* * * * * Hit! , * * * * knapp vorbei , * * * OKay , * * Glueck gehabt , * Shit!

So, hier nun das November-Update. Das letzte Update fuer dieses Jahr erfolgt kurz vor Weihnachten 2005. Alle Reviews, wie immer, besprochen von Ralf Real Shock.

 

ATTILA THE STOCKBROKER’S BARNSTORMER
„Zero Tolerance” LP
( East Side Records / EastSideRecords.de , Release Date: 03. Oktober 2005 )

Das dritte Album von den Barnstormer wurde bereits in England auf CD veroeffentlicht. Nun legt das „East Side“-Team mit einer Exclusiv-Vinyl-Release nach, die exakt auf 333 Stueck limitiert ist. Puenktlich zum Tag der deutschen Einheit sind die insgesamt 16 Tracks auf LP erschienen. Hauptfigur Attlia The Stockbroker gibt sich in seinen Texten gewohnt kaempferisch und unterstreicht mit „Zero Tolerance“ seine Abneigung gegen die derzeitige US-Regierung. Ganz klar ist mir ein Attila vom politischen Anspruch her tausendmal lieber als die Wischiwaschi-Einstellung so mancher amerikanischen Streetpunk-Band heutzutage. Ausserdem hat Attila JOE STRUMMER schon richtig verstanden und nicht umsonst ihn den Song „Comandante Joe“ gewidmet. Musikalisch haben mir die Barnstormer eigentlich nie wirklich zugesagt. Da fehlte es mir an noetiger Power in den Songs, aber auch die Studioproduktionen waren nicht gerade als zufrieden stellend zu bezeichnen. Vielleicht ist Attila die politische Aussage auch wichtiger, als mehr Geld wie unbedingt noetig fuer angemessene Aufnahmen reinzubuttern. So richtet sich jeder seine eigenen Privilegien aus. Zu erwaehnen waere noch, das edle aufgemachte in Folie eingeschweisste Beiblatt das Attila selbst verfasst und unterschrieben hat. Der Titel lautet „Die Bibel des Rupert Murdoch“. Es geht dort um den hoechst umstrittenen australisch-amerikanischen Medienmogul.
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BODIES
„Shithead Mono Deluxe“ MCD-R
( Bodies / SonicFarm.se , Release Date: September 2005 )

Auch wenn das 3RD nun schon seit ueber einem Jahr ausschliesslich nur noch ueber das Internet zu erreichen ist, reissen alte Kontakte, die ich frueher mal mit der Print-Ausgabe aktiviert habe, nicht ab. So schrieb mir Ego T. Superstar, einst bei CHINESE TAKEAWAY und den PART-TIME POSERS, voellig ueberraschend eine eMail und teilte mir in seinem Schreiben mit, das er vor wenigen Tagen durch puren Zufall auf die 3RD-Homepage gestossen waere. Offensichtlich fand er die einfache Aufmachung so gut, das er mir seine aktuellsten musikalischen Erguesse in Form von CD-R´s zukommen lassen wollte. Natuerlich mit der Bitte, sie doch beim naechsten Review-Update zu beruecksichtigen. Selbstverstaendlich wollte ich seiner Bitte nachkommen und beginne mit den vier Songs der Bodies, wo er den Part der Gitarre und der Backin´ Vocals uebernommen hat. Die Lieder sind im September diesen Jahres in den „Acetone Studios“ von Stockholm aufgenommen worden. Sehr vorsichtig tastet sich dabei die Viererformation an den melodienreichen Punk-Sound der ´70er heran. Es entsteht recht schnell der Eindruck bei mir, das sie waehrend des Studioaufenthaltes nichts dem Zufall ueberlassen wollten, und die Tracks so perfekt wie moeglich einzuspielen. Obwohl die Melodien wirklich nicht schlecht sind klingen die Aufnahmen am Ende doch zu steril. Der spontane Punkrock-Spirit kommt leider voellig zu kurz. Da haette man wesentlich mehr raus machen koennen. Schade!
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CRASHED OUT
„Pearls Before Swine“ CD
( Captain Oi! Records / CaptainOi.com , Release Date: 17. Oktober 2005 )

Eine Streetpunk-Band aus England, die auf ihrem 15-Song-Debuet schwer einen auf „…damals war alles besser“ macht, obwohl die Band ein Durchschnittsalter von gerade mal 25 Jahren erreicht hat, und somit nach Punkerrechnung voll in der Bluete ihrer verdorbenen Jugend steht. Erinnern wir uns, wo andere junge Menschen mit 25 schon als erwachsen gelten, knitterfreie Waesche tragen, und alltaegliche Verpflichtungen als voellig normal ansehen, da wird im Punk gerade der zweite Fruehling eingelaeutet, die Zeit zurueck gerechnet und einfach weiter gefeiert, so als wenn es keinen Morgen gaebe. Waren die Zeiten nicht wunderschoen, morgens mit fettem Kater nach einer durchzechenden Nacht mit Sonnenbrille in irgendeiner fremden Wohnung aufzuwachen? Die Songs von Crashed Out kitzeln schon beim ersten Hoeren recht unangenehm im Ohr, da A. die Gitarre wie die von den TOY DOLLS klingt (Marke Kindergarten), B. der Gesang nur auf einer einfachen Oi!-Groelstimme basiert und C. die Songs mittendrin voellig abstruse Wendungen nehmen, und in ihrer Grundstruktur nicht gerade von Einfallsreichtum gesegnet sind. Eine voellig durchschnittliche Oi!-CD, die bei mir sehr schnell in Vergessenheit geraten wird. Und das obwohl hier der Schlagzeuger und Gitarrist bei der aktuellen Besetzung von ANGELIC UPSTARTS mitspielen. Das Musikerleben eines Punker kann manchmal sonderbare Wege gehen. Als Bonus gibt es noch das Video zu dem Song „The Jarrow Song“ zu sehen.
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THE DISRUPTERS - "Gas The Punx" CD
THE DISRUPTERS
„Gas The Punx” CD
( Overground Records / OvergroundRecords.co.uk , Release Date: 05. Dezember 2005 )

1980 im englischen Norwich gegruendet nahmen die Disrupters die klassischen Pfade auf der sich eine hoch-politisch orientierte Anarcho-Punkband bewegte. Ihr erstes Demo schickten sie zu CRASS, eine Band, dessen Album „Feeding Of The 5000“ hoch im Kurs bei den Disrupters stand. Der Song „Napalm“ erschien daraufhin kurze Zeit spaeter auf dem legendaeren ersten „Bullshit Detector“-Sampler. Befluegelt von so viel Anerkennung in verhaeltnismaessig recht kurzer Zeit enterten die Disrupters im Sommer 1981 die hiesigen „Whitehouse Studios“ und nahmen mit Hilfe des lokalen Musiker Jon Ward drei Songs auf, die innerhalb von wenigen Monaten unter dem Titel „Young Offender“ auf dem hauseigenen Label „Radical Change“ erschienen. Das Label fand grossen Anklang in der Anarcho-Punkszene und so kamen dort noch einige Scheiben von befreundeten Bands wie ICON AD, REVULSION und SELF ABUSE raus. Der Rest ist Geschichte und wird im Booklet vom einstigen Saenger der Band, Bangkok Stebe (Hansell) sehr ausfuehrlich und spannend wie ein Drei-Groschen-Krimi wiedergegeben. Was wir hier vorliegen haben ist das eindrucksvolle Vermaechtnis einer Band, die in den ´80er als einer der wichtigsten Bands im Anarcho-Punk galt. 23 Songs sind auf der CD enthalten. Eine gut sortierte Retrospektive ihrer Singles, Albums und Compilation-Tracks, dazu als Special Bonus sieben zuvor unveroeffentlichte Studioaufnahmen. Wieder einmal ganze Arbeit von „Overground Records“!
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THE FRANTIC FLINTSTONES
„The Legendary Mushroom Sessions“ CD
( Anagram Records / CherryRed.co.uk , Release Date: 24. Oktober 2005 )

Weiss der Geier, warum mir „Cherry Red” immer noch fein regelmaessig das aktuelle Rockabilly- und Psychobilly-Material zukommen laesst, obwohl ich schon vor zig Monaten darauf hingewiesen habe, das mich dieser spezielle Stuff wirklich null interessiert. In den letzten Updates habe ich dann auch provokanterweise immer bei solchen Releases fette Shit!-Sternchen vergeben, aber das hat das „Cherry Red“-Team ebenfalls wenig beeindruckt. Einzige Vermutung, die ich habe, ist, das die vielleicht einen solchen Ueberschuss als Promo-Verschickung ausgeschrieben haben, das da die ein oder andere zu viel verschickte CD auch nichts mehr grossartig ausmacht. Gut, haben wir das an dieser Stelle nochmals geklaert. Dann komme ich mal zu diesen Fruechtchen hier. Alle in der Szene wussten, das diese Sessions schon seit 17 Jahren existierten, aber sie blieben bis jetzt unter strengem Verschluss. Einzuraeumen waere, das einige Tracks schon mal vorher auf CD raus kamen, aber nicht die kompletten Songs der Sessions. Die Band gilt in der Psychobilly-Scene immer noch als einer der ersten Adressen und sind seit einer dreijaehrigen Pause nun wieder vereint und geben Konzerte. Diese CD-Veroeffentlichung wird ihren Bekanntheitsgrad sicherlich noch foerdern. Nach so vielen Shit!-Sternchen-Reviews in den letzten Updates, habe ich mich jetzt dazu entschliessen koennen, solche Psychobilly-CDs unabhaengig von meinen anderen Besprechungen mit einem „Okay“ bzw. „Geht schon in Ordnung“-3er Sternchen zu bewerten. Ich finde den Stuff ja nicht wirklich schlimm, es ist nur so das mich das ueberhaupt nichts angeht, also bleib ich da in Zukunft voellig neutral.
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THE JERKS - "Jerk Off" CD
THE JERKS
„Jerk Off” CD
( Overground Records / OvergroundRecords.co.uk , Release Date: 21. November 2005 )

Die CD mit der kompletten Studioarbeit der Jerks aus der Gegend um West Yorkshire wurde das erste Mal 1997 vom “Overground Label“ veroeffentlicht. Das Teil muss sich gut abgesetzt haben, denn es war auf Jahre vergriffen. Nun erscheinen die 15 Aufnahmen, die in der Zeit von 1977 bis 1979 entstanden sind ein zweites Mal auf CD. Mit einem neuen Booklet, raren Pictures und einer detaillierten Bandgeschichte, die von den Jerks selbst verfasst wurde. Als „Overground“ damit begann den fruehen britischen Punkrock-Bands aus der zweiten oder auch dritten Reihe seine Aufmerksamkeit zu schenken, legte ich mir die ein oder andere CD selbst zu, wie etwa die SATAN´S RATS oder V2. Die Jerks hatte ich natuerlich auch auf meiner Liste, aber irgendwie habe ich es dann doch verpeilt sie mir rechtzeitig zu bestellen. Und dann war sie ploetzlich nirgendwo mehr zu finden. Gut, das ich damals – als das 3RD-Fanzine begann alle drei Monate zu erscheinen – den Kontakt zum Label suchte und auf meiner Mission erfolgreich war. Von da an schickte mir das Label immer ihre aktuellsten Releases zu, die von mir fast ausschliesslich mit fuenf Sternchen in den einzelnen Besprechungen bedacht wurden. Auch bei dieser Ausgrabung kann ich nur Positives berichten. Ich haette es z.B. niemals fuer moeglich gehalten, das die ersten 4-Track-Aufnahmen der Jerks bei den heutigen Verhaeltnissen so gut klingen koennen. Keine Spur von dumpfen und schlechten Demoaufnahmen, sondern das ist richtig gute Qualitaet. Und aus musikalischer Sicht agierten die Jerks erstaunlicherweise schon in vorderster Front. Die Band hatte einfach das Gespuer für gute Melodien und im Nachhinein kann man da wirklich nur den Hut vor ziehen. Drei Singles machte die Band, wobei ihr Debuet „Get Your Woofing Dog Off Me“ (daher wohl meine Angst vor Hunden!) vom November 1977 neben dem KILLJOYS-Track „Naive“ zu den damals schnellsten Punkrock-Nummern zaehlte. Besonders aber ihre B-Seite hatte es mir angetan, „Hold My Hand“, ein Punkrock-Lovesong, der jeder Zeit seinen Platz neben „First Time“ (the BOYS) und „Baby Baby“ (the VIBRATORS) behaupten konnte. Nach diesem unglaublich guten Start folgten 1978 „Cool“ und 1980 „Come Back Bogart“. Kurz nach ihrer dritten Single beschloss die Band sich im Fruehjahr 1980 zu trennen. Bedauernswert, denn sie hatten wirklich das Zeug fuer eine musikalisch bestens ausgerichtete Band. Hinter ihnen lagen dutzende von Konzerten, die sie oft genug mit Bands wie 999, the ADVERTS, SHAM 69, GENERATION X, XTC oder PENETRATION gemeinsam austrugen. Das Foto ihrer ersten Single ziert uebrigens das Cover des vierten „Killed By Death“-Sampler. Neben den Songs von ihren Singles sind noch neun offiziell unveroeffentlichte Songs auf „Jerk Off“ zu hoeren. Darunter der „Anti-Lou Reed – Godfather Of Punk – Song“ mit dem Titel „Back To Berlin“ und einer Cover-Version des Beach-Klassikers „California Sun“. Da Weihnachten bald vor der Tuer steht, kann die ´77er Punkrock-Fraktion unter den 3RD-Lesern sich mit dieser CD etwas extra Spezielles unter den Christbaum legen. „Bored Teenagers, Jerk Off!“
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THE KINGS OF NUTHIN´
„Punk Rock Rhythm & Blues“ CD
( People Like You Records / Starkult Promotion , Release Date: 21. November 2005 )

Meine Fresse, was ist das schlecht! Ich kann gar nicht in Worte fassen, wie unsaeglich beschissen ich diese CD hier finde. Neben eigenen Songs werden so ganz nebenbei grosse und kleinere Punkrock-Klassiker von Bands wie EATER („No Brains“), ANTI-NOWHERE LEAGUE („For You“), PETER & THE TEST TUBE BABIES („Banned From The Pubs“) oder BLITZ („Nation On Fire“) auf Rockabilly-Niveau(!!!!!!) runtergefahren, dazu gesellen sich noch fette Blasinstrumenten-Einsaetze(!!!!!) und Piano-Gedoens(!!!!!). Komm mir so vor, als wenn ich an einem Stammtisch von uralten Teddy-Boy-Prolls sitze, deren Tolle traurig im Bierglas haengt. Irgendwie fand ich die Bostoner noch auf ihrer ersten CD ziemlich witzig und originell, aber das hat sich spaetestens mit dieser CD hier gelegt. Oh no, das muss der Real Shock wirklich nicht haben!
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THE METEORS
„Don´t Touch The Bang Bang Fruit” CD digi-pak
( Anagram Records / CherryRed.co.uk , Release Date: 31. Oktober 2005 )

Eigentlich kann ich mich hier nur wiederholen und die selbe Wortwahl treffen, die ich im September-Update zur Re-Issue ihres Album „Sewertime Blues” verwendet habe: „Das die Meteors nicht meinem musikalischen Naturell entsprechen, duerfte hinlaenglich bekannt sein. Deshalb nur kurz die wichtigsten Fakten zur CD: „Das Album kam 1987 raus und stuermte direkt die Top Ten der Independent-Charts. Nach all den Jahren gibt es die 12 Songs nun als spezial CD digi-pak – „Psychobilly Collectors Series No. 38“ – wobei mit „Go Buddy Go (Wonkey Donkey Mix)“, „Don´t Touch The Bang Bang Fruit (Manky Monkey Mix)”, „Dateless Nights“ und „Corpse Grinder“ noch vier ziemlich rare 12“inch-Mixe als Bonus angefuegt wurden. Der englische „Record Collector“ schrieb einst ueber die Band: „Only the Meteors can genuinely claim to have started, led and defined a whole subculture based around the energy of punk!“ Nun gut, ich halt mich, wie schon bei der „Sewertime Blues”-Review vornehm zurueck.“
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LAG WAGON
„Resolve“ CD
( Fat Wreck Chords / FatWreck.de , Release Date: 28. Oktober 2005 )

Das neue Studioalbum von einer der erfolgreichsten „Melodycore“-Bands aus der Szene ist eine Hommage auf das Leben ihres ersten Schlagzeugers Derrick Plourde geworden, der sich in diesem Jahr das Leben nahm. Kurz nach seinem unerwarteten Tod sah sich Songwriter und Saenger Joey Cape wahrscheinlich in der Pflicht, seinen Freund auf diese Art und Weise zu gedenken, und schrieb in nur wenigen Tagen die Texte zu den 12 Tracks fertig. Viele, die die Kalifornier besser kennen als ich, werden von der musikalischen Richtung her steif und fest behaupten, das die Band wieder zu ihren Wurzeln zurueckgekehrt ist, und wie nach den ersten Alben „Duh“ und „Trashed“ klingt.
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THE NEWTOWN NEUROTICS - "The Long Goodbye" DVD
THE NEWTOWN NEUROTICS
„The Long Goodbye” DVD
( Cherry Red Films / CherryRed.co.uk. , Release Date: 28. November 2005 )

Ich kann mich noch zu den Gluecklichen zaehlen, die die Neurotics Ende der ´80er in Dortmund hab sehen koennen. Nach ihren Studioqualitaeten zu urteilen war das Trio aus Essex um RAMONES-Fan Steve Drewett seit ihrer ersten Single „Hypocrite“ aus dem Jahre 1979 ein fester Bestandteil meiner Vinylsammlung. Jede weitere Veroeffentlichung wurde direkt blind zugelegt. Live waren sie dann fuer mich eher ziemlich enttaeuschend, da sie ihren Set einfach nur runterspielten, sich keinen Millimeter vom Mikrostaender bewegten und nur die Gitarre im Blick hatten. Dieser Eindruck bestaetigt das Abschiedeskonzert der Band, was am 29. Oktober 1988 im Londoner „Fulham Greyhound“ (cool, da hab ich mal die LURKERS im Sommer ´82 gesehen!) stattfand, gluecklicherweise nicht. Der Laden ist gerammelt voll und vom ersten bis zum letzten Song wird bis in die fuenfte Reihe etwa dem „Pogo Dancing“ gehuldigt. Das komplette Konzert wurde ungefaehr von der Mitte des Raumes gefilmt. Der Videodreher war allerdings so schlau, oft genug den Zoom anzuwerfen, und die Kamera direkt auf die einzelnen Akteure auf der Buehne zu richten. Vor dem Auftritt gibt es auch noch ein kleines Interview mit der Band, was im Backstage-Raum arrangiert wurde. Kurz danach sind die Neurotics auf der Buehne „gefangen“, und werden diese fuer gute 120 Minuten nicht verlassen duerfen, da alle Hits ihrer kleinen Punkrock-Karriere vom pogo-begeistertem Publikum ausgiebig gefeiert werden. In der Mitte des Set wechselt die Line-Up, und Steve steht ploetzlich mit der Erstbesetzung von 1978 da oben, und gibt mit ihr einige fruehe Songs, wie z.B. das obligatorische „Hypocrite“ zum Besten. Das undeutliche und verwackelte Dokument stammt aus der Zeit, als die privaten Videoaufzeichnungen gerade laufen lernten. Mit den heute zur Verfuegung stehenden Mitteln wurde der Sound sehr gut nach-bearbeitet und der eigentliche Live-Mitschnitt so gut es ging restauriert.
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THE PROFESSIONALS - "The Best Of The Professionals" CD
THE PROFESSIONALS
„The Best Of The Professionals“ CD
( Captain Oi! Records / CaptainOi.com , Release Date: 17. Oktober 2005 )

2001 erschien auf „EMI” das einzige offizielle Studio-Album mit dem Titel „I Didn´t See It Coming“ vom November 1981 zum ersten Mal auf CD. Da die fuckin´ Majors es allgemein nicht für noetig halten, die damaligen Tonbaender auf das heutige digitale Zeitalter anzupassen, war die Qualitaet dementsprechend maessig. Gut, das man sich in solchen Faellen auf „Captain Oi!“ verlassen kann, der seinen Job in altbewaehrter Routine erledigt, und es nach jahrelangem Tauziehen mit Muetterchen EMI gemanagt hat, Aufnahmen der Professionals auf sein Label zu lotsen. Fuer die Soundqualitaet hat „Captain Oi!“ extra Tim Turan von „Turan Audio“ abgestellt, der die Schallkonserven auf dem Schneidetisch neu mastert. Das Ergebnis ist verblueffend! Wer es nicht glaubt sollte den Test machen! Erst die „EMI“-Scheibe einlegen, fuer ungefaehr 30 Sekunden laufen lassen, damit man sich an den Ton und die Lautstaerke gewoehnt hat und dann ganz schnell auf die „Captain Oi!“-CD wechseln. Ein Unterschied wie Tag und Nacht! Das Klangerlebnis ist beim „Captain Oi!“ um einiges lauter und kompakter, und die Instrumente hoert man dabei auch besser voneinander raus. Auf der „The Best Of…“ sind alle Singles vertreten, die besten Songs ihrer LP, sowie einige Tracks von ihrem eigentlich full-length Debuet, was 1981 aber von der damaligen Plattenfirma „Virgin Records“, aufgrund eines Gerichtsverfahren gegen „Virgin“, was der erste Bassist der Band, Andy Allen angestrengt hatte wieder eingestampft wurde. Um sich weiteren Aerger zu ersparen wurden die Aufnahmen wieder neu eingespielt, und das mit den neuen Mitgliedern Paul Meyers und Ray McVeigh. Erst 1990 kamen diese obskuren Einspielungen wieder ans Tageslicht. „Ltd Ed. Records“ veroeffentlichte die 11 Tracks unter dem Titel „The Great Lost Second Album“, in einer durchnummerierten 1000er Vinyl- und CD-Auflage. Sieben lange Jahre spaeter entschieden sich die Boring Old Farts in den Chefetagen von „Virgin“ zu dem Schritt, die Songs unter dem schlichten Titel „The Professionals, featuring Steve Jones & Paul Cook“ auf CD raus zubringen, leider mit unzulaenglichen Informationen, die zusaetzlich für Verwirrungen sorgten. Diese so wichtigen Fakten wurden dann erst 2001 im CD-Booklet der „I Didn´t See It Coming“-Scheibe von Alan Parker, u.a. Autor des SEX PISTOLS-Buches „Satellite“ nachgereicht. Wer aber die komplette Geschichte lesen will, sollte sich die Linernotes von Phil Singleton, dem Webmaster saemtlicher SEX PISTOLS-Pages im Netz, im Booklet zur „The Best Of…“ ganz in Ruhe durchlesen.
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THE RUTS - "Grin & Bear It" CD
THE RUTS
„Grin & Bear It“ CD
( Captain Oi! Records / CaptainOi.com , Release Date: 17. Oktober 2005 )

Wieder einmal faellt einem direkt der exzellente Mastering-Cut auf, der die 16-Song-CD zu einem zusaetzlichen Hoergenuss verhilft. Das zweite Album der Ruts war kein regulaerer Nachfolger des ersten Album „The Crack“ gewesen. Es war viel mehr eine Ansammlung von Single-Tracks („West One (Shine On Me)“, Staring At The Rude Boys“, „In A Rut“, „H-Eyes“ + „Love In Vain“), Live-Songs („S.U.S.“, „Babylon´s Burning“ + „Society”) und raren „John Peel Session”-Aufnahmen („Demolition Soldiers” + „Secret Soldiers“). Einige Monate nach Malcolm Owen´s Herointod wurde „Grin & Bear It“ ohne wirklich offizielle Zusagen der verbliebenen drei Mitglieder in der zweiten Jahreshaelfte von 1980 veroeffentlicht. Wie man es stets von den Re-Releases des „Captain Oi!“ gewohnt ist, sind im Anschluss an die vorschriftsmaessigen LP-Tracks sechs „Zugaben“ angehaengt worden. Beginnend mit der Single-Version ihrer letzten 7“inch „West One“, begleitet im direkten Anschluss mit deren B-Seite „The Crack“. Dann folgt ein recht obskurer instrumentaler Titel. „Denial“ war vorher nur auf der „Bustin´ Out“-Compilation vertreten und gab schon mal im Ansatz die Richtlinie vor, die die Nachfolgeband RUTS D.C. einschlagen sollte. Mit „Stepping Bondage“, „Lobotomy“ und „Rich Bitch“ wird die CD dann abgeschlossen, wobei es sich hier um die ersten drei Studiolieder der Ruts aus dem Jahre 1977 handelt. Im Booklet sind die „Original LP Sleeve Notes“ uebernommen worden. Was will man mehr? Vielleicht das „Captain Oi!“ irgendwann auch noch die kompletten „John Peel Sessions” der Ruts veroeffentlicht.
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THE SKIDS - "Scared To Dance" CD
THE SKIDS
„Scared To Dance“ CD
( Captain Oi! Records / CaptainOi.com , Release Date: 17. Oktober 2005 )

Dieser „Captain Oi!”, irgendwann bekommt er sie alle! Eigentlich war es nur noch eine Frage der Zeit, wann das Label das Debuet full-length der schottischen Skids das erste Mal ueberhaupt auf CD praesentiert. Denn bereits vor gut vier Jahren hatte man das Nachfolgewerk „Days In Europa“ veroeffentlicht gehabt. Die Skids hatten mit ihrer selbst finanzierten Debuet-7“inch „Charles“ – am 14. Maerz 1978 auf „No Bad Records“ erschienen – schnell die Aufmerksamkeit auf sich lenken koennen. JOHN PEEL spielte in seinem Programm nicht nur mehrmals die A-Seite, sondern auch die beiden Flipsides, „Reasons“ und „Test Tube Babies“. Da es damals in der Branche der grossen Plattenfirmen so ueblich war, sich eine oder gar mehrere so genannter New Wave Bands auf seinem Label zu leisten, wurde man im fernen London auch recht bald hellhoerig. „Virgin Records“ hatte dabei die Nase ziemlich weit vorne und so unterzeichneten die Skids dort am 06. Mai 1978, als „Kollegen um drei Ecken“ der SEX PISTOLS. „Sweet Suburbia“ war die erste Zusammenarbeit, die am 01. September 1978 als Single raus kam. Im Anschluss folgte am 25. Oktober 1978 die EP „Wide Open“. John Peel spielte jeden Song aus den beiden Veroeffentlichungen und die englische Musikpresse vom „Sounds“, „NME“ und „Melody Maker“ war ebenfalls voll des Lobes. Am 08. Februar 1979 gelang den Skids dann der nationale Durchbruch. Mit ihrer Hit-Single „Into The Valley“ verschafften sie sich Einzug in die englischen Charts und waren nur eine Woche spaeter zum ersten Mal Gast in „Top Of The Pops“. Der Zeitpunkt haette nicht guenstiger gewaehlt sein koennen, denn kaum war eine weitere Woche verstrichen kam „Scared To Dance“ ganz frisch am 23. Februar 1979 in die Plattenlaeden. John Peel liess es sich abermals nicht nehmen und spielte einige Tracks aus dem Album. Erst recht viel spaeter wurde uebrigens bekannt das Gitarrist the Edge von U2 massgeblich von Stuart Adamson´s Gitarrenarbeit in jenen Tagen sehr beeinflusst wurde. Auf der 12-Song-CD hat sich „Captain Oi!“ natuerlich nicht lumpen lassen. Acht Bonus-Tracks wurden angefuegt, die kompletten Single-Tracks zu „Charles“ und „Sweet Suburbia“, die beiden restlichen Lieder ihrer „Wide Open“-EP, „Night & Day“ und „Contusion“, sowie die B-Seite „T.V. Stars“ (Live), ihrer Erfolgssingle „Into The Valley“. Texte der LP-Songs liegen bei und eine detaillierte Bandgeschichte von Alex Ogg runden das ganze Geschehen effektiv ab.
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SONIC FARM
„I Can´t Lose….” MCD
( Sonic Farm / SonicFarm.se , Release Date: September 2005 )

Gefaellt mir auf Anhieb wesentlicher besser als die BODIES (siehe Review weiter oben), die zweite Band vom Ex-CHINESE TAKEAWAY Ego T. Superstar. Besonders „I Can´t Lose“ und „Use Your Head“ haben es mir angetan. Eine wohltuende Mischung, die sehr stark im amerikanischen Punk’n’Roll verankert liegt, angefangen von JOHNNY THUNDERS bis hin zu den HUMPERS. Hier passt das Fashion-Word „cool“ mal wieder sehr gut hin. Oder aber auch „catchy“ oder „sleazey“ trifft es voll. Nicht, das ihr jetzt denkt, der Real Shock ist nun voellig am verkitschen, aber es gab zuvor auch mal Zeiten, wo solche Worte gerne benutzt wurden, ohne das es aufgesetzt oder blasiert klang. Wie auch schon bei den Bodies haelt sich Ego T. Superstar dezent im Hintergrund und bedient dort den Bass und macht sich ausserdem bei den Backin´ Vocals nuetzlich. Von Sonic Farm moechte ich in Zukunft bitte schoen mehr hoeren! Aber so kam ich auch mal wieder auf die Idee nach sehr langer Zeit mir die ´77er-Punk-Knaller der PART-TIME POSERS (Nachfolgeband der CHINESE TAKEAWAY) anzuhoeren.
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THE TERMITES
„Overload“ CD
( Anagram Records / CherryRed.co.uk , Release Date: 14. November 2005 )

„Overload“ vom schottischen Psychobilly-Vierer wurde erstmals 1989 bei „Link Records“ auf der legendaeren „Chuck Flintstone Presents“-Serie in einer limitierten 1000er Vinyl-Edition veroeffentlicht. Nun gibt es die insgesamt 14 Tracks zum ersten Mal auf einer CD, zusammen mit sechs Bonus-Tracks, die u.a. von ihrer EP auf „Raucous Records“ aus dem Jahre 1988 stammen. Abgeschlossen wird die CD, die uebrigens komplett re-mastered wurde, mit einer recht informativen Story im Booklet. Der Psycho-Freak wird sich beim Anblick dieser Release sicherlich ein Hoernchen abfreuen.
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V.A.: "OUR SMALL TRIBUTE TO BLONDIE"  CD digi-pak
V.A.: „OUR SMALL TRIBUTE TO BLONDIE”  CD digi-pak
( Trash 2001 Records / Trash2001.de , Release Date: 17. Oktober 2005 )

Na ja, so schmal ist das BLONDIE-Tribute auch wiederum nicht! Auf dem limitierten digi-pak von 1000 Kopien tummeln sich insgesamt 17 Bands. Dabei u.a. SHARK SOUP mit „Denis“, ROTTEN APPLES mit „Picture This“, the POPZILLAS mit „Hanging On The Telephone”, SKEPTIC ELEPTIC mit „Atomic”, the PEERS mit „X Offender”und SILENT MEOW mit „Nothing Is Real But The Girl”. Das eigentliche Highlight ist allerdings die Cover-Version von dem nicht ganz so bekannten Stueck “Just Go Away”, eingespielt von Dave Philp (the AUTOMATICS), Phil Hendriks (the STIFFS), Ian McCallum (STIFF LITTLE FINGERS) und Mick Rossi (SLAUGHTER & THE DOGS), unter dem Namen STIFF-O-MATIC-FINGERDOGS. So einige Bands hingegen haben leider so manches Mal ihren eigenen Stempel zu sehr aufgedrueckt, so das bekannte BLONDIE-Songs wie etwa „Maria“ oder „Heart Of Glass“ sich arg verfremdet anhoeren. Nichtsdestotrotz ist „Trash 201 Records“ ueber weite Strecken das Unterfangen geglueckt, die Band BLONDIE angemessen zu wuerdigen.
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VICE SQUAD - "The Very Best Of Vice Squad" CD
VICE SQUAD
„The Very Best Of Vice Squad“ CD
( Anagram Records / CherryRed.co.uk , Release Date: 07. November 2005 )

Wie es der Titel schon vorweg nimmt, handelt es sich hierbei um eine Compilation die 24 Songs umfasst. Bis einschliesslich Track 15 wird die erste Besetzung mit Beki Bondage abgesteckt, danach folgen acht Songs mit der zweiten Saengerin Lia. Das letzte Stueck ist dann wieder mit Beki, und zwar „Nothing“ vom 1979 veroeffentlichtem „Heartbeat“-Sampler „Avon Calling“. Ich kenne die ganzen Songs ja mittlerweile in- und auswendig. Hab mir die ganze Palette damals direkt als es auf Vinyl raus kam zugelegt. Und die Originale stehen bis heute bei mir fein saeuberlich im Plattenregal. Wer sich allerdings auf diese Seite „verirrt“ hat, dem brauch ich dann auch nicht mehr grossartig zu erklaeren, was es mit Vice Squad aus dem englischen Bristol mal auf sich hatte. Aber wer dem englischen Punkrock-Sound Anfang der ´80er nicht abgeneigt sein sollte, der kann sich speziell bei dieser CD sehr gut damit vertraut machen.
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WESTERN ADDICTION
„Cognicide“ CD
( Fat Wreck Chords / FatWreck.de , Release Date: 31. Oktober 2005 )

Wahrscheinlich die außergewoehnlichste Band auf „Fat Wreck”! Deshalb so ungewoehnlich, weil ihr musikalisches Verstaendnis vom Punkrock spielen auf den ersten Blick sich so gar nicht in das gaengige Konzept des Labels einfuegt. Die 12 Songs auf „Cognicide“ erinnern mich teilweise an meine Kaufrausch-Aktionen, die ich Mitte der ´80er beim Berliner Store/Mailorder „Sasquatsch“ monatlich gestartet habe. Alles was damals in den Staaten nach „Hardcore-Punk“ roch, wurde vom „Sasquatsch“ ausfindig gemacht und fuer teuer Geld nach Europa importiert. Western Addiction gehen da weit zurueck in die Tiefen des ´80er US-Punk, als Bands wie die ADOLESCENTS, CIRCLE JERKS, TSOL oder BLACK FLAG den Ton angaben. Doch bei naeherem Betrachten bzw. Hoeren scheinen bei der Band auch die heute so angesagten Stop- und Go-Passagen stark abgefaerbt zu haben. Und so geht es dann bedauerlicherweise nicht ohne diese speziellen Schnorekel und Maetzchen ab. Immer wieder schleichen sich die selbsternannten „Notbremsen des Punk“ in den ansonsten absolut straighten Sound ein. Und manchmal ist das auch schon ziemlich hart an der Metal-Grenze. Wahrscheinlich liegt die Ursache darin, das man bei Western Addiction zu Hause in ihrer Plattensammlung eher auf eine ausgereifte Metal-Auswahl stoesst, als auf den kompletten Satz an EATER-7“inches. Das hindert mich daran das Album wirklich bedingungslos gut zu finden. Wenn die Jungs einfach nur ihren stark beeinflussten BLACK FLAG-PUNK durchgespielt haetten, waeren 5 Sternchen ueberhaupt kein Problem in der Bewertung geblieben. Aber so?
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