* * * * * * Real Classic! , * * * * * Great Stuff! , * * * * Very Good! , * * * O.K. , * * Poor! , * Real Bullshit!

So, hier nun das Update fuer November. Das Update fuer Dezember erfolgt Anfang Januar 2010.  Alle Reviews, wie immer, besprochen von Ralf Real Shock.

 

ABANDON
„The Dead End” DoCD digi-pak
( Black Star Foundation / Cargo Records , Release Date: 09. Oktober 2009 )
Oh Shit, schon bei den ersten Takten ringe ich nach Fassung. Jungs, das meint ihr doch nicht ernst? Finster, finster…., aber wat is dat nur? BlackMetal, GrimCore, oder einfach nur ganz grosse Scheisse?
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BUBI ELEKTRICK - „Herz aus Scheisse“ MCD
BUBI ELEKTRICK
„Herz aus Scheisse“ MCD
( Schnucki Buchsbaum Records / MySpace.com/BubiElektrick , Release Date: 27. November 2009 )
Aus Hamburg erreichen einen ja immer mal wieder bezaubernd skurrile und voellig abgedrehte musikalische Projekte des Untergrunddaseins. Nach PROJEKT KOTELETT und Y.M.C.ASS ist Bubi Elektrick an den Start gegangen. Bescheidene Frage so ganz nebenbei: Wer steckt da nur unter diesem bizarren grellroten SpandexGanzkoerper-Trainingsanzug, oder wat is dat eigentlich fuern Fummel? Schon allein das Cover ist zum Piepen komisch. Sind die Herzen etwa beim „Hamburger Dom“ angefertigt worden? Was hat man da wohl am Lebkuchenstand gedacht, als man die einzelnen Worte auf die Herzen gemalt hat? Wie krank ist das denn? Waere ich zu gerne dabei gewesen! Kurze Zwischenfrage: Kann Bubi mit dem Titelsong „Herz aus Scheisse“ vielleicht auch bei Andy Borg’s „Musikantenstadl“ punkten? Lustig auch, das Bubi mit Horst with no name bei Ulle’s „Gelegenheits TV“ im Juli diesen Jahres zu Gast waren. Zu sehen bei „YouTube“. Ulle ist mir durch seinen Gala-Auftritt beim „Perfekten Dinner“ auf VOX noch sehr gut in Erinnerung geblieben. Gibt es noch ein Re-Call? Yes, super! So, nun aber zur Mucke auf der MCD. Yes Mucke Baby, ist die richtige Vokabel fuer diese kuriose Darbietung. Heftig kraeftige Disco-Beats mit gelegentlichen Anfluegen von furztrockenen Gitarrenriffs durchzucken die fuenf SchnuckiBuchsbaums-Schunkelhits, die u.a. vom sinnlosen Gitarren spielen und vom ebenso sinnlosen Saufen erzaehlen. Stalker-Romantik pur gibt es dann bei „Herz aus Scheisse“ zu vernehmen. Ja, der Bubi weiss was er will. Ein Mann, ein Wort, aeh…, drei Worte, und hoffentlich werden wir ihn dann doch bald im „Musikantenstadl“ begruessen duerfen.
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HELLABAMA HONKY TONKS - „Six Feet Under” CD
HELLABAMA HONKY TONKS
„Six Feet Under” CD
( Crazy Love Records / Cargo Records , Release Date: 06. November 2009 )
Unweigerlich fuehle ich mich an die ganz schlechten Peter Kraus-Filme aus den 50er erinnert. Ted Herold kommt mir dabei auch noch spontan in den Sinn. Oder wie 60jaehrige beispielsweise heute noch den Ueberschlag versuchen und dabei nicht an ihre Bandscheibe denken. Soll es alles geben! Diese Art des Rockabilly ist mir selbstverstaendlich viel zu hausbacken. Und gleich wird vermutlich noch um die Hand der zukuenftigen Schwiegertochter angehalten. Da passt es doch irgendwie auch, dass dieses biedere Trio aus Bayern kommt.
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IDOL LIPS - „Love Hurts“ 7“ 3-song-e.p.
IDOL LIPS
„Love Hurts“ 7“ 3-song-e.p.
( No Front Teeth Records / MySpace.com/IdolLips , Release Date: 2009 )
Diese junge Italo-Band setzt alles auf pUnK rOcK 1977. Da liegen sie bei mir im Grunde genommen goldrichtig. Aber wie sich schon zig andere junge Bands vorher die Zaehne daran ausgestossen haben, auch die Idol Lips sind eben nicht THE BOYS, THE DEAD BOYS, THE REZILLOS oder THE HEARTBREAKERS. Sie spielen den Sound einfach nur nach und vergessen dabei eigene Akzente zu setzen. Bands wie THE BRIEFS, US BOMBS oder THE STITCHES haben ihnen diese enorm wichtige Eigenschaft voraus und sind dadurch zu einem einzigartigen pUnKrOcK-Unikat gereift. Bands wie THE SHOEMAKERS, TATORT TOILET, THE HATEPINKS, THE TWINKLES, SNAZZY BOYS oder eben IDOL LIPS sind, so hart es auch klingen mag, nur Bands zweiter Wahl, eben ein sympathisches Duplikat. Mehr nicht! Anderes Beispiel. Wechseln wir den Kontinent. Japan ist da das Stichwort! Den Vorwurf des blossen Abklatsches koennte man jetzt auch sehr leicht THE STAR CLUB, THE STRUMMERS + THE RYDERS nachsagen. Aber dadurch, dass sie ihre Songs auf Japanisch singen und meist nur die Refrains in Englisch halten, bekommt das Ganze schon mal was voellig Eigenstaendiges. Und auch bei der eigentlichen Musik, die sich stark an SEX PISTOLS, RAMONES und CLASH orientiert, ist zu jeder Sekunde der japanische Background unmittelbar zuspueren. Das nennt man dann frei nach RealShock in Idiotenfachkreisen, „der Exoten-Bonus“, etwas, was nur in solch einer Form aus diesem oder jenem Land kommen kann. Dadurch haben auch diese Bands fuer sich was voellig Eigenes kreiert. Aber zurueck nach Italien. Nein, ich will die Jungs auf keinen Fall Schlechtreden, sondern lediglich ein paar Denkanstoesse liefern. Denn von meiner Warte aus gesehen ist zwar ein Anfang gemacht, doch wenn man seine Faehigkeit nicht runter- sondern richtig ausspielt, koennte hinterher evtl. etwas erstaunlich Gutes bei rumkommen. Mehr Mut zum Risiko, sag ich da nur!
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IDOL LIPS - „Too Much For The City” LP
IDOL LIPS
„Too Much For The City” LP
( Bondage Records / MySpace.com/IdolLips , Release Date: 2006 )
Die LP ist schon etwas aelter, aber es lohnt sich immer noch sie zu Besprechen. Die neun Songs gehen auch hier strikt in Richtung 77er/KBD pUnK rOcK. All die klassischen Klischees werden auch hier wie auf Kommando gezueckt, fuer mich ist da allerdings Nichts dabei, was wirklich fuer echte Ueberraschung sorgt. Trotzdem gut gemachtes PopCorn-Kino!
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JESAIAH
„Et Tu, Hope” CD digi-pak
( Black Star Foundation / Cargo Records , Release Date: 09. Oktober 2009 )
Oh Shit, schon bei den ersten Takten ringe ich nach Fassung. Jungs, das meint ihr doch nicht ernst? Finster, finster…., aber wat is dat nur? BlackMetal, GrimCore, oder einfach nur ganz grosse Scheisse?
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THE JIM JONES REVUE - „Here To Save Your Soul“ CD
THE JIM JONES REVUE
„Here To Save Your Soul“ CD
( Punk Rock Blues / Cargo Records , Release Date: 27. November 2009 )
Es gibt ja mittlerweile fuer alles und jeden eine Sparte. „Punk Rock Blues“ heisst das Label, wo auch das neue Album der Londoner Jim Jones Revue veroeffentlicht worden ist. Optimaler kann man es sich nicht zuschneiden lassen. Voellig ueberdrehter und hitziger Rock’n’Roll der weit, sehr weit in die Vergangenheit zurueckgeht und den Boogie-Woogie-Rhythmen ein neues und atemberaubendes Leben einhaucht. Das ist auch so absurd irre zugehen kann, das haetten sich die schnieken Boys und Girls aus den 50ern sicherlich nicht in ihren kuehnsten Traeumen vorgestellt. Diese Revue ist sehr nahe dran am Wahnsinn! Bei acht Songs ist Schluss und das Sauerstoffzelt sollte dringend aufgebaut werden. Fuer Musiker und Hoerer (wohlgemerkt!). Das ist wahrlich keine Schonkost. Diese Band vernagelt alles und trifft mit jedem weiteren Nagel tiefe Wunden in die vorher so friedlich wirkende Welt eines LITTE RICHARD, JERRY LEE LEWIS + CHUCK BERRY. Obwohl das ja auch ganz schoene Spitzbuben fuer ihre Zeit damals waren und nix haben anbrennen lassen, ausser Jerry, you know….
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LIMITED BOOZE BOYS - „10 Years” CD
LIMITED BOOZE BOYS
„10 Years” CD
( Limites Booze Boys / New Music Distribution , Release Date: 30. Oktober 2009 )
Auf einen Versuch kann man es ja immer ankommen lassen. Doch eigentlich haette ich es besser wissen muessen. Aber wenn mir Promo-Material angeboten wird, ist die Neugier erst einmal groesser. Nun, was gibt es zu dieser 10-Song-CD zusagen? Das Cover laesst auf eine reine Skinhead-Scheibe schliessen. Dem ist aber gar nicht so. Denn die taetowierten Muskelpakete aus Thueringen haben im Laufe ihrer zehn Jahre als Band alles daran gesetzt, um eine moeglichst vielseitige Breitseite aufzubauen. Das ist ihnen nicht zu nehmen. Ein weiterer Pluspunkt ist die Tatsache, dass die Songs bis auf einen, auf Englisch gesungen werden. Gut, auf die Stimme komme ich jetzt nicht klar, ist mir einfach viel zu heavy ausgerichtet. Musikalisch werden dabei zum Glueck meist andere Seiten aufgezogen. Ein ziemlich hart aufgefahrenes Rock’n’Roll-Brett, der seine Verbindung zu MOTORHEAD, AC/DC, REAL McKENZIES, THE EXPLOITED und THE BUSINESS hat. Aber auch aetzende Mainstream-Klaenge schleichen sich leider viel zu haeufig ein, die absolut nicht hierher passen.
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NOFX - „Cokie The Clown” MCD
NOFX
„Cokie The Clown” MCD
( Fat Wreck Chords / FatWreck.com , Release Date: 24. November 2009 )
Wenn man so will, sind das fuenf Out-Takes die vom letzten Album „Coaster“ uebrig geblieben sind. Und die wollen ja auch schliesslich irgendwie verbraten werden. Erhaeltlich nun als MCD und fuer die Vinyl-Junkies (existieren solche eigentlich unter „Fat Wreck“- oder speziell NOFX-Hoerer/innen?) gibt es zwei separate 7“inch-Versionen im farbigen Vinyl. Von „My Orphan Year“ ist hier eine akustische Fassung vertreten, wobei hingegen die restlichen vier Songs in gewohnter NOFX-Manier daherkommen. „Codependence Day“ bleibt beim ersten Lauf spontan haengen. Aber auch „Straight Outta Massachusetts” findet sofort Anklang bei mir. Ich bevorzuge halt mehr den Mid-Tempo-Sound von NOFX. Im beiliegendem Promo-Info steht uebrigens ein ziemlich typischer Satz von Fat Mike: „Please don’t ask me for interviews, as there won’t be any, thanks!“
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THE RAMONES - „Rock Classics – Das Sonderheft”
THE RAMONES
„Rock Classics – Das Sonderheft”
( Rock Classics / MuteMusicPromotion.de , Release Date: November 2009 )
Im Herbst 2005 erschien die 148-seitige Q & Mojo Classic Special Edition „The Inside Story Of THE CLASH”. Nun gibt es auch endlich, puenktlich nach 35 Jahren ein Sonder-Heft der RAMONES, und das auch noch in Deutsch, wer haette das mal gedacht? Das Heft ist so aehnlich aufgemacht wie das von THE CLASH. Auf 132 Seiten bekommt man eine ausfuehrliche Innenleben-Einsicht geboten, die von allen wichtigen Stationen aus sehr genau durchleuchtet wird. JOEY, DEE DEE und JOHNNY werden in gut recherchierten Berichten gewuerdigt, wobei es u.a. noch dazu ein letztes Interview mit Johnny gibt, was aus dem Jahre 2003 datiert. Aktuelle Interviews (auch aus dem engeren Umfeld der Ramones) sind selbstverstaendlich mit dabei, wie das von TOMMY, C.J., ED STASIUM (Produzent), ROBERTA BAYLEY (Fotografin), GEORGE DuBOSE (Fotograf), DANIEL REY (Produzent und Songwriter) MONTE MELNICK (Tourmanager) und ARTURO VEGA (Logo-Designer). Aber auch andere Musiker kommen zu Wort. Ein CAMPINO darf da natuerlich nicht fehlen. Und auch wenn ich heutzutage kaum noch eine Bindung zu den HOSEN habe, so bleibt Campino wohl einer der letzten oeffentlichen Sprachrohre, die aus unserer Generation noch uebrig geblieben ist, wenn es um pUnK rOcK 1977 geht. Denn er weiss ganz genau, wovon er spricht. Da geht seine Meinung sehr oft mit meiner konform. Wie gesagt, solche Leute sind heutzutage kaum noch aufzufinden, entweder hat man sich weggedrueckt oder tot-gesoffen oder aber man will von dem ganzen alten Scheiss heute nix mehr wissen. Nun ja, die Poster im Mittelteil haette man sich allerdings schenken koennen, wir sind ja alles keine Kiddies mehr, you know!!! Und zuviel Sammelleidenschaft, wie die vom „Ueberfan“ Jari-Pekka Laitio-Ramone vernebelt das Hirn fuer das eigentlich Wesentliche. Die Musik, you know!!! Was auch ein wenig abnervt sind die haeufigen Kaufempfehlungen in einigen Berichten, so nach dem Motto „muss man haben“ oder „da geht kein Weg dran vorbei“ oder, wie ich dieses Wort mittlerweile hasse „Kaufpflicht“! Anhand dieser manchmal etwas verunglueckten Schreibweisen merkt man, dass hier sich doch meist juengere Semester bemuehen, um das grosse Gebiet der Ramones abzuarbeiten. Auch koennte ich mir durchaus vorstellen, dass der Bericht ueber JOHNNY RAMONE erst geschrieben wurde, als das Interview mit CAMPINO im Kasten war. Denn Campino wird zwischen den Zeilen immer mal wieder zitiert. OKay, das mag wohl solchen Fachidioten wie mir auffallen. Gerade Johnny bleibt ein sehr spezielles Thema. Seine politische Gesinnung als stockkonservativer Republikaner hat er gluecklicherweise nie in die Musik eingebracht, denn da hatte der als liberal geltende Joey schon den Finger drauf. Deswegen waren wohl viele aehnlich entsetzt wie ich, als er sich dann bei der Aufnahme in der Rock’n’Roll Of Fame mit den Worten „God bless President Bush, and God bless America“ in der breiten Oeffentlichkeit outete. Doch da waren die Ramones schon aus musikalischer Sicht laengst Geschichte! Was fuer ein Glueck! Schwein gehabt!
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RUSTY CAGE - s/t CD
RUSTY CAGE
s/t CD
( Crazy Love Records / Cargo Records , Release Date: 06. November 2009 )
Diese italienische Psychobilly-Band macht anscheinend vor nix halt. Den Klassiker „Bela Lugos’s Dead” von BAUHAUS auf solch eine Art und Weise zu verstuemmeln. Das ist echt uebel! Und gibt direkt fette Minuspunkte. Da kenne ich keine Verwandten. Jungs, bleibt doch einfach bei euren Leisten. Bei den restlichen neun Tracks bleibt man dann gluecklicherweise auf sicherem Boden und spielt leistungsgerecht auf dem Niveau der 80er/90er Psychobilly- bzw. Rockabilly-Bluetezeit.
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THE SLITS - „Trapped Animal“ CD
THE SLITS
„Trapped Animal“ CD
( Sweet Nothing / Cargo Records , Release Date: 27. November 2009 )
Warum machen die Slits eigentlich eine neue Platte? Und das nach 25 Jahren! Nee, mal ohne Scheiss! Und wirklich ernsthaft nachgefragt! „Cut“, ihr erstes Werk aus dem Jahr ´79 war schon eine einzige Enttaeuschung gewesen. Die folgenden beiden Alben hab ich mir daraufhin logischerweise geschenkt. Ihr Radio-Auftritt bei JOHN PEEL, wo sie 1977 vier Songs fuer eine Session einspielten, waren hingegen grandios und das erste Lebenszeichen aus einem Studio ueberhaupt gewesen. Der grosse TONY WILSON war damals ihr Produzent und war so klug, den ungeschliffenen Wutausbruch in seiner absoluten Klarheit sich selbst zu ueberlassen. Im September ´79 folgte dann die erste offizielle Single mit „Typical Girls“ und deren B-Seite „I Heard It Through The Grapevine“, und im direkten Anschluss das erste Album „Cut“. Soweit ich mich erinnern kann spielte JOHN PEEL aber zunaechst einige Songs aus dem Album und spaeter dann auch die Single-B-Seite. Immer noch den ungestuemen rotzigen Sound der ´77er Peel-Session im Ohr, war ich wie vorm Kopf geschlagen, als ich die LP-Tracks hoerte. Dem druckvollen Punkrock-Sound alter Tage war nur knapp zwei Jahre spaeter ein ziemlich verspielter und voellig unangemessener Reggae-Anstrich verpasst worden. Die Session-Songs „Shoplifting“, „New Town“ und „Love And Romance“ waren in ihren Neueinspielungen ueberhaupt nicht mehr wieder zu erkennen. Bei THE CLASH war der Reggae-Einfluss einfach nur brillant und foerderlich, bei den Slits-Maedels allerdings wusste man zu keiner Sekunde, wo man dran war. Die Band komplizierte ihre Musik unnoetig und stand sich dabei haeufig nur selbst im Weg. Es klang viel zu sehr verspielt, so, als wenn man gerade fuenf geworden ist und noch an den Weihnachtsmann glaubt. Oder als wenn sie gerade mit riesengrossen Kulleraugen irgendwelche ganz tolle Instrumente entdecken. Oder wie frueher als Kinder Kuchen backen im Sandkasten! Warum gehe ich wohl soweit in der Geschichte zurueck und fuehre solche zugegebenermassen absolut bescheuerte Vergleiche an? Ganz einfach! Auch im Jahr 2009 geht man noch in den Sandkasten zum Kuchen backen! Es hat sich absolut nichts geaendert. Auch wenn es sich hier um eine Generationen uebergreifende Band handelt – Ari-Up und Tessa Pollitt von der Originalbesetzung spielen zusammen mit Hollie Cook, die Tochter vom SEX PISTOLS-Schlagzeuger Paul Cook – so nuetzt das alles herzlich wenig. Keine neuen Impulse. Und so stecken die Slits weiterhin in ihren Kinderschuhen fest, und das wirklich im wahrsten Sinne des Wortes.
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THE VIBRATORS - „Under The Radar“ CD
THE VIBRATORS
„Under The Radar“ CD
( Captain Oi! Records / CaptainOi.com , Release Date: 30. November 2009 )
Nach ueberstandener Krankheit sitzt Knox nach gut 14 Monaten Pause wieder fest im Sattel. Und geht, wie fast jedes Jahr, Anfang 2010 wieder mit seinen Vibrators und seinen Kumpels, den U.K. SUBS, auf Deutschland-Tour. Ausserdem sind fuer das kommende neue Jahr Tourneen durch Kanada, China, Australien und Neuseeland geplant. Doch bevor es wieder endgueltig auf die Strasse geht, wurde noch schnell ein neues Album mit 14 Tracks eingespielt. Auch wenn man mir im Info weismachen will, das man zu den alten Staerken ihrer ersten beiden Alben zurueck gefunden hat, bleibt fuer mich „Under The Radar“ nur ein nett gemeinter Versuch. Unterstuetzung bekommt Knox uebrigens jetzt vom ehemaligen Gitarristen der MEMBERS, Nigel Bennett, der zu der Band gestossen war, als Knox pausieren musste. Wenn man mal von dem bloedsinnigen Versuch, mit „Pure Mania“ + „V2“ mitzuhalten, abrueckt, entwickelt das Album ungeahnte Klasse. Ein Song der sofort haengen bleibt ist dabei sicherlich die Schnulze „How Beautiful You Are“. Auch das anschliessende sehr flott gespielte „Nightmare Town“ kann in der Art nur von den Vibrators gespielt werden. „I Don’t Need It“ ist eine weitere typische Vibrators-Nummer. Und dann waeren wir auch schon so halbwegs durch mit den echten Highlights dieser CD. Waeren die restlichen elf Tracks vom aehnlich Kaliber gewesen, dann haetten wir gerne noch mal ueber die eben erwaehnten Vergleiche (ja, ich weiss, es nervt schon!) sprechen koennen. Trotzdem bleibt es unterm Strich, eines der besseren aktuellen Alben der Band.
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THE WARRIORS - „Unite The Scene” CD
THE WARRIORS
„Unite The Scene” CD
( Streetheart Records / New Music Distribution , Release Date: 30. Oktober 2009 )
The Warriors setzen ihre ganze Zuversicht in sehr einfach gestrickte Oi!-Songs, die sich irgendwie alle ziemlich aehnlich sind. Strophe, Refrain, Kurz-Gitarrensolo eingestreut, ein wenig „Oi!,Oi!,Oi!“-Gegroehle dazwischen und schon hat man 15 Songs am Start, die sich eben nicht wirklich grossartig von einander unterscheiden. Fuer genuegend musikalische Abwechslung ist hier wahrlich nicht gesorgt worden. Der Endmix vom Produzenten Pat Collier (Ex-VIBRATORS) boxt da auch nichts mehr raus. Eher das Gegenteil ist der Fall. Die Gitarre etwa klingt wie beigemischt. Ein paar Tonspuren mehr haetten fuer einen fetteren Sound sicherlich garantiert, aber evtl. wollte die Band, die Verbindung zum simplen 80er-Oi! beibehalten. Das zumindest ist erreicht worden! Da geht auch eben der JOE STRUMMER-Tributesong „The Future Is Unwritten“ sang- und klanglos unter, und nur der gute Text bleibt einem fuer etwas laengere Zeit in Erinnerung. Jeder in der Band faehrt anscheinend strikt seine Linie. Da stoesst man im musikalischen sowie stimmlichen Bereich sehr schnell an seine Grenzen. Zu hausbacken fuer die heutige Zeit!
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X-RAY SPEX - „Live At The Roundhouse, London 2008“ DVD/CD
X-RAY SPEX
„Live At The Roundhouse, London 2008“ DVD/CD
( Year Zero / FutureNoiseMusic.com , Release Date: 09. November 2009 )
Das Londoner „Roundhouse“ im Bezirk Camden in der Naehe der U-Bahn-Station Chalk Farm, wo die CLASH ihren Proberaum „Rehearsal Rehearsals“ hatten, war 1976 einer der vielen Geburtsstaetten des britischen Punk Rock gewesen. Im Juli spielten dort die RAMONES. Die Geschichtsbuecher schreiben, dass im Publikum Mitglieder der SEX PISTOLS, der DAMNED und der CLASH anwesend waren, und ueber Nacht sollten sich ihre und die der gesamten Musikwelt fuer immer veraendern. Im Laufe des Jahres ´77 wurde dann das „Roundhouse“ regelmaessig fuer Punk-Shows gebucht. Geschlossen wurde das „Roundhouse“ 1983. Nach einem laengeren Leerstand wurde es am 1. Juni 2006 als Kultur- und Veranstaltungszentrum wiedereroeffnet. Und so kehrte X-Ray Spex fuer eine Reunion-Show im Spaetsommer des vergangenen Jahres sicherlich gerne wieder an einer der wichtigsten Ursprungsorte in der Geschichte des pUnKrOcK zurueck. Ausser Saengerin Poly Styrene war noch Bassist Paul Dean (der sich beim Auftritt dezent im Hintergrund verbirgt) von der Erstbesetzung dabei. Unterstuetzt wurden sie von Schlagzeuger Sid Truelove (RUBELLA BALLET + FLUX OF PINK INDIANS), und den eher fuer die Punk-Szene unbekannten Musikern Gt. Saxby an der Gitarre und Flash am Sax. Vor der ausverkauften Huette mit 3000 Menschen spielte die Band ein 20-Song-Set, das alle wichtigen Stationen der Band erfasste. Poly Styrene, mittlerweile auch ueber 50, soll angeblich vorher bei einem Gesangs-Couch gewesen sein, um ihre Stimme wieder auf Vordermann zubringen. Das kann gut moeglich sein, denn Poly praesentiert sich in sehr guter Form, was man von ihren Mitspielern nicht immer behaupten kann. Besonders Sid an den Drums haut zwischendurch einige heftige Patzer rein, die dem Rest der Band fuer wenige Augenblicke ziemlich zu schaffen machen. Aber unterm Strich ist das durchaus eine geglueckte Darbietung, der ich auch gerne beigewohnt haette. Kamerafuehrung ist ebenfalls sehr gelungen, was will man also mehr? Vielleicht noch ein Interview am Schluss mit Poly? Das waere es doch noch gewesen, aber so muss man halt nur mit dem Konzert auf der DVD auskommen. Beigepackt gibt es noch eine CD von der Show, ebenfalls nichts was ich hier beanstanden koennte. Soundqualitaet ist sehr gut! Da ich nur ein reines Promo zugeschickt bekommen habe, bleibt mir ein Blick auf die offizielle Release leider verwehrt. Die erscheint naemlich mit einer aktualisierten Version von Poly’s unveroeffentlichtem Tagebuch aus den 70ern, die die Anfaenge der Band reflektiert. Auszug gefaellig? Okay!: (DAY SEVEN) „The infamous ROXY club in Neal Street, Covent Garden, London WC1. Jon Savage, X-RAY SPEX manager Falcon Stuart and I drop in to check out the ‘talent’, names that scream out, Billy Idol & Generation X, The Buzzcocks, Siouxsie & The Banshees, Captain Sensible & The Damned, Johnny Moped & Chrisie Hynde, Patti Palladin & Judy Nylon, Ari-Up & The Slits, Knox & The Vibrators, Dee Generate, Alternative TV, Gaye Advert & The Adverts, Bruno Wizard and the Rejects. A cutting edge show case to an audience of spiky tops with studded dog collars and girls on leashes in ripped & torn fishnet stockings, school blazers and vamp make-up. Stuart and Savage chat to Andy and Susan the proprietors of the ROXY, while I go to the loo. Tracy a sales assistant from Seditionaries crouches on the floor in a corner of the ladies powder room scratching, slashing her wrists with a razor. Dazed and confused I return to the dance floor to meet Savage, Stuart, Susan and Andy. Poly Styrene & X-RAY SPEX are booked for the following week.”
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ZOOPARTY - „Re-Fuse“ CD
ZOOPARTY
„Re-Fuse“ CD
( Acme Records / MySpace.com/ZooParty , Release Date: 02. Oktober 2009 )
ZooParty ist ein schwedisches Punkrock-Trio, dessen Mitglieder – Erik Pettersson (Vocals&Guitar), Per „Hård-Per“ Karlsson (Bass) + Ove „Bumba“ Hejdeborn (Drums) – seit den fruehen 80ern die damalige Punkrock-Szene durch eher lokale Combos bereichert haben. Einiger dieser Bands sollten an dieser Stelle trotzdem erwaehnt werden: EWING OI, KVINNAN, ATT MÖRDA EN EN ÖVERORDNAD, EVERLONE, ZEB & THE FAST ONES. Mehr Infos gibt es da unter: b-sound.com/groups. Also von der Warte ausgesehen wissen die Drei natuerlich, wie man mittlerweile ein Instrument beherrscht. 2005 kam die heutige Besetzung das erste Mal zusammen. Zunaechst allerdings nur um Songs fuer eine Compilation von Erik’s frueheren Bands aufzunehmen. Die Zusammenarbeit klappte aber so gut, dass man dazu ueberging, neue Songs in Angriff zunehmen. Das erste Ergebnis war die 3-Song-EP „Smile“. Es folgte 2007 das Debuet-Album „You Are Here“ auf dem kleinen amerikanischen Independent Label „Acme Records“, was seinen Sitz seit 1997 im Norden von Massachusetts hat. Die Fragen die sich da mir stellen sind: 1. Wie kommt eine Combo aus Schweden ausgerechnet an ein US-Label? Und 2. Wie schaffte man es, das ein Brian James (THE DAMNED) und ein Glen Matlock (SEX PISTOLS) das Album zum Teil mit produzierten und auch einige Gitarren-Lines einspielten? Uebrigens, war dies die erste Zusammenarbeit von Brian + Glen, seit IGGY POP’S „New Values“-Tour im Jahre 1979 und ueberhaupt die erste gemeinsame Studioarbeit. Nun, dieses Album kenne ich leider (noch!) nicht, aber in den zahlreichen Kritiken die man so im Internet findet kam die full-length allgemein verdammt gut an. Man sprach von einem gewissen PROFESSIONALS/SEX PISTOLS/DAMNED-Touch. Nun, ich kann, wie gesagt, nur fuer den Nachfolger „Re-Fuse“ sprechen, denn da treten diese speziell genannten Uebereinstimmungen zu meiner grossen Freude on masse auf. Und Brian + Glen sind auch wieder mit von der Partie und steuerten mehrere brillante Gitarren-Einsaetze bei. Scheinen spaetestens jetzt bei ZooParty nun sicherlich zum „SpecialGuests“-Stammpersonal anzugehoeren. Well, ich bin echt froh mal wieder nach langer Zeit eine exzellente (und ganz wichtig!) gegenwaertige Punkrock-Band ganz nach meinem Geschmack auf „MySpace“ entdeckt zuhaben. Und wenn ich ganz fies waere, wuerde ich gar behaupten, dass so heute gerne die GUITAR GANGSTERS klingen moechten. Denn das was ZooParty auf ihren zwoelf Tracks anstellen, klingt alles andere als hausbacken. Der Sound laesst absolut keine Defensivtaktiken zu, hier wird mit offenem Visier munter im Dreier-Kollektiv nach vorne gestuermt. Und zu meiner Begeisterung klingt das ausserdem noch rotzig genug! Auch ihre skandinavische Herkunft werden sie gerecht. Mich erinnert das auch manchmal an die richtig alten Bands wie etwa SIXTEN REDLÖS, ATTENTAT oder KSMB. Da ist wirklich alles dabei. Perfekt! Aber das Gute daran ist, es klingt nach ZooParty und nicht nach einer schlechten Kopie. Der Gitarrensound sollte dabei hier und jetzt eine besondere Erwaehnung finden, denn das ist 77er pUnk rOcK auf hoechsten Niveau gespielt. Die insgesamt 12 Tracks in einer Rekordzeit von knapp 27 Min. wecken sehr schnell den Eindruck, zu ausgezeichneten kleinen Smash-Hits aufzubluehen. Dank natuerlich auch der fabelhaften Produktionsarbeit am Endmix! Bin schon etwas erleichtert, das die CD noch einen Tag vor der Deadline im Briefkasten lag, denn sonst waere es wirklich schwer geworden diesmal eine „Platte des Monates“ zu finden.
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