* * * * * Hit! , * * * * knapp vorbei , * * * OKay , * * Glueck gehabt , * Shit!

So, hier nun wieder puenktlich das Oktober-Update. Das naechste Update erfolgt dann Ende November 2005. Alle Reviews, wie immer, besprochen von Ralf Real Shock.

 

ADOLESCENTS
„OC Confidential“ CD
( Finger Records / ZCMRecords.com , Release Date: 12. Juli 2005 )

Das dritte Studio-Album nach ueber zwanzig Jahren zeigt die Orange County Pioniere in einer bestechenden und überwaeltigenden Form. Nun spielt mit dem 18jaehrigen Frank Agnew Jr. schon die dritte Generation mit. So bleibt alles schoen in der Familie, denn am Gesang ist natuerlich weiterhin Tony Cadena zu hoeren, am Bass Steve Soto, am Schlagzeug Derek O´Brien und die Gitarrenarbeit teilen sich Vater und Sohn des Agnew-Clans. Und was machen die Songs? Die klingen genauso wie auf den ersten beiden Scheiben, so als wenn sich die Musiker-Welt in den letzten zwanzig Jahren ohne die Adolescents weitergedreht hat. Einige Lieder wie etwa „Lockdown America“, „Hawks And Doves“, „California Son“, „Within These Walls” und der Titel-Song waren schon 2004 in einer hervorragenden Live-Fassung auf der DVD “Live At The House Blues” vertreten, die restlichen acht Songs auf dieser CD schliessen nahtlos auf. Auf die Adolescents ist auch noch nach ueber zwei Dekaden unbedingter Verlass! Ein verblueffendes Album! Mir fehlen schlicht und ergreifend die Worte!
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ALTERNATIVE TV - „Live – Splitting in Two“ DVD
ALTERNATIVE TV
„Live – Splitting in Two“ DVD
( Cherry Red Films / CherryRed.co.uk , Release Date: 29. August 2005 )

Das auf “Cherry Red” irgendwann auch eine DVD von Alternative TV das Licht der Bildroehren-Welt erblickt war nur eine Frage des richtigen Timings. In 86 Minuten begleitet man Mark Perry und seine sich staendig wechselnde Line-Up durch vier Live-Mitschnitte, angefangen vom ersten „Holidays In The Sun“-Festival 1996 in Blackpool, dann im September ´97 im „Chats Palace“, knapp zwei Monate danach spielen sie im „Dublin Castle“ einen Gig, und die Impressionen enden im Dezember 2001 im Londoner „100 Club“, wo uebrigens an der Gitarre Tony Barber von den BUZZCOCKS zu sehen ist. Bonus-Material gibt es quasi auch noch „nachgeworfen“, und zwar in Form eines Interview, mit(?), natuerlich Mark Perry hoechstpersoenlich! Alternative TV hatten 1977/1978 einige echte Punkrock-Klassiker mit „How Much Longer?“, „You Bastard“, „Loves Lies Limp“, „Life“ und „Action Time Vision“ geschrieben, danach kamen allerdings nur noch mittelpraechtige Songs zustande. Mark Perry war auch noch nie ein Mann der Buehne gewesen. Dafuer reichte seine Ausstrahlung einfach nicht aus. Das sieht auch hier auf der DVD meist immer etwas gequaelt aus, so, als wenn er sich vorm Mikrophonstaender nicht wirklich wohl fuehlt. Dafuer hatten allerdings seine Worte mehr Gewicht. Nicht nur durch sein legendaeres „Sniffin´ Glue“-Fanzine, sondern auch in Interviews hatte er immer einige Punkrock-Weisheiten parat, die keinesfalls naiv oder abgedroschen klangen. Als Punkrock-Schreiber waere er mir von daher lieber erhalten geblieben.
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BAD BOYS FOR LIFE VOL. 2 - “One Night In Vienna…Live At The Arena” Do-DVD
BAD BOYS FOR LIFE VOL. 2
“One Night In Vienna…Live At The Arena” Do-DVD (Advanced Review)
( People Like You Records / Starkult Promotion , Release Date: 18. November 2005 )

Das ging ja verdammt schnell. Im Maerz diesen Jahres lief bereits das zweite „Where The Boy Boys Rock“-Festival vom Dortmunder „People Like You“-Pier aus. Diesmal mit an Bord: DISTRICT, DEEP EYNDE, the GENERATORS, DEADLINE, US BOMBS und MAD SIN. In Wien wurde dieser Tross in Bild und Ton festgehalten. Im Gegensatz zu Vol. 1 wird hier um einiges professioneller mit der Kamera gearbeitet. Auch das Licht auf der Buehne erscheint mir besser ausgeleuchtet zu sein. Der Ton ist dem Live-Standard angepasst. Dabei schneiden besonders die US BOMBS nicht besonders gut bei ab, da sie auf mich nicht mehr wirklich wie ein eingespieltes Team wirken. Zu viele Verspieler und Fehler schleichen sich in ihren Auftritt ein, aber das hatte ich ja bereits schon einige Jahr zuvor bemaengelt gehabt. Live-technisch gesehen haben die immer mehr abgebaut. Schade. MAD SIN, die den Headliner der Tour abgaben, sind ein echter Augenschmaus. Obwohl das nun ueberhaupt nicht meine musikalischen Vorzuege anspricht, ist es trotzdem schon sehr unterhaltsam diesen Haufen Rockabillys auf der Buehne abgehen zu sehen. Besonders abgefahren der Mann am beleuchtenden und Funken spruehendem Contrabass! Das sieht man nicht alle Tage! Musikalisch schneiden am besten und zu meiner grossen Ueberraschung DEADLINE ab, die ein sehr soliden Punkrock-Sound hinlegen. DEEP EYNDE wirken auf mich live etwas enttaeuschend, da haette ich doch mehr von erwartet, aber vielleicht kann ich mir auch nach drei Songs kein wirkliches Urteil ueber sie erlauben. Die Auftritte der GENERATORS und DISTRICT sind gewohnt gekonnt. Leider hab ich hier nur eine Promo-DVD (Sachen gibt´s!) vorliegen, wo nur die Auftritte der Bands zu sehen sind. Deshalb kann ich an dieser Stelle nicht sagen, was die zweite DVD an Interviews, Photo-Gallerien und Video-Clips parat haelt. Aber ich schaetze, der Inhalt wird genauso gut sein, wie auf dem ersten Teil dieser DVD-Reihe.
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the BOMBSHELLS - „Audio Wasteland“ CD
THE BOMBSHELLS
„Audio Wasteland“ CD
( Bombshells Music / TheBombshellswebsite.com , Release Date: Oktober 2005 )

Auch das zweite Album mit seinen insgesamt 13 Tracks ist wie das Debuet extrem rotzig runtergespielt und schoen simpel gehalten. Leider liegen auch hier mal wieder keinerlei Texte bei, dafuer stehe ich aber in der „Special Thanks“-Liste. Ist doch auch schon mal was! Ich hoere auch sonst keine allzu grossen Unterschiede zum Erstlingswerk raus, ausser das so einige Tracks wie etwa „She Shot Me Down“ oder „Drop The Bonmb“ fluessiger und direkter gespielt werden. Die Gitarrenarbeiten klingen auch irgendwie ausgefeilter und perfekter. Die Bombshells aus Los Angeles bedienen sich weiterhin grosszuegig am Erbe von JOHNNY THUNDERS und den RAMONES, was sich dann mit den britischen ´77er-Klaengen sehr viel versprechend vermischt, und durch den herrlich noergeligen Saenger Miguel Hell wieder ausgespuckt wird. Und auch wie schon auf dem Vorgaenger ist man hier in einer guten halben Stunde durchgeheizt. Hervorzuheben waere noch die Tatsache, das auch dieses Album in Eigenregie der Band veroeffentlicht wurde und kein Label dahinter haengt, was ordentlich Promotion machen koennte, um sie in Europa etwas zugaenglicher zu machen. Zu wuenschen waere es auf jeden Fall!
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THE CLASS ASSASSINS
„State Of Emergency“ CD
( TKO Records / ZCMRecords.com , Release Date: 11. September 2002 )

Hier haben sich fuenf Typen aus Toronto zusammen getan, die vorher in Bands wie VACANT LOT, PROBLEM CHILDREN und DIRECT ACTION gespielt haben. Diese Bands standen eher für DEVIL DOGS Rock’n’Roll oder heftigsten ´80er Hardcore ein, aber das die jetzt geschlossen ihren Stil auf Street-Punk ausrichten, ist irgendwie fuer mich nicht ganz nachvollziehbar. Aber, wen juckt das schon? Dann haben wir eben noch ´ne weitere Band mehr, die in das Horn der SWINGIN´ UTTERS, the FORGOTTEN und anderen guten Kumpels tutet. Und so richtig schlecht sind sie ja auf ihren 12 Tracks auch wieder nicht. Für ein erstes Album mit dem gewissen Kalkuel eingespielt. Aber es fehlt leider ein richtiger Hit! Da bleibt halt nicht sehr viel haengen.
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THE DENTS
„Time For Biting“ CD
( Abbey Lounge Records / ZCMRecords.com , Release Date: 01. Februar 2005 )

Wieder eine von diesen satt produzierten typischen amerikanischen Punk’n’Roll-Bands, die eine sehr ausdrucksstarke Dame am Gesang haben, und ihre insgesamt 11 Tracks auf dem lockeren melodischen Bubblegum-Pop der RAMONES aufgebaut haben. Damit reihen sie sich problemlos in die Riege von Bands wie TINA & THE TOTAL BABES, den HIGHSCHOOL SWEETHEARTS oder MANDA & THE MARBLES ein. Kann man immer wieder hoeren, ohne das es einem dabei furchtbar langweilig wird. Solche Bands muss es einfach geben!
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the DIMESTORE HALOES - „The Ghosts Of Saturday Night“ CD
THE DIMESTORE HALOES
„The Ghosts Of Saturday Night“ CD
( Full Breach Kicks / ZCMRecords.com , Release Date: 2005 )

Lange nichts mehr von Chaz Matthews Bande gehoert gehabt. Dachte schon, das sich die Haloes mal wieder aufgeloest haben. Da lag ich auch gar nicht so falsch, denn wenn ich die Liner-Notes von Chaz im Booklet richtig verfolgt habe, sind diese 10 Songs so was wie eine Abschieds-CD. Die Aufnahmen entstanden zwischen 2001 und 2002 und ein fast jeder aus der Gruppe durfte auch mal den Lead-Gesang uebernehmen. Das hoert sich beispielsweise beim Drummer der Band Jimmy Reject waehrend des Song „Adore Me“ allerdings ziemlich grausam an…, bleib lieber bei deinen Stoecken Junge! Chaz singt wie immer cool wie ein Eisschrank und laesst seine Glam-Gitarre dabei gekonnt aufjaulen. Schmerz und Trauer, ein bisschen Selbstmitleid spielte da auch noch eine ganz wichtige Rolle, irgendwie wirkte Chaz immer so ein wenig wie, ihr seid Schuld, das ich nicht beruehmt geworden bin. Schmoll weiter Chaz! Aber gute Songs konnte er schon immer schreiben, aber da liegt auch das Problem, denn die waren immer einen Ticken zu langatmig und vielleicht auch ein wenig zu cool. Chaz war ein sympathischer Poser, der sich den Vorbildern wie etwa JOHNNY THUNDERS auf eine ziemlich abgefahrenen und gefaehrlichen Art genaehert hatte. Ich haette mich jedenfalls nicht gewundert, wenn man ihn auch mit einer Ueberdosis gefunden haette. Aber das ist alles Schnee von gestern, er hat nun Halt bei seiner Frau/Freundin Jenny Murphy gefunden, die, O-Ton Chaz: „…for making my post-Haloes life so much better.“ Ich hoffe Chaz findet nun seinen Frieden, abseits vom Fake-Punk-Mafia-Biz! Ende gut! Alles gut!
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THE DREAM DATES
„Moans On The Phone“ 12“inch
( ZCM Records / ZCMRecords.com , Release Date: 2005 )

Die 7“inch wurde hier in Zusammenarbeit mit „Re-Force Records“ nun noch mal als 12“inch nachgelegt, und um zwei Tracks on the flipside aufgestockt. Hier wird die Liebe zum Vinyl offen ausgelebt! Das erinnert mich an die Zeiten, wo in England Ende der ´70er neben 7“inch-Versionen auch noch einige 12“inch-Versionen alternativ angeboten wurden, dessen Vinyl dann auch schon mal einen Farbtopf von innen gesehen hatte. Der Titeltrack dieser kanadischen ´79er-Ausgrabung ist das was man einen echten Punk Rock Klassiker nennt! Jederzeit nimmt es dieser Song mit anderen Sternstunden, beispielsweise der FORGOTTEN REBELS, TEENAGE HEAD oder der DIODES auf. Die restlichen drei Tracks „Heartattack Rhythm“, „The Mess You´re In“ und das STOGGES-Cover „Search & Destroy“ hinken hinter „Moans On The Phone“ etwas hinterher, aber immer noch im ueberdurchschnittlich guten Bereich anzusiedeln. Ich gehe jetzt mal davon aus, das damit das komplette musikalische Studio-Arsenal der Dream Dates abgesteckt ist.
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GERM ATTACK
„Bomb Party“ CD
( Wolverine Records / Starkult Promotion , Release Date: 17. Oktober 2005 )

Das passt ja aus musikalischer Sicht schon mal gar nicht! Denn die Berliner Band benannte sich nach einem Song der kanadischen Punkband DAYGLO ABORTIONS. Ich hab deren zweites Album von 1985 „Feed Us Foetus“ immer noch gut im Ohr, und da stossen ja nun mal wirklich grundverschiedene Musiker-Welten aufeinander. Während die Dayglos „Argh, Fuck, Kill“ angepisst bis Kante ins Mikro droehnen, gehen die Berliner hingegen mit dem SEARCHERS-Cover „Sweets For My Sweet“ fein auf Kuschelkurs. Ich weiss ja auch nicht, aber wenn ich mir einen Namen fuer eine Band ausdenke und den moeglicherweise von einem Song von einer meiner Fave-Bands abschaue, dann ist doch automatisch so was wie eine musikalische Verbundenheit eingetreten. Doch hier ist das nun gar nicht der Fall. Auf Germ Attack hab ich eh noch nie gewettet gehabt. Die waren mir schon auf ihren Vorgaenger-Alben zu weich gespuelt und adrett. So auch hier, die 16 Tracks sind ja ganz nett anzuhoeren, aber es fehlt wie immer der rotzfreche Punkrock-Touch. Dafuer gibt es haufenweise seichte Melody-Core-Melodien, bestens geeignet fuer das Mainstream-Volk, die sich zwischendurch auch mal die TOTEN HOSEN oder die ÄRZTE aufs Butterbrot schmieren.
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GOB SQUAD
„Far Beyond Control” CD
( Wolverine Records / Starkult Promotion , Release Date: 17. Oktober 2005 )

Ganz netter Melodic-Core-pUnK aus Daenemark serviert uns hier der Vierer-Block, der sich im Sommer 1996 gegruendet hatte und hauptsaechlich von Bands wie NOFX, RANCID und OPERATION IVY beeinflusst wurde. In den letzten drei Jahren war die Band sehr haeufig auch live in Deutschland, Norwegen, Belgien, Holland, Oesterreich, Schweiz und ihrem Heimatland anzutreffen, so das sie auf ueber 250 Shows kamen. Das bringt automatisch die notwendige Sicherheit am Instrument mit sich und so praesentieren sie ihr zweites Album ziemlich souveraen auf einem deutschen Label. 12 Songs, die mich jetzt nicht wirklich vom Hocker holen, aber auch nicht so wahnsinnig durchschnittlich klingen. Geht schon in Ordnung. Genehmigt!
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KEVIN K AND THE REAL KOOL KATS
„Perfect Sin” CD
( Full Breach Kicks / ZCMRecords.com , Release Date: Fruehjahr 2005 )

Die Real Kool Kats scheinen eine recht zuverlaessige Backin´ Band fuer Kevin K geworden zu sein. Denn, wenn mich nicht alles taeuscht ist dies nach „Addiction“ und „Kiss Of Death“ nun schon das dritte Studio-Album, was er mit den Franzosen eingespielt hat. „Perfect Sin“, der Titelsong ist dann zusammen mit Track 6 „Sometime“ zugleich meine erklaerten Fave-Tracks auf dem 13-Song-Silberling. Hier gibt es wieder den typischen Melodic-Rock’n’Roll-Stuff, den Kevin in den letzten zehn Jahren im Underground bekannt und bekannter gemacht hat. Ansonsten versucht man sich bei den restlichen Songs auch mal auf was Schnelles einzustellen, oder aber Country-Einfluesse bekommen ungeahnten Zugang. Ist zwar ganz okay, denn so kann man als Musiker auch mal andere Baustellen abklappern. Mir persoenlich gefaellt allerdings der Kevin K der Vergangenheit, wie z.B. auf seinem besten Werk „Rule The Heart“ wesentlich besser.
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THE NAZI DOGS
„Chase The Man“ LP
( ZCM Records / ZCMRecords.com , Release Date: 2005 )

So langsam wird es mir sogar etwas zu albern, mich weiterhin um solch eine Punkrock-Nennung im Jahr 2005 zu monieren. Anfang der ´80er hab ich ja schliesslich auch „Nazi School“ von den CRACKED ACTOR oder „Nazi Snotzy“ von den HYPNOTICS mit Begeisterung gehoert. Tue ich eigentlich heute noch, obwohl man damals ueber so etwas nicht so viel nachgedacht hat, wie es heute etwa der Fall ist. Wer 1976 fein aufgepasst hatte, dem ist sicherlich nicht entgangen, das dies natuerlich reine Punkrock-Provokationen waren. In dieser sich brueskierten Haltung bewegen sich weiterhin die Nazi Dogs aus Aachen und setzen das Katz und Mausspiel „boeser Punk – guter Punk“ erfolgreich fort. So wird weiter froehlich vor sich her angeeckt. Schaut sich dazu nur mal einer das Cover an. Die „Easy Rider“-Bikes sind mit George W. Bush und seinem guten Kumpel im Jenseits Adolf Hitler besetzt. Die beiden Groessenwahnsinnigen sitzen laechelend und extrem laessig auf ihren Boecken und fahren dem (Sonnen)-Untergang entgegen. Passend dazu sah ich letztens im Internet ein Photo von einem aelteren Englaender der bei einer Protest-Demo gegen den Irak-Krieg ein Plakat umgehaengt hatte mit den Worten „Adolf Hitler lebt in George W. Bush weiter“. Musikalisch klingt das 11-Song-Paket sehr nach altem rotzigen ´77er Punkrock, mit einem nicht zu leugnendem unterschwelligem Garagen-Sound. Darunter auch die drei souveraen vorgetragenen Coversongs, "Suicide King" (SUICIDE KING), "Mongoloid" (DEVO) und "What´s The Shit Called Love" (the PAGANS). Mit dem ein oder anderen Song koennten sie auch durchaus auf die Sympathien des „Hostage Label“-Umfeld stossen. Und, als wenn ich es geahnt haette, gibt es diesmal ein weiteres Sternchen dazu. Die CD-Version erscheint bald in den Staaten auf „TKO Records“. Glueckwunsch nach Aachen. Das schafft nicht jede Band, Karsten! Bin schon sehr gespannt, ob das „MRR“ diese Scheibe besprechen wird.
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ORLANDO´S PUNK ROCK FLASHBACK & TATTOO ART BOOK
ORLANDO´S PUNK ROCK FLASHBACK & TATTOO ART BOOK
Book
( Orlandos-Tattoo.ch / ZCMRecords.com , Release Date: Maerz 2005 )

Auf 128 Seiten praesentiert Orlando, der Punkrock-Tattomeister aus der Schweiz seine Arbeiten in farbpraechtigen sowie auch typischen schwarz/weiss Punkrock-Abbildungen, beginnend im Jahr 1989 bis quasi heute. Sein Talent dafuer entdeckte er schon verdammt frueh und so war in seinem Kindergarten kein freies Blatt Papier mehr vor ihm sicher. Heute ist er ein anerkannter Kuenstler der Schweiz, der im Underground auf jeden Fall Kultstatus geniessen darf. Nicht all seine Werke treffen dabei meinen Geschmack, und auch so einige Titelbilder, die er damals fuer unser „Scumfuck Tradition“-Fanzine zeichnete, wuerde ich heute beispielsweise in der Form bestimmt nicht mehr uebernehmen wollen. Aber, damals Ende der ´80er machte man sich ueber solche Dinge eh keinen Kopf, denn dieser war zu der Zeit meist mit Alk vollstaendig eingenebelt. Besonders heftig ging es da natuerlich bei unseren Festivals im Duisburger „Old Daddy“ zur Sache, wo Orlando sich ebenfalls bereit erklaert hatte, die Plakatmotive zu zeichnen. Ab und zu zeichnete er auch ein wenig nach unseren Vorschlaegen, und ich traf ihn dann auch irgendwann mal, als er zu Besuch in Duisburg war, und wir mit sechs Leuten in einem Kleinwagen Richtung Aachen unterwegs waren, um uns in der „Rockfabrik“ NAKED RAYGUN anzuschauen. Orlando hat mit den Jahren seinen eigenen Monster-Stil, so will ich ihn mal nennen, weiter verfeinern koennen, und ich kenne keinen anderen Zeichner, der so exakt und ausdrucksvoll seine Gemaelde hinbekommt. Da ist immer nur janz grosses Staunen angesagt! Heute kennt man seine Motive von Postern, Plakaten, Stickern, Labels, Platten-Covern, Oberarmen, T-Shirts oder gar Unterschenkeln. Auf Seite 43 musste ich schmunzeln, da ist sogar der Punk im Auto zu sehen, den er einst für unsere Band, die ZAKONAS entwarf. Und die Zeichnung, die Orlando von mir mal in Windeseile auf Papier gebracht hat, habe ich selbstverstaendlich auch noch. Ich halte sie weiter in Ehren!
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PROPAGANDHI
„Potemkin City Limits“ CD
( Fat Wreck Chords / FatWreck.de , Release Date: 17. Oktober 2005 )

Auf ihrem vierten eingespielten Silberling fuer das „Fat Wreck Label“ werden alle musikalischen Register gezogen. Manchmal klingt es sehr nach satt produziertem Melody-Core, was ich natuerlich an dieser Stelle sehr begruesse, dann werden allerdings groessere Mengen an Speed Metal absorbiert, und die Hardcore-Axt haben die Kanadier auch nicht im Wald vergessen. Durch die unverkennbar politisch orientierte Angriffslinie, die auf alle moeglichen Missstaende dieser verkorksten und kranken Welt abzielen, werden noch weitere Kohlen in den Ofen geworfen, um die insgesamt 12 Tracks auch lyrisch von allen Seiten gut einzufeuern. Ich meine auch, das Propagandhi in ihren Ausfuehrungen manchmal etwas melodischer klingen, als noch auf ihrem Vorgaenger. Da die eben aufgezaehlten verschiedenen musikalischen Richtungen sich in einem Song nicht nur einmal die Klinke in die Hand geben, sondern sich mehrfach ein Rennen um den tonangebenden Machtwechsel liefern, wird der Zuhoerer in den meisten Faellen ziemlich verwirrt zurueck gelassen. Obwohl einige Passagen tolle melodische Momente parat halten, kann und will ich auch nicht so schnell umschalten. Es haette für meine Begriffe ein wirklich tolles Melody-Core-Album werden koennen, aber Speed Metal-Einlagen sind bei mir einfach an der falschen Adresse.
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THE PSYCHOTIC YOUTH
„Bamboozle“ DoCD
( Wolverine Records / Starkult Promotion , Release Date: 07. November 2005 )

Ihre beiden Alben “Some Fun” (1989) und “…Be In The Sun…” (1992) zeigten die Schweden damals auf ihrem musikalischen Hoehepunkt. Danach verlor ich das geniale surfige PowerPop-Punk-Modell aus den Augen. Auch „Bamboozle“, was 1995 zum ersten Mal als regulaeres Album erschien wurde von mir nicht zur Kenntnis genommen. Anfang November 2005, und „Wolverine Records“ sieht sich veranlasst mit einer Bonus Live-CD das Album neu aufzulegen, um sein 10jaehriges zu bejubeln. Ein wenig ueberkandidelt, wie ich finde, haette da viel lieber die oben erwaehnten Alben als Neu-Einspielungen gefeiert. Denn die wuerden einer solchen Veranstaltung auch gerecht werden. Soll jetzt aber nicht bedeuten, das „Bamboozle“ den ganzen Rummel vom musikalischen Aspekt gesehen nicht gewachsen ist. Da sind schon einige sehr gute Songs mit dabei, und wem die nicht ausrechnen sollen, kann die alten Hits der Band wie etwa „Good Times Are Gone“, „Here We Go“ oder „Some Fun“ in rasanten Live-Versionen zu sich nehmen. Wegen der good old times, one more star!
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THE RADICTS / THE BLOOD STAINED KINGS
Split – 7” 2 Songs
( TKO Records / ZCMRecords.com , Release Date: 25. Januar 2005 )

Todd Radict debuetiert hier nach einer langen musikalischen Auszeit mit seiner neuen Band, den BLOOD STAINED KINGS. Das sehr viel versprechende „Ordinary Man” wurde von Daniel Rey produziert, der natuerlich in erster Linie durch seine langjaehrigen Arbeiten mit den RAMONES und den DICTATORS jedem New York City-Vernarrtem Punkrock-Fan ein Begriff ist. Auf der Flipside dieser Split-Single befindet sich mit “When All Is Said And Done” ein unveroeffentlichter Track von Todd´s Vorgaengerband, the RADICTS. Beide Lieder erstrahlen im hellen Lichte des 77er-Punkrock, dessen hohe CLASH-Anteile kaum zu ueberhoeren sind. Das Vinyl ist halb in rotem und halb in gelben milchigen Farbton gepresst worden.
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RED LORRY YELLOW LORRY
„Talk About The Weather“ CD
( Cherry Red Records / CherryRed.co.uk , Release Date: 26. September 2005 )

Anscheinend bekomme ich nach meiner guten Kritik zur SALVATION CD vom August-Update nun auch die Silberlinge aus der „Goth Collectors Series“ zugeschickt. Das kann mir nur recht sein, denn vielleicht verbergen sich hier und da noch so einige Perlen, die ich in den ´80ern im Gruftie-Schuppen „Zwischenfall“ mal gehoert habe. Auch Red Lorry Yellow Lorry passt da wunderbar ins Konzept, und ich kann mir gut vorstellen, das von der Band aus Leeds auch mal was an einem Freitag Abend fuer die Grufties aufgelegt wurde. Aber auf Anhieb erkenne ich leider keinen Song wieder. Macht aber nix, denn die acht Tracks von der Original-LP aus dem Jahre 1985 sind anziehende kleine Duesterwerke, irgendwo zwischen JOY DIVISION, the MISSION, the CULT und SISTERS OF MERCY. Auch JOHN PEEL war von ihnen so begeistert, das er sie kurzerhand fuer zwei Radio-Sessions ins Studio bat. Aufgestockt wurde die CD mit elf Bonus-Tracks, darunter ihre Hit-Singles „Take It All“, „He´s Read“, „Monkey On Juice“ und „Hollow Eyes“. Nicht zu vergessen noch, das vorzueglich aufgemachte Booklet mit ausfuehrlicher Historie, reichlich Coverabbildungen und Texten.
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RUEFREX - „Capital Letters – The Best Of…“ CD
RUEFREX
„Capital Letters – The Best Of…“ CD
( Cherry Red Records / CherryRed.co.uk , Release Date: 17. Oktober 2005 )

Das haette ich nicht zu Traeumen gewagt, das mal eine „Best Of“ von Irland´s Ruefrex auftauchen wird. Dachte immer, das diese Band aus Belfast zu unbekannt waere und in der heutigen Zeit schon laengst in Vergessenheit geraten ist. Aber man hatte die Rechnung ohne „Cherry Red“ gemacht, die die Band wieder ins Schweinwerferlicht gerueckt hat. Die musikalischen Stationen von Ruefrex sind dabei sorfaeltig bis in die hinterste Ecke ausgeleuchtet worden. Obendrauf gibt es eine ausfuehrliche Bandgeschichte im exquisiten Aufklapp-Booklet, dazu auch noch allerhand rare Pictures der Band, und einige Original-Berichte aus der damaligen englischen Musikpresse. Nicht zu vergessen die Texte der Band, die auf der Rueckseite des Booklet abgedruckt sind, versehen mit einer vollstaendigen Discography am Schluss. Ruefrex konnten nie den Bekanntheitsgrad von anderen irischen Bands wie STIFF LITTLE FINGERS, the OUTCASTS oder the UNDERTONES erreichen, und spielten knapp hinter RUDI, the MOONDOGS und PROTEX erst eine Rolle. Das soll aber keinesfalls ihre Musik in Frage stellen. Denn die war schon was ganz besonders. Und das erkannte auch der Macher vom „Good Vibration Label“, Terri Hooley recht schnell und brachte 1979 das Debuet der Band in Form einer 3-Song-e.p. mit dem Titel „One By One“ raus. Doch so richtig eingeschlagen haben Ruefrex erst bei mir 1983 mit ihrer zweiten 7“inch „Capital Letters“. Das war zu der Zeit ein unglaublich rotzig vorgetragener Punkrock-Smasher mit hohen BUZZCOCKS-Anteilen. Ihre zweite Single „Paid In Kind“ ging damals 1984 leider an mir vorbei, erst zwei Jahre spaeter wurde ich durch die hypermelodische 7“inch „The Wild Colonial Boy“ wieder auf sie aufmerksam. Der Sound hatte sich mit den Jahren um einiges veraendert. Sie hatten sich nun wie STIFF LITTLE FINGERS auf der „Now Then“-LP, oder wie die OUTCASTS auf der „Blood And Thunder“-LP musikalisch weiter entwickelt und spielten einen rockigen Pop-Sound, der aber immer noch genuegend Angriffslust aus alten Punkrock-Tagen verspruehte. Das allein wurde aber auch schon durch die sehr politischen Texte zum Ausdruck gebracht. Neben den eben erwaehnten vier 7“-inches ist auch eine gute Auswahl aus dem ´85er Album „Flowers For All Occasions“ und der ´87er MLP „Political Wings“ zusammen getragen worden, sowie bisher drei unveroeffentliche Tracks aus der „Political Wings“-Session, „Fightin´ 36th“, Between Having And Wanting“ und „Middle Ground“. Auch die letzte Single der Band aus dem Jahre ´86, „In The Traps“ und deren B-Seite „Leaders Of The Last Resort“ findet man hier. Alles in allem ist diese CD eine wunderbare Ansammelung von einer Band, die insbesondere in den ´80er die irische Independent-Szene gepraegt hat. Denn auch ein Bono von U2 war schon damals einer der ersten Fans von Ruefrex gewesen.
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SCHLEPROCK - „Learning To Fall“ CD
SCHLEPROCK
„Learning To Fall“ CD
( People Like You Records / Starkult Promotion , Release Date: 15. August 2005 )

1996 wurde ich das erste Mal auf Schleprock (was fuer ein merkwuerdiger Bandname!) aufmerksam. Da existierte die Band bereits seit 1989. Ich legte mir ihr Major-Debuet fuer „Warner Bros Records“ zu. „(American´s) Dirty Little Secret“ war ein sehr intensives Album, dessen insgesamt 12 Tracks sich stark am englischen Punk Rock a la STIFF LITTLE FINGERS, the CLASH, SHAM 69 und COCK SPARRER orientierte. Von letzterer Band coverten sie uebrigens „Running Riot“, und das nahezu perfekt. Ich hatte also wieder eine astreine Band fuer mich entdeckt. Ein knappes Jahr spaeter waren Schleprock allerdings schon wieder Geschichte. 2001 meldeten sich ihre Original-Mitglieder, Saenger Doug Kane und Schlagzeuger Dirty Ernie mit ihrer neuen Band the GENERATORS eindrucksvoll zurueck. Da Doug eine so markante Stimme besass, erkannte man ihn auf Anhieb. Und so koennte man durchaus annehmen, das es sich bei der 21-Song-Kollektion, um verschollene fruehere Generators-Aufnahmen handelt. Denn auf musikalischer Ebne unterscheiden sich die beiden Bands nicht wirklich. Man sagte Schleprock in der Vergangenheit nach, das sie Anfang der ´90er vom melodischen Pop-Punk beeinflusst wurden. In der Richtung hoere ich allerdings nicht sehr viele Uebereinstimmungen raus. Schleprock spielten eigentlich seit ihrer Gruendung hauptsaechlich mit den Elementen des britischen Punk Rock. Und evtl. kann man auch noch gewisse Ska-Einlagen hier und da mal gut erkennen. Von 1990 bis 1997 brachten sie es auf sage und schreibe sechs Singles und fuenf Alben. Ein betraechtlicher Output für diese kurze Zeit! Diese CD repraesentiert einen wunderbaren Querschnitt, wobei man unbedingt noch erwaehnen sollte, das sechs Tracks dabei sind, die vorher noch auf keiner Schleprock-Platte zuhoeren waren. Inklusive das komplette und wesentlich rauer eingespielte Demo, was ihnen den Deal mit „Warner“ einbrachte. Und nicht zu vergessen die brillant gespielten Cover-Versionen von „Outlaw“ (CHRON GEN.) und „Freak Of Nature“ (the RAMONES). Doug Kane aka Dagger hat zu allen Songs im Booklet noch einige Liner-Notes parat. Das Album ist im uebrigen ein Tribute an Gitarrist Jeff Graham, der 2002 an einer Ueberdosis starb.
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SCREECHING WEASEL - "Weasel Mania" CD
SCREECHING WEASEL
„Weasel Mania“ CD
( Fat Wreck Chords / FatWreck.de , Release Date: 03. Oktober 2005 )

Na? Damals aufgepasst in der Rock’n’Roll High School? Die Screeching Weasel tun es ihren großen Vorbildern nach und veroeffentlichen ganz im Stile der „Ramones Mania“ 34 Tracks in remasterter Form aus 13 Veroeffentlichungen! Aus heutiger Sicht der perfekte Neu-Einstieg in die Welt der Hauptakteure von Screeching Weasel, Ben Weasel, Danny Vapid, Jughead und Danny Panic. Die Band hat eigentlich genau das Kunststueck vollbracht, was die RAMONES einst vorgemacht haben. Ben und sein Gefolge sind in all den Jahren musikalisch nie auf die Schnauze gefallen, sind sich ihrem Minimalisten-Stil unbedingt treu beblieben, und gelten fuer mich immer noch zum einzigen legitimen Nachfolger von Joey & Co. Ich hatte sie spaetestens seit dem ´91er-Album „My Brain Hurts“ in mein Punkrock-Herz geschlossen gehabt und danach fleissig weiter ihre Alben gesammelt. Im Booklet gibt es noch einige interessante Geschichten von Ben, Jughead und Danny Vapid nachzulesen.
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STREET BRATS - „You´ll Never Walk Alone” 7” 3-song-e.p.
STREET BRATS
„You´ll Never Walk Alone” 7” 3-song-e.p.
( Full Breach Kicks / ZCMRecords.com , Release Date: Ende 2004 )

Diese Band aus Chicago trifft haargenau meinen persoenlichen Geschmack! Hier stimmt einfach alles! Das Tempo, der Gesang, die Refrains der Gitarrensound, die Produktion….., perfekter geht es nicht mehr! Die Melodien der drei Songs haben sich sofort in mein Hirn festgesetzt. Drei flotte und extrem mitreissende Punkrock-Hymnen die von nun an fuer die Ewigkeit bestimmt sind! Klassische Attribute des ´77er-Sound vermischen sich mit den genialen Momenten des britischen Power-Pop. Diese Band hat mich vom Fleck weg begeistern koennen. Das kommt heute bei mir nur noch hoechst selten vor. Und so habe ich mich in den ersten Tagen, seit Erhalt der Single, drei bis vier Mal vorm Plattenspieler wieder gefunden, um dieses kostbare Punkrock-Juwel immer wieder umzudrehen, und es vom Neuen zu hoeren. Wer zu den Refrains von „You´ll Never Walk Alone“ und „I Remember“ nicht augenblicklich feuchte Augen bekommt, sollte als Alternative, zum Ausdruck der innerlichen Begeisterung, vielleicht dann ins naechst beste Tischbein beissen. Einen besseren Einstand in die Welt der kleinen Labels haette sich „Full Breach Kicks“ mit dieser Release nicht wuenschen koennen. Punkrock, so wie es beim 3RD seit Jahren in dicken fetten Lettern gross geschrieben wird!
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V.A.: „AUFBRUCH IN DIE ENDZEIT“ DVD
V.A.: „AUFBRUCH IN DIE ENDZEIT“
DVD
( Empty Records / Empty.de , Release Date: 04. Juli 2005 )

War doch ziemlich ueberrascht, das ich diesen Film in grauer Vorzeit schon mal auf einer VHS-Cassette gesehen habe. Eine knappe Stunde wird uns in der Dokumentation vor Augen gefuehrt, was 1979 und 1980 in Deutschlands Staedten im Punk- und New Wave-Bereich so alles auf dem Vormarsch war. Meine Gefuehle sind da eher gemischt. Ich war in der Zeit das typische Punker-Kid, das auf U.K. SUBS, ANGELIC UPSTARTS, the RUTS und COCKNEY REJECTS stand. Deutsche Bands hatten bei mir kaum eine Chance gehoert zu werden, da mir der hohe Kuenstler und arty farty Studenten-Anteil maechtig auf die Nerven ging. Heute sehe ich das allerdings etwas lockerer. Natuerlich bekomme ich auch noch heute beim Anblick von Bands(?) wie FREIWILLIGE SELBSTKONTROLLE, DER PLAN, MANIA D und den Bonus-Tracks von LIAISONS DANGEREUSES, WIRTSCHAFTSWUNDER und MALARIA das kalte Grausen, aber diesmal hab ich im Gegensatz zu frueher, als ich diesen Geraeusche-Dreck hasste wie die Pest, ein kleines Laecheln auf den Lippen liegen. Erst so richtig interessant wird es für mich bei ABWÄRTS, DER MODERNE MANN, DAF, KFC und ZK. Der KFC war auf der Buehne immer für Ueberraschungen gut gewesen. Konnte mich da 1980 auf dem „Ungewollt“-Festival im Duisburger Hippie-Zentrum „Eschhaus“ selbst von ueberzeugen. Und das kurze Interview im Anschluss an „Ich bin stumpf“ und „Für Elsie“ ist einfach nur koestlich und bringt das typische ´80er-Punkrock-Verhalten gut zum Ausdruck. Nur musikalisch hatten alle Combos damals nicht wirklich was auf der Pfanne, deshalb auch mein sturer Blick in Richtung England, wo fast alle Bands musikalisch weit überlegen waren. Trotzdem bleibt es unterm Strich eine wichtige Dokumentation, die den Zeitgeist der ´80er sehr gut widerspiegelt.
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V.A.: PROTECT - „A Benefit For The National Association To Protect Children“ CD
V.A.: „PROTECT”
„A Benefit For The National Association To Protect Children“ CD
( Fat Wreck Chords / FatWreck.de , Release Date: 17. Oktober 2005 )

Todd Taylor vom kalifornischen “Razorcake”-Fanzine erklaert im Booklet, um was es bei „Protect“ geht. „Protect“ setzt sich fuer den Schutz der Kinder in den USA ein. 26 Bands haben sich zu diesem Benefiz zusammengefunden, die meisten dabei natuerlich aus dem Umfeld von „Fat Wreck”, wie etwa AGAINST ME!, MxPx, ANTI-FLAG, the SOVIETTES, WESTERN ADDICTION, SMOKE OR FIRE und NOFX selbst. Besonders die mir unbekannten Bands wie COMMUNIQUE oder DEAD TO ME wissen mit ihren melodischen PopPunk-Songs richtig gut zu gefallen. Uebrigens, von den Darbietungen sind bisher 15 Stuecke unveroeffentlicht! Wer mehr ueber „Protect“ erfahren moechte sollte sich unter protect.org einklicken, aber vorher nicht die drei magischen W´s vergessen einzutippen. Fuer die guten Sachen im Leben werden von meiner Stelle selbstverstaendlich immer fuenf Sternchen vergeben.
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V.A.: „REDEFINING SCENES 2“
CD
( Finger Records / ZCMRecords.com , Release Date: 2004 )

D.I hauen ja immer dann was raus, wenn man gar nicht damit rechnet. So wie auf diesem 16-Song-Sampler. „Gutters Of Paradise“ ist wieder so typisch fuer die Band, und spaetestens nach der neuen ADOLESCENTS-CD muss man immer mit einem Angriff der alten Orange County Brigade rechnen. Vielleicht kommt da von Casey & Co doch noch mal so was wie eine komplette full-length zustande, aber bitte dann auch nur solche Songs wie „Gutters Of Paradise“ oder das geniale „O.C.´s Burning“ vom vierten „OLD SKARS & UPSTARTS“-Sampler. Fuer eine weitere Ueberraschung sorgen FIRECRACKER 500, die genauso leidenschaftlich den O.C.-Sound in ihrem Song „Rejects Of The Middle Class“ abfeiern. Eigentlich wird musikalisch weiter auf diesem hohen Niveau verfahren, Bandnamen wie CHANNEL 3, the SKULLS, CIRLE JERKS, BROKEN BOTTLES oder ELECTRIC FRANKENSTEIN (endlich mal wieder ein richtig guter Punkrock-Song von ihnen!) unterstreichen dies noch mal nachdruecklich. Einige weniger bekannte Bands wie etwa the ROLEMODELS, DEK, EL NADA, UNIT oder OUTLIE koennen da ebenfalls verdammt gut mithalten und fuehlen sich im Kreise des kalifornischen Punkrock-Sound der alten Schule pudelwohl. Der Sampler birgt wirklich einige richtige Highlights und diese entspringen zum groessten Teil der offiziellen Releases auf „Finger Records“. Zu vergleichen ist dieser starke Output etwa mit den Zusammenstellungen von Duane Peters. Muss mich in Bezug auf „Finger Records“ in Zukunft auf jeden Fall schlauer machen!
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VANILLA MUFFINS
„The Greatest Sugar Oi! Swindle” CD
( Sex Machines Records / ZCMRecords.com , Release Date: 2004 )

Nicht wirklich mein Fall. An sich ein ganz gut produzierter Mix aus Oi! und Punk’n’Roll, den uns da das Swiss-Trio auf 12 Songs verteilt serviert, und der mich manchmal sogar von den Melodien her oefters an die alten COCK SPARRER erinnert. Dann aber doch in ihrer Machart ein wenig zu einfach und ideenlos gestrickt, und spaetestens beim Schlachtruf-Groeler „FCB“ wird mein Humor doch zu arg strapaziert.
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THE WINKS
„Too Hot To Be This Cool“ CD
( Super Secret Records / ZCMRecords.com , Release Date: Mai 2005 )

Bei den insgesamt 13 Tracks dieser Maedchen-Band aus den Staaten geht es extrem trashig zu Werke. Weiss nicht, ob das unbedingt Sinn macht mit doch arg begrenzten Spielmoeglichkeiten direkt eine ganze full-length rauszukloppen. Denn die Songs aehneln in ihrem Aufbau doch viel zu sehr. Immer die gleichen Rock’n’Roll-Akkorde werden rauf- und runter genudelt. Auch die Stimme ihrer Saengerin mag mich nicht besonders zu ueberzeugen, zu einfallslos und null variabel, tja und das Schlagzeug ist aufgrund einer fast mangelhaften Produktion so hohl wie ein Kochtopf aus den 70ern. Von den Live-Qualitaeten der Maedels kann man sich dann auch noch im Anschluss auf dem CD-Rompart ein Bild von machen. Aufgenommen in einem typischen US-Club, der anscheinend nur von engen Freunden der Band an diesem Abend frequentiert wurde. Und das sind nicht gerade sehr viele. Trotzdem wuerde ich die ganze Schose hier nicht komplett an die Wand fahren wollen, denn die musikalische Richtlinie a la DEVIL DOGS und RAMONES ist im Grunde genommen ganz gut getroffen.
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