18. September 2000
SLAUGHTER & THE DOGS
„AZ“ / Muelheim

Schon scheisse, da hab ich vier Wochen Urlaub und kein wirklich interessantes Konzert weit und breit in der Gegend. Kaum bin ich wieder den ersten Tag morgens um 3.30 Uhr auf den Beinen spielt abends eine Band, die 1977 fuer mich Punkrock-Geschichte geschrieben hat.
Als feststand das die Schlaechter sich fuer wenige Dates in Germany auf Tour begeben wuerden, war ich nicht ganz sicher, ob ich lachen oder weinen sollte. Denn diese Art der Praesentation war ich bisher immer mit Erfolg fern geblieben, schliesslich wollte ich mir nicht das gute Bild, was viele Bands aus dem Jahre 1977 hinterlassen hatten, mit einer desolaten Vorstellung zerstoeren lassen.
Doch auf der anderen Seite war ich auch etwas neugieriger geworden und das sie unten in der Stadt spielten machte die Sache natuerlich auch noch um einiges schmackhafter.
Doch den eigentlich Anstoss mich dann fuer den Abend ausgehfein zumachen versetzte mir Johnny Ringo mit seinem Anruf. Er hatte sie in Berlin gesehen und seine Berichterstattung war durchaus positiv.
Slaughter & The Dogs waren fuer mich im Jahre 1977 eine Ueberband! Ich weiss noch genau, wie ich damals vorm Radio hing, als Sonntags um 19.00 Uhr auf WDR 2 die Radiothek mit Winfried Trenkler lief. Sommer´77, Winnie, die alte Socke, war die Woche zuvor in London Town gewesen und hatte jede Menge Punkscheiben mitgeschleppt, die er dann zum groessten Teil mit schwerer Begeisterung zwei Stunden lang im Radio spielte. Darunter war auch der „Roxy London WC 2“-Sampler, den er fast komplett spielte. Die Woche drauf machte er ein zweites Punk-Special, wo auch wieder Slaughter & The Dogs ´ne wichtige Position einnahmen. Dieser Sommer war echt cool! In den Ferien sind wir dann zu unseren Verwandten gereist und ich hatte die Cassette mit den ganzen Punk-Aufnahmen dabei. Mein Cousin damals war knapp vier Jahre alt und ich spielte ihm das Stueck „Boston Babies“ vor. Er bekam sofort riesige grosse angsterfuellte Augen, hielt sich mit beiden Haenden die Ohren zu und schrie wie verrueckt: „Mach das aus!!! Buuuuhhhhhhhhh!!!!!!!!“ Ich wollte ihn eigentlich gar nicht damit aergern, sondern ich wollte es ihm einfach nur mal so vorspielen. Wahrscheinlich hat er einen Schreck fuers Leben bekommen und in spaeteren Jahren um Punks einen riesengrossen Bogen gemacht.
Nun, aber zurueck zum Ort des Geschehens. 250 limitierte Karten gab es im Vorverkauf, doch es war Montag und ich konnte mir einfach nicht vorstellen, das echt so viele Leute dort hingehen. Auf gut Glueck also hin, und vorm Laden tummelte sich zwar doch so einiges, und es war fuer einen Montag doch recht gut besucht. Ich kippte mir einige Flaschen Bier hinter die Binde, verpasste die Vorband und stiefelte irgendwann dann gutgelaunt an die Front. Dann kamen die Chefs auf die Buehne und ich erkannte sofort den Originalgitarristen Mike Rossi, die halbe Miete also. Beim Saenger war ich mir nicht sicher, aber als dann der erste Ton von seinen Lippen kam, war mir sofort klar, das ist der Originalmann, Wayne Barrett. Ich weiss nicht, mit welchem Stueck sie ihren Set eroeffneten, aber ich schraubte mich automatisch zu den ersten Takten in die Hoehe. Ich hatte ueberhaupt nichts erwartet und wurde mehr als nur positiv ueberrascht. Waehrend des Gigs liessen sich die Herrschaften sogar Spukattacken gefallen. Da waeren ganz andere Typen sofort von der Buehne gegangen. Gobbing in 2000? Unglaublich! Die Band spielte alles was man verlangte, und das total cool und professionell runter. Vorne ging gut der Pogo ab, kein aggressives Arschloch dazwischen, der solch einen Mob binnen weniger Sekunden in Stuecke fetzen konnte. Doch dann irgendwann so ziemlich am Ende des Konzertes wurde der ziemlich angetrunkene Dan Crashed, der einfach nur da stand und glueckselig vor sich hin grinste, von einer bloeden stinkenden besoffenen Assel zu Boden gerissen. Bei dieser feigen Attacke gingen bei mir saemtliche Lampen an. Ich sah mir die Assel an und dachte sofort, das ist einer der will nur Aerger machen. Ich half Dan wieder auf, versuchte mich dazwischen zustellen und Ruhe war. Zwischendurch versuchte er mich dann auch zu zupfen, was ich erfolgreich abwehren konnte. Klar, ich wurde sofort aggressiv, weil ich solche Spacken auf den Tod nicht abkann. Ploetzlich standen zwischen uns einige Dutzend Leute. Sah wohl so aus, als wenn die Situation eskalieren wuerde. Am liebsten haette ich den jungen Kerl in Stuecke zerfetzt, aber dann wuerde ich jetzt nicht hier am Computer sitzen und den Bericht in die Tasten hauen, sondern ich wuerde im Knast wegen versuchten Mordes sitzen. Aber ich hab bis zu einem gewissen Grad meinen Jaehzorn gut unter Kontrolle, aber wenn der einmal ueberschritten ist, kenne ich keine Verwandten mehr. Das ist mir in meinem Leben gottseidank nur einmal passiert und der Typ sah hinterher aus wie durch den Fleischwolf gedreht.
Spaeter dann stand der Arsch dann draussen, ich lief an ihm vorbei, er war dicht wie Zange und ich haette ihm leicht eine in die Fresse boxen koennen. Aber da war meine Wut schon wieder laengst verpufft. Ausserdem steh ich nicht so auf Schlaegereien.
„Haette ich gewusst das es noch so viele Punks hier in Deutschland gibt, waeren wir frueher auf Tour gekommen.“, meinte Saenger Wayne zwischen den Songs. Naja, irgendwie kam es doch glaubwuerdig rueber und ich nahm es ihm ab, denn die Band gab wirklich alles. Mr. Rossi war eins mit seinem Instrument, der Bassist hingegen schaute ab und zu ein wenig nachdenklich drein.
Dann „Johnny T.“, als letzter Song. Kurze Verschnaufpause, es folgten zwei Zugaben und danach verabschiedete sich die Band artig vom Publikum.

Bericht und Fotos von RALF REAL SHOCK
( Original aus "3RD Generation Nation" No. 21, Fruehjahr 2001 )

Wayne Barrett und Mike Rossi

Mike Rossi - WE DON´T CARE!                           Wayne Barrett - YOU´RE A BORE!

Wayne And Mike - TWO HAPPY SLAUGHTERS!

Wayne - KEEP ON TRYING!                Mike - Where Have All The Boot Boys Gone?