band scheinbar fahrlaessig mit ihren musikalischen Faehigkeiten umgehen. Ich bin nicht so der anspruchsvolle Typ. Man kann mich mit einem einfachen Pop-Punk-Song schnell gluecklich machen. Ich brauche nicht alle moeglichen Musik-Facetten in einem Song verarbeitet zu hoeren. Was ich brauche ist eine klare Linie! Und die fehlt hier!
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