* * * * * * Real Classic! , * * * * * Great Stuff! , * * * * Very Good! , * * * O.K. , * * Poor! , * Real Bullshit!

 

Hier nun das Update fuer September. Das Update fuer Oktober erfolgt Anfang November 2010.  Wie immer, besprochen von Ralf Real Shock.

 

THE ARGIES - „Click Off” CD
THE ARGIES
„Click Off” CD
( Anfibio Records / New Music Distribution , Release Date: 13. August 2010 )
Die Geschichte von den Argies aus Argentinien ist schnell erzaehlt. Aus allen Rohren feuern sie ihren poppig beeinflussten und doch ziemlich abwechselungsreichen Punkrock-Sound unter die Hoererschaft. Sie setzen ihre Siegestour einfach fort. Acht Alben sprechen fuer sich. Was anderes bleibt ihnen auch nicht uebrig. Das koennen sie am besten, getreu dem Motto: Schuster bleib bei deinen Leisten. Hab ich gar nichts dran auszusetzen.
Allerdings wusste ich bis dato auch nicht, dass der Name Argies sich von dem Schmaehwort fuer die Argentinier ableitet, das bei den englischen Soldaten waehrend des Falklandkrieges gebraeuchlich war.
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THE BLITZ - „Live At The Roxy + 5” CD
THE BLITZ
„Live At The Roxy + 5” CD
( Only Fit For The Bin Records / Detour-Records.co.uk , Release Date: 13. September 2010 )
Ganz klar, diese CD ist ein zeitloses Dokument, das die Wirren des fruehen englischen pUnK rOcK glaenzend verkoerpert. Wenn man mal von der hundsmiserablen Aufnahme der insgesamt neun Tracks aus dem „Roxy Club“ vom Neujahrstag 1978 absieht, bleiben unterm Strich leider die bedauerliche Erkenntnis, das es Songs wie etwa „I Don’t Need It“ oder „On The Make“ nie bis ins richtige Aufnahmestudio geschafft haben. Wir koennen von Glueck sagen, das wenigstens „Strange Boy“ und „We’re OK Sod You“ den Weg in ein halbwegs gutes Studio gefunden haben, wie es auf der aktuellen fuenften Sampler-Ausgabe von „BORED TEENAGERS“ eindrucksvoll zu vernehmen ist. Waeren jetzt hier nur die Aufnahmen vom „Roxy Club“ zu hoeren, waere das doch eine etwas magere Ausbeute, aber das Label packte noch fuenf Bonus Studio Demos drauf. Der pUnK rOcK-Knaller ist da ganz eindeutig „London Is For Tourists“. Die Tonqualitaet ist fuer ein Demo gluecklicherweise im tiefgruenen Bereich. Das kann man von den restlichen vier Tracks teilweise dann leider nicht mehr behaupten. „We’re OK Sod You“ schneidet noch am besten ab.
Blitz, das war einfach klassischer „KBD“-Sound, eben brillanter britischer 77er-pUnKrOcK, und das Besondere war die Stimme von Saengerin Ruth Carr, die irgendwo zwischen den SICK THINGS, FATAL MICROBES und PENETRATION lag.
Wenn Blitz damals in den 70ern wirklich eine Single gemacht haetten, waere ihr Platz wohl heute zwischen der ersten KILLJOYS und den ersten beiden SATAN’S RATS.
Im achtseitigen Booklet gibt Bassist und Keyboarder „Big George“ noch einmal die Blitz-Story zum Besten.
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DRUG SQUAD - „Perversion Street” CD
DRUG SQUAD
„Perversion Street” CD
( Only Fit For The Bin Records / Detour-Records.co.uk , Release Date: 09. August 2010 )
Ich kann mir nicht helfen, aber ich glaube, dass ich ihre Single-Songs „Operation Julie“ (wahrscheinlich ihr bester Song!) und „Switchcleaner“ schon mal vorher gehoert habe. Sofort beim ersten Antesten kamen mir die Lieder unheimlich bekannt vor, nur keine Ahnung, wo ich sie so schnell hin stecken soll. Auf jeden Fall tat das Label gut daran die 17-Track-CD zu veroeffentlichen. Obwohl die Band aus dem Suedwesten von London mit der Punk-Szene nie den direkten Kontakt suchte, waren sie mit ihrem extrem harten Sound wie geschaffen fuer diese spezielle Zeit, Ende der 70er. Schon seit 1975 machten Saenger Geoff Eate und Gitarrist Lawrie Mills Musik in ihrer ersten Band HOT COFFIN. Musikalische Einfluesse kamen von MOTORHEAD, MC5, THE STOOGES und VELVET UNDERGROUND. Ein Jahr spaeter rutschten sie dann einfach mit ihrem wunderbar primitiv ausgelegten Rock’n’Roll in die aufkommende pUnKrOcK-Bewegung hinein. Aber sie scherten sich dabei nicht um irgendwelche Regeln. Die langen Haare blieben dran und auch sonst wurde sich nur auf die Musik konzentriert. Mit „Raw Records“ war man in Verhandlungen fuer eine erste Single, aber leider wurde da nie was raus, weil deren Firmenchef sich zwar die Vorabknete krallte, aber sie ansonsten haengen liess. Die ausfuehrliche Geschichte dazu gibt es im Booklet nachzulesen. Vierzehn Lieder stammen 1979 aus den „Chestnut Studios“ von Frensham, Surrey. Die restlichen drei Songs wurden bereits 1977 im „R.G. Jones Studio“ von Morden aufgenommen. Also, fuer eine recht gute Qualitaet ist gesorgt.
Aus heutiger Sicht ist ihr Sound fuer mich der pure „KILLED BY DEATH“-pUnKrOcK, der aber nicht wirklich very british klang, sondern eher an US-Bands wie etwa CORPSE GRINDERS, THE BRATS, LEGIONNAIRES DISEASE oder THE TESTORS erinnert.
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DIE KASSIERER - „Physik” CD
DIE KASSIERER
„Physik” CD
( Teenage Rebel Records / Teenage-Rebel.de , Release Date: 24. September 2010 )
Die Kassierer aus der Proll-Metropole Wattenscheid, das war noch nie mein Geschmack. Als wir die damals Ende der 80er bei einen unserer Festivals im Duisburger „Old Daddy“ hatten, dachte ich nur, was haben wir uns denn da fuer einen hirnlosen-kranken Scheiss eingeladen. Die Band bewegt sich bis heute auf absolut niedrigem Niveau, aehnlich wie ihre LOKALMATADORE-Kumpels. In Kennerkreisen spricht man auch ehrfuerchtig von verkannten Genies. Denn die sind ja nicht doof, die tun ja nur so. Moderne Satire? Fuer alle? Wahrscheinlich! Na ja, das sehe ich komplett anders. Ich bespreche ja auch nicht die BALLERMANN-Hits Vol. 8123. Und die koennte mit „Physik“ vom Schwachsinnsgrad locker gleichziehen.
Noch was anderes: In der Jugend machte man ja viel Mist, worauf man teilweise aus heutiger Sicht sicherlich nur verstaendnislos den Kopf schuettelt. Dass die Kassierer aber wirklich nichts dazu gelernt haben beweist ein Auszug aus ihrer aktuellen Webpage. Ueber ihren Bassisten Mitch ist folgendes zu lesen: „Mitch ist ein Jaeger. Und alle anderen sind Wildbret fuer ihn. Schon als Kind steckte er Insekten in Einmachglaeser, uebergoss sie mit Spiritus und steckte sie an. Jahrelang fing er kleine Tiere, nur um sie mit Chemikalien, Rasiermessern, Nadeln und Feuer zu Tode zu quaelen.“ Nee, wat ist dat lustig......
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KLASSE KRIMINALE - „Oi! Una Storia” CD
KLASSE KRIMINALE
„Oi! Una Storia” CD
( Anfibio Records / New Music Distribution , Release Date: 13. August 2010 )
Das muss man den Oldtimern von Klasse Kriminale lassen. Auf ihrem neuen Album kommen die Italiener mit dem Opener „The Stylish Kids“ verdammt schmissig daher. Nix da mit hueftsteifen Oi!-Klaengen, nee nee, das geht schon ordentlich in die pUnK rOcK-Ecke. Allerdings zieht es mir dann am Ende des zweiten Track die Schuhe aus. Da singen die doch tatsaechlich fuer ein paar Sekunden zickezacke zickezacke Oi! Oi! Oi!. Was meint Wikipedia eigentlich dazu? Hier der O-Ton: „Zicke Zacke Zicke Zacke hoi hoi hoi ist ein Schlachtruf, der bei der Bundeswehr, unter Kirmesburschen, im Karneval und sonst beim gemeinsamen Alkoholgenuss als Trinklied Verwendung findet.“
Nun, nach diesem unglaublich bescheuerten Ausrutscher ist der Kuchen fuer mich eigentlich schon gegessen.
Jetzt erst faellt es so richtig auf, was mich an der Band eigentlich schon die ganze Zeit stoert. Klasse Kriminale verwenden bei ihren 14 Songs zu viele Passagen von ihren alten Helden, die eins zu eins original und zu Klischee behaftet uebernommen wurden. Die eigene Note von der Band rueckt dabei zu sehr in den Hintergrund. Also, bei so einer bequemen aber dafuer zugegebenermassen sehr perfekten Uebernahme, bleibe ich dann doch lieber bei den Originalen von COCK SPARRER, SHAM 69, THE RUTS, STIFF LITTLE FINGERS, ANGELIC UPSTARTS oder THE CLASH haengen. Man hat manchmal fast den Eindruck die spielen alte englische pUnKrOcK-Klassiker nur mit italienischen Text runter.
Trotz dieser Kritik bleibe ich am Ende im Zwiespalt, denn vor fuenfzehn Jahren haette ich hier bestimmt eine ziemlich ueberschwengliche Kritik abgeliefert.
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TONIGHT - „Drummer Man” CD
>>> RECORD OF THE MONTH <<<
TONIGHT
„Drummer Man” CD
( Angel Air Records / AngelAir.co.uk , Release Date: 06. September 2010 )
Da bin ich aber froh, das „Cherry Red“ sich nicht dieser CD angenommen hat, da ich mich vor einiger Zeit mit deren Promo-Abteilung hoffnungslos ueberworfen habe, mit dem Resultat das ich von dem Label nach fast 15 Jahren guter Zusammenarbeit nicht mehr bemustert werde. Ja so kann das gehen, wenn andere Personen ploetzlich denken, das Sagen zuhaben und sich auf praezise Anfragen nicht richtig artikulieren wollen oder koennen. Und erst dann mit der Sprache rausruecken, wenn das Schiffchen schon laengst auf dem Grund liegt. Okay, anderes Thema….
Den „Drummer Man“ hatte ich sofort wieder im Ohr, ihre zweite Single „Money (That’s Your Problem)“ ist damals allerdings irgendwie an mir vorbeigerauscht. Der schnelle Erfolg und das jaehe Ende lagen in den 70ern bei so vielen Bands dicht beieinander. Auch Tonight aus dem schoenen Southend in der Grafschaft Essex gelegen, erlebten diese Berg- und Talfahrt hautnah mit. Mit der ersten Single „Drummer Man“ stuermten sie die englischen Charts im Januar 1978 bis auf Platz 14 vor. Das bescherte ihnen einen „Top Of The Pops“-Auftritt vor einem Millionenpublikum. Glaenzender haette der Einstieg in die Weiten der Musikwelt nicht sein koennen. Der Begriff „Power-Pop“ machte die Runde. Im Mai dann kam schon ihre naechste Single auf den Markt. Allerdings schaffte es „Money (That’s Your Problem)“ nur bis auf Platz 66. Die Arbeiten am ersten Album lagen in vollen Zuegen, dann kam der grosse interne Machtkampf zwischen Management, Record-Label und Distributor. Man verlangte eine weitere „Top Twenty“ Hit-Single, bevor das Album veroeffentlicht werden sollte. Im Juli kam die dritte Single „Wheels“ raus. Sie bestand den Test nicht und tauchte erst gar nicht in den Charts auf. Und auch eine vierte Single brachte keine Besserung. Vor wenigen Monaten noch hochgejubelt, in einem Atemzug mit THE JAM und den BOOMTOWN RATS genannt, kam nun der freie Fall. Die Band wollte sich diesen Stress nicht laenger aussetzen. Und um aus dem Vertrag so unbeschadet wie moeglich raus zukommen, blieb ihnen nichts anderes uebrig, als die Band fuer offiziell beendet zu erklaeren. Die ganze Geschichte dazu ist im Booklet vom Bassisten der Band, Russ Strothard nachzulesen. Angereichert mit jeder Menge Fotos.
Auf dieser CD befinden sich insgesamt 12 Tracks, natuerlich alle fein re-mastered! Davon stammen die meisten Lieder von den Aufnahmen zu ihrem ersten nie veroeffentlichten Album.
Tonight waren nie so farblos wie etwa die Mod-Kollegen PURPLE HEARTS oder SECRET AFFAIR. Tonight waren auf jeden Fall einige Spuren haerter, so ganz kerniger 60ties Sound dringt durch, dabei einmal kurz durch die Punkrock-Mangel gedreht, so bleibt der gewuenschte Haertegrad aehnlich wie bei den RADIO STARS oder EDDIE & THE HOT RODS erhalten, obwohl die Songs unheimlich soft zu hoeren sind. Bei aller Melodik und Harmonie haben die Songs ihre Ecken und Kanten. Nicht gedacht, das mir diese CD dann am Ende doch so gut gefaellt. Auf jeden Fall, die Ueberraschung des Monates September.
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VIC GODARD & SUBWAY SECT - „We Come As Aliens” CD
VIC GODARD & SUBWAY SECT
„We Come As Aliens” CD
( Overground Records / OvergroundRecords.co.uk , Release Date: 11. Oktober 2010 )
Auf die Subway Sect kam ich noch nie klar. Nur ihre erste Single „Nobody’s Scared“ gefiel mir. Und das ist satte 32 Jahre her. Seitdem hat Saenger Vic Godard vieles ausprobiert und sich an allen moeglichen Stilrichtungen versucht. Er kann immer noch nicht singen, geschweige denn einen Takt halten. Macht er ja auch ganz bewusst und geht mit seinem Leierkasten bestimmt nicht nur mir gehoerig auf die Nerven. Dabei fallen mir automatisch Begriffe wie Chansons, SPEX, das Musikmagazin und Kunstschule ein, alles womit ich herzlich wenig anfangen kann. Genauso wie mit dieser CD hier. Und wenn da zehnmal Paul Cook mitspielt, das ist nichts weiter als arroganter Schnoesel-Elitepunk.
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VICTOR DRAGO - s/t CD
VICTOR DRAGO
s/t CD
( Only Fit For The Bin Records / Detour-Records.co.uk , Release Date: 19. July 2010 )
Ziemlich obskure Release mit der ich ueber weite Strecken nicht viel anfangen kann. Victor Drago kamen aus dem Oertchen Rossendale, nordwestlich in England gelegen. Das erklaert wohl auch, dass sie Anfang der 80er in Manchester oefters in den legendaeren Clubs wie „The Hacienda“, „The Gallery“ und „The Factory“ auftraten, oder aber auch im nicht minder bekannten „Eric’s“ von Liverpool. Sogar als support hatten sie einigen Auftritte mit JOY DIVISION zusammen bestritten. Musikalisch kam in ihrer aktiven Zeit vinyl-technisch nie etwas raus. Alles beschraenkte sich auf ein paar Demo-Versionen aus den Jahren ’79 bis ’83, die hier vollstaendig versammelt sind. Mit dem Track „Carbohydrate“ startet die 10-Song-CD eigentlich ganz gut los. Aber ihr Duester-Sound wird mir auf Dauer doch zu langweilig. Da passiert nicht wirklich viel. Wuerde mich nicht wundern, wenn die nach ihrer Zeit in der Band alle auf der Kunstschule gelandet waeren.
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