* * * * * * Real Classic! , * * * * * Great Stuff! , * * * * Very Good! , * * * O.K. , * * Poor! , * Real Bullshit!

So, hier nun das Update fuer September. Das Update fuer Oktober erfolgt Anfang November 2008.  Alle Reviews, wie immer, besprochen von Ralf Real Shock.

 

ANA - „Slowly Sinking Deeper” CD
ANA
„Slowly Sinking Deeper” CD
( Rebel Recordings / Oktober Promotion , Release Date: 05. September 2008 )
Der erste Gedanke? Die koennten doch glatt aus einer x-beliebigen schwedischen Schweinerock-City kommen. Aber nein, die jungen Herren entstammen aus Hamburg und sind seit dem Jahr 2000 auf Mission. Zunaechst in Form eines wirklich stumpfen Bandnamen: ANADRINKSDOGPISS! Oh je! Erst vor zwei Jahren entschied man sich fuer die wesentliche mildere Variante ANA (was immer das Kuerzel jetzt auch heissen mag!) und versuchte die Erfahrung aus sechs Jahren Band-Leben auf den Punkt zu bringen. Seit dem 05. September 2008 steht also nun ihr Debuet-Album in den Laeden. Mit Punk Rock hat das Ganze allerdings nichts gemeinsam, das kann man getrost als bodenstaendige Rock-Musik betrachten, die von den verschiedenen Underground-Einfluessen wie etwa THE BONES, DANZIG oder PETER PAN SPEEDROCK lebt. Unter solchen denkbar schlechten Umstaenden finde ich zu keiner Sekunde einen Draht zu der Musik. Besonders die Stimme raubt mir schon nach kurzer Zeit den Nerv. Einfach zu schweinerock-maessig und viel zu theatralisch. Wacken Rules, you know! Aber auch das Anschlagen der Gitarren-Saiten oder der Rhythmus des Schlagzeugs, alles deutet in Richtung Hardrock/HeavyMetal-Schiene. Punk Rock dient hier lediglich als Aushaengeschild. Und damit kann ich einfach nicht umgehen.
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ASHERS - „Cold Dark Place“ CD
ASHERS
„Cold Dark Place“ CD
( Welfare Records / WelfareRecords.net , Release Date: Mai 2008 )
Mike von „Welfare Records” war so nett auf meine Anfrage hin wegen den CDs von DISGRACE und PURE HELL sein aktuellstes Release beizulegen. Die Rede ist von einem noch recht jungen Hardcore/Punk-Trio das aus Boston stammt und sich u.a. aus Mitgliedern von THE UNSEEN (ist dem heutigen Nietenkaiser von Welt natuerlich ein Begriff) und der mir unbekannten Band CRASH & BURN zusammenfuegt. Auf ihrer ersten CD sind sie mit sechs nicht wirklich leicht verdaulichen Songs vertreten. Musikalisch ist es fuer mich persoenlich ein staendiges Auf und Ab. Mal klingt es eher Richtung ANTI-FLAG (besonders die Stimme), doch dann allerdings ueberwiegt ungluecklicherweise und voellig ueberraschend der schlechte Einfluss von BILLY TALENT. Es ist schon ein Kreuz mit so mancher amerikanischen Band. Trotzdem hoert sich das Gesamtpaket immer noch ganz ordentlich an, obwohl das alles andere als mein Sound ist.
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BACKYARD BABIES - s/t CD
BACKYARD BABIES
s/t CD
( Billion Dollar Babies / Oktober Promotion , Release Date: 15. August 208 )
Die Backyard Babies scheinen immer fuer eine Ueberraschung gut zu sein. Denn ich hegte den leisen Verdacht, dass sie vielleicht nun auf ihrem sechsten Studio-Album gaenzlich im Schweinerock stecken bleiben. Denn die Vorzeichen standen relativ unguenstig, wenn man sich vorab die erste Single „Fuck Off And Die“ aus dem Album im Netz angehoert hatte. Erstaunlichweise funktionierte der Song erst in Verbindung mit dem originell gestalteten Video. Aber der Song allein ist in meinen Augen schon ein ziemlicher Fehlschlag! „Fuck Off And Die“ dient auch zugleich als Opener. Von meinem Standpunkt aus gesehen, fand ich dann logischerweise nicht den sofortigen Einstieg in die 13-Song-CD. Auch Track 2 mit „Degenerated“ laesst den Schweinerock a la HELLACOPTERS und GLUECIFER deutlich raushaengen. Shit, geht das jetzt etwa bis zum Ende so? Aber nicht doch! Denn das anschliessende „Come Undone“ lassen die ersten zwei Songs direkt ganz schnell vergessen. Was fuer ein cooler Glam-Punk-Smasher! Ein wenig „Hollywood“-Schickimicki schleicht sich zwar ein, aber die Babies kriegen zu jeder Zeit die Kurve, um den Song ganz cool aussehen zulassen. Ein hammermaessiger Ohrwurm ist das! Danach gibt es erst wieder eine Durststrecke mit „Drool“ zu ueberbruecken. Schweinerock, no thanks! Aber dann kommt direkt der zweite Kracher der CD! „Abandon“ beginnt als Ballade, nur mit Akustikgitarre und Nicke´s Stimme, aber ab der zweite Strophe wird es elektrisch und die andren Drei fallen sehr behutsam mit ein. Eine weitere Sternstunde dieser CD! Bester Glam-Punk’n’Roll, der mich an D-GENERATION, SOCIAL DISTORTION und DEMOLITION 23 erinnert. Waehrend es ja heute gang und gaebe ist, sein bestes Material direkt zu Anfang zu verpulvern, haben sich die Babies fuer meinen Geschmack ganz bewusst dagegen entschieden. Und somit ist ihr bester Stuff ganz weit hinten anzutreffen. Ab Track 7 brennt rein gar nichts mehr an. Ihr Sound bleibt straight in der Spur und hat mit „Where Were You?“ sogar noch einen weiteren Glam-Punk-Knaller anzubieten. Das sind die Babies so wie ich sie mag! Songs wie „Idiots“, „The Ship“, „Nomadic“ oder „Back On The Juice“ lasse ich mir in der Art verdammt gerne gefallen. Und mit „Zoe Is A Weirdo“ schleudern sie als Zugabe noch einen schoen krachigen Punkrock-Klopper hinterher! Beinahe bedaechtig klingt die CD dann mit dem reinen Akustiksong „Saved By The Bell“ aus. Eine Zeile bleibt dabei im Gedaechtnis, denn auch die Babies scheinen ins Alter zu kommen und denken ein wenig weiter: „I´ll Be A Man And Stand Up Straight – One Day It Will Be Over, You’ll Have A Big Family“. Neun von dreizehn Songs, die mich absolut ueberzeugen, inklusive dieser beiden Ueberhits “Come Undone” + “Abandon”, was will man mehr? Schade nur, dass die Ticketpreise zur diesjaehrigen Herbst-Tour so unverschaemt teuer sind. Egal, ob in Berlin, Muenchen oder Koeln, der Eintritt belaeuft sich auf gut 20,00 EUR. Aber auch das scheint mittlerweile Alltag im Konzert-Mafia-Biz. geworden zu sein und den Konzertgaengern bleibt nichts anderes uebrig als zu blechen oder daheim auf der Couch mit dicker Fresse zu verweilen, und sich vielleicht als „Ausgleich“ den Backyard Babies-Film „Jetlag – The Movie“ auf DVD rein zuziehen. Nun, ich bleib auf der Couch, schau mir zwar nicht die DVD an, sondern lege lieber 5,00 EUR drauf und bestell mir naechsten Monat in Japan eine weitere coole STAR CLUB CD. Man muss halt in der heutigen Zeit Prioritaeten setzen.
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BÖWLRIDER - „Big Röck Möuntain Highs“ CD
BÖWLRIDER
„Big Röck Möuntain Highs“ CD
( Rising Records / Gordeon Promotion , Release Date: 26. September 2008 )
Bandname und CD-Titel erinnert sofort an Kutten Hard Rock der 70er! Muss ja jetzt nicht unbedingt der Weltuntergang sein. Also, mutig nach vorne schauen und rein mit dem Silberling. Und ist echt nicht so schlimm wie ich es erwartet habe. Gut, Freunde werden wir sicherlich nicht, aber die vier Jungs aus dem englischen Seeband Brighton wissen, wie man den Sound ihrer Vaeter gut vertont, ohne dass es laecherlich wirkt. Manch Gitarrensolo ist mir natuerlich zu lang geraten, aber wenn man es vorher weiss, kann man sich ja darauf einstellen. Bands wie TURBONEGRO oder auch die BACKYARD BABIES maesteten sich einst an diesem Sound und haetten demzufolge bestimmt auch nichts gegen eine Hoerprobe von Böwlrider einzuwenden. Das geht schon in Ordnung, das ist wirklich an der Wurzel gepackter Hard Rock, der auf jaulende Gitarren-Egos und Eunuchengesaenge verzichtet. Ausserdem nehmen sich die Jungs auch selbst nicht zu ernst, wie man es doch auf ihren Fotos im Booklet an der ein oder anderen Posen gut erkennen kann. Dafuer ein dickes Plus dahinter!
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THE CHANGE - „The Dear Moss Murders” CD
THE CHANGE
„The Dear Moss Murders” CD
( I Scream Records / Gordeon Promotion , Release Date: 19. September 2008 )
Die Kuenste von ANTI-FLAG und BILLY TALENT sind ja nicht erst seit Gestern gross in Mode und werden dankbar und gerne abgekupfert. Siehe dazu ASHERS – Review. Waehrend ANTI-FLAG mit ihrem letzten Album mich nun auch auf ihre Seite ziehen konnten, hat BILLY TALENT´s musikalische Akrobatik nicht viel mit dem zu tun, was ihnen staendig nachgesagt wird. Die meisten Gitarristen von heutigen selbst ernannten Punk-Bands haben einfach verlernt, wie man eine einfache aber wirksame Punkrock-Gitarre spielt. Da stellt sich die Frage, wer erfuellte da eigentlich die Vorreiterrolle? Definitiv waren das Steve Jones (SEX PISTOLS), Mick Jones (THE CLASH), Johnny Ramone (THE RAMONES), Johnny Thunders (NEW YORK DOLLS), Brian James (THE DAMNED) und Cheetah Chrome (THE DEAD BOYS). Eine weitere Frage tut sich da im Zusammenhang auf. Ist das was The Change hier abliefern ueberhaupt noch als Punk Rock oder Hardcore-Punk zu betiteln? Ich denke nicht! Es ist lediglich eine musikalische Anhaeufung aus unterschiedlichsten Richtungen, die dem klassischen ´70er Punk Rock in ueber 30 Jahren arg zugesetzt haben. Also eine klassische Mogelpackung! Oder aber eine klare Verfaelschung der Tatsachen! Und vom Punk ist man da in diesem Fall meilenweit entfernt. Voellig vertrackt praesentieren sich die Songs von dieser schwedischen Band hier. Gute Melodien werden direkt im Ansatz an die Wand gefahren, solche Bands wissen einfach nicht, soll ich jetzt mal das Gaspedal bis unten durchtreten, oder weiter auf der Frickel-Schiene beharren. Nun, The Change haben sich leider fuer letzteres entschieden. Da haben wir den Salat. Freunde von BILLY TALENT wird es allerdings bestimmt gefallen.
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DISGRACE - „The Original Unreleased 1979 Album“ CD
DISGRACE
„The Original Unreleased 1979 Album“ CD
( Welfare Records / WelfareRecords.net , Release Date: Dezember 2007 )
Und wieder einmal stehe ich wie Ochs vorm Berg! Disgrace waren eine New Yorker Band, die sich nach dem Punkrock-Urknall gruendete. Gern gesehener Buehnengast waren sie vor allen Dingen im zweiten Punkrock-Schuppen der Stadt nach dem „CBGBs“, und zwar im „Max’s Kanas City“. Im September ´79 buchte die Band das „Rising Sun Studio“, um ein erstes Album aufzunehmen. Man kam auf acht fix und fertig produzierte Songs, die aber leider keinen Abnehmer fanden. Wieso, weshalb, warum, das steht in den Sternen und ist wohl auch nicht mehr im vollen Umfang zu rekonstruieren. So schlummerten die Baender vermutlich in irgendeinem Bettschrank oder auf irgendeinem Dachboden, bis sie dann Anfang 2006 vom meterdicken Staub befreit hervorgeholt wurden, um im Mai desselben Jahres neu gemastert wurden. So ergeht es vielen alten Aufnahmen von den frueheren Eintagsfliegen des Punk Rock, die es im guenstigsten Fall auf eine Single brachten. Und die dann heute bei eBay.com fuer meist dreistellige Dollarbeitraege am Auktions-Ende sorgen. Nun soweit war Disgrace eben nicht vorgedrungen. Sie spielten ihre Shows in der Stadt und mieteten Studiozeit. Vielleicht hatten sie auch noch das Glueck gehabt, das ein kleines Fanzine Interesse zeigte und sie mal zum Gespraech einlud. Aber das war es auch schon. Das verschiedene Mitglieder spaeter in weitaus bekannteren Gruppen wie THE HYPOCRITES, ULTRA VIOLENCE und besonders FALSE PROPHETS (die ich uebrigens mal in der „Zeche Carl“ in Essen Ende der 80er gesehen habe und ziemlich enttaeuschend fand!) spielten, sollte an dieser Stelle natuerlich nicht unerwaehnt bleiben. Nun, Disgrace spielen auf ihren acht Songs den Sound, der heute als „Killed By Death“-Punk Rock gehandelt wird. Leider klingt die Musik verdaechtig eintoenig, das Ganze driftet sogar leicht in Langeweile ab, was ich so deutlich natuerlich im Vorfeld niemals erwartet habe. Von daher wuerde ich das Gesamtbild vom Disgrace-Sound eher bei anderen durchschnittlichen „KBD“-Bands wie etwa THE PANICS oder THE HATES vermuten. Tja, auch in dieser Sparte gibt es nun mal leider Unterschiede wie Tag und Nacht.
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KIND OF GIRL
„Lonely In A Modern Way” CD
( trak2r / Gordeon Promotion , Release Date: 26. September 2008 )
Tja, da hab ich der Beschreibung vom Label nach doch was voellig anderes erwarten. Anstatt „bezaubernden Pop mit Tiefgang und Anspruch“ (O-Ton) bekommt man eine zum groesstenteils recht merkwuerdige Klangwelt geboten. Viel zu schraeg, um es als straighten Pop-Sound durchgehen zulassen. Zwar haben Track 1, 5, 7 + 10 schoene eingaengige Pop-Melodien im Refrain anzubieten, die aber noch um einiges ausbaufaehiger gewesen waeren. Aber das ist irgendwie alles so halbgar und erschreckend lahm vorgetragen. Ein wenig mehr Pfeffer dahinter, mehr Gitarren und das Tempo angezogen haetten hier echte Wunder bewirkt. So bleibt man leider in der Schlafwagen-Abteilung gefangen und findet sein Zuhause als Berieselungsmusik im Supermarkt. Die Stimme von Saengerin Sissel Olander trifft leider auch nicht meinen Geschmack, da sie in den meisten Faellen zu wehleidig und anklagend klingt. Nach den Fotos zu urteilen sicherlich eine echte Zicke! Okay, vielleicht tue ich dem Maedel ja auch unrecht, aber auf mich wirkt das halt so. Nee, das war nix aus Daenemark.
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THE MISSION - „Crusade” DVD       THE MISSION - „Sum And Substance” DVD
THE MISSION
„Crusade” DVD
„Sum And Substance” DVD
( Cherry Red Films / CherryRed.co.uk , Release Date: 25. August 2008 )
Mitte der 80er gingen die beiden Offiziere Wayne Hussey und Craig Adams nach einem handfesten Streit mit Kapitaen Andrew Eldritch von Bord des „Gothic“-Flakschiffes THE SISTERS OF MERCY. Unter eigener Flagge stachen Hussey und Adams schon bald wieder in See mit ihrem neu erworbenen Schiff THE SISTERHOOD. Da Kapitaen Eldritch diese Namensgebung fuer sich beanspruchte, bekam er natuerlich sehr schnell Wind von der Sache. Nach diesem kurzen Schiffsbruch wollten die beiden Offiziere allerdings nicht als Landratten versauern und strichen kurzerhand ihren Dampfer in ein etwas helleres Schwarz um und gaben ihr den Namen THE MISSION, der auf den Weltmeeren schnell zu einem Begriff wurde. Schon nach wenigen Reisen hatte man es vollbracht, dass sich ihre Lieder auf Vinyl genauso leicht verkaufen liessen, wie einst mit THE SISTERS OF MERCY. Allerdings wurde THE MISSION seit Beginn ihrer Mission von der Musikpresse staendig vorgeworfen, das sie sich im Fahrwasser von Irlands Kreuzfahrern U2 bewegten, und lediglich nur ihre Routen abfuhren. Doch die immune Fangemeinde-Crew von THE MISSION sah das voellig anders und es gibt auch keine ueberlieferten Erzaehlungen, dass beispielsweise jemals ein MISSION-Crewmitglied bei U2 angeheuerte haette. So vergingen die Jahre im Sauseschritt und als nach zu vielen Umbesetzungen in der Mannschaft der Erfolg ausblieb ging man im Jahr 1996 nach einer kurzen Meuterei getrennte Wege. Diese beiden DVDs erzaehlen von einer besseren Zeit. „Crusade“ beinhaltet einen Live-Mitschnitt aus dem Jahre 1987, als sie in Nottingham von Bord gingen, um im „Rock City“ eine viel bejubelte einstuendige Show vor einem voellig verzueckten Publikum spielten. „Sum And Substance“ hingegen wurde das erste Mal 1994 auf VHS veroeffentlicht und bietet eine sehr gut sortierte Video-Auswahl aus ihrer Bluetezeit. Elf dieser Videos wurden uebrigens mit Leichtigkeit zu echten Hit-Singles in Grossbritannien. Nun also die DVD-Premiere. Die Geschichte von THE MISSION war allerdings im Jahre 1996 noch nicht ganz vorbei. Drei Jahre spaeter stach man wieder mit neuem Mut und Eifer in See und bereiste unter anderem Brasilien, Argentinien, Chile, Mexiko, USA, Suedafrika und Griechenland. Aber das ist eine andere Geschichte.
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NORTH SIDE KINGS - „Suburban Royality” CD
NORTH SIDE KINGS
„Suburban Royality” CD
( I Scream Records / Gordeon Promotion , Release Date: 12. September 2008 )
Jo, dann hol schon mal die Axt raus, Alter! Die Schwergewichte aus Arizona bieten auf ihrer ersten CD fuer „I Scream“ derbsten Hardcore-Metal, der wie ein Unheil bringendes Gebraeu aus MADBALL, BLOOD FOR BLOOD, SICK OF IT ALL und SHEER TERROR klingt. Da geht jede Kuh bei fliegen. Und Pater Johannes bleibt fein in der Kirche!
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PURE HELL - „Noise Addiction” CD
PURE HELL
„Noise Addiction” CD
( Welfare Records / WelfareRecords.net , Release Date: Dezember 2007 )
Ich kann mich noch gut an die ersten Fotos von Pure Hell erinnern. Sie tauchten damals im „NME“ auf. Man sprach im Artikel von der ersten schwarzen Punkrock-Band, die kurz vor ihrem Auftritt mit SID VICIOUS im „Max’s Kanas City“ stand. Sidney war gemeinsam mit Nancy nach New York gekommen, um einen Neustart zu wagen und moeglicherweise von den Drogen schneller loszukommen. Nun, wie die Geschichte ausging ist ja bekannt. Pure Hell haben damals nur eine Single veroeffentlicht, das Cover „These Boots Are Made For Walking“ diente als A-Seite, waehrend der eigentliche Hit mit „No Rules“ auf deren B-Seite „versteckt“ war. Auch nach 30 Jahren knallt „No Rules“ jetzt im Remaster-Zustand auf CD noch immer so gut rein wie frueher (wenn nicht doppelt so gut!!), als ich mir die Single zugelegt habe. Nein meine lieben eBay-„Killed By Death“-Junkies, kein Grund zur Freude, denn diese grandiose Single bleibt garantiert auch weiterhin hinter verschlossener Vitrine! Auch „These Boots Are Made For Walking“ macht hier dank der Ueberarbeitung erstaunlicherweise einen ganz neuen Schuh. Der erste Track und zugleich auch der Titelsong laesst mich erst einmal jubeln! Was fuer ein Fetzer! Nach bester KILLJOYS „Naive“-Manier geht es nur nach vorne. Dass zeitweilige Gitarren-Gewichse faellt nicht weiter auf. Allerdings tritt die Ernuechterung schon beim zweiten Song ein. Kojoten-Gitarre, ich gruess dich und verdamme dich auch sofort! Aber genau an dieser Stelle laesst sich erahnen, aus welcher Ecke die Band eigentlich kam. Schon ab 1974 machten sie die Strassen von Philadelphia als PRETTY POISON unsicher. Einfluesse kamen aus der Pre-Punk-Phase, der dann mit einer haesslichen Heavy Metal Legierung ueberzogen wurde. Vom „fuel-altered dragster” inspiriert aenderten sie ihren Namen 1975 in Pure Hell um. Schon kurze Zeit spaeter zog es die Vier nach New York City, wo sie in den folgenden Jahren u.a. mit den NEW YORK DOLLS, den ELECTRIC CHAIRS, den DEAD BOYS, den GERMS und den STIMULATORS zusammen spielten. 1978 brachen sie nach England auf, um ihre erste Headliner-Tour dort zu absolvieren. Bands wie die U.K. SUBS oder VERMILLION & THE ACES spielten als support act auf der Tour mit. Waehrend der Zeit in England kam ihre Single raus, die auf „Golden Sphinx Records“ erschien, dem Label von Manager Curtis Knight. Die Single schaffte es auf Anhieb in die britischen Top 40 Charts. Im selben Jahr wurden in New York und in London weitere Songs aufgenommen, die fuer ein erstes Album vorgesehen waren. Doch bevor es dazu kam, brach die Band auseinander. All diese Aufnahmen sind nun auf dieser 15-Track-CD vertreten. Haetten Pure Hell dieses hartnaeckige und ziemlich nervtoetende Gitarrengejaule raus gelassen, dann haetten wir es hier mit einem echten Punkrock-Klassiker zu tun. Aber eben dieses endlose Solobearbeiten auf der Gitarre laesst schnell erkennen, dass Pure Hell keinesfalls in erster Linie den Punk Rock von 1977 bevorzugte. Sie hatten schon drei Jahre zuvor reichlich an schlechten Einfluessen aus der Heavy Metal Ecke inhaliert, so dass sie, als Punk Rock schliesslich mit seinen solofreien Gitarrenzonen aufkam, gar nicht mehr anders konnten. Das ist echt eine Schande, denn ihre reine Punkrock-Klasse lassen sie eben nur in den drei erwaehnten Songs aufblitzen.
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STAR FUCKING HIPSTERS - „Until We´re Dead“ CD
STAR FUCKING HIPSTERS
„Until We´re Dead“ CD
( Fat Wreck Chords / FatWreck.com , Release Date: 26. September 2008 )
Die Star Fucking Hipsters ist quasi eine kleine All-Star(„Fucking”)-Band, die sich aus Ex-/aktuellen Mitgliedern von LEFTOVER CRACK, CHOKING VICTIM, THE SLACKERS, THE DEGENERICS und THE RANDALLS zusammensetzt. Fuenf Leute also, mit musikalischen Backgrounds, die sich nicht gerade von vornherein ueberschneiden. Das wirkt sich auch ziemlich stark auf die insgesamt 13 Darbietungen aus. Ob da ueberhaupt was fuer den ollen Real Shock dabei ist? Nach erster grober Einschaetzung wohl kaum. Doch ich wurde angenehm ueberrascht. Nein, ich gehe sogar einen Schritt weiter! Ich wurde von drei Tracks besonders stark in den Bann gezogen! Sodas ich diese drei Lieder ab sofort in meine ganz persoenlichen PxRx-Charts aufgenommen habe. Die Rede ist vom Titel-Track „Until We´re Dead“, dem nachfolgenden „Immigrants & Hypocrites“ und Track 7 mit „Only Sleep“. Haette die Band den Rest aehnlich musikalisch eingekleidet wuerde ich von dieser Scheibe sicherlich erst nach zwei drei Wochen loskommen. Ohne Scheiss, die besagten drei Songs haben einen verdammt starken Eindruck bei mir hinterlassen. Gerade diese Songs zeichnen sich durch eine unglaubliche Intensitaet aus. „Until We´re Dead“ hoert sich wie eine verloren gegangene Hinterlassenschaft von LEATHERFACE an, ich mag diese verzweifelten Stimmen von Sturgeon, aber besonders der weibliche Part von Nico de Gaillo hat es mir angetan. Die Musik zappelt und rappelt in einem schnoeden und rotzigen Melodienbogen dazu. Solche Songs, die auf Anhieb klappen sind in der heutigen Zeit ziemlich selten geworden. „Immigrants & Hypocrites“ hingegen ist sehr an fruehe DISTILLERS angelegt, eben schoen angepisst und beinhaltet einen voellig unerwarteten Handclap-Part, der den Song wieder in ein ganzes anderes Licht fuehrt. „Only Sleep“ lebt wieder einmal in erster Linie von Nico´s eindringlicher Stimme, dazu dieser berauschend melancholisch angehauchter Musikanstrich. Ein echtes Glanzstueck! Die Songs an sich sind in ihrer Machart ziemlich simpel, aber die Kunst besteht darin, den richtigen Moment abzupassen und gnadenlos zuzuschlagen. Und das gelingt der Band bei diesen drei Songs auf ganz einmalige Art und Weise! Leider kann ich vom Rest nicht von diesem hohen Begeisterungsgrad sprechen. Das klingt dann manchmal wie, von allem etwas. Ein Vorspeisenteller, bei dem nicht wirklich etwas zueinander passt. Und der Einfluss von BILLY TALENT hat wirklich zerstoererische Auswirkungen. Dann wieder ein harmloser NOFX-Ska, ein wenig RANCID und auch die DEAD KENNEDYS halten Einzug. Textlich geht es meist hochpolitisch her. Die Zeichnung im Booklet von fuckin´ Bush, wie er die beiden Flugzeuge in Haenden haelt, die in die Twin Towers rasen, das hat schon was! In diesem Album steckt verdammt viel Wahrheit! Wunderbar klingen auch die zutiefst traurigen Piano-Einsaetze zwischen einigen Songs.
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