* * * * * * Real Classic! , * * * * * Great Stuff! , * * * * Very Good! , * * * O.K. , * * Poor! , * Real Bullshit!

 

Hier nun das erste Update fuer 2011. Wie immer, besprochen von Ralf Real Shock.

THE CUTE LEPERS - „Adventure Time” CD
THE CUTE LEPERS
„Adventure Time” CD
( Damaged Goods Records / DamagedGoods.co.uk , Release Date: 04. April 2011 )

Drei Alben innerhalb von nur knapp drei Jahren zu veroeffentlichen und dabei auch noch ganz locker die musikalische Standardklasse weitaus mehr als nur normalerweise gerecht zu werden, das gibt es heute wirklich nur noch sehr selten anzutreffen. Aber die Band von den Chef-Songwritern Steve E. Nix und Kicks hat um sich herum auch eine sehr junge pUnKrOcK-Bande geschart, die die musikalischen Vorgaben der ehemaligen BRIEFS-pUnKs exzellent umsetzen kann. Und so klingt auch das neue Album mit seinen 12 Tracks frisch + frei von der Leber weg. Drollig finde ich uebrigens, dass Duncan „Kid“ Reid von THE BOYS diesmal der Band tatsaechlich einen Song geschrieben hat! „77“ heisst das guete Stueck, was zwar zu den Highlights gehoert, aber sicherlich nicht mit ihrem Knaller „You Don’t Have To Belong To The Religious Right“ von ihrer letzten Platte konkurrieren kann. Zur Gedaechtnisauffrischung noch einmal einen Auszug aus meiner Review zur „Smart Accessories“-CD vom Januar 2010: „….klingelt es ploetzlich an der Haustuer und ein zutiefst beleidigter Kid Reid von THE BOYS steht vor mir und meint: „RealShock, hoer dir nur mal Track 4 an! Das ist der BOYS-Song, den ich seit unserem Konzert 2001 in Duesseldorf immer schreiben wollte.“ Sagt es und zieht mit grimmiger Miene wieder ab. Natuerlich stand kein Kid Reid vor meiner Tuer, aber wenn man sich „You Don’t Have To Belong To The Religious Right“ genauer anhoert, meint man wirklich, die BOYS stehen vor der Tuer. Hier klingt Steve E. Nix auch nicht mehr wie Olga von den TOY DOLLS, sondern eben wie ein Duncan „Kid“ Reid.“
Nun, das die Cute Lepers eine gute Band ist, steht ausser Frage. Ihre Musik ist angenehm zu hoeren, doch das echte Zugpferd fehlt nun mal. Vielleicht klappt es ja dann mit ihrem vierten Album, mit dem wir bestimmt Anfang 2012 rechnen koennen.
( * * * * + )

THE DISRUPTERS - „Generation Retard” CD
THE DISRUPTERS
„Generation Retard” CD
( Overground Records / OvergroundRecords.co.uk , Release Date: 21. Februar 2011 )

Viele ehemalige anarchistisch angehauchte Hardcore-Bands aus den 80ern drifteten mit zunehmendem Alter immer mehr ins unappetitliche HeavyMetal-Gefilde ab. So auch die Disrupters aus dem englischen Norwich, die es auf ihre alten Tage auch noch mal mit einem Comeback-Album versuchen. Der SingSang klingt ein wenig wie Wattie mit Watte in den Ohren, der begleitende musikalische Rahmen formt sich zu einer nicht gerade viel versprechenden Kreuzung aus heutigen EXPLOITED- und GBH-Klaengen. Nichts, was mich auch nur im Ansatz begeistern koennte.
( * * )

GENEPOOL - „Spalter” CD
GENEPOOL
„Spalter” CD
( Rookie Records / RookieRecords.de , Release Date: 25. Maerz 2011 )

Genepool macht jetzt auf schicken Designer-Wave-Punk. Ist hier die Fashion Week ausgebrochen oder wat? Auf den heftig-harten Gitarrensound vom ziemlich abgefahrenen Vorgaenger „Lauf! Lauf!“ wurde komplett verzichtet. Jetzt wird die Musik von Genepool nur noch kuenstlich beamtet, angeschlossen an einem stoischen Synthesizer, der die Frequenzen der Eitelkeiten misst. So leblos, wie die Mager-Models auf dem Laufsteg.
( * * )

SCREECHING WEASEL - „Television City Dream” CD
SCREECHING WEASEL
„Television City Dream” CD
( Fat Wreck Chords / FatWreck.com , Release Date: 09. November 2010 )

Auch „Fat Wreck“ ist seit geraumer Zeit auf digitale Bemusterung umgestiegen, so dass ich im Gegenzug auch nicht mehr bereit bin, jede neue Scheibe von dem Label zu besprechen. Somit gingen so einige Releases von NOFX, REAL McKENZIES oder GOOD RIDDANCE an mir vorbei. Erschienen mir eben nicht so wichtig. Ausnahmen bestaetigen natuerlich die Regel. Und so eine Ausnahme ist gewiss dieses Album hier, was nun als Re-Mix/Re-Mastering inklusive fuenf bisher unveroeffentlichte Tracks aus der damaligen Album-Session neu aufgelegt wurde. Das macht mehr als Sinn, fuer mich irgendwie unerklaerlich warum die nicht schon damals, 1998 bei der ersten Veroeffentlichung mit draufgepackt wurden. Durch den neuen re-masterten Mix klingt alles noch eine Spur voller und satter. Was so eine Technik im Studio 12 Jahre spaeter alles ausmachen kann. Ist schon bemerkenswert! So kann man die Songs fuer sich einfach noch einmal voellig neu entdecken. Und ich bin am Ende ueberrascht, wie gut mir doch diese Platte und die Screeching Weasel im Allgemeinen immer noch gefallen.
( * * * * * )

SECRET AFFAIR - „Mod Singles Collection” CD
SECRET AFFAIR
„Mod Singles Collection” CD
( Captain Mod Records / CaptainOi.com , Release Date: 15. November 2010 )

Nun ja, mit Secret Affair stand ich ja schon immer auf Kriegsfuss, da mir ihr Mod-PowerPop-Komplett-Paket immer viel zu seicht und harmlos erschien. Auf dieser 21-Song-CD kommt erst zum Ende so richtig Leben in die Bude. Denn als Bonus-Tracks gibt es die beiden 7inches der grandiosen Vorgaenger-Band NEW HEARTS zu hoeren. Schoener schneller Punk-Pop, so wie es ’77 + ’78 in England halt ueblich war. Mit ihrer Debuet-Single „Just Another Teenage Anthem“ hatte die Band bereits ihr Meisterstueck abgeliefert! Die letzten beiden Tracks der CD wurden 2006 eingespielt und waren bisher unveroeffentlicht gewesen. Zu meiner Ueberraschung fand ich davon „Land Of Hope“ auf Anhieb sympathisch. Gradlinig, keine unnoetigen Schnoerkel, fein im Beat-Punk gehalten, untermalt von einem satten Gitarren-Sound. Da kommt die Frage auf, warum hat die Band das nicht schon gemacht, als sie mit „Time For Action“ in ihrer Bluetezeit stand? Da reichte es bei den Studioaufnahmen immer nur zu einer Klimper-Klimper Schonkost-Gitarre. Bemerkenswert ist trotz allem aber noch das zauberhaft aufbereitete Booklet mit jeder Menge an Fotos und Details zur Geschichte der Band.
( * * * )

 

SPASMS - „Return Of The Spud Gun Kids” CD
SPASMS
„Return Of The Spud Gun Kids” CD
( Only Fit For The Bin Records Records / Detour-Records.co.uk , Release Date: 21. Februar 2011 )

Dadurch, dass die Gitarren ausgiebig fuer kleine Solo-Parts herhalten muessen, sind fast alle 14 Tracks ungewoehnlich lang geworden. Die besten Songs bleiben dann auch tatsaechlich die beiden Single-Tracks. Hier ist die Studioqualitaet auch gleich um einiges besser, wobei die A-Seite „It Never Happens Like It Does On The Telly“ einen verdammt guten Refrain besitzt und der Song an sich noch ein wenig ausbaufaehiger gewesen waere. Die Single, die uebrigens 1980 in einer limitierten 500er-Auflage auf dem „Ellie Jay“-Label erschienen war, ging im Dezember des letzten Jahres bei eBay fuer „nur“ knapp 22,00 EUR ueber den Tisch. Die vier Bubis von Spasms, die aus dem abgelegenen Dorf Tupton (bei Chesterfield) kamen, hinterlassen bei mir eh den Eindruck, als wenn man sie waehrend ihrer experimentierfreudigen Phase ueberrascht haette. Erstaunlich gut entwickelt sich dann „Where I’ve Been“, was sehr ruhig gehalten ist, mit direkt einpraegsamen Gitarrenspiel. Beim nachfolgendem „I’ve Been There“ entwickelt die Band weitere ungeahnte Faehigkeiten, das Intro aehnelt ein wenig dem von TV21’s „Snakes And Ladders“. Und irgendwie koennte es auch eine voellig obskure sehr fruehe Proberaumaufnahme von fuckin’ U2 sein! Ich geh mal davon aus, dass gerade die letzten Tracks der 14-Song-CD aus ihrer spaeteren Phase von ’81 bis ’82 stammen. Die Musik wirkt ausgereifter und man kommt teilweise einfach schneller auf den Punkt. Nach den eher recht schwachen Leistungen bei den naechsten zwei Songs nimmt die Qualitaet mit „Went Back Again“ + „What Have They Done“ wieder an Fahrt auf. Als poppigen Post-Punk waeren die spaeteren Werke der Band wohl am besten zu umschreiben. Die ersten Songs, die die Band einspielte geben wiederum sehr gut die unbekuemmerte pUnKrOcK-Stimmung von einst wieder.
( * * * * )

SWINGIN' UTTERS - „Taking The Long Way” 7”inch 3-song.e.p.
SWINGIN’ UTTERS
„Taking The Long Way” 7”inch 3-song.e.p.
( Fat Wreck Chords / FatWreck.com , Release Date: 23. November 2010 )

Die Vorboten zum neuen Album „Here, Under Protest“, was Ende April erscheinen wird. Nun, bei den Utters hat sich nach beinahe achtjaehriger Studio-Abstinenz musikalisch absolut nichts veraendert. Man vertraut weiterhin auf melodischen pUnKrOcK, ohne die grosse Ueberraschung zu setzen. Das geht fuer mich auf jeden Fall immer noch schwer in Ordnung.
( * * * + )
 

TRASH - „This Is Complete Trash!” CD
TRASH
„This Is Complete Trash!” CD
( Only Fit For The Bin Records Records / Detour-Records.co.uk , Release Date: 14. Februar 2011 )

Natuerlich ist mir die englische Band Trash – die sich tatsaechlich nach dem NEW YORK DOLLS-Song benannten – noch ein Begriff! Hatten sie doch in den 70ern auf „Polydor Records“ zwei 7inches veroeffentlicht, die bei mir bis heute im Regal stehen. Okay, ich muss zugeben, ich hab den Stuff schon lange nicht mehr gehoert, aber erkannte dann beim Einlegen der CD sofort die A-Seite „Priorities“ von der ersten Single aus dem Jahre 1977 wieder. Und das ist dann auch gleichzeitig der beste Track dieser 11-Song-CD. Die vier Single-Tracks wurden leider nur von den Vinylscheiben abgenommen, da man anscheinend nicht mehr an die Originalbaender rankam. Anschliessend wurden sie dann wie auch die restlichen Lieder digital ueberarbeitet, was aber die Qualitaet an sich nicht sonderlich steigert. Neben den beiden Singles sind auch zum ersten Mal ueberhaupt die beiden Songs „In On All The Secrets“ + „What Do You Think About That?“ zu hoeren, die eigentlich fuer die dritte Single vorgesehen waren. Aufgenommen wurde 1979 in den „Surrey Sounds Studios“ vom Produzenten Nigel Gray, der uebrigens auch fuer einige fruehe Alben von THE POLICE + SIOUXSIE & THE BANSHESS verantwortlich war. Ausserdem produzierte er auch das PROFESSIONALS-Album von Steve Jones + Paul Cook. Das sei nur am Rande erwaehnt. Trotz diesem kleinen Bonus konnte sich die Band Trash nicht behaupten und kurz nach den Aufnahmen beendete die Band ihre musikalischen Aktivitaeten. Angefangen hatten Trash urspruenglich Ende 1976 mit den Co-Leadsaengern, Simon Wright + Jane Wimble. Doch Jane stieg nach ein paar Monaten wieder aus und Simon uebernahm nun komplett den Gesang. Obwohl ihr Sound heute eher als gemuetlicher Pub-Rock der Marke EDDIE & THE HOT RODS durchgehen wuerde, war das frueher schon als eine ganze Ecke haerter anzusiedeln, da der pUnK rOcK-Faktor doch immer wieder gut zum Vorschein kam. Als Paradebeispiel gilt sicherlich das schon erwaehnte „Priorities“. Das ist klassischer „KILLED BY DEATH“-pUnKrOcK, Made in the U.K. of 1-9-7-7! Die anderen Songs bleiben im direkten Gegensatz dann doch relativ unauffaellig im Hintergrund.
( * * * + )

U.K. SUBS - „Work In Progress” CD
U.K. SUBS
„Work In Progress” CD
( Captain Oi! Records / CaptainOi.com , Release Date: Januar 2011 )

Nach neun Jahren praesentiert Charlie Harper mal wieder ein neues Studio-Album. Mal abgesehen von dem absolut billigen Totenkopf-Iro-Punker-Cover stelle ich zu meiner Ueberraschung fest, dass dieses Album rein musikalisch eindrucksvollere Spuren hinterlaesst, als noch der Vorgaenger „Universal“. Das liegt wahrscheinlich auch daran, dass ihr Gitarrist Jet die Original-Subs-Gitarre aus den 70ern raushaut. Hinzukommt das mit unfassbaren fast 70 Jahren Charlie’s Stimme nicht wirklich alt klingt. Und so geht es ab in die Vollen. Offensive Auftakte bescheren uns die ersten beiden Tracks „Creation“ + „Tokyo Rose“. Hinterher geht dem neuen Album zwar die Puste etwas aus, aber das ist ja in der heutigen Zeit nichts Neues mehr, weil es schier unmoeglich geworden ist, einen ganzen Sack an tollen Songs auf eine einzige Scheibe zu knallen. Aber das erwartet sicherlich heute keiner mehr so richtig! Sehr gut kommt noch „All Blurs Into One“ weg, da es sich um eine etwas ungewoehnliche Komposition der Subs handelt, die die Band auf ihre Art und Weise gekonnt meistert. Lars Frederiksen von RANCID steuerte mit „This Chaos“ eine Co-Produktion als Schreiber bei, aber der Song gehoert eigentlich zu den schwaecheren Leistungen und faellt somit nicht weiter ins Gewicht. Trotz der erwaehnten Schwachpunkte eine gelungene Vorstellung von Charlie Harper & seiner Band.
( * * * * )