* * * * * * Real Classic! , * * * * * Great Stuff! , * * * * Very Good! , * * * O.K. , * * Poor! , * Real Bullshit!

So, hier nun das Update fuer Oktober. Das Update fuer November erfolgt Anfang Dezember 2008.  Alle Reviews, wie immer, besprochen von Ralf Real Shock.

 

THE BOYS - „The Punk Rock Anthology“ DoCD
THE BOYS
„The Punk Rock Anthology“ DoCD
( Anagram Records / CherryRed.co.uk , Release Date: 22. September 2008 )
Sich evtl. mal an die Aufnahmen der BBC Sessions zuheften, waere wohl weitaus interessanter gewesen, als wieder „nur“ eine „Best Of“ mit den bekannten Boys-Klassikern zusammen zustellen. Denn eben gerade diese insgesamt 20 Tracks, die die Boys in den 70ern fuer die BBC eingespielt haben, sind bisher nur auf „Vinyl Japan“ 1999 als CD und LP erschienen. Naja, man kann wohl nicht alles haben, aber ich denke, dass irgendwann auch diese Songs wieder den Weg auf ein neues CD-Release finden werden. Bis es soweit ist, kann man sich dieser Doppel-CD ausfuehrlich widmen, die immerhin sechs zuvor unveroeffentlichte Studio-Demos aus den Jahren ´76 bis ´79 zu Tage fuehrt, und, die dabei in erstaunlich guter Verfassung sind. Im Booklet findet man dann zu allen Liedern noch einige Liner-Notes von Steve Metcalfe, der die offizielle Website der Boys betreut, sowie eine komplette Band-Diskographie und ein Foto-Abdruck in der Mitte des Booklet von nahezu allen Veroeffentlichungen. Man beachte dabei das Cover ganz unten links. Ja genau, das ist das besagte „BBC Session“-Album! Auch dieses Werk hier reiht sich in die tadellose Co-Produktion mit „Captain Oi!“ ein, was soviel bedeutet, das die Songs natuerlich fein saeuberlich von Tim Turan remastert wurden.
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BRIAN JAMES GANG - „New Rose 2006” MCD        BRIAN JAMES GANG - s/t CD
THE BRIAN JAMES GANG
„New Rose 2006” MCD
s/t CD
( Easy Action / EasyAction.co.uk , Release Date: 2006 )
Ganz in Vergessenheit geraten sind diese beiden CDs hier. Darf ja eigentlich in einem gut gefuehrten Haushalt nicht passieren, aber soll bekanntermassen vorkommen. Ich hatte ja 2001 beinahe das Glueck gehabt die Gang vom Ex-DAMNED-Gitarristen Brian James in London beim „Punk Aid Festival“ im „100 Club“ zu sehen, aber leider fiel ihr Auftritt aus. Angeblicher Grund: James war zu sehr damit beschaeftigt, an einer LORDS OF THE NEW CHURCH-Reunion zu feilen. Ich fand dies damals schon fuer absolut hirnrissig, ohne Stiv Bators solch ein Vorhaben ueberhaupt in Erwaegung zu ziehen. Aber ich glaub, James hat sein Ding tatsaechlich mit einem anderen Saenger irgendwie ans Laufen gebracht. Was eine arme Geschichte! Ein wenig mehr Wuerde haette ich James allerdings schon zugetraut. Nun, er scheint aber mittlerweile von diesem skurrilen Reunion-Szenario Abstand genommen zu haben. Denn seit geraumer Zeit ist er mit seiner Gang unterwegs und spielt dabei eine Kombination aus Alt-Punk, Garage, Detroit Rock und Blues! Den Einstieg machte eine neue Version des DAMNED-Klassikers „New Rose“. Natuerlich kommt die Neufassung von 2006 nicht einmal in die Naehe des brillanten Originals, aber sicherlich versprueht diese Vorstellung auch einen gewissen Charme. Mit dabei ist uebrigens auch Bassist Dave Tregunna aus alten LORDS OF THE NEW CHURCH-Tagen. Daher duerfte es niemanden sonderlich wundern, dass der zweite Song der MCD ein weiteres Cover ist, diesmal natuerlich was von LOTNC und zwar „Method To My Madness“. Bekommen die beiden Herrschaften auch ganz ordentlich auf die Reihe, obwohl auch hier das Original nicht zu toppen ist. Dass James schon sehr frueh die Vorzuege einer Solo-Karriere erkannt hatte, duerfte hinlaenglich bekannt sein. Nach seinem ersten Ausstieg bei THE DAMNED im Herbst 1978 brachte er in Rekordzeit eine 7“inch („Why? Why? Why?“) und eine 12“inch (Ain´t That A Shame“) unter seinem Namen raus, und, unter TANZ DER YOUTH die grandiose Single „I´m Sorry“, I´m Sorry“. James, ein gluehender Verehrer der STOOGES und MC5, hat seine musikalischen Vorlieben auf die naechsten beiden Songs mit „(I´ve Been) Looking Back“ und „V.I.P.“ ausgezeichnet uebertragen koennen. Im Anschluss folgt ein laengeres Interview mit James, wo er ausfuehrlich Rede und Antwort ueber seine Laufbahn steht. James ist aufgrund der deutlichen Aussprache sehr gut dabei zu verstehen. Zeitweiliges Genuschel kommt nur von der Fragenstellerin, also das Teil kann man sich in einer ruhigen Minute durchaus mal geben. Die 10-Song-CD faellt dann allerdings fuer meine Begriffe merklich ab. Gut, der Opener „Catch That Bird“ erinnert zunaechst an das SEX PISTOLS Gitarren-Riff zu „Did You No Wrong“. Aber ansonsten tobt sich James auf seiner Gitarre ganz klar in Richtung STOOGES und MC5 aus, was durchaus mal ganz schoen nerven kann. Sein Gesang hingegen klingt ein wenig wie Knox von THE VIBRATORS, wie etwa beim zweiten Song der CD, „Shadow Lie Light“, und ich meine auch hier und da mal den rockigen VIBRATORS-Sound etwas rauszuhoeren. Bei dem Song „Eye Witness“ griff er auf Poly Styrene als Duettpartnerin zurueck. Wer allerdings auf den Sirenengesang wie einst bei X-RAY SPEX wartet, wird herbe enttaeuscht. Poly singt richtig, oder vielmehr, sie kann richtig singen, und das sogar ausgezeichnet. Leider ist die Nummer ein rein akustisches Folk-Vergnuegen, der etwas zu schraegen Art. „Green Worms“ hingegen koennten vielen BLUES BROTHERS-Fans gefallen. Unterm Strich bleibt „V.I.P.“, von der MCD her schon bekannt, der einzige Song, der ueberzeugen kann, und den man mit gar nicht so viel guten Willen durchaus als eine cool abgefuckte Garagen-Punkrock-Nummer bezeichnen kann.
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DILLINGER FOUR - „Civil War“ CD
DILLINGER FOUR
„Civil War“ CD
( Fat Wreck Chords / FatWreck.com , Release Date: 10. Oktober 2008 )
Sechs lange Jahre mussten Fans von Dillinger Four auf ein neues Studio-Album warten. In dieser Zeit hat sich auf dem Independent-Sektor schon der ein oder andere Einfluss geltend gemacht. Bestes Beispiel: BILLY TALENT! Diese Band hat nachweislich gerade im Punkrock- oder Hardcore-Bereich seine negativen Eigenschaften hinterlassen. Dillinger Four bewegten sich zuvor auf benachbarten Gebieten und haetten durchaus einbrechen koennen. Dem ist aber nicht so. Sie blieben lieber in ihrer Spur und so hoeren sich die 13 Songs auch nicht wirklich ueberraschend an. Den Fan wird es freuen! Ihr melodisches HC-Brett bleibt uns vor Screamo-Attacken sicher, und LEATHERFACE, BLACK FLAG und DESCENDENTS lassen dabei immer noch schoen gruessen. Gut so!
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HAMBURG RAMONES - „Long Black Hair“ CD
HAMBURG RAMONES
„Long Black Hair“ CD
( Nicotine Records / Hamburg-Ramones.de , Release Date: 15. Oktober 2008 )
Mit neuer Besetzung ging es im Mai 2007 an die Arbeiten zum zweiten Album. Als Produzent fungierte Jenzzz Gallmeyer, der wohl am ehesten durch GIGANTOR bekannt sein duerfte, und auch am Bass aktiv mitwirkte. Fuer die Drums holte man sich Marky Honk, der frueher bei der Hannover Punk-Legende ROTZKOTZ getrommelt hatte. Von der Erstbesetzung sind logischerweise nur noch Gitarrist Ecki und Saenger Tommy dabei, wobei Ecki Ende der 70er bei DER MODERNE MAN mitgewirkt hatte, dessen Single „Umsturz im Kinderzimmer“ ich in beiden Ausfuehrungen vor einigen Wochen bei eBay fuer gutes Geld verkauft habe. Naja, irgendwie muss man sich ja die kostspieligen Japan-Punkrock-CDs von STAR CLUB, STRUMMERS und RYDERS weiter finanzieren. Aber, ich weiche ab. „Long Black Hair“ ist in Schweden bei „Nicotine Records“ auf CD und in Italien bei „Tornado Ride Records“ auf coloured Vinyl erschienen. Das wird die Band ueber die Hamburger Stadtgrenze hinaus natuerlich auch auf internationaler Ebne bekannter machen. Nach dem ersten Hoeren der neuen CD haetten sie es auch verdient! Im Gegensatz zu ihrer ersten Scheibe sind die insgesamt elf Songs (inkl. dem Bonus-Track „Dancing On The Graves“) viel satter produziert worden, und auch das allgemeine Songwriting legt noch eine gute Schueppe drauf. Allerdings, womit ich mich schwer tue, ist der Gesang. Das klingt mir einfach nicht wirklich nach den RAMONES und fuer meinen Geschmack leider zu harmlos. Ein ueberdeutliches Englisches kommt da immer wieder zum Vorschein, ein wenig mehr Rotz und auch mal ein Wort ziehen wie Kaugummi, so das es voellig unverstaendlich auf den Hoerer wirkt, haetten dem Gesamt-Produkt in jedem Fall viel besser getan. Schad!
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HENRY FIATS OPEN SORE - „Mondo Blotto” LP
HENRY FIATS OPEN SORE
„Mondo Blotto” LP
( Alien Snatch! Records / AlienSnatch.com , Release Date: 28. Maerz 2008 )
Angenehm ueberrascht hat mich diese LP hier. Keinen Pfifferling haette ich mehr auf die Band nach ihren ersten Vinyl-Vorstellungen gesetzt. Der Kaputnik-Sound bestimmt zwar weiterhin klar das Bild, aber dieser ist nun nicht mehr so furchtbar billig und verschrammelt abgemischt worden. Ja, auch fuer meine empfindlichen Ohren eine sehr ansprechende Produktion! Markant abgehackte und ziemlich einfallsreiche Melodien im rasanten Tempo geben den Ton an. Geht definitiv in Richtung „Killed By Death“-pUnKrOcK neueren Datums. Aber leider sind auch vereinzelt Jazz- und Blues-Elemente bei dessen insgesamt twenty short-cuts zu vernehmen, die so gar nicht nach meinem Geschmack sind. Trotzdem, Punk Rock spielt die erste Geige! Und ich meine erkennen zu koennen an welchen Bands sich die Schweden mit Sicherheit in der juengsten Vergangenheit rein musikalisch vergriffen haben. Ich zaehl mal einfach auf: DEAN DIRG, CELLOPHANE SUCKERS, RIP OFFS, HIVES, WEIRDOS, BRIEFS. Reicht doch, oder?
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THE HYPERJAX - „The Wildest Card“ CD
THE HYPERJAX
„The Wildest Card“ CD
( Cherry Bomb Recordings / CherryRed.co.uk , Release Date: 20. Oktober 2008 )
Die Hyperjax aus dem Nordwesten Englands gelten schon seit geraumer Zeit als einer der ersten Anwaerter der neuen Generation an Psychobilly-Bands im Lande. Nun, der Begriff Psychobilly trifft es wirklich nur recht sporadisch, wenn man sich mal die Breitband-Palette des mittlerweile dritten Studio-Albums genauer unter die Lupe nimmt. Denn die vier Jungs surfen auch sehr gerne in etwas anderen musikalischen Gefilden. Zum Beispiel erinnert ihr dritter Song „No Expectations“ eher an eine reine Punkrock-Nummer, wo man deutlich den Einfluss von THE CLASH oder aber auch aktuellen US-Punk-Bands gut raushoeren kann. Man versucht sich meist schon viel eher am Punk Rock zu orientieren, als an irgendwelchen verblichenen Psychobilly-Groessen. Bei „Main Spirit Weind“ denke ich an RANCID und ihre etwas ruhigeren Nummern und der im Anschluss folgende Song „Talkin´ New York City“ zielt ganz klar in Richtung RAMONES ab. Und das gilt eigentlich auch im Grossen und Ganzen fuer die restlichen Lieder. Waere ja auch sozusagen von meiner Seite aus alles in Butter, aber ich werde mit dem Gesang einfach nicht warm, und ganz ehrlich, eine musikalische Glanzleistung ist das nun auch wiederum nicht. Vielmehr ganz ordentlich gespielter Punk, den es aber heutzutage an jeder Strassenecke gibt.
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THE JAM - „Trans Global Unity Express” DVD
THE JAM
„Trans Global Unity Express” DVD
( Cherry Red Films / CherryRed.co.uk , Release Date: 18. August 2008 )
Das ist ja ein Ding! 1985 erschien das Konzert aus der „Bingley Hall“ in Birmingham auf VHS. Und zwar in einer knapp 80 Minuten-Fassung. Die nun erhaeltliche DVD-Release geizt nur mit einer Version von insgesamt neun zusammen geschnittenen Songs und laesst dabei locker 50 Minuten einfach unter dem Tisch fallen. Woher ich das weiss? Nun, ich hab so meine Verbindungen und bekam vor wenigen Monaten die Voll-Version der VHS im ueberarbeiteten und restaurierten Zustand als DVD-Mint-Copy zugeschickt. Eine halbe Stunde auf DVD raus zuhauen, obwohl man genau darueber unterrichtet ist, dass das Originalmaterial weitaus laenger ist, ist eigentlich ziemlich dreist. So muss man tatsaechlich auch noch auf jede Menge Hits wie etwa „Boy About Town“, „Running On The Spot“, „In The Crowd“, „The Butterfly Collector“ oder „When You´re Young“ verzichten und sich mit einigen nicht so tollen Jam-Songs zufrieden geben. Uebrigens, support machten damals an diesem Sonntagabend im Maerz´82 RUDI aus Irland, und das Ticket kostete gar mal laeppische 4.50 Pfund! Leider ist die Bildqualitaet, auch wenn fuenf Kameras postiert waren, nicht gerade ueberragend! Aber das liegt, wie so oft in den 80ern, an der spaerlichen Ausleuchtung der Buehne. So blickt man die meiste Zeit auf einen dunklen Bildschirm und bekommt oftmals nur schemenhaft mit, wie die drei Haupt-Akteure Paule, Ricky und Brucie den Auftritt mit ihrer kleinen Fraktion an den Blass-Instrumenten absolvieren.
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KALTFRONT - „Zieh Dich warm an“ CD
KALTFRONT
„Zieh Dich warm an“ CD
( Teenage Rebel Records / Teenage-Rebel.de , Release Date: 10. Oktober 2008 )
Ein zeitloses ostdeutsches Dokument ueberlieferter Punk-Tage aus Dresden. Entstanden im Zeitraum von 1987 bis 1990 spiegeln die insgesamt zwanzig qualitativ durchaus passablen Demo-Tracks holprigen, teils etwas unbeholfenen wirkenden Wave-Punk wider, der fuer die Zeit im Osten bei den wenigen Grossstadt-Bands ziemlich praegend war. Einen direkten 1:1-Vergleich zu FEHLFARBEN halte ich indes fuer etwas zu hoch gegriffen, aber es geht schon so ungefaehr in diese Richtung. Das kann man sicherlich nicht von der Hand weisen. Im aufwendig gestalteten Booklet gibt es selbstverstaendlich alle Texte zu den Songs, einige raren Fotos der Band und ausfuehrliche Informationen zu den vier verschiedenen Demo-Sessions.
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KEINE ZUKUNFT WAR GESTERN – Punk in Deutschland (Buch)
KEINE ZUKUNFT WAR GESTERN – Punk in Deutschland
Buch
( IG Dreck auf Papier / Jugendkulturen.de , Release Date: Oktober 2008 )
Niemand hatte am Anfang dieses Buches wohl nur die leiseste Ahnung, dass sich am Ende ein wahres Mammutwerk vom „Punk in Deutschland“ erschaffen laesst. Aber der Zuspruch ehemaliger oder noch immer aktiver Szene-Menschen war so enorm, das man sicherlich noch locker 100 Seiten haette dranhaengen koennen. Wichtig hierbei ist, es kommen keine bekannten Szene-Nasen aus Funk und Fernsehen zu Worte, sondern Leute von der Basis und fuer die Basis. Leute, die mit Punk (stein)alt geworden sind, die Punk als eine Lebenseinstellung ansehen und wo die Optik bei vielen heutzutage keine Rolle mehr spielt. Vielmehr kommt es darauf an, was ein jeder im Kopf hat, und wie er gedanklich seinen ganz eigenen individuellen „Dreck auf Papier“ bringt. Das ist in fast allen Faellen geglueckt. Die Storys sind spannend, erzaehlen von einer anderen Zeit, als man als Punk entweder gefuerchtet, gejagt oder zusammen geschlagen wurde. Gefaehrlich war es allemal, aber man war einfach in dieser merkwuerdigen total absurden Position, wo man sich auf besondere Art und Weise so unangreifbar fuehlte, dass man das alltaegliche bloede Hinterherglotzen der Spiessbuerger, die doofen Anmache-Sprueche auf der Arbeit und in der Schule, oder die Wut-Attacken von Sauf-Prolls und Nazi-Opas in Kauf nahm. Man war frech, aufsaessig, sein eigener kleiner Rebell, und nannte die Dinge beim Namen. Keine andere Jugend-Kultur hat dies bis heute so klar und offensichtlich getan. Dieses Buch macht all das noch einmal unmissverstaendlich deutlich. Und ist aus diesem Grund das bisher beste Buch in Sachen „Punk in Deutschland“. Ein Wahnsinns-Aufwand wurde betrieben, denn auch bei der Bebilderung hat man sich keineswegs lumpen lassen. Eines der besten Fotos fuer mich ganz persoenlich, wo ich genau merke, Real Shock, hier gehe ich einige Jahre zurueck in die Vergangenheit, ist auf Seite acht zu finden. Man spuert beim Aufschlagen einer jeden neuen Seite, mit wie viel Hingabe und Leidenschaft man an diesem Buch gearbeitet hat. Ich hoffe ein Marcel Reich-Ranicki und eine Elke Heidenreich wissen dies auf der Leipziger Buchmesse im Maerz 2009 ebenfalls zu wuerdigen!
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LONG TALL TEXANS - „Saturnalia” CD
LONG TALL TEXANS
„Saturnalia” CD
( Anagram Records / CherryRed.co.uk , Release Date: 29. September 2008 )
Diese Band sollte eigentlich jedem ein Begriff sein, der sich in der Welt des Psychobilly bewegt. 2008 feiern die Englaender nun ihr 25jaehriges Bestehen und aus diesem Anlass wurde von „Cherry Red“ dieses Heissbegehrte Album der Band, was lange Zeit vergriffen war, im Original-Artwork wieder veroeffentlicht. Auf „Saturnalia” befindet sich mit “Get Back Wetback” der wohl bekannteste Song von Long Tall Texans. Im Booklet erinnern sich alle drei Mitglieder der Band sehr ausfuehrlich, wie das Album, damals 1989 mit seinen insgesamt 10 Tracks entstanden ist. Uebrigens gibt es im Anschluss noch vier Bonus-Songs oben drauf.
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LUXURY SWEETS - „Wishing Well” (Split-7inch)        THE GREATEST HITS - For Our Hearts” (Split-7inch)
LUXURY SWEETS / THE GREATEST HITS
„Wishing Well” / „For Our Hearts” Split-7”
( DesertIslandDiscs / MySpace.com/DesertIslandDiscsSeattle, Release Date: September 2008 )
Einfach mir nichts dir nichts ohne jegliche Infos dazu bekam ich diese Single aus Seattle gemeinsam mit einer weiteren Split-7“ von THE TOUGH SHITS und erneut mit THE GREATEST HITS (weiter unten in den Reviews zu finden) zugeschickt. Nach kurzer Recherche im Internet fand ich heraus, dass das Label mich ueber MySpace ausfindig gemacht haben muss. Eine andere Erklaerung gibt es nicht! Die dachten da wohl, ich waere fuer ihre Produkte ein guter Ansprechpartner. Nun, sie sollten Recht behalten! LUXURY SWEETS aus Kalifornien nehmen dich ab der ersten Sekunde an mit ihrem Song „Wishing Well“ direkt in Beschlag. Ein ueberaus schnittiger PowerPop-Song, der zur richtigen Zeit seine Staerken ausspielt. Ungluecklicherweise ist die Produktion etwas misslungen, denn da wurde am Mischpult ganz offensichtlich viel zu viel an Bass dazu gemixt. So klingt das Ganze ziemlich dumpf und wenn man den Song schoen laut ueber seine Anlage heizen will, hat man hinterher durch das Bass-Gewummer vermutlich ordentlich Magenschmerzen. Rein von der Optik sehen die fuenf kalifornischen Punker-Kids so aus, als wenn sie den ganzen Tag nichts anderes zu tun haben, als THE BRIEFS, THE SAINTS, TEENAGE HEAD und THE BOYS zu hoeren. THE GREATEST HITS aus Seattle sehen da nicht viel anders aus, doch ihr Sound unterscheidet sich sehr wohl von ihren Split-Kollegen und ist zudem noch eine deutliche musikalische Steigerung. „For Our Hearts“ ist ein absolut grandioses mid-tempo Glam-Punk’n’Roll-Power-Feuerwerk, aehnlich wie es einst THE SAVIORS mit ihrer Single „Ruby Gloom“ abgefackelt haben. Ganz klar, THE GREATEST HITS haben hier in ihrer noch jungen Bandkarriere ihr Meisterwerk abgeliefert. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass ich diesen Song auch noch in zehn Jahren mit aehnlicher Begeisterung hoeren werde. Nur 500 Exemplare sind von der Single im Umlauf, davon 250 auf blauen Vinyl und 250 auf roten Vinyl.
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MALTSCHICK´S MOLODOI - „Memento Mori“ CD
MALTSCHICK´S MOLODOI
„Memento Mori“ CD
( Razorblade Music / Razorblade-Music.com , Release Date: Juli 2008 )
Wiener Schmaeh kann auch anders! Mit braichalem Endzeit-Hardcore brescht dieses junge Iro/Stachel-Punk-Trio in die schoene neue hoffungslose Zeit und teilt ordentlich aus! Da bekommt jeder sein Fett weg! Immer schoen aufs Zifferblatt, so lautet die Devise! Die verbale Artikulation findet dabei im Wesentlichen auf deutschsprachigem Gebiet statt, aber man scheut sich auch nicht davor, einige Texte der insgesamt 12 Wut-Attacken in Englisch raus zu rumoren. Den Ernst der Lage stets im Blick zu haben, darauf kommt es den Jungs in erster Linie an.
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PAT TODD & THE RANKOUTSIDERS - „Holdin´ Onto Trouble´s Head” CD
PAT TODD & THE RANKOUTSIDERS
„Holdin´ Onto Trouble´s Head” CD
( Rankoutsider Records / RankoutsiderRecords.com , Release Date: 15. April 2008 )
Pat Todd, einst Saenger der LAZY COWGIRLS, die besonders in den 80ern beachtliche Erfolge in der amerikanischen Underground-Szene feierten, hat 2006 mit „Rankoutsider Records“ sein eigenes Label gestartet. Wie nicht anders erwartet werden Bands aus dem Rock’n’Roll-Bereich vorrangig von ihm behandelt. Und so hat er innerhalb von zwei Jahren schon gut zehn CD-Veroeffentlichungen raus geboxt, u.a. von KEVIN K, THE CONDORS, SCOTT „DELUXE“ DRAKE“, BRIAN McCARTY und THE B-MOVIE RATS. Nachdem vor ueber einem Jahr sein erstes Solo-Album mit dem Titel „The Outskirts Of Your Head“, natuerlich ebenfalls auf seinem Label veroeffentlicht wurde, legt er nun mit „Holdin´ Onto Trouble´s Head” eindrucksvoll nach. Pat Tood laesst dabei nichts dem Zufall ueberlassen. Neben seinem Label hat er natuerlich als echter Selfmade-Rock’n’Roller auch ein Heim-Studio an der Hand, wo die 20 Tracks zum „fraglichen Vergnuegen“ seiner Nachbarn und Familie innerhalb von einem halben Jahr aufgenommen worden sind. Das Ergebnis haette auch eigentlich auf jeder LAZY COWGIRLS-Scheibe optimal uebereingestimmt. In allererster Linie ist dies natuerlich auf Todd´s Stimme zurueckzufuehren, die sich keinen Deut veraendert hat. Aber auch in der Musik sind die frueheren Einfluesse von THE RAMONES, CHUCK BERRY, early STONES oder den NEW YORK DOLLS ganz eindeutig zu spueren. Nun, mir sagt das Album weniger zu, aufgrund der zu starken Rock’n’Roll-Vorlieben aus den 50ern und die STONES mochte ich im Grunde genommen auch nie so richtig.
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THE POWERCHORDS - „…Think I´m Gonna“ CD digi-pak
THE POWERCHORDS
„…Think I´m Gonna“ CD digi-pak
( Single Screen Records / MySpace.com/SingleScreenRecords , Release Date: September 2008 )
Die Powerchords aus Kalifornien haben ein ausserordentlich gutes Debuet-Album hingelegt. Leider mit seinen knapp 30 Minuten etwas zu kurz geraten, bietet es trotz allem ziemlich knackigen Power-Pop und das gleich 14mal. Wie auch schon bei ihrer ersten Single „„Unattached Strings“ geht es stark in die kanadische Richtung, wo in den 70ern einst Bands wie the DIODES, the MODERNETTES und the POINTED STICKS zu Hause waren. Aber auch ein gewisser Touch aus der BUZZCOCKS- und UNDERTONES-Ecke ist diesmal ganz gut rauszuhoeren. Ein Album was problemlos in einem durchlaeuft.
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DIE PROFIS - „Neue Sensationen und alte Geheimnisse“ CD
DIE PROFIS
„Neue Sensationen und alte Geheimnisse“ CD
( Teenage Rebel Records / Teenage-Rebel.de , Release Date: 10. Oktober 2008 )
Nun, ich muss zu meiner Schande gestehen, das die Profis ´82 an mir einfach sang- und klanglos vorbei gerauscht sind. Zu meiner Entschuldigung sollte ich evtl. anfuegen, dass ich zur jener Zeit gerade vollauf damit beschaeftigt war, den zweiten englischen Punkrock-Boom nach 1977 zu verfolgen. Ausserdem interessierte mich ´82 sowieso kein deutschsprachiger Sound! Doch gehen wir mal davon aus, das ich damals vielleicht doch auf die Profis durch puren Zufall gestossen waere. Dann haette ich vielleicht heute nicht diese Schwierigkeiten eine passable Review an den Mann zu bringen. Denn so hoere ich den Sound mit den Ohren von 2008 und nicht mit denen von 1982. Da liegen nun mal satte 26 Jahre zwischen, indem man soviel mitbekommen hat, und wo man schnell zu dem Schluss kommt, irgendwie alles schon mal gehoert zu haben. Und deshalb habe ich so meine Probleme mich den Profis aus musikalischer Sicht hier und heute anzunaehern. Denn ich denke, gerade diese Art von Musik gehoerte nur einer bestimmten Epoche an, die heute eigentlich fast gar nicht mehr auf der Landkarte zu finden ist. Die Texte sowie Musik finde ich nicht mehr zeitgemaess. Zu harmlos, zu brav, zu hausbacken! Ich mochte ja auch schon damals nur Mod- oder PowerPop-Bands, die auch den gewissen Punkrock-Haertegrad in ihrer Art haben einflechten koennen. Bands wie etwa THE PLEASERS, TONIGHT, SECRET AFFAIR oder PURPLE HEARTS fand ich schon immer einfach zu lasch. Und genau in diese Ecke koennten auch die Profis zu finden sein. Ausserdem hat das Ganze noch einen schalen Beigeschmack. Mods galten oder gelten ja als ziemlich versnobte Kids, immer im feinen Anzug und Parka anzutreffen, und die Nase ganz schoen hoch dabei. Und viele der damaligen Duesseldorfer, egal ob Punks oder Mods, haben schon frueh die Ruhrpott-Punks spueren lassen, dass sie sich fuer etwas Besseres hielten. D-dorfer hat man fast nie ausserhalb von ihrer Stadtgrenze gesichtet, evtl. im „Okie Dokie“ in Neuss (aber das lag ja quasi ums Eck), aber glaub mal nicht, wenn Konzerte in Dortmund oder Duisburg waren, das sich D-dorfer haben blicken lassen. Wenn dann konnte man die an einer Hand abzaehlen. Umgekehrt allerdings, wenn Gigs in D-dorf waren, kamen aber die Leute aus besagten Staedten angereist. Die hatten da absolut kein Problem mit und auch nicht so eine elitaere Denke. OKay, ich merk schon, ich schweife ab. Aber trotzdem koennte dies auch ein Grund dafuer sein, das ich D-dorf zu dieser Zeit nicht beachtet habe. Nun aber noch schnell zu den Fakten: Auf der CD befindet sich die LP von ´82 mit dem Titel „Neue Sensationen“, sowie Demos von der Vorgaenger-Band THE STAIRS, uebrigens, im bestem schul-englisch vorgetragen (na ja, das sagt der Richtige, der auch kein echtes englisch singen konnte, Remember ZAKONAS!). Dazu gesellen sich am Schluss noch einige Live-Songs, so dass man auf insgesamt 24 Tracks kommt. Dabei entstanden keinerlei Ueberschneidungen der Titel-Auswahl. Auch mal wichtig zu erwaehnen! Das Booklet gibt neben einer Diskographie auch die Texte zu den Songs frei. Um seine ganz persoenliche Mod-Historie daheim zu erweitern auf jeden Fall eine lohnende, wenn nicht gar verdammt wichtige Veroeffentlichung.
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THE RIFF RANDELLS - „Double Cross“ LP
THE RIFF RANDELLS
„Double Cross“ LP
( Alien Snatch! Records / AlienSnatch.com , Release Date: Februar 2008 )
Die Geschichte von dem Riff Randells-Trio aus Kanada ist im Grunde genommen schnell wiedergegeben. BubbleGum-pUnK mit janz vielen RAMONES-Zutaten, wie etwa eine donnernde Chainsaw-Guitar auf butterweichen Karamell gebettet, was im Gesamteindruck mit einem gut dosierten Schuss an Rotzigkeit seine Punkrock-Basis aufrecht erhaelt. Verkehrt liegt man hier mit Sicherheit nicht, wenn man sich an Maedchen-PoPpUnK-Bands noch nicht satt gehoert hat. Wem die DONNAS mittlerweile zu bratzig klingen, dem seien die Riff Randells ans Herz gelegt.
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THE SESS - „Agendumb“ CD digi-pak
THE SESS
„Agendumb“ CD digi-pak
( Single Screen Records / MySpace.com/SingleScreenRecords , Release Date: September 2008 )
The Sess kommen aus San Diego, Kalifornien und gibt es wohl auch schon etwas laenger. Ihre Musik wuerde ich nach den ersten drei Songs spontan als nervenden Independent bezeichnen. Ab dem vierten Track „Fuck The Navy“ geht es komischerweise in Richtung BRIEFS weiter, anstrengend bleibt es trotzdem. Das liegt zum einen an der viel zu schrillen und total uebersteuerten Trash-Produktion, zum anderen am Kreisch-Gesang und zu guter letzt an der klimpernden Kindergitarre. Warum mir das Label, wegen meiner eigentlichen Anfrage nach der POWERCHORDS CD, auch dieses Nervenbuendel mit eingepackt hat, wird wohl ein ewiges Raetsel bleiben. The Sess muessten demzufolge nur aus hyperaktiven Leuten bestehen.
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STIFF LITTLE FINGERS - „Live And Loud / Fly The Flags“ DoCD
STIFF LITTLE FINGERS
„Live And Loud / Fly The Flags“ DoCD
( Anagram Records / CherryRed.co.uk , Release Date: 13. Oktober 2008 )
Es gibt Bands von denen kann man eigentlich nie genug Scheiben von Zuhause haben. Und zu diesen zaehlen natuerlich unbedingt Stiff Little Fingers dazu. Nach dem das „Captain Oi! Label” alles an alter britischer Punkrock-Historie seit der Gruendung 1993 sorgfaeltig aufgearbeitet hat und auf CD veroeffentlichte, konzentriert man sich nun verstaerkt darauf, dem Punk-Unterlabel von „Cherry Red“, „Anagram Records“ unter die Arme zugreifen und gemeinsame Produktionen neu raus zubringen. Dabei holte man sich auch vorsichtshalber den Haus- und Hofproduzenten von „Captain Oi!“, Tim Turan ins Boot, der die jeweiligen Baender neu sichtet und in seinem Studio ueberarbeitet. Auf seinem Konto gehen inzwischen Doppel-CD Re-Issues von EATER, ANTI-NOWHERE LEAGUE, THE BOYS, BLITZ und PETER & THE TEST TUBE BABIES. Nun gesellen sich auch Stiff Little Fingers dazu. Zwei Live-Alben, die 1988 und 1991 das erste Mal erschienen waren. Beim ´87er Konzert handelt es sich um die Doppel-LP „Live And Loud!!“, die damals noch auf Mark Brennan´s erstem Label „Link Records“ 1988 raus kam. Der Gig erzaehlt die Geschichte von ihrer ausverkauften Comeback-Tour 1987, die sie in der klassischen Besetzung, also mit Jake Burns selbstverstaendlich, Henry Cluney, Ali McMordie und Dolphin Taylor bestritten. Vier Jahre spaeter, 1991 also, bei der zweiten Live-Disc zu „Fly The Flags“ war Ali schon nicht mehr mit von der Partie und wurde durch Ex-JAM Bruce Foxton wuerdig ersetzt. Insgesamt gibt es 35 Tracks zu hoeren, wobei, wie es bei Live-Gigs gang und gebe ist, sich so einige Songs ueberschneiden. Aber das ist auch voellig in Ordnung so, denn Songs wie „Gotta Getaway“, „Wasted Life“, „Fly The Flag“ oder „Alternative Ulster“ sind einfach nicht wegzudenken aus der irischen Punkrock-Geschichte und werden niemals nie langweilig! Im Booklet liefert uns „No More Heroes“-Autor Alex Ogg noch eine ausfuehrliche Story, wie die Band ein zweites Mal zusammenfand und sich bis zum heutigen Tage in der Szene nicht nur behauptet, sondern zu den beliebtesten Altpunk-Bands unserer Zeit zaehlt. Ich, jedenfalls bin doch sehr froh, das es Stiff Little Fingers immer noch gibt. Und warte wie so viele wahrscheinlich auch, nach „Guitar And Drum“ aus dem Jahre 2003 auf ein aktuelles Studio-Album.
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STIGMA - „New York Blood“ CD
STIGMA
„New York Blood“ CD
( I Scream Records / Gordeon Promotion , Release Date: 19. September 2008 )
Eine Patrioten-Band vom Schlage der AGNOSTIC FRONT hab ich natuerlich laengst gefressen! Und wenn dann ihr Gitarrist Vinny Stigma nun sein erstes Solo-Werk vorstellt, veranstalte ich bestimmt keine Luftspruenge. Hier wird mit aller Macht „das Image des harten Macho“ rausgekehrt. Unbezwingbar, verletzter Stolz und stark wie Herkules persoenlich. Das sind so die Plattitueden mit denen uns der Vinny in seinen Texten zu den insgesamt 13 Songs staendig konfrontiert. Logo, das mir so ein Grosskotz-Gehabe schon nach den ersten Takten tuechtig aus dem Hals haengt. Und irgendwie sind wir auch noch durchaus gewaltbereit eingestellt, wenn ich mir da die Handgranate, den Faustring, die Schuss-Patronen, die absurden Blutspritzer (ist ja wie bei der Mafia hier!) und die wahrscheinlich geladene Knarre auf Booklet bzw. Front- und Backcover anschaue. Was hat das alles mit Punk Rock zu tun? Und wie passt das zusammen, wenn am Schluss exklusiv fuer die Europa-Pressung 7 SECONDS mit „Young Till I Die“ gecovert wird? Ein Kevin Second steht doch im krassen Widerspruch zu Vinny! Oder sehe ich das falsch? Nein, ich denke nicht! Nun, was bleibt? Genau, die Musik! Sie kann zwar nichts mehr ausbuegeln, ist aber durchaus als gelungen zu bezeichnen. Herkoemmlicher Street-pUnK eben, mit dem einst auch LARS FREDERIKSEN, abseits von RANCID loszog, um sein ganz persoenliches Glueck zu suchen. Vinny wird sicherlich auch bald dankbare Abnehmer fuer sein Solo-Werk finden.
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THE TOUGH SHITS / THE GREATEST HITS: Split-7” 4-song-EP
THE TOUGH SHITS / THE GREATEST HITS
Split-7” 4-song-EP
( DesertIslandDiscs / MySpace.com/DesertIslandDiscsSeattle, Release Date: September 2008 )
Hier nun, wie versprochen die zweite Single, die mir das Label freundlicherweise hat zukommen lassen. Allerdings ist diese Split laengst nicht so ein Heuler, wie die erste, die ich weiter oben besprochen habe. Und das, obwohl hier auch wieder THE GREATEST HITS mitwirken. Aber ihre zwei Songs erreichen nicht im Entferntesten das hochklassige Niveau von dessen Split mit LUXURY SWEETS. So geht das manchmal im Leben. Eben noch absolut on top, und dann ploetzlich stellt sich heraus, das THE GREATEST HITS auch nur mit Wasser kochen. Schade eigentlich. Nun, zu THE TOUGH SHITS, die aus dem landschaftlich faszinierenden US-Staat Pennsylvania kommen. Aber was soll ich hier sonst schoen reden? Das geht leider nicht! Die vier Jungs sehen so aus, als wenn sie gerade vom Woodstock kommen, und so hoert sich dann auch die Musik an. Eher STONES, als HEARTBREAKERS eben. Auch hier wurden nur 500 Exemplare gepresst von, 250 auf braunen und die andere Haelfte auf goldenem Vinyl.
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TURPENTINE BROTHERS - s/t LP
TURPENTINE BROTHERS
s/t LP
( Alien Snatch! Records / AlienSnatch.com , Release Date: 06. Februar 2008 )
Das zweite Album von dieser US-Band sagt mir so gar nicht zu! Leider alles etwas zu verzerrt klingend und einfach stiefmuetterlich dahin gerotzt. So nach dem Motto: „Friss oder stirb!“ oder „der erste Take sitzt immer“! Nee, das kann es nicht sein! Dazu der extreme 60ties-Fuzz-Einschlag, dem ich Nichts Positives abverlangen kann. Geht von daher auch ein wenig in Richtung DIDJITS, die auch noch nie wirklich meine Kragenweite waren. Hier kommt eigentlich all das zusammen, was mich schon immer nie grossartig interessiert hat. Von daher stelle ich meine Meinung mal hinten an und vergebe eine rein objektive Bewertung mit drei Sternchen.
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THE USERS - „Secondary Modern 1976-1979“ CD
THE USERS
„Secondary Modern 1976-1979“ CD
( Bin Liner Records / Detour-Records.co.uk , Release Date: 13. Oktober 2008)
Ich muss ja ehrlich zugeben, dass ich zunaechst etwas enttaeuscht gewesen bin, als ich mir die Songliste angeschaut habe. Leider nur fuenf Songs, davon auch noch ein Song live, die es hier zum allerersten Mal zu hoeren gibt. Doch auf dem zweiten Blick sieht schon alles ganz anders aus. Denn das sind wirklich leider alle Songs, die die Band jemals aufgenommen hat. Die Users hoerte ich das erste Mal im Sommer ´77, als WDR 2 Radio-Moderator Winfried Trenkler an zwei Sonntagen abends ab sieben zwei Stunden lang alles spielte, was der Sommer in England hergab. Ihre erste Single „Sick Of You“ und deren B-Seite „I´m In Love With Today“ fand ich damals neben der ersten KILLJOYS-Single als das haerteste, was ich bisher so punk-maessig mitbekommen hatte. Das war ein weitaus brutalerer Sound, als das, was die SEX PISTOLS oder THE CLASH an den Tag legten. Olle Winfried spielte alle erdenklichen Singles, von MODELS ueber CHELSEA bis hin zu CORTINAS. Und auch den kompletten „The Roxy London WC2“-Sampler! Ich war schwer am rotieren und mein Quelle-Radiorekorder wurde maechtig strapaziert. Sonst lief ja an Punk Rock im Radio kaum mal was, ausser JOHN PEEL natuerlich, aber sonntags ueberschnitten sich jetzt nicht nur zwei, sondern gar drei Sendungen, die allesamt Punk spielten. Auf dem hollaendischen Hilversum-Sender lief eine Show, die fast immer Live-Auftritte aus dem Amsterdamer „Paradiso“ von voellig unbekannten Bands aufgezeichnet hatte, und auf Radio Luxemburg war Stuart Henry mit seiner Sendung „Street Heat“ am Start, der neben aktuellen Punk-Singles fast auch immer einen Interview-Partner im Studio hatte, wie etwa mal JOHNNY ROTTEN oder JIMMY PURSEY. Und jetzt funkte da auch noch Winnie dazwischen. Ich entschied mich dann nach kurzer Ueberlegung aber doch dem Winnie an diesen besagten beiden Sonntagen den Vortritt zu lassen, aus dem ganz einfachen Grunde, weil man bei Radio Luxemburg oder auch stellenweise bei Hilversum einen ziemlich schlechten Empfang hatte mit allerhand Stoerungen dazwischen. WDR 2 lief dagegen glasklar! Bei „Sick Of You“ hab ich quer durch mein Kinderzimmerchen gepogt und meine PISTOLS-Posters teilweise dabei angerotzt, ich konnte einfach nicht anders, es ging mit mir durch, das war ein so verdammt aggressiver Sound, der sein Ventil suchte. Nach dem Song hab ich die Poster aber wieder fein saeuberlich mit einem feuchten Tuch abgewischt. Okay, die „Sick Of You“-Single war ihr erster Streich, dann war erst einmal Funkstille bei den Users, ehe sie dann knapp ein Jahr spaeter den Nachfolger „Kicks In Style“ vorstellten, der aber laengst nicht so angepisst klang. Auch die B-Seite „Dead On Arrival“ konnte bei weitem nicht an ihre erste Single ranreichen. Jahre spaeter allerdings hab ich die beiden Songs aber erst so richtig zu schaetzen gelernt. Dann war das Kapitel der Users, wie das bei so vielen anderen U.K.-Bands auch, abgeschlossen. Ein oder zwei drei Singles und zack weg vom Fenster. Haetten wir nicht „Detour Records“ wuerde ich diesbezueglich dumm sterben. Denn die Users machten auch danach noch ein Weilchen weiter. Ihr Sound ging nun in Richtung Mod bzw. Power-Pop. Aus dieser Zeit kommen die ersten vier Songs der CD, die von einer Studio-Session vom Mai ´79 stammen und nur auf einer Cassette mitgeschnitten wurden. Gut, das das Tape knapp 30 Jahre lang unbeschadet ueberstanden hat, denn die Songs gehoeren ganz klar in die erste Liga des Mod-Punk. Nur als absolut grossartig zu bezeichnen! Einfach einmalig fuer diese Zeit eben! Dabei auch das WHO-Cover „It´s Not True“, was sich allerdings so anhoert, als wenn die Users es selbst geschrieben haetten. Eine unglaublich detailliert verliebte Auflistung aller wichtigen Ereignisse, die mit der Band zusammenhingen, kann man sich im Booklet wunderbar anlesen. Wie immer, ganze Arbeit von Dizzy und seinem „Detour-Team“, Kompliment, und deshalb voellig zu Recht auch die Platte des Monats Oktober!
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V.A.: „BIKES ‘N’ LEATHER” – Rockin´ At The Ace CD
V.A.: „BIKES ‘N’ LEATHER” – Rockin´ At The Ace
CD
( Cherry Pie Recorings / CherryRed.co.uk , Release Date: 22. September 2008 )
Eine Homage-CD an das legendaere „Ace Cafe London“, was 1938 zum ersten Mal seine Pforten oeffnete, und in den 50er und 60er zur Anlaufstelle fuer Rocker und Biker wurde. Das hat sich bis heute nach der Neueroeffnung 2001 nicht geaendert. Das Cafe gilt auch als regulaere Oertlichkeit des britischen TV, die oft genug von dieser Stelle aus Auto-Shows uebertragen. Ausserdem wurde das Cafe auch Schauplatz des Biker-Film „The Leather Boys“, der in den 60ern entstand. Diese CD enthaelt mit ihren zwanzig Songs aus dem Rock’n’Roll-, Rockabilly- und Psychobilly-Bereich genau die Musik-Stile, die in der Biker-Szene eben so beliebt sind. Am Start gingen u.a. THE RAPIERS, THE BAD DETECTIVES, CRAZY CARVAN & THE RHYTHM ROCKERS, JOHN LEYTON & THE WESTERN ALL-STARS und auch THE SABREJETS, die Band von Brian Young, dem Ex-Saenger und Gitarristen von einer der besten irischen Punkrock-Bands der 70er, RUDI. Das Booklet glaenzt mit einer frisch polierten Story zum Cafe. Und wer mehr wissen will, soll einfach mal auf deren sehr cool gemachten Homepage gehen unter: Ace-Cafe-London.com
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THE WELCH BOYS - „Drinkin´ Angry” CD
THE WELCH BOYS
„Drinkin´ Angry” CD
( I Scream Records / Gordeon Promotion , Release Date: 24. Oktober 2008 )
Zwei Mitglieder der Band danken in ihrer Grussliste, (aufgepasst, jetzt kommt es knueppeldicke!) die US Armed Forces, kurzum die Streitkraefte der Vereinigten Staaten! So, als wenn es das Normalste der Welt sei! Da bleibt mir doch zunaechst mal wieder der Mund ganz weit offen stehen! Und dann covert die Band von der ANTI-NOWHERE LEAGUE „Let´s Break The Law“. Wie passt das nun wieder zusammen? Auf der einen Seite Gesetz und Ordnung und auf der anderen Seite die Gesetzesbrecher? Aeh? Klaert mich mal einer auf! Ich denke beispielsweise ein JELLO BIAFRA oder ein jeder Erdenbewohner mit einem ganz normalen gesunden Menschenverstand wuerde sich eher beide Haende abhacken lassen, als solch einen Drecks-Verein zu danken! Das Backcover ist uebrigens auch ein echt schlechter Witz! Ein gezeichneter Totenkopf-Soldat in voller Montur mit zerschlissener Ami-Flagge in der linken Hand, und in der rechten Hand haelt er angriffslustig eine Knarre hoch. Die harten Working Class Welch Boys platzen wohl fast vor verficktem Stolz! Immer schoen stumpf Staerke demonstrieren, denn man lebt ja schliesslich in einer Weltmacht! Alle anderen kochen ja nur mit Heisswasser! Die Amis da oben und Europa immer schoen unten! So haetten sie es doch insgeheim am liebsten! Wieso ist solche eine Band eigentlich so beliebt in der heutigen Punk-Szene? Das Gleiche frage ich mich auch bei den DROPKICK MURPHYS oder den STREET DOGS. Ich verstehe es einfach nicht! Das ist nicht mein Punk Rock! Auf gar keinen Fall!!! Es wuerde mich bei all diesen ziemlich patriotischen Anzeichen nicht wundern, wenn die Boston-Bande am 04. November McCain gewaehlt haben. Ganz grosser Bullshit! No thanks!
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