20. Mai 2003
THE UNDERTONES
„Prime Club“ / Koeln

Das Konzert in Koeln war zu meiner grossen Verwunderung nur recht mager besucht. Auch kaum bekannte Leute angetroffen, was die ganze Sache fuer mich natuerlich unverfaenglicher machte. Inkognito in Koeln. Auch nicht schlecht. Einen aelteren Typ mit coolen REZILLOS-Shirt gesichtet. Yep, die muessten es auch noch mal nach Deutschland schaffen.
Die Undertones hatte ich in jungen Jahren nie live sehen koennen. Bevor es aber losgehen sollte, konnte ich schon mal einen kleinen Blick auf die Set-Liste erhaschen, die sich der Mischer an seinem Pult bereitgelegt hatte. Und die sah recht viel versprechend aus.
Meine aktuelle Devise lautet in Bezug auf „Fotos machen“ – sofort den Job bei den ersten drei vier Liedern erledigen und sich dann ganz auf das Konzert konzentrieren. Gesagt, getan. Ich marschierte, nachdem die Pausenmusik zum Ende hin tendierte – in Richtung Buehne. Quetschte mich aeussert elegant mit meinem Astralkoerper durch die spaerlichen Reihen von zumeist Ende 30er-Halbplaetten und nahm am rechten Buehnenrand meine Position ein. Das Schildchen „Reserviert fuer Real Shock“ legte ich behutsam zur Seite.
Kurz darauf betraten die irischen Lausejungs mit dem Dauergrinser Michael Bradley am Bass die kleine feine Arena.
Mit „Jimmy Jimmy“ wurde das Publikum zur Begruessung auf einen aeussert genialen Abend eingestimmt. Das kann ich ruhig vorweg nehmen.
Auf den stimmlichen Ersatz der beleidigten Leberwurst Fergal Sharkey, Paul McLoone, war ich natuerlich sehr gespannt und ich muss vom ersten Augenblick ohne jegliche Einwaende anerkennen, das er eine aehnliche Stimme, wie unser Fergal hatte und dies auch nicht aufgesetzt rueberkam, sondern so, als wenn er schon seit Ewigkeiten mit der Band unterwegs waere.
Einige Songs wurden zwar etwas langsam gespielt wie etwa der Klassiker „My Perfect Cousin“, aber die Grundessenz stimmte ganz einfach. Im direkten Gegenzug kamen Songs wie etwa „Male Model“ oder „Here Comes The Summer“ erstaunlich rau und schoen Ende ´70er-pUnK(ig) rueber.
Ich glaub an den fuenf Jungs aus Derry wird ewig dieses Spitzbuben-Image haften bleiben. Sie sind natuerlich aelter geworden, aber irgendwie spuerte man doch, das sie den Schalck immer noch schwer im Nacken sitzen haben.
Diese unvergleichliche Buehnen-Haltung der beiden O´Neill-Gitarristen – ein Genuss fuer sich!!! - und Bassist Michael hatte zudem immer einen guten Entertainer-Spruch auf Lager. Paul hingegen erwies sich als sehr agiler Saenger, sprang durch die Gegend und beanspruchte die Mitte der Buehne fuer sich ganz allein.
Das Konzert wurde aufgrund der zahlreichen aelteren Punk-Semester im Publikum zu einem wirklich sehr angenehmen Erlebnis. Die wissen halt was gut ist und feierten die Band gnadenlos ab.
Es wurde fast die komplette erste LP runtergespielt. Bei den Hits steigerte sich die Stimmung unter den Leuten und bei „Teenage Kicks“ ertappte ich mich sogar beim Mitsingen. Yep, der Siedepunkt war erreicht. Es ist eben doch was voellig anderes, wenn die Schoepfer selbst ihre Klassiker vor einem spielen. Die Undertones sind eine absolut sympathische Band geblieben. Auch wurden zwischen den Old Faves einige neue Songs eingebettet, wie z.b die erste fantastische aktuelle Single „Thrill Me“, die ich mir clevererweise vorab beim Verkaufsstand gesichert hatte, und die man so viel ich weiss nur exklusiv auf Gigs und ueber „Rough Trade“ in London bekommt.
Kurz vorm Start ihrer Mini-Tour durch Deutschland waren sie auch bei John Peel und haben dort fuenf neue Songs fuer eine Session eingespielt. Eine LP ist in Planung bzw. die Aufnahmen sind so gut wie abgeschlossen.
Zwei Zugaben, „Jump Boys“ und „Mars Bars“. Dann war Schluss. Ein superguter Konzertabend hatte sich dem Ende geneigt. Und wieder mal komme ich zu der Ueberzeugung das so manche uebriggebliebene Band aus den Anfangstagen, heutigen aktuellen Bands immer noch locker den Schneid abkaufen koennen. Gelernt ist eben gelernt.

  Bericht und Fotos von RALF REAL SHOCK
( ueberarbeitetes Original aus "3RD Generation Nation" No. 26, Herbst 2003 )

Saenger Paul McLoone                         Gitarrist Damian O´Neill

Schlagzeuger Billy Doherty

Bassist Michael Bradley                       Gitarrist John O´Neill

the Paul Session (Part One)                the Paul Session (Part Two)

the Paul Session (Part Three)